Startseite
Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews >

CoD Advanced Warfare: Zielsichere Amerikaner beherrschen die Ballerspiel-WM

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Call of Duty: Advanced Warfare  

Zielsichere Amerikaner beherrschen die Ballerspiel-WM

14.04.2015, 14:50 Uhr | Sönke Siemens, Medienagentur plassma

CoD Advanced Warfare: Zielsichere Amerikaner beherrschen die Ballerspiel-WM. CoD Advanced Warfare: Action beim Titelkampf in LA (Quelle: Medienagentur plassma)

CoD Advanced Warfare: Action beim Titelkampf in LA (Quelle: Medienagentur plassma)

Im März 2015 war es wieder soweit: Zum nunmehr dritten Mal trafen sich die 32 besten "Call of Duty"-Teams der Welt in Los Angeles, um in "Call of Duty: Advanced Warfare" auf der Xbox One den neuen E-Sport-Champion unter sich zu ermitteln. Dabei beliefen sich die Preisgelder zusammengenommen auf eine Million US-Dollar. Anreiz genug also für die insgesamt 128 Spieler, wirklich alles zu geben. Wir waren live vor Ort in der US-Westküstenmetropole und erlebte eine Veranstaltung, die endlich das bot, was in den Vorjahren so schmerzlich vermisst wurde: Ein fachkundiges, restlos begeistertes Publikum, das dem Spektakel erstmals auch vor Ort den richtigen Rahmen gab und nicht nur als virtuelle Größe per Internet-Livestream angedockt war.

Die Zuschauer machen den Unterschied

Der Veranstaltungsort - ein riesiges Zelt auf einem Parkhausdach unweit entfernt vom Los Angeles Convention Center - versprühte zwar auf den ersten Blick wenig WM-Flair, doch nach dem Betreten der heiligen Hallen änderte sich dies schlagartig. Denn Publisher Activision und Hauptsponsor Microsoft hatten endlich dort nachgebessert, wo der Schuh bisher am meisten drückte. Wurde in den vergangenen Jahren nur teilnehmenden Spielern und Medienvertretern der Zugang zur Veranstaltung gewährt, dürfen dieses Mal erstmals auch die Ego-Shooter-Fans - sofern über 18 Jahre alt und imstande, die zu gesalzenen Preis von 50 bis 100 Dollar im Vorverkauf angebotenen Tickets zu erwerben - mit von der Partie sein. Ergebnis? Schon am ersten der insgesamt drei Turniertage war die Atmosphäre in einigen Vorrunden-Spielen zum Schneiden dicht und die zentrale Zuschauertribüne mit ihren über 2000 Plätzen regelmäßig prall gefüllt.

Eine neue Generation Superstars

Vor allem die vier Jungs vom amerikanischen Team OpTic Gaming wurden teils frenetisch bejubelt und mit Sprechchören angefeuert. Kein Wunder, schließlich hat das Quartett um den 22-jährigen Call of Duty-Profi Matthew "NaDeSHot" Haag die letzten drei großen CoD-Events in den Staaten mit Bravour für sich entschieden. Woher die Begeisterung rührt, zeigt ein Blick auf die verschiedenen Social-Media-Kanäle des Publikumslieblings. Allein auf Facebook folgen NaDeSHot über 405.000 Personen, auf Twitter sind es 1,08 Millionen, auf Youtube bringt er es gar auf 1,73 Millionen Abonnenten seines Kanals.

Kurz gesagt: In der "Call of Duty" E-Sport-Szene zählt Haag zweifelsohne zu den Superstars und kann mit "Red Bull" und Hightech-Headset-Hersteller "Astro" zudem zwei sehr renommierte Sponsoren vorweisen. Und auch sonst wissen er und seine Truppe sich zu vermarkten. Auf der Team-Homepage findet sich zum Beispiel ein virtueller Fanartikel-Laden für Sticker, T-Shirts, Pullover, Rucksäcke und mehr. Preisspanne: Zwischen 7,50 und 125 Dollar.

Uplink: Der Garant für Hochspannung

So betrachtet wirken die Teilnehmer der immerhin zwei anwesenden deutschen Teams - FAB eSports und UX Gaming - wie ziemliche Newcomer. Dass sich aber auch um ihre Spielstationen am Vorrundentag immer wieder größere Menschentrauben bilden, spricht für die spielerische Qualität der Teams und die damit einhergehende Spannung.

Letztere steigt vor allem dann, wenn abseits der etwas angestaubten Standard-Spielmodi "Hardpoint" (ein Areal beschützen), "Search & Destroy" (Bombe entschärfen oder zünden) und "Capture the Flag" (Flaggenklau) mal wieder eine Partie "Uplink" auf der Agenda steht. Aufgabe hier: Die sich duellierenden Teams kämpfen um einen kugelförmigen Satelliten, den es in eine schwebende Sphäre innerhalb der gegnerischen Basis zu verfrachten gilt. Adrenalin pur - nicht zuletzt, weil selbst nicht eingeweihte Zuschauer das Konzept sofort begreifen und Parallelen zu Fußball oder Basketball unverkennbar sind.

Jetpacks sorgen für Wow-Momente

Ein weiterer Grund, warum das Zuschauen dieses Jahr besonders viel Laune macht, sind die mit "Advanced Warfare" eingeführten Jetpacks auf dem Rücken der virtuellen Athleten. Statt wie in den Vorjahren im Sauseschritt durch die verwinkelten Areale der insgesamt neun Turnierkarten zu preschen, fliegen die Profis diesmal förmlich durch die Level - und das, obwohl die Schubdüsen der Kampfanzüge oft nur für wenige Augenblicke Leistung bringen und dann wieder aufgeladen werden müssen.

Immer wieder sieht man waghalsige Ausweichmanöver, die so geschickt ausgeführt werden, dass der Gejagte selbst zum Jäger wird und urplötzlich Sekunden hinter seinem Gegner auftaucht. Irre! Und wenn die Kommentatoren - die sogenannten "COD-Caster" - dann auch noch den hektischen Headset-Funk der Teilnehmer auf das beeindruckende Sound-System der Großleinwand übertragen, ist der Nervenkitzel nicht nur für Kenner der Materie perfekt.

Amerikanische Teams uneinholbar?

Doch neue Spielmodi und Jetpacks hin oder her, beim Turnierverlauf zeichnet sich ein ähnliches Bild ab wie in den vergangenen Jahren. Nach dem ersten Spieltag mischen nur noch drei Nicht-US-Teams im Kader der besten 16 mit: Gamers2 aus Spanien, Aware Gaming aus Großbritannien sowie Team Mindfreak aus Australien, welche am Ende immerhin Sechster werden und 50.000 US-Dollar einstreichen. Die deutschen Favoriten, FAB eSports, blieben dagegen weit hinter den Erwartungen zurück. Was sicherlich auch ein bisschen daran liegt, dass ihr Top-Spieler Massi "GunElite" Safi aufgrund eines verzögerten Flugs erst mit vielen Stunden Verspätung in LA eintrifft - zusammen mit einer Zeitverschiebung von neun Stunden und dem kaum zu vermeidenden Jetlag bei USA-Reisen keine guten Voraussetzung für einen erholten Start ins Turnier.

Zitat von Massi, als eigentlich schon alles vorbei ist: "Ich weiß nicht mal, wer ich selbst war. In den letzten 48 Stunden habe ich gerade mal drei Stunden geschlafen." Möglicherweise hätten Activision und Microsoft solche "Ausfälle" durch ein früheres Einfliegen der europäischen Teams vermeiden können, bei einer Fußball-WM sind die Mannschaften schließlich auch schon viele Tage vorher im Austragungsland, um sich zu akklimatisieren.

Bessere Grundvoraussetzungen für US-E-Sportler

Doch erklären solche Probleme plausibel die Dominanz der Amerikaner? Nein. Die Realität sieht vielmehr so aus, dass die US-Teams zuhause oft deutlich bessere Trainingsbedingungen vorfinden. Viele Top-Teams verfügen über eigene Vereinshäuser, in denen sie ungestört von allen Verpflichtungen mit ihren Kameraden jeden Schachzug auf dem Schlachtfeld bis zur Perfektion einstudieren können. Nicht zu vergessen prominente Sponsoren, die viele Unkosten tragen sowie ein riesiger Fundus an begeisterten "Call of Duty"-Spielern, aus denen solche Teams praktisch am laufenden Band neue Stars rekrutieren können.

Und noch ein Aspekt spielt eine entscheidende Rolle: Durch regelmäßige Teilnahmen an diversen Events mit lukrativen Preisgeldern können zahlreiche US-Profispieler ihren Lebensunterhalt mittlerweile blendend selbst finanzieren. Was wiederum mit einer entsprechend höherer Turniererfahrung einhergeht. Die Folge dieses Trends: Einzelne Profiteams aus Europa wandern bereits in die USA aus.

Die Gala der Underdogs

Für einige echte Sensationen ist die Endrunde dann aber trotzdem gut. Denn mit OpTic Gaming, FaZe Red sowie Team Envyus und Optic Nation rutschen gleich vier vermeintliche Favoriten ins sogenannte Losers Bracket, also den Pool an Verlierermannschaften, aus denen sich nur zwei wieder in die Finalrunde hocharbeiten können. Das Grand Final wird schließlich zwischen den Underdogs Denial ESports und Team Revenge ausgetragen, die sich eine nervenaufreibende Taktikschlacht auf Messers Schneide liefern.

Zu jenem Zeitpunkt ist die Haupttribüne wie zu erwarten restlos überfüllt. Wer keinen festen Sitzplatz ergattert hat, aber trotzdem vernünftig sehen will, verlagert seinen Standort am besten schleunigst in den vorderen Teil des Zelts, wo ebenfalls eine riesige Leinwand montiert ist. Die teils Gänsehaut-erzeugenden Begeisterungsstürme des Publikums kann man hier allerdings nur bedingt auf sich wirken lassen. Ebenso wenig den von der Decke prasselnden Konfettiregen sowie das Kamera-Blitzlichtgewitter, als am frühen Nachmittag des dritten Tags endlich ein Gewinner feststeht: Dank einer ordentlich Portion Coolness und taktisch durchdachtem Teamplay reißen die vier Jungs von Denial eSports - besser bekannt unter ihrem Rufnamen "WolfPack" - den Titel an sich.

Profi-Tipps vom Weltmeister

Bei der dann folgenden Siegerehrung dürfen Clayster, Attach, JKap und Replays voller Stolz einen überdimensionalen Scheck entgegennehmen. Preisgeld für jeden einzelnen: Beachtliche 100.000 US Dollar - ein hübsches Sümmchen für vier Jungspunde, die alle noch nicht einmal 23 Jahre alt sind. Den Medienrummel beherrschen sie allerdings schon perfekt. Auf die Frage, was Teamkapitän Chris Crowder mit all einem so üppigen Betrag anstellen möchte, antwortet der New Yorker ziemlich gelassen: "Ich bin nicht jemand, der groß Geld ausgibt. Ich werde vielleicht der Familie aushelfen - nichts Weltbewegendes. Eventuell kaufe ich mir selbst auch noch was Nützliches. Aber das ist es dann schon."

Dass viel harte Arbeit nötig ist, um so erfolgreich zu erreichen, lässt er ebenfalls recht bald durchblicken: "Ich selbst spiele seit sieben Jahren professionell, habe zwischendurch mal aufgehört und wieder angefangen. Insgesamt trainieren wir täglich acht, manchmal sogar zehn Stunden." Was er aufstrebenden Talenten für einen Ratschlag mit auf den Weg gibt, wollen wir abschließend wissen. Auch hier erwidert Crowder wie aus der Pistole geschossen: "Es gibt da kein spezielles Geheimnis, aber anderen Spielern zuschauen, von denen man denkt, dass sie gut sind und die man respektiert; ihre Web-Streams ansehen, sich einprägen, welche Controller-Settings sie verwenden - all das hilft ungemein."

Fazit und Ausblick

Aufregend, ekstatisch, mitreißend: Das diesjährige "Call of Duty World Championship" zählte aufgrund der neuen Publikumsregelung ganz klar zu den spannendsten seiner Art. Trotzdem sollten sich die Veranstalter nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen und den internationalen Charakter der Weltmeisterschaft weiter herausarbeiten. Neue Regelungen zum Drosseln der Masse an US-Teams wären ein erster Schritt. Aber auch die Wahl einer repräsentativeren Örtlichkeit, niedrigere Eintrittspreise und die Ergänzung eines Ladys-Cups würden helfen, um ein noch breiteres Publikum anzusprechen. Dicht gefolgt von einer festgelegten Akklimatisierungsphase für Mannschaften, die aus Übersee anreisen. Verlieren die Macher diese Ziele nicht aus den Augen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass dieses Turnier den Titel "Weltmeisterschaft" in den nächsten Jahren noch mehr als bisher verdient.

News, Tests & Previews, Demo-Downloads, Onlinegames und mehr auf Facebook: Werden Sie Fan von T-Online Spiele!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Passant entlarvt angeblichen Beinamputierten

Misstrauisch werden die vermeintlichen Beinstümpfe befühlt. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal