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30 Jahre Amiga: Die Spiele-Maschine mit Herz

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30 Jahre Amiga  

Die Spiele-Maschine mit Her(t)z

25.07.2015, 09:17 Uhr | (jr), Richard Löwenstein

30 Jahre Amiga: Die Spiele-Maschine mit Herz. 30 Jahre Amiga: Die Spiele-Maschine mit Herz (Quelle: Thomas Koch)

30 Jahre Amiga: Die Spiele-Maschine mit Herz (Quelle: Thomas Koch)

Alles Gute zum Geburtstag dem vielleicht großartigsten Heimcomputer aller Zeiten: dem Amiga. Die "Freundin" - Amiga auf Spanisch - feierte ihr Debüt vor genau 30 Jahren. Vom "Boing Ball" über "Defender of the Crown" bis zur Pleite der Herstellers Commodore erlebten Amiga und die Fans viele Aufs und Abs.

Begeisterndes Ballspiel

Es begann mit dem "Boing Ball": einer Computeranimation eines rotweißen Balls. Er dreht sich und hüpft über ein Schachtbrettraster, wirft dabei einen Schatten und prallt bei Berührung des Bildrand ab. So etwas würde heute niemand mehr den Kopf verdrehen, aber im Januar 1984 war´s der Aufreger auf der Fachmesse CES in Las Vegas. Die Präzision und die Geschmeidigkeit dieser Bilder: kein Vergleich mit den grobkantigen Pixeln, die Spielekonsolen und Heimcomputer-Systeme dieser Ära hervorbrachten. Die Bilder entstammten dem kommenden King of Heimcomputer: Commodores Amiga.

Ein Computer für alle Zwecke

Der Appetit war geweckt. Mit seinem 16-Bit-Prozessor vom Typ 68000 und eigens entwickelten Grafik- und Sound-Customchips sollte der Amiga in jeder Hinsicht Leistungsgrenzen sprengen. Enorm hohe Bildauflösung, schnelle Grafikprozessoren, 4096 Farben und Stereoton in Digitalqualität versprachen atemberaubende Games. Mausbedienung über eine Benutzeroberfläche. Mehrere Programme in separaten Fenstern parallel ausführbar: Jederzeit zwischen Textverarbeitung, Malprogramm und Spiele-Anwendung umschalten? Heute alles Selbstverständlichkeiten, Mitte der 80er-Jahre ziemlich revolutionär - zumindest im erschwinglichen Preissegment. Gaming, Büro, Kreativität: der Amiga schien einfach alles zu können.

Probleme nach dem Handelsdebüt

Am 23. Juli 1985 feierte das Amiga-Modell 1000 in den USA sein Handelsdebüt; der deutschsprachige Raum folgte später. Es hätte ein Triumphzug werden können. Doch das Betriebssystem Kickstart und die grafische Benutzeroberfläche Workbench waren nicht rechtzeitig fertig und auf zwei 3.5-Zoll-Disketten beigelegt. Stolze Amiga-Besitzer mussten bei jedem Systemstart beide Datenträger in das langsame Diskettenlaufwerk des Computers einlegen und den zwei Minuten umfassenden Ladeprozess abwarten. Außerdem gab es wenig Software, und das vorhandene fand niemand überzeugend. Commodore musste reagieren.

Ansteckendes Amiga-Fieber steckt an

Erst das Jahr 1987 brachte das Modell Amiga 500 und damit die Wende. Commodores Entwickler hatten viele Fehler eliminiert. Das Betriebssystem Kickstart 1.2 war jetzt fest integriert, das System sofort einsatzbereit. Die komplette Leistung des Amiga 1000 wurde in einem kompakten Tastaturgehäuse verdichtet, ähnlich wie bei Commodores millionenfach verbreitetem Volkscomputer C64. Aber eleganter und vor allem günstig. Der Amiga 500 kostete zum Debüt umgerechnet 700 Euro mit stark fallender Tendenz. Kein Geschenk, aber attraktiv genug, und so avancierte der Amiga 500 zur Gamingmaschine für die Massen. Mit "Defender of the Crown" und "Marble Madness" waren die dafür notwendigen ersten Vorzeigespiele verfügbar. Sie machten den Vorsprung durch Technik gegenüber etalierten Systemen wie Commodore C64 oder Atari ST erlebbar.

Der Amiga erobert Europa

Eine Welle der Begeisterung begann durch England, Frankreich, Skandinavien und den deutschsprachigen Raum zu schwappen. Das Amiga-Fieber breitete sich aus. Aufkleber mit dem Slogan "Amiga Fever steckt alle an" fanden sich überall an Wänden und Autos. Amiga-Fans kamen auf Kopier-Partys zusammen und bestaunten sogenannte Grafikdemos: Programmierte Kunstwerke aus schönen Bilder und stilvollen Animationen, die die Leistungsfähigkeit und Überlegenheit der "Freundin" demonstrierten. Man probierte Games aus und gab sie weiter. Meistens als illegale Raubkopie. Das war eben der Zeitgeist. Tolle Unterhaltung zum Preis einer Leerdiskette, wer konnte da widerstehen? Auf dem Schulhof war König, wer die neuesten Amiga-Games zuerst verteilen konnte.

Commodore verspekuliert sich

So fand Commodore allein im deutschsprachigem Raum über eine Million Abnehmer für den Amiga 500. Weitere 100.000 für das große Schwestermodell Amiga 2000. Weitere knapp 260.000 für die Alternativmodelle A500+ und A600. Der Begeisterungszenit war 1992 erreicht - plötzlich folgte der Fall. Commodore hatte sich verspekuliert. Man hatte zwischenzeitlich parallel zum lukrativen Amiga-Universum ein Geschäft mit PC-Systemen aufgebaut, kaufte aber zu viele Komponenten zu teuer ein. Das gibt Commodores früherer Logistikleiter und späterer Geschäftsführer Petro Tyschtschenko heute offen zu. Enormer Wertverlust und Preisverfall der PC-Sparte rissen ein Loch in die Kriegskasse - das Geld fehlte für die Weiterentwicklung des Amiga.

Technischer Vorsprung adé

So konnten andere Systeme aufholen. Anfang der 90er-Jahre hatte sich der PC durch Integration von Festplatte, CD-ROM und VGA-Grafikkarten vom teuren Bürosystem zur leistungsfähigen und vielseitig nutzbaren Unterhaltungs-Plattform entwickelt. "Doom", "Rebel Assault", "Ultima Underworld": PC-Gamer bereisten virtuelle Welten, die den meistens noch mit Disketten jonglierenden Amiga-Patrioten verschlossen blieben. Spezialisierte Gamingsysteme wie die Mega-Drive- und Super-Nintendo-Konsolen von Sega und Nintendo bildeten eine zweite Front. Dem Amiga lieft die Kundschaft davon. Der 1992 gestartete Amiga 1200 und die davon abgeleitete Gameskonsole CD32 sollten dagegen halten, doch die Rettungsmission misslang. 1994 meldete Commodore Konkurs an.

Fazit: Amiga - Freundin für immer

Aber tot ist Amiga bis heute nicht. Eine Fangemeinde hält der "Freundin" via Internet und auf regionalen Treffen die Treue. Das System wird um aktuelle Prozessoren und Grafikbausteine ergänzt. Programmierer kitzeln mit neuen Software-Technologien Erstaunliches aus der Original-Hardware heraus. Noch heute, 20 Jahre nach dem Commodore-Konkurs und 30 Jahre nach dem Debüt des Amiga 1000, erscheinen neue Spiele. Amiga bedeutet offenbar auch: Freundin für immer.

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