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Heißer Tanz in weiter Wüste

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Test zu Mad Max | Actionspiel | PC, PS4, Xbox One  

Heißer Tanz in weiter Wüste

03.09.2015, 15:44 Uhr | (jr / ta), Richard Löwenstein

Heißer Tanz in weiter Wüste. Mad Max Open-World-Actionspiel von Avalanche Studios für PC, PS4 und Xbox One (Quelle: WB Games)

Mad Max Open-World-Actionspiel von Avalanche Studios für PC, PS4 und Xbox One (Quelle: WB Games)

Der Spiele-Titel "Mad Max" führt ein kleines bisschen in die Irre: Das Open World-Actionspiel für PC, PS4 und Xbox One zeichnet zwar den postapokalyptischen Überlebenskampf eines Einzelnen in einer Welt durchgeknallter Benzinfreaks nach, genau wie die gleichnamigen Filme. Aber der Third-Person-Überlebenskampf der Batman-Macher von WB Games bringt andere Figuren und eine eigene Handlung mit.

Die Filme aus der "Mad Max"-Serie starteten 1979 mit Mel Gibson in der Hauptrolle. Ein wilder Mix aus brutalen Schießereien, haarsträubenden Verfolgungsjagden und dem Überlebenskampf in einer postapokalyptischen Wüste. In dieser rohen Welt kämpfen Menschen um Wasser, Benzin, geistige Gesundheit und das nackte Überleben. Die Macht hat, wer stärkere Motoren und fettere Waffen besitzt. Mit irrwitzigen Charakteren, brachialen PS-Monstern und überdrehter Action drängt sich dieses Szenario gerade als Game auf. Nun wagen sich also die Schweden von Avalanche Studios als Entwickler an das Thema heran. Sie haben mit der Just Cause-Reihe bereits belegt, dass sie sich auf Durchgeknalltes verstehen.

Schwache Rahmenhandlung

Die Mad-Max-Filme leben von fremdartigen Bildern und einer starken Heldengeschichte - von einem einsamen Kerl namens Max Rockatansky, der sich vordergründig für eigene Interessen und am Ende aber eben doch für die Schwachen einsetzt. Dem Game fehlt diese menschliche Komponente weitgehend. Man begegnet kaum einem vernunftbegabten und damit beschützenswerten Wesen, sondern fast nur verrückten Benzinfreaks in verschiedensten Ausprägungen: Läufer mit weißgetünchten Schädeln, Brutalos mit schweren Eisenknüppeln, in Leder und Dornen gehüllte Mutanten. Keine Überraschung, dass sie alle auf Randale aus sind. Manchmal bringen sie ihren Anführer mit.

Action der Just-Cause-Macher

Genau so eine Horde stiehlt Max gleich zu Beginn seinen fahrenden Untersatz, den berühmt-berüchtigten V8-Police-Abfänger. Max entgeht dem Tod knapp und trifft mitten in der Wüste einen buckligen Entstellten namens Chumbucket - ab diesem Moment Max´ Begleiter, Anleiter und außerdem Mechaniker. Er stellt Max ein Muscle Car hin und formuliert eine eher vage Gesamtaufgabe: Schrottteile finden, damit das Auto zum Kampffahrzeug aufrüsten, eine Festung namens Gastown erreichen und schließlich den Terrorfürsten Scabrous Scrotus stellen. Er hält hier in der Gegend alles unter seiner Knute.

Spannende Missionen

Die Avalanche-Entwickler füllen die große offene Wüste mit vielfältigen Herausforderungen. Story-Missionen führen den Spieler direkt zum Finale. Doch zuvor bekommt man Einiges zu tun. In mehrstufig choreographierten Herausforderungen soll Max zum Beispiel Geiseln befreien, Ölpumpen sprengen, Terror-Boys killen oder Tanklastzüge eskortieren. Stützpunkt für Stützpunkt, Schlägerei für Schlägerei, Autoverfolgung für Autoverfolgung kämpft man sich in der Kampagne voran. Im Rahmen von Kamerafahrten und Dialogszenen erklärt Chumbucket Herausforderungen, Gefahren, Aufgaben und Bossgegner. Selbst wenn die große emotionale und charaktergeprägte Note fehlt: Die Aufgaben sind spannend inszeniert und sinnvoll ins Gesamtgefüge integriert. Das weckt Neugier. Man will wissen, wie die Welt tickt und was am Ende wartet.

Autotuning in der Nachapokalypse

Komplettlöser widmen sich zusätzlich den Bonusaufgaben. Sie suchen zum Beispiel von Scabrous Scrotus installierte Mahnmale, sammeln weitere Autos oder finden und löschen Leuchttürme, die den Einflussbereich des bösen Buben markieren. Das geschieht nicht zum Selbstzweck, sondern mindert in befreiten Gebieten spürbar die Chance auf Feindkontakt.

Zum Pflichtprogramm zählt wiederum das Tuning von Max Charakterwerten und die Aufrüstung seines Fahrzeugs. Ausreichend Schrottteile vorausgesetzt, wird es um Rammen, Nitrobooster, Harpunen und Flinten ergänzt. Ohne ist ein Vorankommen in der Kampagne ausgeschlossen. Die ist übrigens komplett auf Einzelgänger geeicht. Es gibt keinen Mehrspieler-Modus. Das ein zweiter Mitspieler per extra Controller die Third-Person-Kamera beeinflussen und Bilder schießen kann, ist ein netter Gag, mehr nicht.

Funktionierende Navigation

In der Mini-Map sind Zielpunkte, Benzinkanister und andere Wichtigkeiten klar markiert. Die Route zum nächsten Ziel ist klar gekennzeichnet. Wer's nicht direkt ansteuern mag, kann auch querbeet cruisen. Das Wühlen im Sand, Hüpfen über Dünen, Driften auf nacktem Gestein und Manövrieren auf schmalen Graten macht der verlässlichen Steuerung wegen richtig Spaß - die würde nämlich auch einem Rallyegame zur Ehre gereichen.

Immer wieder flitzen Angreifer mit Buggys und Motorrädern heran, kommen näher, die Spannung steigt. Dann beginnen sie zu rammen und zu schießen. Man kann flüchten, zurückrempeln oder mit Schrotflinte und Harpune antworten. Fahren und gleichzeitiges Zielen und Feuern geht mit der Zeit gut von der Hand. Kompliment an das integrierte Tutorial. Es bringt einem die teils komplizierten Handgriffe in verdaulichen Häppchen nahe.

Überzeugendes Kampfsystem

Auf Tastenkommando rollt sich Max aus dem Cockpit und kämpft von Mann zu Mann weiter. Aus solchen Situationen entwickeln sich körperbetonte, wuchtige, außerordentlich gut kontrollierbare Raufereien mit bis zu acht Angreifern. Schlagen, parieren, kontern und final ausschalten, das klappt ähnlich gut wie bei WB Games' "Batman Arkham"-Reihe. Allerdings geht es äußert handfest zur Sache. Zeitlupen zeigen, wie Max einem Opfer die Faust in den Körper rammt und dessen Schädel gegen eine Mauer drischt: Trotz USK-Freigabe "Ab 18" sind einige Szenen allzu blutig inszeniert und balancieren hart an der Grenze zum schlechten Geschmack.

Starke Grafik, hervorragende Musik

Die Wüste präsentiert sich in Mad Max überraschend facettenreich. Dämmerung, Tag, Nacht, Nebel, Sandstürme, Dunkelheit und andere Situationen verändern Farben und Lichtstimmung deutlich. Gigantische Felsen, weite Ebenen und der wolkenverhangene Himmel strahlen eine schwer erklärbare Attraktivität aus. Hier erhebt sich ein verfallenes Casino, dort ein Schiffswrack - in dieser magischen Atmosphäre möchte man sich verlieren.

Zumal technisch alles tiptop ist: schöne Farben, dynamische Animationen, filigrane Details und schneller Bildaufbau mit oft 60 Frames addieren sich zum überzeugenden Look. Musik und Soundeffekte komplettieren den guten Eindruck. Wechselnde Stimmungen werden mit mal melancholischen, mal unheilsschwangeren Klängen hervorragend illustriert.

Was uns gefällt

Der Spieler kann Aufgaben auf verschiedene Weise erledigen. Das Eindringen in einer Feindbasis beispielsweise gelingt auf die brachiale oder die schlaue Tour. Man kann externe Bewacher-Einheiten einen nach dem anderen ausschalten oder aber den Stützpunkt aus der Ferne per Fernglas beobachten, Geheimgänge aufspüren und sich ungesehen einschleichen. Der Spielfluss überzeugt: Fast das komplette Game fließt angenehm und ohne Pause dahin, außer der Held stirbt. Dann wird man durch eine lästige Ladepause aus dem Geschehen herausgerissen.

Was uns nicht gefällt

Bei der ersten Begegnung mit versteckten Scharfschützen, Sprengstoffkatapulten oder Minenfeldern rutscht einem noch das Herz in die Hose. Nach einigen Stunden wiederholen sich Herausforderungen und Aufgaben, und es fehlt an Überraschungen. Dialogszenen lassen sich nicht abbrechen, das stört bei Wiederholungen nach einem Heldentod. Leider drückt sich der Hersteller um eine komplette Eindeutschung. Die meisten Bildtexte sind zwar übersetzt, Sprache und Schilder aber nicht. Das kostet Atmosphäre-Punkte und nervt, weil oft bei laufender Action Missionsfortschritte erklärt werden. Vom englischunkundigen Spieler wird offenbar erwartet, dass er sich gleichzeitig auf Untertitel konzentrieren kann.

Fazit

Etappenweise erinnert Mad Max an eine brutale Variante von "Assassin's Creed". Der Überlebenskämpf in einer trostlosen Einöde voller irrer Terrorfürsten punktet mit wunderschönen Bildern, stimmungsvoller Musik und faszinierender Endzeit-Atmosphäre. Eine starke Geschichte oder allzu ausgeprägte Charaktere darf man sich nicht erwarten. Stattdessen bekommt man unterhaltsames Open-World-Gameplay mit einer temporeichen und substanzstarken Aneinanderreihung von Action-Herausforderungen geboten.

Infos zum Spiel 

Titel: Mad Max
Genre: Action
Hersteller: Avalanche Games
Publisher: WB Games
Release: 9. September 2015
Preis: zirka 60 Euro
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Ab 18 Jahren
Wertung: Gut

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