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Until Dawn für PS4 im Test: Herzrasen im Hochgebirge

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Test zu Until Dawn | Survival-Horror | PS4  

Herzrasen im Hochgebirge

26.08.2015, 15:22 Uhr | Benedikt Plass-Fleßenkämper (jr / ta), Medienagentur plassma

Until Dawn für PS4 im Test: Herzrasen im Hochgebirge. Until Dawn Survival-Horrorspiel von Supermassive Games für PS4 (Quelle: Sony)

Until Dawn Survival-Horrorspiel von Supermassive Games für PS4 (Quelle: Sony)

Als "Until Dawn" auf der Gamescom 2012 erstmals vorgestellt wurde, war das Staunen groß: Mit viel Gespür für gut getimte Schockmomente und einer sinnvoll umgesetzten Bewegungssteuerung gelang es Entwickler Supermassive Games, den schlüpfrig inszenierten Teenie-Slasher als neuen Hoffnungsträger für Sonys Playstation Move-Sortiment zu etablieren. Doch dann kam alles ganz anders: Die Konjunktur für die semipopuläre PS3-Fuchtelsteuerung flaute ab, und die Macher entschlossen sich, das Spiel in komplett neuem Gewand und mit Unterstützung namhafter Hollywood-Schauspieler exklusiv für die PS4 zu veröffentlichen. Knapp drei Jahre später ist Until Dawn endlich fertig und schickt sich, die Herzen von Survival-Horror-Fans im Sturm zu erobern.

Aufwühlender Auftakt

Der aus Third-Person-Perspektive dargestellte Nervenkitzel startet mit einem dramatischen Prolog. Die voll spielbare Sequenz erzählt von einer entlegenen Berghütte und zehn Teenagern, die sich dort zum Feiern treffen. Doch was friedlich beginnt, mündet schon bald in einer Katastrophe. Denn sechs der Heranwachsenden erlauben sich einen miesen Streich mit ihrer Freundin Hannah. Ohne zu viel zu verraten: Hannah ist so erbost von der Aktion, dass sie unter Tränen Reißaus nimmt und bei klirrender Kälte in den Wald rennt. Dicht gefolgt von ihrer Schwester Beth, die eigentlich gar nichts mit der Sache zu tun hat und nur Trost spenden möchte.

Was dann passiert, ahnen Kenner gepflegter Teenie-Slasher-Filme à la "Evil Dead" oder "Scream" wahrscheinlich schon: Irgendjemand oder irgendetwas macht mit verstörenden Geräuschen auf sich aufmerksam, versetzt die emotional ohnehin schon angeschlagenen Mädchen in Panik und hetzt sie wie Tiere durchs düstere Geäst. Weitere Details sparen wir uns an dieser Stelle, um die Spannung zu wahren. Fest steht nur, dass Beth und Hannah seit diesem Tag als vermisst gelten.

Im Visier eines Serienmörders?

Was bleibt, ist ein schwerer Schock für die gesamte Clique - insbesondere für Josh, den älteren Bruder der Vermissten. Er trauert am meisten und tut alles, um auf seine Weise mit dem Unglück klarzukommen. Was ihn letztendlich auch auf die verzweifelte Idee bringt, ein Jahr nach der Tragödie ein Gedenktreffen in eben jener Hütte zu veranstalten, wo das Schicksal seinen Lauf nahm. Sozusagen, um seine verschollenen Schwestern gemeinsam zu ehren. Dass die Polizei zeitgleich nach einem gefährlichen Straftäter in der Region fahnet, scheint niemanden so richtig zu beunruhigen.

Und so bahnt sich langsam ein beklemmender Überlebenskampf an. Verteilt über insgesamt zehn Kapitel, schlüpfen Sie nach und nach in die Rollen der insgesamt acht Charaktere und erleben eine interaktive Horrorgeschichte, die sich in Sachen Gameplay und Struktur viel bei Quantic Dreams "Heavy Rain" abguckt. Immer wieder wird der Spieler mit Quicktime-Reaktionstests und Entscheidungssituationen konfrontiert, die den weiteren Verlauf der Story auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Das Ganze geht sogar so weit, dass am Ende jede Hauptfigur überleben oder sterben kann. Natürlich sind auch sämtliche Konstellationen dazwischen möglich, was laut Entwickler zu mehreren Hundert Endsequenzen führt.

Leben und sterben lassen

Das Faszinierende an Until Dawn: Sobald ein Held stirbt, speichert das Spiel automatisch ab und spinnt die Geschichte unter Berücksichtigung sämtlicher Konsequenzen weiter. Einen klassischen "Game Over"-Bildschirm werden Sie hier also nicht erleben. Im Hauptmenü einen älteren Spielstand aufrufen, das ist ebenfalls nicht vorgesehen. Die einzige Option, den Tod einer Figur rückgängig zu machen, besteht darin, ganz von vorn zu beginnen.

Spätestens, wenn Sie den ein oder anderen Teenager ins Herz geschlossen haben und dessen Leben plötzlich am seidenen Faden hängt, entfaltet Until Dawn dann auch eine unglaubliche Sogwirkung. Die innerliche Anspannung des gerade aktiven Helden überträgt sich förmlich auf den Spieler und lässt ihn umso intensiver mitfiebern. Das gilt insbesondere für zahlreiche Reaktionstests in der zweiten Spielhälfte, wo jedes zu späte Drücken der eingeblendeten Taste den sicheren Heldentod bedeuten kann. Die gute Nachricht: Die Macher geben dem Spieler auch abseits flinker Reflexe Mittel und Wege an die Hand, das Schicksal seiner Schützlinge in die gewünschten Bahnen zu lenken.

Dem Schicksal ein Schnippchen schlagen

Allen voran durch sogenannte Totems. Gemeint sind kleine, überall in der Spielwelt versteckte Holzfiguren, denen die Ureinwohner des Landes spirituelle Kräfte nachsagen. Findet man eine solche Figur, erhält man eine für wenige Sekunden andauernde Vision, die auf ein zukünftiges Ereignis blickt. Beispielsweise sehen Sie, wie Sportskanone Matt panisch an einer Klippe baumelt, kurz darauf den Halt verliert und am Boden zerschellt. Kein schöner Anblick - aber ein klarer Warnhinweis, dass man absolut wachsam sein sollte, sobald besagter Ort ins Spiel kommt.

Und tatsächlich: Auf dem Weg zu einem Funkturm der örtlichen Park Ranger erreicht Matt zusammen mit seiner ständig nörgelnden Freundin Emily die vermeintliche Todesklippe. Das Pärchen denkt sich zunächst nichts dabei, wird dann jedoch von einer aufdringlichen Herde Renntiere überrascht und immer weiter an den Rand des Felsmassivs gedrängt. Spätestens jetzt müssen Sie sich - wie so oft im Spiel - zwischen zwei Handlungsoptionen abwägen: Die Ruhe bewahren und vorsichtig an den Tieren vorbeilaufen? Oder doch lieber die mitgeführte Axt zücken und das Leittier niederstrecken, um die Herde zur Umkehr zu bewegen? Jeder, der kurz zuvor das Todessturz-Totem gefunden hat, wird ziemlich sicher letztgenannte Option wählen.

Darüber hinaus macht es Sinn, die mit viel Liebe zum Detail ausgearbeiteten Schilder, Notizzettel, Tagebucheinträge und sonstigen Hinweise in die Umgebung aufmerksam zu studieren, verdächtige Objekte genau zu analysieren und hin und wieder einen Blick auf das Charakter-Infomenü zu werfen, wo die Beziehungen der Figuren zueinander grafisch dargestellt werden. Alles in Kombination kann ebenfalls wichtige Hinweise dahingehend geben, wie Ereignisse und Handlungsfragmente zusammenhängen - und in einigen Fällen sogar Leben retten.

Was uns gefällt

Nebst der wirklich gelungenen audiovisuellen Präsentation auf Basis der modifizierten Engine des Ego-Shooters "Killzone: Shadow Fall", begeistert die Umsetzung des sogenannten Schmetterlingseffekts. Dieser Begriff aus der Chaostheorie beschreibt das Phänomen, dass geringfügig veränderte Anfangsbedingungen auf lange Sicht völlig andere Entwicklungen herbeiführen. Filmfans kennen die Idee womöglich aus dem Hollywood-Thriller "Butterfly Effect". Hier erlebt eine Hauptfigur ein Ereignis immer und immer wieder und muss entsetzt feststellen, wie jede noch so kleine Veränderung ihrer Taten den weiteren Handlungsverlauf in komplett neue Bahnen lenkt.

Bei Until Dawn" verhält es sich ganz ähnlich. Mit dem Unterschied, dass man eben nicht in der Zeit zurückreisen kann, sondern dauerhaft mit den Konsequenzen seiner Handlungen leben muss. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein kleines Eichhörnchen zu Spielbeginn: Entscheidet man sich, es zu erschießen, rächt sich die Natur, indem ein Vogel der bildhübschen Sam einen üblen Kratzer im Gesicht verpasst. Die fatalen Folgen zeigen sich allerdings erst einige Kapitel später, als Sam vor einem Killer durch ein düsteres Kellergewölbe flieht. Schon fast in Sicherheit, entdeckt der mit einem Mal Bluttropfen am Boden, die eindeutig auf den Vogelangriff zurückzuführen sind und Sam letztendlich verraten. Nur eines von zahlreichen Beispielen, wo der Schmetterlingseffekt gnadenlos zuschlägt.

Da die bereits erlebten Auswirkungen des Schmetterlingseffekts in einem speziellen Menü exakt aufgeschlüsselt werden, steigt natürlich auch die Neugier wissen zu wollen, was passiert wäre, wenn man sich gegenteilig verhalten hätte. Anders formuliert: Wie kaum einem anderen Titel gelingt es Until Dawn, den Spieler zu einer weiteren Durchspielrunde zu motivieren. Aus nicht allzu üppigen acht Stunden Durchspielzeit werden somit immerhin 16.

Was uns nicht gefällt

Die deutschen Synchronsprecher machen einen passablen Job, zeigen jedoch hin und wieder Durchhänger. Das betrifft insbesondere die deutschen Stimmen von Mike und Emily. Anders als die Sprecher von Chris, Sam, Josh und Dr. Hill gelingt es ihnen nie so recht, sich in die Rolle der jeweiligen Figur zu versetzen. Unsere Empfehlung: Genießen Sie das Horrorspiel im englischen Originalton mit deutschen Untertiteln.

Etwas deplatziert wirkt darüber hinaus die optionale Bewegungssteuerung. Durch Seitwärts-Schwenks des Controllers zwischen zwei Antwortoptionen wählen oder durch Auf- und Ab- beziehungsweise Vor- und Zurück-Bewegungen Mechanismen in Gang setzen, das klappt noch ganz gut. Geht es jedoch um die Handhabe von mitgeführten Lichtquellen wie Taschenlampe, Fackel oder Sturmfeuerzeug, wird’s anstrengend. Denn dazu muss man den gesamten Controller ständig kippen und neigen - auf Dauer ziemlich ermüdend.

Unverständlich zudem, warum Supermassive Games zu keiner Zeit sinnvollen Gebrauch von der Lichtleiste des PS4-Controllers macht. Hier hätte man wunderbar zwischen verschiedenen Farben und Helligkeitsstufen variieren können, um zusätzliche Immersion zu erzeugen – etwa, wenn die Figur mit unterschiedlichen Lichtquellen interagiert. Wie man’s besser macht, zeigen Spiele wie GTA 5.

Fazit

Clever platzierte Schockmomente, freche Dialoge, moralische Dilemma und jede Menge Blut und Eingeweide: Freunde gut gemachter Teenie-Slasher-Action kommen bei Until Dawn voll auf ihre Kosten. Sie müssen im Gegensatz zu anderen Vertretern des Survival-Horror-Genres allerdings fast gänzlich auf Puzzle-Elemente verzichten, was das Ganze noch mehr in Richtung interaktiver Film abdriften lässt. Und so faszinierend der Schmetterlingseffekt auch sein mag: Spätestens gegen Ende des zweiten Spieldurchlaufs wird klar, dass gewisse Variablen des Plots immer gleich bleiben und sich die Endsequenzen weniger dramatisch unterschieden, als im Vorfeld vom Entwickler angepriesen. Davon abgesehen: Sehr unterhaltsame PS4-Exklusivkost, die Sony hoffentlich zur festen Marke ausbaut.

Infos zum Spiel 

Titel: Until Dawn
Genre: Survival-Horror
Hersteller: Supermassive Games
Publisher: Sony
Release: 26. August 2015
Preis: zirka 65 Euro
System: PS4
USK-Freigabe: Ab 18 Jahren
Wertung: Gut

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