Startseite
Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews >

Test: Final Fantasy X/X-2 HD Remaster für PS4

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Test Final Fantasy X/X-2 HD Remaster | Rollenspiel | PS4  

Halbherzig modernisierte Lovestory

18.05.2015, 17:01 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

Test: Final Fantasy X/X-2 HD Remaster für PS4. Final Fantasy X/X-2 HD Remaster Rollenspiel von Square Enix für die PS4 (Quelle: Square Enix)

Final Fantasy X/X-2 HD Remaster Rollenspiel von Square Enix für die PS4 (Quelle: Square Enix)

Erinnerungen können trügerisch sein. Als das Rollenspiel "Final Fantasy X" Mitte Mai 2002 im deutschsprachigen Raum erschien, wurde ihm seiner herrlichen Bilder und der betörenden Erzählung wegen gehuldigt. So mancher mag das neue PS4-Remake des Originals und des Nachfolge-Abenteuers "X-2" daher mit verklärten Augen betrachten und ihm viele Schwächen nachsehen. Objektiv betrachtet wurde aber nur die Grafik skaliert und sonst nichts Wesentliches überarbeitet. Der visuelle Knaller von einsFinal Fantt präsentiert sich sichtbar gealtert.

Mit seinen herrlichen Panoramen und der melodramatisch inszenierten Liebesgeschichte hat sich Final Fantasy X Mitte 2002 vielen Anhängern japanischer Rollenspiele ins Gedächtnis gebrannt. Ein vergleichbar schönes Abenteuer gab es vorher und auch lange danach nicht zu sehen. Hersteller Squaresoft nutzte die DVD- und Grafiktechnik der damals aktuellen Playstation 2 vortrefflich. Final Fantasy X beschreibt das Schicksal des Helden Tidus und seiner Geliebten Yuna in bewegenden Bildern und mitreißenden Szenen. Das Nachfolgespiel X-2 knüpft daran an. In der "HD Remaster"-Version für die PS4 sind beide Spiele enthalten. Außerdem mit dabei ist der Animationsfilm "Eternal Calm", in dem man von den Ereignissen zwischen beiden Abenteuern unterrichtet wird.

Reise in die Zukunft

Zentrale Figur von Final Fantasy X ist ein junger Kerl namens Tidus. Das Schicksal macht den gefeierten Sportstar zum Helden einer bewegenden Zeitreise. Gleich zu Beginn überschlagen sich die Ereignisse. Eine gigantische Flutwelle walzt Tidus´ Heimatstadt Zanarkand nieder, ein Wirbelsturm reißt ihn selbst tausend Jahre in die Zukunft. Eine höhere Macht wünscht, dass er dort dem Ursprung der Flutwelle nachspürt. In der Folge begleitet der Spieler Tidus durch lebendig und natürlich wirkende Dschungel und Wüsten, Meeres- und Hightech-Städte. Das sah 2002 aus wie von Gott gemalt, und die Überarbeitung für das hochauflösende 1080p-Full-HD-Format funktioniert zumindest stellenweise: Gewaltige Steinskulpturen und weitflächige Grasebenen üben immer noch eine magische Faszination aus. In anderen Momentan weisen grobe Strukturen allerdings deutlich das Alter des Originalspiels aus. So ganz rund wirkt das nicht.

Geradliniges Japano-Rollenspiel

Die geradlinig inszenierte Wanderschaft setzt sich im wesentlichen aus drei Elementen zusammen: Dialoge, Kämpfe und eine Handvoll Puzzles. Im Verlauf seiner Reise trifft Tidus viele unterschiedliche Figuren - viele davon mit wenig Stoff, skurrilen Beinkleidern oder irren Frisuren geschmückt. Herrlich schräg und einzigartig japanisch also. Im Rahmen herzlich getexteter, allerdings anachronistisch animierter und nur englischsprachig synchronisierter Dialoge wird der Betrachter Zeuge des Erwachsenwerdens von Tidus.

Die volle Portion Herzschmerz

Der Held verliebt sich und gewinnt Freunde. Sechs Helden und Heldinnen schließen sich Tidus an: Auron ist streitlustig, Wakka komisch, Rikku verführerisch - jeder macht auf seine Art und Weise Eindruck. Es macht Spaß, die unterschiedlichen Charaktere kennen zu lernen und zu verfolgen, wie sie im Lauf der Zeit kämpfen lernen und ihre magischen Fähigkeiten zu nutzen verstehen. Wie viele gute japanische Rollenspiele versteht sich Final Fantasy X auf die Entwicklung von Figuren, die einem ans Herz wachsen.

Rundenbasierte Zufallskämpfe

Doch Tidus macht sich auch Feinde. Immer wieder während der Wanderschaft trifft Tidus urplötzlich auf todbringende Kreaturen. Dann wechselt von einem Moment zum anderen das Bild - die Oberwelt weicht dem Kampfbildschirm, es kommt zu Rundenkämpfen mit bösartigen Megainsekten und bissigen Echsen. Die spektakulär inszenierten und taktisch anspruchsvoll strukturierten Szenen sind mit ordentlich Spannung aufgeladen. Wie bei einem Schachspiel entscheidet der Spieler Runde für Runde, mit welchen Waffen er streitet und welchen seiner Gefährten er auf welche Weise einsetzt. Das rundenbasierte System lässt Raum für taktische Überlegungen: Wann heilen, wo zuschlagen, in welchem Moment den Gegner umzingeln?

Überzeugender Spielfluss

Auffällig sind die fließenden Wechsel zwischen Kämpfen, Filmszenen und Wanderungen über die Oberwelt. Damals und heute auf der PS4 bilden geschickt kaschierte Ladepausen die Basis für einen sehr angenehmen Spielfluss. Dass die störenden, weil großflächigen schwarzen Bildbalken der PS2-Version verschwunden sind, nimmt man gerne zur Kenntnis. Weniger schön allerdings, dass Grafik und Gameplay ansonsten sehr halbherzig überarbeitet wurden. Die PS4 hätte zweifellos genug Power, um die Qualität von Echtzeitgrafik und vorgerenderten Videoszenen anzugleichen. Diese Chance hat der Hersteller leider vertan.

Halbherzige Modernisierung

Ähnlich wie bereits bei der PS3-Adaption von Final Fantasy X belässt es Square Enix bei hochgerechneten Kulissen und einer visuellen Überarbeitung einiger zentraler Figuren. Von einer ernstzunehmenden Adaption an die PS4 und den modernen Zeitgeist kann keine Rede sein. Die vielen langatmigen Kamerafahrten zum Beispiel wirken heute eher deplatziert. Sie tun wenig für die Dramaturgie und zeigen Kulissen, die vor 13 Jahren stilbildend waren, es aber heute oft nicht mehr sind. Das würde man manchmal gerne abbrechen - wenn es denn. gestattet wäre.

HD-Adaption nur teilweise gelungen

Die Heldenfiguren haben also für das PS4-Remake etwas Make-up aufgelegt. Dennoch treten sie nicht annähernd in Konkurrenz zu eigens für das System entwickelten Charakteren, sondern zeigen ihr Alter deutlich: Tidus´ Haar setzt sich sichtbar aus Polygonen zusammen; Oberbekleidung fällt in Ecken und Kanten von den Schultern; Schmuck wirkt wie auf die Haut tätowiert statt plastisch ausgeformt. Dass einige Heldenfiguren aufgehübscht sind und zugleich etliche Statisten genauso grob modelliert sind wie im Originalspiel, ergibt ein wenig homogenes und etappenweise geradezu groteskes Bild.

Was uns gefällt

Wie kaum ein anderes Game verstehen sich Final Fantasy X und auch X-2 auf große Gefühle und grandios inszenierten Herzschmerz. Das Knisten zwischen der Predigerin Yuna und dem Helden Tidus beispielsweise gipfelt in einem Zeremoniell namens "Ritual der Besegnung": eine minutenlange Szene, die mit wunderschönen Bildern und tieftraurigen Molltönen eine herrlich melancholische Stimmung im Betrachter auslöst. Die Musik wurde neu arrangiert und klingt qualitativ besser. Wer mag, hat aber die Wahl: Der Originalsound steht ebenfalls zur Verfügung.

Was uns nicht gefällt

Square Enix lässt das Gameplay fast unangetastet - leider auch da, wo Modernisierung dringend angebracht wäre. Nach wie vor ist der Besuch von Speicherstationen mangels Speicherautomatik Pflicht. Es fehlt jede Lippensynchronität in Dialogszenen. Manche Schatztruhen in den Kulissen sind als untersuchenswert gekennzeichnet, andere nicht. Manchmal fordern Bildsymbole zum Antippen von Aktionstasten auf, doch wer der Aufforderung folgt, erntet keine Reaktion. Das wirkt inhomogen und schlampig getestet.

Fazit

Das Final Fantasy X/X-2 HD Remaster enthält die PS4-Version zweier klassischer Vorzeige-Rollenspiele, die noch heute ganz großes Erzählkino bieten. Zweifellos erhält man viel Erlebnis fürs Geld. Als Obolus erwartet Square Enix für die Disk- und Downloadversionen allerdings 50 Euro, also fast Vollpreistarif. In Anbetracht dieser Tatsache wären deutlich umfassendere Modernisierungs-Maßnahmen angebracht gewesen. Wer mit dem Originalspiel keine nostalgischen Erinnerungen verbindet und moderne Software erwartet, wird enttäuscht sein.

Infos zum Spiel

Titel: Final Fantasy X/X-2 HD Remaster
Genre: Rollenspiel
Hersteller / Publisher: Square Enix
Release: 15. Mai 2015
Preis: zirka 50 Euro
System: PS4
USK-Freigabe: Ab 12 Jahren
Wertung: Befriedigend

News, Tests & Previews, Demo-Downloads, Onlinegames und mehr auf Facebook: Werden Sie Fan von T-Online Spiele!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Straßenlaterne rettet Leben 
Junge Frau hat das Glück ihres Lebens

An einer Kreuzung stoßen zwei Autos zusammen. Ein Peugeot verliert die Kontrolle, rast auf den Bürgersteig zu. Eine Straßenlaterne rettet einer jungen Passantin das Leben. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal