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"The Witcher 3" im Test: Eine großartige Rollenspiel-Odyssee

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Test The Witcher 3: Wild Hunt | Action-Rollenspiel | PC, Xbox One, PS4  

Eine großartige Rollenspiel-Odyssee

23.05.2015, 14:52 Uhr | Olaf Bleich (jr / ams), Medienagentur plassma

"The Witcher 3" im Test: Eine großartige Rollenspiel-Odyssee. The Witcher 3: Wild Hunt Action-Rollenspiel von CD Projekt Red für PC, PS4 und Xbox One (Quelle: Namco Bandai)

The Witcher 3: Wild Hunt Action-Rollenspiel von CD Projekt Red für PC, PS4 und Xbox One (Quelle: Namco Bandai)

Er erschlägt Ghule, Oger und Trolle. Doch lange Zeit zierte sich Geralt von Riva, der Protagonist des Action-Rollenspiels "The Witcher 3: Wild Hunt", wirklich auf die Bühne zu treten. Nach gleich zwei Release-Verschiebungen gab es im Vorfeld einige Bedenken, ob sich das polnische Entwicklerstudio CD Projekt Red mit seinem ambitionierten XXL-Abenteuer womöglich übernommen hat. Doch nun endlich erscheint das Spiel am 19. Mai 2015 für PC, PS4 und Xbox One. War der Hype im Vorfeld berechtigt? Das können wir jetzt bestätigen: Der Test der finalen PS4-Version beweist, dass The Witcher 3: Wild Hunt genau das epochale Fantasy-Märchen geworden ist, das sich alle erhofft haben.

The Witcher 3: Von Krieg, Rassismus und Chaos

Die Welt von The Witcher 3: Wild Hunt ist alles andere als der perfekte Urlaubsort. Der Konflikt zwischen den Nördlichen Königreichen und den Truppen des Nilfgaarder Kaisers Emhyr zerfrisst das Land wie ein Krebsgeschwür. Wo auch immer man hinschaut, es regieren Gewalt und Egoismus. Geralt von Riva scheint das zunächst egal zu sein. Gemütlich fläzt er zu Beginn des Spiels in einer Badewanne im Hexer-Anwesen in Kaer Morhen. Neben ihm räkelt sich seine Freundin Yennefer lasziv auf einem Stuhl. Von draußen tönen Kampfgeräusche. Geralts Mündel Ciri trainiert dort gemeinsam mit ihrem Onkel Yesemir und feilt an ihren Fähigkeiten. Das Leben ist gut. Zumindest für diesen kurzen Moment.

Doch das ist alles nur eine Illusion. Schnell holt die Realität den weißhaarigen Helden wieder ein: Ciri und Yennefer verschwinden spurlos. Der Grund dafür: Die Wilde Jagd - eine Macht, die den Weißen Wanderern aus "Game of Thrones" ähnelt - zieht durchs Land und sorgt für Angst und Schrecken. Geralt bricht auf, um seine Familie zu finden - und vielleicht auch, um die Nördlichen Königreiche zu einem besseren Ort zu machen.

Spiele-Videos 
The Witcher 3: Wild Hunt - 15 Minuten Gameplay

Geralt von Riva kämpft im dritten Teil erstmals in einer offenen Welt. Video

Die unendliche Geschichte

Das Action-Rollenspiel zeichnet ein finsteres Fantasy-Märchen, gespickt mit spannenden Geschichten und ebenso erwachsenen Themen. Geralt ist nicht der Ritter in schimmernder Rüstung oder gar der Heilsbringer. Die Menschen stehen dem auffälligen Monsterjäger zumeist feindlich gegenüber. Sie beschimpfen ihn, greifen ihn sogar an. Intoleranz und Fremdhass sind die vorherrschenden Motive in The Witcher 3. Es ist also kein Wunder, dass Geralt zunächst nur auf sich selbst und seine Lieben achtet.

Die Hauptgeschichte erstreckt sich über weit mehr als 25 Spielstunden und führt ihn durch eine riesige, detailreiche Spielwelt - größer noch als in GTA 5 oder Far Cry 4. Wenn man The Witcher 3: Wild Hunt eine Sache hoch anrechnen muss, dann die Tatsache, dass die Quests weit mehr sind als bloße Lückenfüller. Das Spiel umschifft gekonnt Rollenspielklischees und verzichtet ganz bewusst auf stupide Sammelaufgaben. Stattdessen verleiht das grandiose Drehbuch jeder noch so kleinen Aufgabe einen Sinn. Ganz egal, ob Geralt eine Horde saufender Skelliger aus einem Bordell vertreibt, mit Bauern boxt und um die Wette reitet oder gar für die Zauberin Keira Metz auf der Reuseninsel nach dem Rechten schaut - sämtliche Quests besitzen Tiefe und vor allem interessante Charaktere. Das sorgt dafür, dass man mit jeder Spielstunde immer tiefer in die Welt von The Witcher 3: Wild Hunt eintaucht.

Monsterjäger bei der Arbeit

Abseits der ebenso spannenden wie motivierenden Haupthandlung gibt es in dem Rollenspiel-Abenteuer allerhand zu tun: Neue Aufgaben entdeckt man entweder beim Erkunden der Gebiete oder an Aushangbrettern. Hier schnappt sich Geralt auch die vielleicht intensivsten Missionen des Spiels: die Hexer-Aufträge. Diese erinnern an eine Mischung aus Sherlock Holmes und Bloodborne. Geralt geht hier nämlich auf Monsterjagd. Dazu plaudert er zunächst mit Zeugen, untersucht dann mithilfe seiner Hexersinne den Tatort und folgt anschließend der Spur zum finalen Kampf.

Sonderlob: Das Bestien-Design von The Witcher 3: Wild Hunt ist absolut fantastisch und sorgt beim Spielen immer wieder für einen wohligen Schauer. Geisterhafte Erscheinungen zerfallen förmlich vor Geralts Augen in ihre unsterblichen Einzelteile, während Greifen und Unholde sich majestätisch und bedrohlich vor dem Hexer aufbauen und ihm voller Inbrunst entgegenbrüllen.

Das Kampfsystem des Abenteuerspiels erweist sich als komplex, aber dennoch handlich. Geralt trägt nämlich praktischerweise zwei Schwerter mit sich herum: Die Stahlklinge für Menschen oder Tiere wie Wölfe und Bären, und das Silberschwert für Monster. Dazu benutzt er fünf aus dem Vorgänger bekannte Zeichen und stößt so beispielsweise Feinde zurück, bannt sie in einer magischen Falle oder fackelt sie mit einer Feuerwelle ab. Öle und Tränke dienen weiterhin zum kurzfristigen Stärken des Helden und sind gerade in Monstermissionen ausgesprochen wichtig. Alle Feinde besitzen spezielle Eigenschaften, reagieren auf manche Aktionen besonders anfällig oder sind wiederum gegen andere vollkommen immun.

Besonders die späteren Hexer-Aufträge erfordern ein solides Maß an Taktik und gute Fähigkeiten am Gamepad. Bloßes Button-Mashing führt vielleicht bei einer lahmen Horde Ertrunkener zum Erfolg, doch ein Feuertroll macht selbst mit einem gut ausgebildeten Geralt kurzen Prozess. Das Kampfsystem stellt sich als einsteigerfreundlich, aber auch komplex genug heraus, um über die vielen Spielstunden zu überzeugen. Prügelt man anfangs noch wild auf Feinde ein, versucht man sich später an Kombo-Attacken oder wilden Zauber- und Angriffsstafetten.

Ein Mutant braucht Mutagene

The Witcher 3: Wild Hunt verknüpft geschickt die Erweiterung von Geralts Charakterwerten mit der Erkundung der Nördlichen Königreiche. Das Action-Rollenspiel wirft nicht mit Erfahrungspunkten und Stufenaufstiegen um sich, sondern lässt sich Zeit und belohnt Sie im Gegenzug für das Absolvieren kleinerer Aufgaben und die Suche nach sogenannten "Orten der Macht". Hier holt sich Geralt einen zeitlich begrenzten Boost bestimmter Zeichen ab, erhält aber auch gleichzeitig einen Fähigkeitenpunkt.

Diese setzt man anschließend in vier Fähigkeiten-Bäumen - unterteilt in Kampf, Zeichen, Alchemie und Allgemein - mit insgesamt 70 teils aufeinander aufbauenden Fähigkeiten ein. Um sie effektiv zu aktivieren, muss sie der Spieler anhand sogenannter Mutagene in vier freischaltbaren Fertigkeitenfeldern einsetzen. Es gibt weit mehr Fähigkeiten als Einsatzmöglichkeiten, sodass man hier fröhlich experimentieren darf, ehe man die eigene, perfekte Kombination aus Fertigkeiten und Mutagenen gefunden hat.

Heute back ich, morgen brau ich!

Doch das ist längt nicht alles, was The Witcher 3 zu bieten hat. Hinzu kommen weitere Nebenbeschäftigungen wie das Anfertigen von Waffen- und Rüstungsgegenständen sowie die Alchemie zum Brauen von Tränken und Ölen. Für das Crafting benötigt man Schemata beziehungsweise Rezepte, die man wiederum innerhalb der Spielwelt findet oder bei Händlern erwirbt. Rüstungen und Waffen baut Geralt allerdings nicht selbst, dazu benötigt er die Unterstützung von Schmieden. Diese wiederum sind ebenfalls gekoppelt an ihre eigenen Fertigkeiten. Ein Geselle kann also kein Meisterstück anfertigen.

Etwas schade: Genau dann, wenn man tiefer in die Materie einsteigt, wirft einem The Witcher 3: Wild Hunt immer wieder Stöckchen zwischen die Beine. Das Inventar mit seinen fehlenden Sortier- und Filterfunktionen, schwachen Erklärungstexten und der unübersichtlichen Listenansicht überrollt Sie förmlich mit seiner Komplexität und der Masse an Gegenständen.

So sieht das Inventar irgendwann aus wie die Lebensmittelabteilung des örtlichen Supermarkts. Das Durchwühlen der passenden Gegenstände für Crafting-Aktionen ist arg fummelig und hätte mit zusätzlichen Komfortfunktionen sicherlich angenehmer ausfallen können. Gleiches gilt im Übrigen für die Darstellung des "Gwent"-Kartenspiels. Die Bedienungsanleitung reicht kaum aus, um Ihnen diesen geselligen Zeitvertreib näher zu bringen.

Kleine Abzüge in der Technik

Die bangste Frage vor dem Erscheinen von The Witcher 3: Wild Hunt war für viele Spieler, ob den Machern die technische Umsetzung gelungen ist. Die vorliegende PS4-Testversion krankt gelegentlich an Grafikfehlern und - bei allzu vielen Feinden und Effekten - an Rucklern. Dazu spielt die Gegner-KI immer mal wieder verrückt - zum Beispiel, wenn ein Wyvern zwischen Bäumen stecken bleibt. Die Wegfindung hat ebenfalls ihre Probleme: Auf Tastendruck ruft Geralt sein Pferd Plötze herbei. Doch das gute Ross sucht sich teils sehr merkwürdige Wege aus und bleibt dabei immer wieder in der Umgebung hängen.

Wirklich gravierende Schwierigkeiten, die den Spielbetrieb aufhalten, gab es aber im Test nicht. Trotzdem sollte CD Project Red in naher Zukunft noch weiteres Bug-Fixing betreiben, um die vielen kleinen Macken einzugrenzen. Sie sind nicht dramatisch, schaden aber dem überaus positiven Gesamteindruck von The Witcher 3. Denn insgesamt ist das Spiel technisch überzeugend. Natürlich müssen Konsolenspieler Kompromisse in puncto Texturschärfe und Umgebungsdetails in Kauf nehmen. Doch alles in allem ist das Rollenspiel ein sehr hübsch anzuschauendes Abenteuer, bei dem nicht zuletzt die Darstellung von Figuren innerhalb der reichlich vorhandenen Dialogsequenzen toll funktioniert.

Diese stellen einen dann auch immer wieder vor moralische Entscheidungen mit einer gewissen Tragweite. An Schlüsselstellen richtet Geralt sogar über Leben und Tod wichtiger Nebendarsteller. Solche Augenblicke sind das Salz in der Suppe von The Witcher 3: Wild Hunt und lassen schließlich auch die durchaus vorhandenen Programmfehler unwichtig erscheinen..

Was uns gefällt

The Witcher 3: Wild Hunt lebt zunächst einmal von seiner intensiv-interessanten Spielwelt, den knackigen Geschichten und dem famosen Questdesign. Selbst die kleinsten Nebenschauplätze werden hier mit nachvollziehbaren Motiven, erwachsenen Themen und immer wieder auftauchenden moralischen Entscheidungen unterfüttert. Unter der tollen Erzählstruktur befindet sich aber glücklicherweise auch ein sehr gelungenes Action-Rollenspiel, das mit seinem vielschichtigen Charaktersystem, reichlich Crafting-Optionen und einem darauf basierenden Kampfsystem punktet.

Was uns nicht gefällt

Die getestete PS4-Fassung krankte noch an unzähligen Unsauberkeiten und kleineren Fehlern. Diese stören nur selten den Spielfortschritt, wohl aber das Gesamtbild von The Witcher 3: Wild Hunt. Auch leidet die Konsolen-Fassung zuweilen unter dem Grafik-"Downgrade". Mit der hochauflösenden PC-Fassung kann sie nur selten mithalten. Viel bedeutender als Bugs und Pixelzahl wiegen allerdings das unübersichtliche Inventar und die insgesamt zu wüsten Rollenspiel-Elemente. Mehr Filter- und Sortierfunktionen wären wünschenswert gewesen.

Fazit

Nur noch eine Quest. Nur noch einen Schatz entdecken. Nur noch ein Monster besiegen. The Witcher 3: Wild Hunt erzählt - trotz technischer Unzulänglichkeiten - ein fantastisches Abenteuer mit dem vielleicht besten Questdesign in einem Rollenspiel der letzten zehn Jahre. Hier können Sie stundenlang in eine faszinierende Fantasy-Welt abtauchen, die immer wieder neue Überraschungen bietet. Kurzum: Dieses Epos sollte sich kein Spieler mit einem Faible für Fantasy und Open-World-Games entgehen lassen.

Infos zum Spiel

Titel: The Witcher 3 - Wild Hunt
Genre: Action-Rollenspiel
Hersteller: CD Projekt Red
Publisher: Namco Bandai
Release: 19. Mai 2015
Preis: zirka 50 Euro (PC), zirka 70 Euro (Konsolen)
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Ab 18 Jahren
Wertung: Sehr gut

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