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"Assassin's Creed: Syndicate" im Test: Ungleiche Assassinen-Zwillinge

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Test zu Assassin's Creed: Syndicate | Action-Adventure | PC, PS4, Xbox One  

Der Kampf der ungleichen Assassinen-Zwillinge

23.10.2015, 17:00 Uhr | Olaf Bleich (jr / ta), Medienagentur plassma

"Assassin's Creed: Syndicate" im Test: Ungleiche Assassinen-Zwillinge. Assassin’s Creed Syndicate ist das am besten spielbare Assassinen-Abenteuer der letzten Jahre. (Quelle: Ubisoft)

Gelungenes Assassinen-Comeback im viktorianischen London. (Quelle: Ubisoft)

Seit dem ersten "Assassin's Creed"-Spiel aus dem Jahr 2007 schwimmen Ubisofts Meuchelmörder auf einer Welle des Erfolgs. Bis im vergangenen Jahr "Assassin's Creed: Unity" auf den Markt kam und mit seinen zahlreichen Programmfehlern, Bugs und Glitches die Community erschreckte und das Vertrauen in die Assassinen-Saga erschütterte. Deshalb ist Ubisoft mit seinem aktuellen Ableger "Assassin's Creed: Syndicate" auch auf striktem Wiedergutmachungskurs. Kann das Geschwisterpaar Jacob und Evie Frye nicht nur das viktorianische London, sondern auch die Herzen der Spieler zurückerobern? 

Ungleiche Zwillinge

Die jungen Assassinen Jacob und Evie Frye sind frustriert: Während in London der Templer-Anführer Crawford Starrick mit eiserner Hand regiert, erledigen die beiden in den Vororten der Metropole bedeutungslose Attentäter-Arbeit. Also nehmen die Fryes ihr Glück selbst in die Hand und machen sich auf den Weg in die englische Hauptstadt. 

Jacob will hier seine eigene Bande namens "The Rooks" gründen und London ehrenvoll beherrschen. Evie dagegen möchte die Templer in ihre Schranken weisen und den Edensplitter in Sicherheit bringen. Im Spielverlauf wechseln Sie ein wenig umständlich im Pausenmenü jederzeit zwischen den Geschwistern. Bei bestimmten Aufgaben wird die Spielfigur allerdings auch automatisch vorgegeben. 

Assassin's Creed: Syndicate macht die charakterlichen Unterschiede zwischen Evie und Jacob schnell deutlich: Er ist der Hitzkopf, der keiner Prügelei aus dem Weg geht. Sie ist die Schleicherin, die ihre Angriffe leise aus dem Hinterhalt plant.

Die Helden repräsentieren also die beiden grundlegenden Spielweisen der Action-Adventure-Reihe. Positiv: Ubisoft präsentiert "Syndicate" in vielen Belangen als ein "Best of" der Serie und spielt sich deutlich runder als seine Vorgänger. 

Diesmal ohne Fehl und Tadel

Syndicate öffnet seine Spielwelt schnell: Nach gut einer Stunde kommen Jacob und Evie in London an und beginnen dort gemeinsam mit Assassinen-Boss Henry Green mit der Rückeroberung Londons. Die Stadt an der Themse ist ein wunderschöner, aber auch dreckiger Ort.

Die Entwickler fangen ihre Atmosphäre klasse ein - von bezaubernden Bauten wie Big Ben bis hin zu finsteren Arbeitergegenden voller Armut und Mief ist hier alles mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Man sieht und spürt die Unterschiede zwischen den sieben Bezirken überdeutlich, was letztlich der Atmosphäre sehr zugute kommt.

So hübsch das Spiel aber auch ausschaut, es reicht dennoch nicht an die optischen Qualitäten des Vorgängers heran. Vor allem die Darstellung der Londoner Bürger selbst und die Gesichter der Nebencharaktere wirken arg detailarm. Allerdings läuft Syndicate im Gegenzug stets flüssig, und ärgerliche Programmfehler oder gar Abstürze bleiben glücklicherweise ganz aus. 

Nur gelegentlich kommt es zu kleineren Kameraproblemen oder Clipping-Fehlern, wenn erledigte Gegner in die Levelarchitektur hineinfallen. Insgesamt aber ist Assassin's Creed: Syndicate ein technisch rundum gelungenes Abenteuer mit einer wunderbar präsentierten, offenen Spielwelt und einem ebenso außergewöhnlichen wie abwechslungsreichen Soundtrack. 

Die hohe Kunst des Schleichens

Zu Beginn des Spiels sollten Möchtegern-Mörder ihre Klinge jedoch stecken lassen und lieber vorsichtig agieren. Syndicate legt mehr Wert auf das Schleichen und spendiert den Computer-Templern ein frisches Stärkesystem. Wie Jacob und Evie selbst sind nun auch die KI-Wachen an eine Fähigkeitenstufe gebunden, die ihre Kampfkraft widerspiegelt. Legen sich niederklassige Assassinen also mit Stufe-8-Soldaten an, haben sie im offenen Kampf keine Chance. Nur unentdeckte Schleichattacken sind weiterhin sofort tödlich. 

Schön: Die Stealth-Mechanik wirkt durchdachter als in den bisherigen Teilen der Serie. Ein weißer Ring um die aktuelle Spielfigur zeigt an, ob sie gerade Aufmerksamkeit erregt. Mit der altbekannten Adlersicht markieren Sie rot hervorgehobene Feinde und machen diese auch durch Wände sichtbar. Per Tastendruck wechseln Sie in den Schleichmodus, laufen geduckt durch die Gassen oder beziehen halbautomatisch hinter Mauern Stellung und locken Gegner mit einem Pfiff an. 

Der neu hinzugekommene Seilwerfer erweist sich als äußerst praktisch: Mit ihm erklimmen die Fryes auf Knopfdruck Dächer oder spannen ein Drahtseil von einem Giebel zum nächsten. Geschickte Assassinen lassen sich von dem Seil auf ihre Feinde fallen und schalten diese so lautlos aus der Luft aus. Besonders in den ersten Spielstunden fühlt sich das Schleichen höchst befriedigend an, da es einiges Geschick erfordert, geplantes Vorgehen aber entsprechend belohnt. 

Geschrumpftes Arsenal, ähnliche Heldenfähigkeiten

Über das Erledigen von Haupt- und Nebenaufgaben sammeln die Protagonisten Erfahrungspunkte. Evie und Jacob steigen parallel im Rang auf, verfügen aber über eigene Talentbäume und ein individuelles Inventar. Leider gibt es speziell bei den Talenten zu wenige Unterschiede, da beide Figuren nur jeweils drei exklusive Fertigkeiten besitzen. Das Waffenarsenal fällt mit Kukri-Schwertern, Stock-Klingen und Schlagringen ebenfalls vergleichsweise klein aus. Hinzu kommen Sekundärwaffen wie Pistolen, Halluzinogenbolzen, Wurfmesser und Rauchbomben. 

Das Gadget-Sortiment wurde also spürbar entschlackt, was zwar für einen leichteren Einstieg, langfristig aber auch für zu viel Routine sorgt. Gleiches gilt für die Schleicherei: Auf lange Sicht steigen Jacob und Evie zu schnell auf und sind damit in kürzester Zeit viel zu stark.

Die Kämpfe selbst erinnern stark an die "Batman"-Reihe und bestehen aus Angriffskombos, Kontern und dem Aufbrechen der gegnerischen Deckung. Die Gefechte sind zweifellos prima spielbar, auf Dauer aber zu simpel - besonders mit gut ausgebildeten Assassinen. 

Große Stadt... 

Schuld an diesem Ungleichgewicht ist letztlich die Fülle an Haupt- und Nebenmissionen. Die Zwillinge müssen schließlich sieben - in weit über 50 Sektoren unterteilte - Bezirke zurückerobern und dabei etwa Kinder aus Fabrikanlagen befreien, Templer-Bosse entführen oder gegnerische Lager zerstören. Zum Abschluss nimmt man es im Bandenkrieg mit den Anführern der Gangs auf. Die Befreiung Londons wiederum spült Geld in die Kasse der Frye-Zwillinge, das man sich im Zug-Hauptquartier abholen kann. 

Daneben gibt es Missionen, mit denen man die Loyalität zu bestimmten Nebencharakteren wie Henry Green oder Officer Abberline fördert. Auf diese Weise schalten Sie Waffen oder Baupläne frei.

Darüber hinaus macht man im Spielverlauf Bekanntschaft mit historischen Figuren, darunter Karl Marx oder Charles Darwin. Für sie erledigt man in kleinen, sehr amüsanten Episoden gut gemachte Nebenaufträge – zum Beispiel muss Evie für Charles Dickens auf Geisterjagd gehen. Hinzu kommen freie Aufgaben wie das Suchen versteckter Gegenstände oder die reichlich unspektakulären Überfälle auf Züge. 

... trifft auf monotone Aufgaben

Es gibt in der Spielwelt von Assassin's Creed Syndicate viel zu erledigen, doch leider wiederholen sich die Aufgaben mit fortwährender Spielzeit immer mehr. Selbst die unterhaltsam-chaotischen Kutschfahrten ermüden auf Dauer und büßen ihre Frische ein. Und auch die Kampagne hätte gerne spannender ausfallen dürfen: Die Handlung plätschert lange Zeit vor sich hin, da Jacob und Evie erst Starricks Rädelsführer ausschalten müssen.

So starten die Kapitel meist unspektakulär, enden aber immerhin mit interessanten Attentaten in großen Arealen und verschiedenen Lösungsansätzen. Jacob bricht beispielsweise in die Bank von England ein oder infiltriert einen schwer bewachten Zug im Bahnhof. Zu schade jedoch, dass seine Bande im späteren Plot kaum eine Rolle spielt und die herumstreunenden Rooks nur zwischendurch zum Einsatz rekrutiert werden können. Ein echtes Gefühl für die Londoner Gang-Mentalität entsteht in Syndicate jedenfalls nicht. 

Die Ideen sind da, hätten aber straffer erzählt und schöner verpackt dürfen. Deshalb wirkt auch das Ende der Geschichte recht unspektakulär, was nicht zuletzt an einem zu selten auftauchenden Bösewicht liegt.

Was uns gefällt

Assassin’s Creed Syndicate ist das am besten spielbare Assassinen-Abenteuer der letzten Jahre. Endlich stimmt die Navigation innerhalb der Spielwelt, und feine Neuerungen wie die Kutschfahrten oder der Seilwerfer fügen sich nahtlos in die herrlich offene Spielwelt ein. Der Schauplatz London ist der heimliche Hauptdarsteller im Spiel: Die Stadt sprüht vor Leben und zieht den Spieler mit ihrem ruppigen Charme in den Bann. 

Besonders die Nebenaufgaben mit bekannten Persönlichkeiten wie Dickens, Darwin oder Marx zeigen, wie man Nebenmissionen ansprechend in Szene setzt. Dazu motiviert gerade zu Beginn die Rückeroberung der Großstadt durch neue Schleichmethoden und noch nicht vollständig ausgebildeten Assassinen. 

Was uns nicht gefällt

Wie schon bei vielen Teilen der Ubisoft-Serie stimmt auch bei Assassin's Creed: Syndicate die Balance nicht immer. Jacob und Evie lernen viel zu schnell und sind dadurch nach wenigen Stunden übermächtig. Die zu ähnlichen Talentbäume lassen zudem keine erweiterte Individualisierung der Spielstile zu. Durch die geringe Auswahl an Waffen und Hilfsmitteln kommt rasch Routine auf.

Gleiches gilt leider auch für das Missionsdesign. Insbesondere die Rückeroberung der Stadt zieht sich mit der Zeit wie Kaugummi, und die Loyalitätsaufträge wiederholen sich ebenfalls stark

Fazit

Ubisoft zieht den Karren erfolgreich aus dem Dreck. Assassin's Creed: Syndicate ist ein technisch kompetent gemachtes Action-Abenteuer mit vertrauter Spielmechanik und einem großartig präsentierten London im viktorianischen Zeitalter. Die Entwickler wagen zwar keine großen Gameplay-Experimente, stellen dafür aber den Glauben an die Serie wieder her. Wer die Vorgänger bereits mochte, wird hier wieder voll auf seine Kosten kommen. 

Infos zum Spiel

Titel: Assassin’s Creed Syndicate
Genre: Action-Abenteuer
Hersteller: Ubisoft Quebec
Publisher: Ubisoft
Release-Termin: 23. Oktober 2015 (PS4, Xbox One) / PC-Fassung ab 19.11.2015
Preis: zirka ab 60 Euro (PC) / zirka 70 Euro (Konsolen) 
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Sehr gut

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