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Deus Ex: Mankind Divided im Preview

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Hands-on-Preview Deus Ex: Mankind Divided | Actionspiel | PC, PS4, Xbox One  

Terrorjagd in der Hightech-Hölle

09.10.2015, 15:20 Uhr | Sönke Siemens (ams/ta), Medienagentur plassma

Deus Ex: Mankind Divided im Preview. Deus Ex: Mankind Divided (Quelle: Square Enix)

Deus Ex: Mankind Divided (Quelle: Square Enix)

Mit Deus Ex erschuf Gamedesigner Warren Spector im Jahr 2000 einen Meilenstein der Videospielgeschichte. Der 2003 veröffentlichte Nachfolger "Deus Ex: Invisible War" konnte ebenfalls viele positive Kritiken einstreichen. Und auch die August 2011 erschienene Fortsetzung "Human Revolution" konnte bei Rezensenten und Spielern punkten. Am 23. Februar 2016 soll nun mit Deus Ex: Mankind Divided der vierte Teil für PC, PS4 und Xbox One erscheinen. Nach einer ersten Kostprobe auf der Spielemesse E3 2015 konnte T-Online Spiele das Action-Rollenspiel beim Vor-Ort-Besuch im kanadischen Montreal nun erstmals länger anspielen – und ist durchaus angetan.

Brisanter Story-Zündstoff

Das beginnt schon bei der komplexen Hintergrundgeschichte, die sich wieder um die sogenannten Augmentierungen dreht - also künstliche Prothesen und Körpererweiterungen, die ihren Trägern besondere Fähigkeiten verleihen. "Die Hauptthematik in 'Human Revolution' war Transhumanismus", erklärt Produzent Olivier Proulx. "Es ging darum, wie Körper-Augmentationen das Leben von Menschen verbessern. Die Epoche wurde potenziell als das Goldene Zeitalter gesehen. Doch schon bald gab es viele Kontroversen darum, was es bedeutet, menschlich zu sein."

Die Diskussion mündete schließlich in einem katastrophalen Ereignis, das viele nur noch als den Aug-Vorfall kennen. Proulx weiter: "Gegen Ende des Spiels wurde jeder mit einer Augmentierung – ohne dessen Zustimmung, versteht sich – gehackt, was wiederum eine Art Wahnsinn bei den Betroffenen auslöste. Die Folge waren Tod und Zerstörung und eine dramatische Spaltung der Gesellschaft in Augmentierte und Nicht-Augmentierte. Oder um es mit anderen Worten zu formulieren: Mechanische Apartheid."

Einer muss es richten

Mittendrin in diesem Schlamassel befindet sich Anti-Terror-Experte Adam Jensen. An ihm liegt es nun in "Deus Ex: Mankind Divided", die Wogen zwischen den bis aufs Blut verfeindeten Parteien zu glätten und die wahren Hintermänner des Aug-Vorfalls zu enttarnen. Womit auch schon die Brücke zum ersten Teil der in Montreal anspielbaren Gameplay-Demo geschlagen wäre. Die Mission: Auf der Großbaustelle des noch nicht fertig gestellten Desert Jewel Resort Hotels in Dubai einen Mittelsmann namens Sheppard finden. Der nämlich pflegt intensive Beziehungen zu einer vor allem in Nahost operierenden Waffenschmugglerbande namens The Jinn und ist somit genau die richtige Person, um Jensens Ermittlungen voranzutreiben.

Auf Wunsch mit Plot-Verknüpfung

"Dubai ist das erste Level der Handlung und eine hervorragende Möglichkeit für uns, neue Spielmechaniken, die überarbeitete Steuerung und die Tutorial-Aspekte des Spiels in Szene zu setzen", so Proulx im Interview mit T-Online Spiele. Bevor man allerdings selbst Hand anlegen darf, besteht die Möglichkeit, eine Zusammenfassung der dramatischen Ereignisse des ersten Teils mithilfe eines geschickt geschnittenen, knapp über zehn Minuten langen Videos Revue passieren zu lassen. Doch keine Sorge: Diese Option ist optional. Wer "Human Revolution" noch nicht kennt beziehungsweise noch nicht bis zum Ende gespielt hat, überspringt diesen Schritt einfach und startet direkt durch.

Zukunft ist Vergangenheit

Ob "Mankind Divided" den Spielstand des Vorgängertitels – und somit dort getroffene Entscheidungen – übernehmen wird, wollten die Macher derweil noch nicht verraten. Das Schweigen von Gameplay-Designer Patrick Fortier und seinem Team könnte mit etwas Optimismus aber durchaus als stille Zustimmung gedeutet werden. Außerdem würde es dem Anspruch von Eidos Montreal gerecht werden, Story-Entscheidungen und die damit verbundenen Konsequenzen mehr denn je in den Mittelpunkt zu rücken.

Doch genug spekuliert und zurück zur rasanten Einführungsmission, die sich – wie fast jede Herausforderung im Spiel – auf verschiedene Art und Weise lösen lässt. Nettes Detail am Rande: Noch bevor der von Kopf bis Fuß mit Hightech-Implantaten übersäte Jensen waghalsig aus einem Transportgleiter gen Zielposition abspringt, können Sie während eines Multiple-Choice-Dialogs mit Ihrem Vorgesetzten Miller die grobe Ausrüstung für den Einsatz festlegen. Nah- oder Fernkampf-Waffen? Tödliche oder nicht tödliche Munition? Serientypisch liegt die Entscheidung ganz bei Ihnen.

Clever ausbalancierter Genre-Hybrid

Wichtigster Unterschied zum Vorgänger "Human Revolution": Ab sofort gilt Schleichen nicht mehr unbedingt als der Königsweg, eine Mission abzuschließen. Vielmehr strebt das Studio an, immer auch Lösungspfade für Waffennarren und Verhandler anzubieten. Im Dubai-Level ist es also durchaus möglich, sich mit roher Gewalt einen Weg bis ins Atrium des Hotels zu bahnen, wo die Mission schließlich eine überraschende Wendung nimmt. Damit das klappt, sollten Jensens Körperimplantate allerdings optimal auf den eigenen Spielstil abgestimmt sein. Das Geräuschvermeidungs-Upgrade für Jensens Terminator-Füße etwa bringt kaum etwas, wenn man mit Pauken und Trompeten ein Areal stürmt und auf diese Weise alle Wachposten in Alarmbereitschaft versetzt.

Jensen 2.0

Mehr Sinn macht es da schon, das sogenannte Typhoon-Implantat einzusetzen – ein 360-Grad-Streuschuss-Modul mit verheerender Wirkung auf kurze Distanz. Im zweiten Demolevel dürfen Raufbolde außerdem mit dem mächtigen Ikarus Strike (Jensen springt von oben in einen Raum und löst eine Schockwelle aus) und den erstmals als Fernwaffe einsetzbaren Nanoblades herumexperimentieren – gemeint sind zentimeterlange, scharfkantige Metallklingen, die ein Ziel mit einem Treffer sofort ausknipsen. Pyromanen schwören außerdem auf die Sprengstoffvariante der Fernschuss-Nanoblades. Einfach ein Ziel anvisieren, abdrücken und zwei Sekunden warten, bis eine ohrenbetäubende Explosion alles in einem Umkreis von fünf Metern in Stücke reißt.

Oder man nutzt den "Peps Gun-Arm", bündelt Elektrizität in Jensens kybernetischer linker Hand und feuert die so entstehende Energiekugel mitten rein ins Feindgetümmel. Bliebe noch das Titan Shield. Kaum durch einen Tipper auf das digitale Steuerkreuz aktiviert, legt sich eine stachelige Titanschicht über Jensens Körper und absorbiert jeglichen Beschuss aus allen Himmelsrichtungen. Die Kehrseite der Medaille: Jede Augmentation frisst Energie und lässt sich oft nur wenige Sekunden lang einsetzen. Anschließend müssen Sie eine Weile abwarten, bis sich Jensens Batterie-Modul selbstständig regeneriert hat oder zusätzlichen "Saft" durch den Einsatz von kostspieligen Biozellen nachladen.

Durch Wände gucken

Im Probespiel erwies sich zudem die Fähigkeit Smart Vision als mächtige Ergänzung – nicht zuletzt, weil gegen Ende des ersten Levels ein tosender Sandsturm aufzieht und die Sichtweite auf unter zwei Meter reduziert. Schaltet man nun allerdings Smart Vision ein, hat Jensen freie Sicht auf jeden Gegner im näheren Umfeld – sogar durch Wände hindurch. Weiterer Vorteil: Der direkt mit Jensens künstlichem Augapfel gekoppelte Smart-Vision Mikrochip weist aktiv auf strukturelle Schäden in Mauern sowie zahlreiche andere Umgebungsdetails hin.

Adlerauge

Selbstverständlich können Sie die Dinge auch wesentlich ruhiger angehen lassen und sich im Schutz der Dunkelheit in die Höhle des Löwen pirschen. Wer diesen Weg wählt, sollte sich gleichwohl ausreichend Zeit nehmen. Denn nun gilt es, Laufwege und Blickrichtung der Wachen und Wachroboter genau zu studieren und immer dann zuzuschlagen, wenn niemand hinsieht. Wie in "Metal Gear Solid" und Konsorten steht außerdem Spurenverwischung ganz oben auf der Agenda. Betäubte Patrouillen sollten also schleunigst huckepack dorthin getragen werden, wo sie kein Aufsehen erregen. Ganz neu: Mit der Fähigkeit Distanz-Hacking können bekennende Leisetreter Kameras und elektrisch betriebene Drohnen temporär umprogrammieren. In den folgenden 30 Sekunden sind diese Einheiten dann streng genommen blind und ignorieren Jensen einfach – die perfekte Gelegenheit, ungesehen von A nach B zu gelangen!

Der Spieler entscheidet selbst, wie er die Zukunft rettet

Das Schöne an "Mankind Divided": Jedes der zwei gezeigten Levels verfügte über eine Vielzahl an Zugangspunkten zu abgesicherten Bereichen. Im Prag-Level zum Beispiel – wo Jensen Informationen über die Drahtzieher eines Terroranschlags einholen soll – gibt es mindestens drei Routen ins Innere eines gut bewachten Theaters. Eine zuvor gefundene Biozelle vorausgesetzt, machen Sie zum Beispiel eine defekte Hebebühne wieder flott und gelangen so konfliktfrei ins Innere der gegnerischen Hochburg. Oder Jensen knipst sein Glass-Shield-Modul an, lässt seinen Körper kurzzeitig wie ein Chamäleon mit der Umgebung verschmelzen und kraxelt ungesehen an einer Feuerleiter in Richtung einer Dachplattform, wo er sich nur noch mit einem hellhörigen Scharfschützen und einer rotierenden Hightech-Kamera herumärgern muss.

Variante drei: Der Protagonist mit der coolen Kurzhaar-Frisur legt den dick gepanzerten Wachroboter mit einer Tesla-Mine lahm, schleudert zwei Betäubungsgranaten aufs Dach und den Parkplatzbereich des Theaters, wartet bis die Wachen vom Gas benebelt in sich zusammensacken und marschiert dann erhobenen Hauptes durch den Haupteingang ins Gebäude.

Eloquenz soll sich auszahlen

Im fertigen Spiel soll es außerdem möglich sein, viele Missionen durch geschickten Einsatz sozialer Fähigkeiten erfolgreich zu beenden. Sie können lästige Wachen – und den Entwickler zufolge sogar Bossgegner – also sprichwörtlich in Grund und Boden quatschen. Oder besser gesagt Gespräche in solche Bahnen lenken, dass sich Nichtspieler-Charaktere untereinander außer Gefecht setzen, ablenken oder auf anderem, für den Spieler günstigem Wege beeinflussen. Das Problem: Genau diese Herangehensweise war in der gezeigten Fassung noch nicht spielbar. Begründung der Entwickler: Das damit einhergehende Netz an Konsequenzen ist so komplex und filigran, dass man erst einmal alles ausreichend testen will, bis man die Öffentlichkeit damit konfrontiert.

Was uns gefällt

Immer wieder gelingt es den Kanadiern, den Spieler mit einfachen, aber effektiven Mitteln voll in die SciFi-Welt hineinzusaugen. Da wären zum Beispiel die an futuristischen Fernsehern ausgestrahlten Nachrichten-Sendungen von Picus TV. Moderiert von der kecken Eliza Cassan, schnappen aufmerksame Beobachter hier regelmäßig spannende Hintergrundinformationen zum "Deus Ex"-Universum auf, die der Story zusätzliche Tiefe verleihen. Unter anderem erfährt man zum Beispiel von Space Net, einem zwölf Trillionen Dollar teuren Asteroidenabwehr-System, das jedoch kein einziges Mal sinnvoll zum Einsatz kam. Wenig später ist die Rede von einem scheinbar durchs nichts und niemanden zu stoppenden Profihacker namens Janus. Und dann die entscheidende Frage der Moderatorin: Könnte Janus womöglich gar die Systeme von Space Net hacken?

Neugierig macht darüber hinaus die schon aus "Human Revolution" bekannte Fülle an E-Mails. Anfangs mag die an den überall umherstehenden PC-Terminals mitlesbare Korrespondenz willkürlich erscheinen. Wer jedoch zwischen den Zeilen liest, findet nicht nur viele thematische Querverweise auf bereits Erlebtes, sondern immer wieder auch nützliche Hinweise zum Verbleib von Schlüsselkarten, Geheimgängen und ähnliches.

Was uns nicht gefällt

Die in Montreal präsentierte Vorabversion hatte noch mit zahlreichen seltsamen Programmfehlern zu kämpfen. Einmal kam es zum Beispiel vor, dass einige KI-Gegner nach einem hitzigen Gefecht wie Steinstatuen im Level herumstanden, während ihre Sprachausgabe weiterhin zu hören war – äußerst befremdlich. Auch begegneten wir einer Fensterscheibe, die sich nach heftigem Beschuss immer wieder selbst reparierte. Dazu gesellten sich zwei Abstürze, eine Wagenladung unfertiger Enzyklopädie-Einträge, diverse Klongegner sowie zahlreiche Physik-Ungereimtheiten – etwa wild umher zappelnde Leichenteile und viele Objekte, die sich beim Aufheben schlichtweg "zu leicht" anfühlten. Da Eidos Montreal einen Großteil dieser Fehler jedoch bereits auf dem Radar hat und vor der Präsentation sogar auf vieles von selbst hinwies, ist Optimismus angebracht, dass sie bis zur Veröffentlichung ausgemerzt werden.

Fazit

Die ersten Stunden mit "Deus Ex: Mankind Divided" fühlen sich großartig an, sehen dank brandneuer Dawn-Engine prima aus und zeigen sehr deutlich, dass Eidos Montreal eine äußerst ehrgeizige Vision verfolgt. Egal, ob man sich lieber kämpfend, schleichend oder im Dialog taktierend durchbeißt – im fertigen Spiel will man alle Lager gleichermaßen glücklich stimmen und so den ultimativen Genre-Hybriden erschaffen. Im Hinblick auf die Kampf- und Schleichabschnitte geht die Rechnung trotz diverser Technik-Ungereimtheiten bereits voll auf. Und auch was den leider nicht gezeigten Verhandlungsaspekt angeht, sind wir nach einer Fülle aufschlussreicher Entwicklergespräche voller Hoffnung. Dieses Spiel hat definitiv das Zeug zum Frühjahrs-Blockbuster 2016.

Infos zum Spiel

Titel: Deus Ex Mankind Divided
Genre: Action
Publisher: Square Enix
Hersteller: Eidos Montreal
Release-Termin: 2016
Preis: zirka 60 Euro
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Noch nicht bekannt
Einschätzung: Sehr gut

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