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Reif für die Knobel-Insel

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Test zu The Witness | Puzzle-Adventure | PC, PS4  

Reif für die Knobel-Insel

01.02.2016, 14:53 Uhr | Stefan Wild / Benedikt Plass-Fleßenkämper (jr/tz), Medienagentur plassma

Reif für die Knobel-Insel. The Witness - das aktuelle Spiel von Braid-Macher Jonathan Blow - ist für PC und PS4 erhältlich. (Quelle: Thekla Inc.)

The Witness - das aktuelle Spiel von Braid-Macher Jonathan Blow - ist für PC und PS4 erhältlich. (Quelle: Thekla Inc.)

Mit "Braid", einer innovativen Mixtur aus Denkspiel und 2D-Jump'n'Run, landete der Indie-Entwickler Jonathan Blow 2008 einen Überraschungshit. Jetzt ist nach über sieben Jahren Entwicklungszeit endlich sein neues Werk erschienen: "The Witness" für PC und PS4 wandelt auf den Spuren des Adventure-Klassikers "Myst" und versetzt Sie auf eine mysteriöse Insel voller Rätsel und Abenteuer.

Auf diesem Eiland ist der Spieler in der Rolle eines namenlosen Abenteurers gestrandet und muss fortan knapp 700 unterschiedlich anspruchsvolle Rätsel lösen, um das Geheimnis der Insel aufzudecken. Die Open-World-Knobelei begeistert dabei mit ihrem ebenso simplen wie herausfordernden Spielprinzip und großartigem Artdesign. 

Raus aus dem Tunnel 

The Witness wirft Sie gleich zu Spielbeginn ins kalte Wasser: Am Ende eines langen Tunnels findet man eine Tür, die verschlossen ist. Doch anstelle einer Türklinke hat sie ein Display, auf dem ein Muster abgebildet ist. Sie müssen nun das erste Rätsel des Spiels lösen - und lernen gleichzeitig die grundlegende Spielmechanik kennen. Es gilt, von einem Startpunkt aus per Maus oder Controller eine Linie bis zum Ziel zeichnen. Ist das geschafft, dann öffnet sich die Tür.

In The Witness gibt es keine Feinde, keinen Zeitdruck, keine Action. Nicht einmal irgendwo hinunterfallen kann man, dafür sorgen unsichtbare Wände an Abhängen und Treppen ohne Geländer. So ist der Kopf frei für die zwei entscheidenden Aspekte des Spiels: die cleveren Schalttafel-Rätsel und ihre Umgebung. 

Wunderschönes Eiland

Die Wanderung über die Insel versetzt den Spieler in eine friedvolle, fast schon meditative Grundstimmung. Es ist einfach schön hier. Die Sonne scheint, nur ein paar Schönwetterwolken sind am blauen Himmel zu sehen. Auf dem Land erstrecken sich zehn unterschiedliche Gebiete in farbenfroher Comic-Grafik, die Sie jederzeit erreichen und frei erkunden können. Das Angebot reicht von Wüste und Wald über ein Sumpfgebiet bis hin zu einer mittelalterlichen Burg und einem asiatisch angehauchten Tempel.

Neben dem stilvollen Artdesign überzeugt The Witness mit schicken Licht- und Schatteneffekten sowie minimalistischer, aber stets passender Klangkulisse. Auf Musikuntermalung haben Jonathan Blow und seine Mitstreiter vom Entwickler Thekla bewusst verzichtet, um den Spieler nicht von der zauberhaften Insel-Atmosphäre abzulenken. 

Alte Stärken, neue Wege 

Schon Braid bestach durch ein ungewöhnliches Spieldesign. Blow erweiterte die bekannte Jump'n'Run-Mechanik um einen neuen Aspekt: Man konnte per Knopfdruck mit der im Spiel verstrichenen Zeit experimentieren. Das sorgte für ein völlig neues Spielgefühl, das mit Konventionen brach.

The Witness bereichert das Denkspiel-Genre ebenfalls um neue Facetten. Im Grunde ist das Spiel ein Walking-Simulator: Man läuft und erkundet die Welt. Sie stoßen währenddessen auf Notizen und Ton-Botschaften, aber auch Videos, die allerdings keine Geschichte erzählen. Vielmehr vermitteln sie philosophische Gedanken, die den Konflikt von technischem Fortschritt und geistiger Empfindsamkeit thematisieren. 

Obwohl man die Spielwelt frei begehen kann, kommt man doch nirgends wirklich weit. Immer wieder stellen sich Ihnen besagte Schalttafeln in den Weg. Dabei ist man als Spieler komplett auf sich allein gestellt. Anweisungen, Erklärungen oder ein Tutorial? Fehlanzeige, denn Jonathan Blow möchte den Spieler herausfordern. Hier gibt es nur Sie, die Insel und die Rätsel. Klingt langweilig? Von wegen: Dass The Witness über seine Spielzeit von 80 bis 90 Stunden eine dermaßen fesselnde Wirkung entfaltet, liegt an der phänomenalen kreativen Vielfalt der Rätsel. 

Konzentration, bitte!

Jedes geknackte Labyrinth bedeutet einen Sieg. Manchmal ist es nur ein ganz kleiner, weil die Lösung auf der Hand lag. Meistens sind es aber große Triumphe, denn nicht selten steht man vor einem Muster und hat zunächst keine Ahnung, was zu tun ist. The Witness gelingt es jedoch immer wieder, dem Spieler einen Geistesblitz zu verschaffen. Überall verstecken sich Hinweise – man muss nur ganz genau hinschauen.

Das Knobel-Game verlangt vom Spieler völlige Konzentration und die Bereitschaft, mit der klug und einfallsreich gebauten Spielwelt in einen intuitiven Dialog zu treten. Jedes gelöste Rätsel wirkt sich in irgendeiner Weise auf die Umgebung aus. Manchmal werden neue Displays aktiviert, dann wiederum öffnen sich Türen oder verändern sich Gebäude. So manche Mechanismen geben ihren Sinn oder ihre Bestimmung nicht sofort preis.

Zu den unzähligen kleinen Rätseln gesellt sich die große Frage, was es mit diesem Ort auf sich hat. So taucht man immer tiefer ein in die faszinierende Welt von The Witness und in die Logik der immer komplizierteren Muster ein. 

Rätsel-Lust

Jeder Bereich der Insel verbirgt ein eigenes Geheimnis und birgt eine eigene Mechanik. Plötzlich tauchen auf den Mustern Zeichen und Farben auf, etwa ein kleines grünes Dreieck, "Tetris"-Figuren, weiße und schwarze Blöcke. Wie das zu verstehen ist, kann der Spieler nur durch Konzentration und Beobachtungsgabe erkennen.

Durch die ungemein motivierende Anordnung der immer schwerer werdenden Rätsel bleibt man am Ball und findet am Ende doch die Lösung. Mit jedem richtigen Ergebnis steigt das Verständnis für die ganz eigene Zeichensprache des Spiels. Nur wenn man diese richtig liest, kommt man den Rätseln auf die Spur.

Das Tolle an The Witness ist, dass es den Spieler für seine Mühen belohnt: Wenn ein Muster, das noch vor wenigen Augenblicken unlösbar schien, plötzlich vor den eigenen Augen beginnt, Sinn zu ergeben, dann stellt sich ein enorm befriedigendes Gefühl ein. Umso mehr, weil einem hier eben kein Hilfetext auf die Sprünge geholfen, sondern weil man die Lösung ganz allein herausgefunden hat. 

Gelegentlich auch Rätsel-Frust 

In The Witness verbinden sich die Insel, die Grafik, das Design der Rätsel und die ganz eigene Atmosphäre zu einer universellen Sprache, in der die Entwickler mit dem Spieler kommunizieren. Das ist ein einzigartiges Erlebnis - jedenfalls meistens.

Leider kommt durchaus auch zu frustrierenden Erlebnissen. Zum Beispiel, wenn man die Mechanik der Rätsel durchschaut hat, aber deren Durchführung aus verschiedenen Gründen zu umständlich ist. Manchmal scheinen die Entwickler zu viel vom Spieler zu erwarten.

Konkrete Beispiele wollen wir aus Spannungsgründen nicht nennen, doch das eine oder andere Umgebungsrätsel könnte von den Spielern durchaus als unfair empfunden werden. Dann führen zu viele Zwischenschritte der Sorte "Um die Ecke denken" in Verbindung mit einem mindestens fotografischen Gedächtnis zur Lösung. 

Was uns gefällt 

The Witness bietet dem Spieler eine einzigartige Mischung aus kontemplativer Welterkundung und beinharten Rätseln. Zahlreiche Aha-Momente und die meditative Grundstimmung erzeugen im Zusammenspiel mit dem erstklassigen Artdesign eine ganz eigene Atmosphäre, die fast schon Urlaubsstimmung aufkommen lässt. The Witness ist dazu geeignet, auch Menschen für Computerspiele zu begeistern, die sonst nichts mit dem Medium zu tun haben. Es vermittelt ein motivierendes und befriedigendes Gefühl, fernab von Gewalt oder Stress. 

Was uns nicht gefällt 

Die Rätsel bergen Frustpotenzial, mitunter erfordern sie zu viele Denkschritte auf einmal. Wir mussten im Test so manchen Hinweis vom Bildschirm abfotografieren, um keine Details zu vergessen, bis wir sie zur Anwendung bringen konnten.

Auch die Design-Entscheidung, unsichtbare Wände zu nutzen, um den Spieler daran zu hindern, Areale zu betreten, ist problematisch. Zwar ist so gesichert, dass man keine Treppen oder andere Abhänge hinunterfällt und Wege noch einmal zurücklegen muss. Doch volle Bewegungsfreiheit sollte in einem Erkundungsspiel eigentlich selbstverständlich sein. 

Fazit 

Jonathan Blow und sein Team haben mit The Witness ein meisterhaftes Puzzlespiel abgeliefert. Auch wenn die Hürden manchmal hoch sind und einige Rätsel auf den ersten Blick unlösbar erscheinen - es lohnt es sich, am Ball zu bleiben. Selten hat ein Knobelspiel eine solche Spannung erzeugt und dem Spieler ein derart befriedigendes Spielerlebnis beschert. The Witness bietet nahezu perfekte Unterhaltung für Rätsel-Fans und intellektuelle Befriedigung für Leute, denen moderne Videospiele durch inflationären Gebrauch von Quest-Markierungen, Hilfestellungen und seichten Missionszielen zu anspruchslos geworden sind. 

Infos zum Spiel 

Titel: The Witness
 
Genre: Puzzle-Adventure
Publisher/Hersteller: Thekla, Inc.
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 40 Euro
System: PC, PS4
USK-Freigabe: Ab 0 Jahren
Wertung: Sehr gut 

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