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Showdown der Monsterjäger

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Report Pokémon-Weltmeisterschaft in Boston  

Showdown der Monsterjäger

01.09.2015, 15:03 Uhr | Sönke Siemens (jr / ta), Medienagentur plassma

Showdown der Monsterjäger. Report Pokèmon-WM Boston 2015 (Quelle: Medienagentur plassma)

Report Pokèmon-WM Boston 2015 (Quelle: Medienagentur plassma)

Im Jahr 1996 eroberten zwei Gameboy-Module rund ums Sammeln, Trainieren und Gegeneinander-antreten-lassen von knuffigen Kreaturen namens "Pokémon" die japanische Videospiel-Welt im Sturm. Anfangs noch für ein fernöstliches Phänomen gehalten, dauerte es nicht lange, bis die Hosentaschen-Monsterchen auch in Übersee für klingelnde Kassen und eine ständig wachsende Fangemeinde sorgten. Das Erstaunliche: Selbst heute, knapp 19 Jahre später, erfreuen sich die Pokémon noch immer größter Beliebtheit. Die Begeisterung geht sogar soweit, dass Vermarkter The Pokémon Company zum nunmehr siebten Mal eine offizielle Weltmeisterschaft veranstaltete - mit Preisgeldern im Wert von über 500.000 US-Dollar. T-Online Spiele war vor Ort in Boston, Massachusetts, um sich das Ganze live und in Farbe anzusehen.

Erster Paukenschlag gleich zum Start

Die Atmosphäre im Hynes Convention Center ist locker, unaufgeregt und freundlich, als das Turnier am 21. August 2015 um Punkt 9 Uhr morgens mit einer Eröffnungszeremonie durchstartet. Kurz nach der Vorstellung der über 30 teilnehmenden Länder und einer kleinen Ansprache von Moderator und Youtube-Star Jonathan Indovino gibt's dann auch schon die erste faustdicke Überraschung: In Kooperation mit Nintendo und Namco Bandai kündigt man unter dem tosenden Beifall der Fans das Beat’em-up "Pokémon Tekken" an.

Der in Japan bereits als Spielhallenautomat verfügbare Titel soll im Frühjahr 2016 exklusiv für Nintendos Wii U erscheinen und dürfte der strauchelnden Heimkonsole noch mal ordentlich Auftrieb geben. Nicht zuletzt, weil zwei äußerst erfahrene Männer die Entwicklung verantworten: Katsuhiro Harada, Spieldirektor und Chefproduzent der weltbekannten Kampfspiel-Reihe "Tekken", und Masaki Hoshino, Produzent des nicht minder beliebten "Soul Calibur".

Und tatsächlich: Bei ersten Probekämpfen an einigen exklusiv für den Event eingeflogenen Spielautomaten überzeugt "Pokémon Tekken" bereits mit erstaunlich lebendigen 3D-Pokémon, die sich mit einer Vielzahl von Manövern gegenseitig die Energiebalken leer kloppen. Im direkten Vergleich mit den eben genannten Vorbildern ist das Gameplay allerdings bewusst zugänglicher gehalten, was jedoch nicht negativ auffiel. Viel störender: Mit gerade einmal zehn spielbaren Pokémon sowie acht Unterstützungs-Pokémon hält sich die Figurenvielfalt der Automatenfassung in engen Grenzen.

Hier bleibt zu hoffen, dass die Macher noch ordentlich nachlegen und zumindest über 20 verschiedene spielbare Charaktere anbieten - bei ziemlich genau 720 offiziell bekannten Pokémon dürfte das nicht allzu schwierig sein. Skurriles Detail am Rande: Der Spielname "Pokémon Tekken" gilt exklusiv für den deutschsprachigen Raum. Im Rest der Welt heißt der Prügelspaß "Pokkén Tournament", was hierzulande jedoch in Anbetracht der nahezu gleichnamigen Infektionskrankheit zweifelsohne den ein oder anderen besorgten Erziehungsberechtigten auf den Plan rufen würde.

Höhere Preisgelder, mehr Teams

Doch zurück zur eigentlichen Veranstaltung. Die erfreute sich an allen drei Tagen hoher Besucherzahlen (geschätzt knapp 3000 Teilnehmer) und war ähnlich aufgebaut wie schon 2014, als die Pokémon-WM in Washington D.C. stattfand. Mitmischen durfte jeder, der in den vergangen zwölf Monaten durch die Teilnahme an diversen Turnieren auf regionaler und nationaler Ebene genügend Championship-Punkte beim Spielen von "Pokémon Alpha Saphir" oder "Pokémon Omega Rubin" angehäuft hatte. In Europa zum Beispiel musste man es in der besonders prominenten Masters Division unter die Top-60-Spieler schaffen.

Wichtigste Neuerung 2015: Erstmals durften Teams aus Südamerika mitmischen, weshalb unter anderem sehr engagierte Spieler aus Argentinien, Brasilien, Chile und Kolumbien vertreten waren. Ebenfalls beachtenswert: Die Summe an Preisgeldern fiel viermal höher aus als im Vorjahr. Wobei Preisgelder den Nagel nicht ganz auf Kopf trifft, denn streng genommen gewinnen die besten 16 Spieler aller drei Altersgruppe (Juniors, Seniors, Masters) letztendlich Stipendien im Wert von bis zu 10.000 US-Dollar. Die wiederum dürfen dann weltweit an staatlich anerkannten Ausbildungsstätten innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren eingelöst werden. Faire Sache: Wer mag, hat außerdem die Möglichkeit, ein gewonnenes Stipendium an jemand anderen zu überschreiben.

Schere-Stein-Papier für Profis

Dass ein Turnier wie dieses mehrere Tausend Besucher vor Ort und Hundertausende Menschen im Twitch-Livestream drei Tage lange fasziniert, hat jedoch nicht nur mit hohen Preisgeldern, Teams aus aller Welt und guter Organisation zu tun, sondern vor allem mit der nervenaufreibenden Spannung der Duelle an sich. Um die nachvollziehen zu können, lohnt ein kurzer Blick aufs Regelwerk.

Letztendlich geht es darum, dass jeder Spieler je vier unterschiedliche Pokémon mit völlig verschiedenen Talenten in die Schlacht schickt, von denen allerdings immer nur zwei aktiv kämpfen dürfen. Die anderen beide schlummern in einem sogenannten Pokéball und warten auf ihren Einsatz. Die Schwierigkeit: Bereits bevor ein Match beginnt, muss jeder Teilnehmer aus einem Fundus von sechs vorgegebenen Figuren vier auswählen. Das 6er-Aufgebot des Gegners kennt man zu diesem Zeitpunkt zwar schon, für welches Kreaturen-Quartett er sich entscheiden wird, erfährt man jedoch erst, wenn der 15-Minuten-Timer jeder Partie zu ticken beginn. Weiterer Nervenkitzel: Pro Zug hat ein Spieler nur 45 Sekunden Zeit. Spätestens dann muss er entschieden haben, mit welchen Fähigkeiten die aktiven Pokémon angreifen. Gewonnen hat, wer alle vier Pokémon seines Gegenübers von der Bildfläche fegt.

Wechselbad der Gefühle

Was auf dem Papier verhältnismäßig simpel klingt, erfordert in der Praxis höchste Konzentration und Aufmerksamkeit. Denn alle Pokémon sind bestimmten Typen zugeordnet (Wasser schlägt Feuer, und so weiter) und verfügen über individuelle Vor- und Nachteile. Man hat also nur eine reelle Chance auf den Sieg, wenn man seinen Gegner optimal "liest", sprich: seine Manöver vorausahnt und dann entsprechende Gegenmaßnahmen einleitet.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf wird schnell klar, warum die Spieler auf der Bühne immer wieder für sichtliche Anspannung im Publikum sorgen. Manche Zuschauer halten sich gar die Augen zu oder springen frenetisch auf, wenn ihre Superstars Rückschläge einstecken müssen respektive einen besonders effektiven Treffer landen. Kurzum: Das Stimmungsbarometer schlägt kräftig aus - vor allem am WM-Sonntag, wo die Endrundenspiele stattfinden und die fachkundigen Kommentatoren besonders emotional mitgehen.

Gleiches können wir übrigens auch den deutschen Spielern bescheinigen, die erstaunlich zahlreich vertreten waren und sich gegenseitig immer wieder anfeuerten. Beim Auftritt von Lajos Woltersdorf, der es als einziger westlicher Spieler in die Top 8 der Masters Division geschafft hatte, ließen sie sich gar zu jubelnden Sprechchören hinreißen. Woltersdorf selbst zeigte sich sichtlich erfreut, spielte fantastisch auf und konnte im Viertelfinale gar einen Rückstand von 0:1 aufholen. Am Ende reichte es dann aber doch nicht, um den Japaner Yosuke Isagi in seine Schranken zu weisen.

Problemfeld Screen Peaking

Im nachfolgenden Gespräch mit T-Online Spiele zeigt sich Woltersdorf dennoch höchst zufrieden und lobt obendrein die organisatorische Leistung der Veranstalter. Gefragt nach den Schattenseiten solcher Turniere, lässt er allerdings auch Kritik durchschimmern. "Tatsächlich ist auch Cheating ein Thema bei der Videogame-Meisterschaft", so Woltersdorf. "Vor allem das sogenannte Screen Watching ist leider nicht ganz ausgeschlossen, und manche Spieler greifen darauf zurück - ich habe es selbst beobachten können bei den Deutschen Meisterschaften dieses Jahr. Ich wünsche mir wirklich, dass das ein bisschen genauer betrachtet wird."

Gleichzeitig hat der smarte Gamer aber auch Ideen, was man dagegen unternehmen könnte: "Man müsste ganz konkret sagen, dass kein Spieler einen Hut oder eine Sonnenbrille tragen darf, um sein Gesicht zu verschleiern - denn sonst ist es schwer zu erkennen, ob er versucht auf den Bildschirm des anderen zu schauen oder nicht. Ferner ist es von Vorteil, wenn die Tische recht breit sind, damit die Spielkonsolen der Teilnehmer (und somit die Bildschirme) eine hohe Entfernung voneinander haben. Kurz gesagt: Man muss dieses Über-den-Bildschirm-gucken besser in den Griff kriegen."

Sein Profitipp, um ganz sicher zu gehen, dass der andere nicht schummelt? "Am besten, man klappt den 3DS leicht an und stellt auf diese Weise eine Sichtsperre auf. Ferner kann man die Helligkeit des Displays auf die minimale Stufe herunterregeln, sodass es für Außenstehende schwierig wird, zu sehen was ich tue. Außerdem beobachte ich meinen Gegner genau und merke dann schon, wenn er sich hoch beugt."

Die glücklichen Gewinner

Als weltbester Pokémon-Trainer der Masters Division und mit einem Stipendium von umgerechnet knapp 8841 Euro in der Tasche ging schließlich Shoma Honami vom Platz. Sieger der anderen beiden Videospiel-Altersdivisionen waren der Brite Mark McQuillan (Seniors) und der Japaner Kotone Yasue (Juniors). Auch sie freuten sich über einen Betrag in selbiger Höhe sowie eine funkelnde Pikachu-Statue, die ihnen schließlich im Rahmen der Abschlusszeremonie von Pokémon-Erfinder Satoshi Tajiri höchstpersönlich überreicht werden. Nimmt man alle Preisgelder der Videospiel-Division zusammen, beläuft sich die Gesamtsumme auf knapp 154.500 US-Dollar.

Nun fragt sich der aufmerksame Leser natürlich, was mit den übrigen knapp 345.000 US-Dollar passiert ist? Ganz einfach: Sie wurden im Rahmen der parallel stattfinden Pokémon Trading-Card-WM eingesetzt, deren Ergebnisse Sie auf www.pokemon.com nachlesen können.

Glimpflicher Zwischenfall

Überschattet wurde die Veranstaltung von einer Hiobsbotschaft, die gleichwohl erst kurz nach dem Turnier die Runde machte. Demnach hatten zwei Teilnehmer aus Iowa in sozialen Netzwerken Bilder von scharfen Waffen veröffentlicht und angegeben, den "Wettbewerb töten" zu wollen. Besorgte Facebook-Nutzer warnten darauf die Polizei, welche die beiden noch vor dem Betreten des Turniergeländes festnahmen und zur Rede stelle. Die jungen Männer berichteten zunächst von einem schlechten Scherz. Als die Beamten jedoch kurz darauf zwei Gewehre, hunderte Schuss Munition und ein Messer im Wagen der Betroffenen fanden, wurden sie ein weiteres Mal festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt - unter anderem wegen unerlaubtem Waffenbesitz.

Fazit

Höhere Preisgelder, noch mehr Social-Media-Präsenz, viele sichtlich zufriedene Besucher und zehntausende euphorische Kommentare auf Facebook und Twitter: Auch dieses Jahr kann die Pokémon-WM als voller Erfolg bezeichnet werden. Allerdings sollten sich die Veranstalter das Feedback von Lajos Woltersdorf und anderen Profispielern zu Herzen nehmen und zukünftig noch härter gegen die berüchtigten Screen-Schummler vorgehen. Das gilt vor allem in der bereits wieder angelaufenen Qualifikationsphase, wo die Präsenz von qualifizierten Schiedsrichtern erfahrungsgemäß deutlich niedriger ausfällt und keine millionenstarke Web-Gemeinde den Finalisten bei jeder Aktion auf die Finger schaut.

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