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Test zu WRC 5: Der Tritt auf die Spaßbremse

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Test zu WRC 5 | Rallye-Rennspiel | PC, PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, PS Vita  

Der Tritt auf die Spaßbremse

13.10.2015, 16:00 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

Test zu WRC 5: Der Tritt auf die Spaßbremse. WRC 5 Rallye-Simulation von Kylotonn Games (Quelle: Kylotonn Games)

WRC 5 Rallye-Rennspiel für PS3, PS4, PC, Xbox 360, Xbox One, PS Vita (Quelle: Kylotonn Games)

Hoppla - ein neues WRC-Rallyespiel mit offiziellem Segen des Automobilverbandes FIA? Seltsam nur, dass man bisher so erstaunlich wenig von "WRC 5" gehört oder gesehen hat, ebensowenig von den Schöpfern Kylotonn Games. Die unbekannten Franzosen schieben also mal eben eine Hardcore-Simulation an den Start, die auf unverwässertem Rallye-Motorsport fokussiert. Ob das klappt, das dürfen Besitzer von PC, PS3, PS4, Xbox One, Xbox 360 und PS Vita für sich prüfen. Wir fühlten uns nach der Testfahrt jedenfalls erst mal ernüchtert. 

WRC 5 : Neuer Entwickler am Start 

Das Entwicklungsteam Kylotonn Games aus Paris hat sich bisher mit Nischenproduktionen (k)einen Namen gemacht - einem PC-Update des Amiga-Klassikers "Speedball 2" zum Beispiel. Das schürt Skepsis. Kann so ein Team ein vollwertiges Rallyegame aus dem Hut zaubern, eines, das womöglich an die lange vergangenen Erfolge von Sonys "WRC"-Reihe oder Codemasters "Colin McRae"-Games anknüpft oder zumindest die nur teils erbaulichen Vorgängerspiele des Entwicklers Milestone hinter sich lässt? Hoffnung nährt sich aus der Tatsache, dass dem Kylotonn-Team erfahrene Vollgashasen angehören: Einer der am Schöpfungsakt Beteiligten hat bei beim Games-Oldie "V-Rally 3" mitgewirkt, ein weiterer bei den Rennspielprofis von SimBin was mit angeschoben. 

Realistisches Schadensmodell 

Aber erstmal die Fakten. WRC 5 versteht sich als reinrassige Rallye-Simulation und verzichtet auf Positionskämpfe aller Art. Ein Auto, eine Strecke, und los gehts. Der Kick ist, das Fahrzeug möglichst schnell von A nach B zu bewegen. Ein Ritt auf Messers Schneide: Bäume am Straßenrand und Schluchten auf beiden Seiten der Strecke können nach einem Fahrfehler das Aus bedeuten oder wenigstens einen heftigen Zeitverlust bedingen.

Je nach eingestelltem Schwierigkeitsgrad werden Karosserie, Motor und Fahrwerk bei Kontakt mit Felsen kaum oder stark verformt. Die Weiterfahrt gestaltet sich entsprechend schwierig, wenn die Fuhre nach rechts zieht oder nicht mehr vom dritten in den vierten Gang schalten mag. 

Karriere in drei Stufen

Jede der insgesamt 13 Rallyes im Karrieremodus gliedert sich in Etappen von je zwei bis fünf Minuten. Reparaturen zwischen den Etappen sind nur in begrenztem Umfang gestattet, genau wie bei einer echten Rallye. Das trainiert eine saubere und zugleich schnelle Fahrweise, zumindest auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Wer weniger auf Realismus und eher auf Spaß aus ist, schaltet das Schadensmodell aus.

Im Rahmen der Karriere gliedert sich das Ganze in drei Rallyeklassen, die man nacheinander durchläuft: Junior-WRC, die Aufsteigerklasse WRC2 und schließlich die Königsklasse WRC. Von weiterem Rahmenprogramm, beispielsweise dem Opel-Adam-Cup oder gar Bergrennen, ist keine Spur zu sehen. 

Eingeschränkte WRC-Ausstattung

Zur Ausstattung des Games zählen also nur die wichtigsten Strecken und Fahrzeuge der offiziellen World Rally Championship WRC. Der schöne Blick auf die Weinberge bei der Rallye Deutschland ist immerhin ebenso inklusive wie das Schneetreiben in Schweden und ein engstehendes Baumdickicht in England.

Im bunt gemischten Feld der WRC2 fahren Mini S2000 gegen Oldies vom Kaliber Mitsubishi EvoX und Subra Impreza WRX. In der WRC geben es sich 300 PS starken Allradtiere Fiesta RS, Polo R und DS3 WRC. Völlig unterschiedliche Autos also, in der Theorie zumindest. In der Praxis allerdings wirken Motorenbrabbeln, Auspuffknallen und Fahrverhalten zwar überzeugend, aber austauschbar. Unterschiede zwischen den Autos sind sicht-, aber kaum spürbar. 

Wenig Atmosphäre

Dass wenig Entdeckenswertes in WRC 5 drinsteckt, hängt auch mit dem schwach ausgeprägten Rahmenprogramm zusammen. Warum erklärt das Spiel nicht zumindest ansatzweise die Besonderheiten einer Rallyeveranstaltung im Vergleich mit anderern Motorsport-Kategorien? Auch die 51 Piloten und 13 Gastgeberländer werden nie ernsthaft vorgestellt, sondern nur kurz anhand einiger Bildtexte während der Ladepausen angerissen. Bei einer so lustlosen Herangehensweise, wie soll sich dem Betrachter da die Faszination des Rallyesports erschließen? 

Nervtötende Fahrschule

Auch das wenige Vorhandene wirkt nicht sorgfältig ausbalanciert. Der ordentlichten Menüstruktur und Benutzerführung steht zum Beispiel eine Rallyeschule gegenüber, die ihren Zweck verfehlt.

Grundsätzlich steckt dahinter ja die gute Idee, dass der Spieler Lektion für Lektion die Ansagen des Copiloten zu nutzen weiß und die Eigenheiten von Asphalt und Schotter kennenlernt. Leider werden viele dieser Basismerkmale aber dann doch nicht erklärt - man fährt halt nur rum. Stattdessen leistet sich die Fahrschule eine extreme Null-Toleranz-Politik. Beispielsweise muss man sein Fahrzeug im Rahmen einiger Prüfungen strikt auf der markierten Ideallinie halten. Selbst die kürzeste Abweichung, und die Übung gilt als gescheitert. Sowas überfordert Einsteiger und nervt Kenner. 

Gelungene Steuerung

Doch wer sich mit den vorhandenen Elementen arrangieren kann, wird durchaus unterhalten. Starts bei Einzeletappen laden zum schnellen Spaß am Gas ein, bei Mehrspieler-Herausforderungen kämpfen bis zu acht Teilnehmer abwechselnd um die Bestzeit pro Etappe. Das klappt online und offline, leider nicht auf dem Splitscreen. Dafür fühlt sich die Steuerung besser an, als man angesichts der vielen anderen Mängel erwarten könnte. Das Gas lässt sich mit dem Controller feinfühlig dosieren, die Bremse tut wie sie soll. Das  Auto reagiert präzise genug auf Lenkbewegungen, die Handbremse löst gut kontrollierbare Drifts aus. 

Verlässlicher Copilot

Besonders wichtig bei einem Rallyegame: Auf die Ansagen des Copiloten ist Verlass. "Schnelle links drei, Kuppe, Gefahr": Zusammen mit den gut funktionierenden Hinweissymbolen am oberen Bildrand könnte man fast blind danach fahren.

Die Elemente der Steuerung greifen also gut ineinander und ergeben ein prickelndes Fahrgefühl. Weite Sätze über schnelle Sprungkuppen, herrliche Drifts durch enge Spitzkehren, das Auto mit 200 Stundenkilometern um Zentimeter an einem der Hinkelsteine auf der berühmten Panzerplatte vorbei lotsen: Das macht schon Laune. 

Was wir mögen

Die Grafik kann halbwegs überzeugen. Die 13 Rallyes führen durch schönes und abwechslungsreiches Gelände. Die Lichtstimmung verändert sich je nach Tageszeit - morgens, mittags, abends, nachts - spürbar und hat einige schöne Momente in petto. Die Eindeutschung ist gut gelungen: Die meisten Bildtexte sind prima übersetzt, die wahlweise männlichen oder weiblichen Copiloten sprechen eine klare und deutliche Sprache. 

Was wir nicht mögen

Leider leiden die grundsätzliche sehenswerten Bilder unter mangelhafter Animation. Die Bildwiederholrate pendelt zwischen 20 bis 60 Frames, je nach Fernsicht und Detailmenge. Das ruckt zwar nie, stört aber doch den Spielfluss. Die Ausstattung ist sehr karg geraten. Es fehlt an atmosphärischem Drumherum und vielen genretypischen Merkmalen, die seit Rennspiel-Generationen Standard bei Rallye-Simulationen sind: Splitscreen-Wettbewerbe und Ghostpiloten zum Beispiel. 

Fazit

Man kann WRC 5 zwar eine gute Steuerung und stellenweise schöne Bilder zugestehen, aber das reicht nicht. Das dieses Game die offizielle WRC-Lizenz trägt, weckt hohe Erwartungen. Die werden aber nicht erfüllt. "WRC 5" tut nur das Notwendigste und wirkt an allen Ecken und Enden wie eine unter Zeitmangel und Ressourcenarmut entstandene Produktion. 60 Euro sind viel Geld für so wenig Ausstattung und Feinschliff. 

Infos zum Spiel 

Titel: WRC 5
Genre: Rallye-Simulation
Publisher: Big Ben
Hersteller: Kylotonn Games
Release: 8. September 2015
Preis: zirka 60 Euro
System: PS3, PS4, PC, Xbox 360, Xbox One, PS Vita
USK-Freigabe: Ab 0 Jahren
Wertung: Befriedigend 

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