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Sébastien Loeb Rallye Evo: Auf Abwege geraten

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Preview zu Sébastien Loeb Rallye Evo | Rallye-Rennspiel | PC, PS4, Xbox One  

Auf Abwege geraten

09.06.2015, 18:09 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

Sébastien Loeb Rallye Evo: Auf Abwege geraten. Sébastien Loeb Rally Evo Rennspiel von Milestone für PC, PS4 und Xbox One (Quelle: Bandai Namco)

Sébastien Loeb Rally Evo Rennspiel von Milestone für PC, PS4 und Xbox One (Quelle: Bandai Namco)

Wenn ein neunmaliger Rallye-Weltmeister seinen Namen für eine neue Motorsport-Simulation hergibt, dann darf man sich einiges erwarten. Wird das Rennspiel "Sébastien Loeb Rally Evo“ für PC, PS4 und Xbox One aus dem Hause Milestone ein faszinierender Ritt auf der Rasierklinge, ein Rausch, wie wir ihn vor vielen Jahren bei Evolutions "WRC"-Games und Codemasters "Colin McRae"-Reihe erlebt haben? Die erste Probefahrt bremst derlei Hoffnungen aus. Und zwar richtig hart.

Eine großen Persönlichkeit hat sich Games-Hersteller Milestone als Namenspatron gesichert: Sébastien Loeb hat die Rallye-Weltmeisterschaft noch beeindruckender dominiert als Michael Schumacher die Formel 1. Der Franzose fuhr von 2004 bis 2012 mehr Siege und Podestplätze ein als alle seine Wettbewerber. Er hat neunmal die Meisterschaft abgeräumt und entschied mehrfach den Duellwettbewerb Race of Champions für sich. Loeb hat bei den X-Games seine Fahrkunst und bei den 24 Stunden von Le Mans sein Durchhaltevermögen bewiesen. Aktuell mischt der Meister im Rahmen der WTCC die Tourenwagenszene auf. Formel-1-Tests fuhr er außerdem noch. Der Mann gibt Stoff für mehrere Rennspiele her - sollte man meinen.

Viele offene Fragen

Aus diesem facettenreichen Leben greift Milestone lediglich die Rallyekomponente heraus. Im September soll der Startschuss für "Sébastien Loeb Rally Evo" fallen. Es bleiben also noch zwei bis drei Monate. Diese letzten Wochen nutzen die Hersteller gewöhnlich für Feinschliff an einem ansonsten komplett entwickelten Game. Nicht so bei "Sébastien Loeb Rally Evo". Als wir Ende Mai eine Alphaversion der Rallyesimulation spielen und wegen einiger offensichtlicher Schwachstellen gezielt beim Hersteller nachhaken, ernten wir allzu häufig Schulterzucken.

Man kann oder mag uns vieles nicht beantworten. Stehen Ghostpiloten als Trainingspartner zur Verfügung? Welche Wirkung hat das Schadensmodell? Bleibt es bei einer Framerate von 30 Bildern pro Sekunde? Werden zwei Piloten am Splitscreen Bestzeiten-Duelle austragen können? Alles unklar. Immerhin erhalten wir die Zu-sage, dass die beim Probespiel nahezu wirkungslose Handbremse überarbeitet wird. Damit sollten dann zumindest kontrollierbare Drifts möglich sein.

Konzentration auf den Rallyesport

Wir fahren eine Spielversion, die zwei Etappen enthält: Eine führt durch verschneites Unterholz in Schweden, die andere durch staubiges Geläuf in Australien. Rallyetypisch flitzt das Fahrzeug durch die Einsamkeit schöner Natur. Zu sehen sind nur Landschaft, Motorhaube und Stoppuhr. Dann fällt der Startschuss, und mit einem Ruck galoppiert der Citroën DS3 WRC los. Die schmale Strecke ist klar abgesteckt, ein Abweichen nach links oder rechts weder gewünscht noch möglich. Das ist typisch für eine Rallye. Es geht nicht um Positionskampf oder Erforschung einer offenen Welt, sondern um Mut und Können und Fahrzeugbeherrschung. Sieger wird, wer den abgesteckten Parkour am schnellsten durcheilt. Der Pilot muss die Ruhe bewahren, sich mit mit hohem Tempo an flotte Kurven heran wagen und langsame Kehren mit viel Gefühl und präzisem Timing umdriften.

Mangelhafte Steuerung

Wenn Steuerung, Grafik und Sound harmonieren, fühlt sich das Rallye-Fahren an wie ein Rausch - die Jagd nach Bestzeiten kann extrem motivierend sein. Das gilt vor allem, wenn zwei Spieler online oder via Splitscreen oder zumindest asynchron auf der Bestzeiten-Tabelle um Zehntelsekunden gegeneinander kämpfen. So weit ist Sébastien Loeb Rally Evo allerdings noch lange nicht.

Tatsächlich fehlte bei der uns vorgelegten Spielversion sogar ein Zeitentableau, das einen Vergleich der erreichten Zeit mit bisherigen Leistungen gestattet. Wie soll da ein Rausch zustande kommen, zumal, wenn die Steuerung so wenig Vertrauen spendet? In der uns gezeigten Spielversion ecken wir selbst bei Geradeausfahrt allzu oft an, werden sogar von kleinen Sträuchern abrupt auf Null herunter gebremst. Die Pflänzchen überstehen die Karambolage übrigens unbeschadet, die Karosserie des Citroën auch. Ein Schadensmodell ist bisher nicht existent.

Gute Ansätze

Vor Kurven weisen Schilder auf den zu erwartenden Radius hin. Das hilft bei der Einschätzung des Tempos und des Lenkwinkels, mit dem man die Kurve erreichen und sie durcheilen kann. Das funktioniert in der Praxis gut. Ebenso hilfreich und deutlich atmosphärischer wären Ansagen eines Copiloten gewesen, so wie sie im echten Rallyesport üblich sind. Solch eine Navigationshhilfe im Ohr fehlt bisher, soll aber laut Spielhersteller noch integriert werden. Ob nur englisch oder auch deutschsprachig, war beim Probespieltermin nicht endgültig zu klären.

Vielversprechende Ausstattung

Die endgültige Spielversion soll über acht Rallyes mit insgesamt 64 Stages verfügen. Rund 300 Kilometer führen durch die Berge bei Monte Carlo und in der Schweiz, durch schwedischen Schnee und australischen Busch. Über 60 originalgetreu nachgebildete Fahrzeuge von Alpine, Audi, Ford, Hyundai, Lancia, Mitsubishi, Subaru, Toyota, VW und weiteren Rallyebeteiligten will Milestone integrieren. Dazu kommen fünf Rally-Cross-Tracks für frontale Duelle zweier Piloten, plus die berühmte Zeitenhatz beim Bergrennne hinauf auf den Pike´s Peak. Das alles will man einbinden in die sogenannte Loeb Experience. Dabei handelt es sich um einen umfassenden Karrieremodus, der die Rallyekarriere von Sébastien Loeb zwischen den Jahren 1988 bis 2013 umfasst.

Skepsis ist angebracht

An Umfang und Ausstattung wird es Sébastian Loeb Rally Evo in der endgültigen Ausbaustufe also nicht mangeln. Das Problem scheint eher, dass viele Basismerkmale einer Rallyesimulation bisher nicht vorhanden oder nicht überzeugend demonstrierbar sind. Ob am Ende also ein rundes und unterhaltsames Gesamtpaket entsteht, das bleibt abzuwarten.

Was uns gefällt

Hm, na ja. Ach ja: Als Namenspatron für ihre neue Rallyesimulation konnten Milestone - Schöpfer des wenig überzeugenden Rennspiel "WRC 2014" - niemand geringeres als Sébastian Loeb gewinnen. Laut Hersteller wird Sébastian Loeb dem Spieler im Rahmen eines Tutorials mit gesprochenen Fahrtipps unter die Arme greifen.

Was uns nicht gefällt

In der präsentierten Spielversion war nichts erkennbar, was Rennspiele nicht schon vor 15 Jahren gezeigt hätten. Grafik und Sound wecken weniger Erregung als die Rallyeoldies aus der Colin-McRae-Reihe und den WRC-Games der PS2-Ära. Das für Rallye-Games unverzichtbare Schadensmodell soll zwar laut Entwickler enthalten sein, war aber wenige Monate vor dem geplanten Start nicht vorzeigbar.

Fazit

Laut Hersteller soll "Sébastien Loeb Rally Evo“ im September 2015 startbereit sein. Wenn das wirklich klappen soll, müsste schon ein Wunder geschehen. Sieht aber eher so aus, als würde das Ding voll vor die Wand fahren. Die bisher präsentierte Spielversion gleicht eher einer schlechten Technikdemo als einem unterhaltsamen Game. Die Grafik sieht aus wie per Zeitmaschine aus dem Jahr 2005 zu uns transportiert. Die Lenkung fühlt sich indifferent und träge an. Der italienische Hersteller Milestone hat summa summarum noch einen sehr weiten Weg vor sich, wenn er die demonstrierte Spielversion zur ernstzunehmenden Rallye-Simulation aufpolieren möchte.

Infos zum Spiel

Titel: Sébastien Loeb Rally Evo
Genre: Rallye-Rennspiel-Simulation
Hersteller: Milestone
Publisher: Bandai Namco
Release-Termin: September 2015
Preis: zirka 60 Euro
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Noch nicht geprüft
Eindruck: Ungenügend

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