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Firewatch im Test: Als Aufpasser in der Wildnis

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Test zu Firewatch | Adventure | PC, Mac, PS4  

Als Aufpasser in der Wildnis

25.02.2016, 14:16 Uhr | Michael Förtsch (jr / ams), Medienagentur plassma

Firewatch im Test: Als Aufpasser in der Wildnis. Im Adventure Firewatch von Campo Santo geht es weniger ums Spielen als vielmehr darum, eine Geschichte zu erleben.  (Quelle: Campo Santo / Panic)

Im Adventure Firewatch von Campo Santo geht es weniger ums Spielen als vielmehr darum, eine Geschichte zu erleben. (Quelle: Campo Santo / Panic)

Ab in die Abgeschiedenheit  - das ist das Motto im Adventure "Firewatch" für PC, PS4 und OS X. Das ist kein klassisches Videospiel, sondern eine spielbare Erzählung. Statt einem Gewehr gibt’s ein knarzendes Funkgerät, statt hektischer Rennerei lange Spaziergänge, und anstatt gebrüllter Befehle innige Gespräche - all das in der wunderschönen Kulisse eines US-Nationalparks. Die Flucht vor dem eigenen Schicksal, die Härte der Realität, die Notwendigkeit von Einkehr und wie eine Situation zwei Menschen zusammenschweißen kann, das sind die Themen dieses aufwändig produzierten Indie-Games von Entwickler Campo Santo.

Flucht in die Einsamkeit 

Manchmal möchte man einfach nur noch weg. So geht es auch dem Amerikaner Henry, den Ende der 1980er Jahre ein bitterer Schicksalsschlag trifft. In kurzen Texten schildert der Anfang des Spiels, wie er eine junge und hübsche Frau namens Julia kennenlernt, sie zusammenfinden, heiraten und sich einen Hund zulegen. Aber auch, wie sich plötzlich alles ändert. Denn im Alter von nur 43 Jahren erkrankt Julia an Demenz. Sie ist plötzlich nicht mehr jene Frau, die Henry einst kennenlernte - er bekommt Angst und flieht. Und zwar in den Shoshone Nationalpark im US-Bundesstaat Wyoming, wo er als Feuerwächter anheuert.

Das jetzige Geschehen erlebt der Spieler aus klassischer Ego-Perspektive, aus der Henry zunächst zu seinem Arbeitsplatz mitten in der Wildnis gelenkt wird. Der besteht aus einem hohen Holzturm, an dessen Spitze ein kleiner Verschlag thront. 

Spiele-Videos 
Firewatch: Abenteuer in Wyomings Wildnis

Der Indie-Titel entführt den Spieler in die Einsamkeit. Video

Fernbeziehung mit Knacks

Das eigentliche Spiel ist in einzelne Tage gegliedert und beginnt jeweils mit dem Knarzen eines gelben Funkgeräts. Darüber meldet sich Delilah, Henrys Chefin, die in einem Ausguck mehrere Kilometer entfernt sitzt. Sie antworten ihr mit gedrückter Taste und wählen dann aus mehreren möglichen Erwiderungen. So kann man ihr zum Beispiel ehrlich entgegnen, warum man diesen ungewöhnlichen Job gewählt hat oder eine scherzhafte Gegenfrage stellen. So sonderbar es klingt: Diese teils witzigen, eils melancholishen Gespräche werden im Verlauf der vier Stunden Spielzeit zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. 

Aber zunächst schickt Delilah den Neuling auf einen ersten Auftrag. Am Horizont fliegen nämlich plötzlich Feuerwerksraketen in die Luft - das ist gefährlich und illegal! So lenkt der Spieler Henry hinaus in die Wildnis des Nationalparks. Der präsentiert sich als offene Spielwelt im wunderschönen Comic-Look, jedoch mehrheitlich erschlossen durch vorgegebene Pfade. 

Angst und Paranoia

Mit einer Karte des Parks und einem Kompass folgt man Delilahs Vorgaben und läuft los. Man verscheucht in der Folgezeit etwa zwei pyromanische Teenager, sucht Spuren eines Bären oder findet heraus, dass eine Notfalltelefonleitung irgendwo im Wald gekappt wurde. Der Spieler muss laufen, auf Knopfdruck in eine Höhle hinein und herausklettern oder einen Baumstamm überspringen. Ganz simpel.

Dabei bleibt viel Zeit zum Funken und Reden. Henry und Delilah scherzen, trauern, bohren über das Leben des jeweils anderen nach. Die Dialoge sind sehr authentisch und lassen in die Gefühlswelten zweier sehr echt wirkender Menschen mit Makeln, Ängsten und Unsicherheiten blicken. Vor allem, als es plötzlich ernst wird: Ein Unbekannter durchstreift den Wald, jemand verwüstet Henrys Turm und scheint die Gespräche der beiden zu belauschen - mehr soll hier aus Spannungsgründen nicht verraten werden. 

Unsichtbare Grenzen

Firewatch schafft es binnen kürzester Zeit, eine unheimlich dichte Atmosphäre von Zweifeln und Paranoia aufzubauen. Und auf ein Ende hinzuarbeiten, das so nicht zu erwarten ist. Alles scheint möglich und denkbar. So fühlt man sich trotz des ruhigen und ohne Zeitdruck abgespulten Geschehens zum Ende getrieben und aufgewühlt wie bei einem guten Thriller.

Leider stolpert Firewatch gerade in diesen Momenten über die eigenen Füße. Denn immer wieder müssen Sie bereits bekannte Orte besuchen. Und so offen sich die Welt optisch präsentiert, so unheimlich beengend wirken die Wege letztlich. Immer wieder wieder stößt der Spieler an unsichtbare Wände oder bleibt an Mini-Felsen oder Büschen hängen. Das frustriert und reißt einen dann und wann aus dem Geschehen. Schlussendlich überwiegt aber die charmante Geschichte und lässt über diese Mankos hinwegsehen. 

Was uns gefällt

Das Spielprinzip von Firewatch ist simpel. Es kommt nicht auf Reaktion oder Schnelligkeit an, sondern auf Einfühlungsvermögen und Aufmerksamkeit, sodass auch unerfahrene Spieler hiermit Spaß haben können. Zudem zählt die Grafik mit ihrem flächigen Comic-Look mit zum Schönsten, was es derzeit in einem Videospiel zu sehen gibt.

Klangkulisse und Musikuntermalung begeistern ebenfalls. Aber allem voran sind es die hervorragend vertonten Dialoge, die begeistern und eine Geschichte erzählen, die entzückt und einer Charakterstudie gleichkommt. 

Was uns nicht gefällt

So toll Story und Gespräche sind, bisher ist Firewatch nur auf Englisch verfügbar. Eine Fassung mit deutschen Untertiteln soll allerdings bald nachgereicht werden. Ebenso mag das Game zwar eine gemächliche Gangart an den Tag legen, fühlt sich stellenweise aber dennoch künstlich gestreckt an - und das, obwohl die Spielzeit mit vier Stunden ohnehin recht kurz ist. Mehrmals müssen die gleichen Wege und Orte abgelaufen werden, oder ein benötigtes Fundstück ist allzu gut versteckt. Obendrein kratzen unsichtbare Wände und Barrieren hier und da an der sonst so dichten Atmosphäre. 

Fazit

Wer Action, Explosionen und atemlose Hektik sucht, der ist bei Firewatch definitiv an der falschen Adresse. Wer allerdings eine gute Geschichte und ein spannendes Mystery-Abenteuer erleben möchte, der wird begeistert sein. Firewatch ist trotz einiger Macken und Makel alles in allem eine einzigartige Erfahrung. Selten haben Charaktere in einem Videospiel so lebensnah und greifbar gewirkt wie hier. Und das, obwohl sie sich eigentlich nur über ihre Gespräche, ihre Stimmen und Wortwahl manifestieren. Dazu kommt die gemütliche und fast schon andächtige Langsamkeit, in der das Geschehen, das Erforschen der von Wildnis und Natur geprägten Welt stattfindet. Das gibt Raum und Zeit zum Nachdenken und zwingt den Spieler geradezu zum Reflektieren und Tagträumen. Ein echtes Kleinod - denn so tief wie hier wird man selten in eine Geschichte hineingezogen.. 

Infos zum Spiel

Titel: Firewatch
Genre: Adventure
Publisher: Campo Santo / Panic
Hersteller: Campo Santo
Release-Termin: Im Handel 
Preis: zirka 20 Euro 
System: PC, PS4, Mac OS X
USK-Freigabe: Ab 12 Jahren 
Wertung: Gut 

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