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Test zu Lost Horizon 2 | Adventure | PC  

Indiana Jones lässt grüßen

28.08.2015, 14:49 Uhr | Sönke Siemens (jr / ta), Richard Löwenstein

Indiana Jones lässt grüßen. Lost Horizon 2 Point & Klick-Abenteuer für PC von Animation Arts (Quelle: Deep Silver)

Lost Horizon 2 Point & Klick-Abenteuer für PC von Animation Arts (Quelle: Deep Silver)

Damit hatten die Entwickler aus Halle wohl nicht gerechnet. Als Animation Arts sein Abenteuergame "Lost Horizon 2" für PC erstmals auf der Gamescom 2013 präsentierte, reagierte die Community verstört. Der Wechsel von klassischer 2D-Point & Click-Optik hin zu echter 3D-Grafik kam gar nicht gut an. Letztlich warf man den neuen Stil über den Haufen und entschied sich für einen Kompromiss aus beiden Welten. Das Ergebnis ist ab dem 28. August 2015 im Handel und macht erstaunlich Laune sofern man einige technische Unzulänglichkeiten in Kauf nimmt.

Foto-Serie mit 12 Bildern

Raubein rettet seine Liebsten

Okkulte Artefakte, skrupellose Geheimdienst-Mitarbeiter, verkappte Nazis und eine Odyssee kreuz und quer um den Globus: Wie schon der Vorgänger Lost Horizon aus dem Jahr 2010 erzählt Teil zwei von den turbulenten Abenteuern des unehrenhaft entlassenen British-Army-Soldaten Fenton Paddock. Der typische Indiana-Jones-Verschnitt ist mittlerweile um 20 Jahre gealtert und muss seine Familie aus den Fängen der Sowjets befreien, die ihrerseits ein altes Nazi-Forschungsprojekt namens WOTAN vorantreiben wollen.

Mehr sei an dieser Stelle nicht zur Geschichte verraten, welche die Macher im Jahr 1956 und damit mitten im Kalten Krieg ansiedeln. Nur noch so viel: Abseits von Paddock schlüpft man immer wieder mal in die Rolle der sympathischen Mossad-Agentin Anna sowie in die Haut von Paddocks aufgeweckter Tochter Gwen. Das Ganze geht so weit, dass der Spieler in manchen Szenen aktiv und mehrfach zwischen den Helden wechselt, was für einige amüsante Dialoge und Kopfnüsse sorgt.

Aktive Interaktion mit der Umgebung

Um die Immersion zu verstärken, setzt Animation Arts außerdem auf eine direkte Interaktion mit ausgewählten 3D-Objekten in der Spielumgebung. Diverse Türen zum Beispiel können nur geöffnet werden, wenn Sie mit der Maus über den Türgriff fahren und diesen zu sich heranziehen. Anderenorts reinigen Sie stark verschmutzte Instruktionstafeln, indem Sie mit der Maus hektisch auf- und abwärts gerichtete Wischbewegungen ausführen.

Ebenfalls nett gemacht: An vielen Apparaturen, etwa der Steuerungskonsole eines Generators, können Sie Schalter nach Belieben umlegen beziehungsweise Regler in andere Positionen schieben oder drehen. Nervenaufreibendes Trial-and-Error-Gameplay bleibt aufmerksamen Spielern dabei aber gänzlich erspart. Wer sich bedacht umsieht, wird immer die nötigen Hinweise zur Bedienung solcher Mechanismen finden.

Doch damit nicht genug: Zahlreiche Zwischensequenzen sind ebenfalls interaktiv gehalten und erfordert das Anklicken bestimmter Schaltfläche im richtigen Moment. Anfangs ganz nett, dürften diese Abschnitte allerdings nicht jedem zusagen, weil sie dem Ganzen eine gewisse Hektik einimpfen und obendrein keinen Spielraum für Fehler lassen. Wer daneben oder zu langsam klickt, beginnt die Szene wieder von vorn. Langweilig.

Hauptsache logisch

Die Rätsel selbst sind in der Mehrzahl der Fälle angenehm logisch aufgebaut. Ein Kapitel verschlägt Paddock zum Beispiel auf den Roten Platz in Moskau. Unter den Sarkophagen in einem Mausoleum soll sich dort der Geheimzugang zu einer KGB-Forschungseinrichtung befinden, wo Tochter Gwen festgehalten wird. Das Problem: Touristen dürfen die Ruhestätte namhafter russischer Staatsmänner zwar betreten, werden jedoch mit Argusaugen beobachtet.

Was also tun? Ganz einfach: Wer sich genau umsieht, findet schon bald den Zugang zu einem Lüftungsschacht, hinter dem sich Paddock bis nach Ende der Besuchszeit verstecken kann. Vorher muss er gleichwohl noch vier sternförmige Schrauben einer Abdeckung mit einer besonders flachen Münze freilegen sowie den passenden Schraubendreher von einem Mechaniker ausborgen, zerlegen und ins Gebäude schmuggeln. Das Ergebnis ist eine stets nachvollziehbare Rätselkette, die - wie so viele Puzzles im Spiel - ein sehr schönes Flow-Erlebnis erzeugt. Zumindest wenn man einige Minuten zuvor die zündende Idee hatte, das mitgeführte Geldstück auf die Gleise eines Rangierbahnhofs zu legen, wo es im Handumdrehen plattgewalzt und zu "besonders flachen Münzen" wird.

Später wird’s kniffliger

Ganz so zackig wie in Moskau und anderen anfänglichen Kapiteln kommt man aber nicht immer voran. Im letzten Spieldrittel arbeiten die grauen Zellen regelmäßig auf Hochtouren und man wünscht sich, Lost Horizon 2 hätte eine eingebaute Notizfunktion. Stundenlange Durchhänger werden Sie hier dennoch nie haben, denn für den Fall der Fälle haben die Macher die Komplettlösung vorsichtshalber schon mal ins Spiel integriert. Das klingt anfangs etwas befremdlich, hat aber durchaus Sinn, zumal diese Hilfe rein optional ist und niemandem aufgezwungen wird.

Hinzu kommt: Die spielinterne Komplettlösung gliedert Antworten auf einzelne Problemstellungen recht sinnvoll in kleine, thematisch in sich abgeschlossene Blöcke, von denen nie mehr als drei gleichzeitig auf einem Bildschirm angezeigt werden. Außerdem sind sie so formuliert, dass sie kaum Details zur Story vorweg greifen. Die Lösung wirkt dadurch oft wie ein Spickzettel, auf dem man sich nur kurz den nötigen Hinweis heraussucht und dann mit vollem Elan weiterknobelt.

Pfiffige Gameplay-Ideen

Einen charmanten Eindruck hinterlässt ferner das sogenannte Werkbank-Feature. Immer wenn mehr als zwei Objekte sinnvoll miteinander kombiniert werden müssen, öffnet sich eine Art Arbeitsfläche und zeigt am rechten Bildrand die Einzelkomponenten der Lösung. Ihre Aufgabe besteht nun darin, die Teile in der richtigen Reihenfolge in der Bildmitte zu platzieren, damit etwas Nützliches entsteht. Kombinieren Sie beispielsweise eine Fußballzeitschrift mit einem Taschenmesser, schneidet Heldin Anna das Foto eines prominenten Kickers aus. Nun noch klebrige Posterfetzen und Postkarte in die Bildmitte ziehen, das so entstandene Sammelbild mit einem Kugelschreiber signieren, und fertig ist die Autogrammkarte für einen kleinen Jungen. Dass der ausgerechnet Franz heißt und im Fußball mal ganz groß rauskommen will, ist nur einer von vielen netten Seitenhieben auf Ereignisse jener Zeit.

Was uns gefällt

Durch zahlreiche Perspektivwechsel gelingt es Animation Arts immer wieder, dem Spieler die Geschichte aus ganz neuen Blickwinkeln zu präsentieren. Im Deutschland-Kapitel etwa lotsen sie Anna aus der Iso-Perspektive durch einen verwinkelten Wald, um den Eingang zu einem geheimen Bunker zu finden. In Ägypten wiederum geht’s mit Paddock aus ähnlicher Ansicht durch eine uralte Zisterne. Ein schönes Kontrastprogramm zu den zahlreichen Passagen aus klassischer Seitenansicht und der Kamera nah am Helden. Durchweg gelungen präsentiert sich zudem die deutsche Sprachausgabe. Vor allem die Synchronsprecher von Anna und Paddock wachsen einem schnell ans Herz.

Was uns nicht gefällt

Grafisch ist Lost Horizon 2 ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite stehen wunderbar detailliert gerenderte Szenarien mit vielen sehenswerten Partikeleffekten und teils wirklich aufwändig animierten Vorder- und Hintergrundobjekten. Auf der anderen Seite geizen die Entwickler - mal abgesehen von den zahlreichen Zwischensequenzen - so häufig mit Figurenanimation, dass man sich ernsthaft fragt, wieso die Firma den Namen Animation Arts trägt. Schiebt Anna zum Beispiel eine Schubkarren eine Rampe hinauf, wird dies gar nicht gezeigt. Stattdessen wird das Bild kurz schwarz und zeigt wenig später die Schubkarre am Zielort - wirklich fad. Schlimmer noch: Figuren rutschen zuweilen stocksteif am Boden entlang und drehen sich immer wieder mal wie ein Karussell leblos um die eigene Achse.

Fazit

Lost Horizon 2 mag seine technischen Defizite haben, aber am Ende des Tages bleibt ein spannend erzähltes, professionell vertontes Rätselvergnügen, das nicht nur Genrekenner aufgrund seiner meist sehr logisch gehalten Puzzles in einem Rutsch durchspielen werden. Trotzdem: Beim nächsten Mal bitte den Detailanimationen deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken - wie man’s besser macht, zeigt "The Book of Unwritten Tales 2" von King Art aus Bremen.

Infos zum Spiel 

Titel: Lost Horizon 2
Genre: Point & Click-Abenteuer
Hersteller: Animation Arts
Publisher: Deep Silver
Release: 28. August 2015
Preis: zirka 40 Euro (Starter-Pack)
System: PC
USK-Freigabe: Ab 12 Jahren
Wertung: Gut

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