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Far Cry Primal im Spieletest: Viele Abende prima Unterhaltung

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Test zu Far Cry Primal | Actionspiel | PS4, Xbox One, PC  

Mit Keule und Köpfchen

23.02.2016, 09:24 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

Far Cry Primal im Spieletest: Viele Abende prima Unterhaltung. Far Cry Primal (Quelle: Ubisoft)

Far Cry Primal (Quelle: Ubisoft)

Ubisofts Steinzeit-Abenteuer "Far Cry Primal" dreht den Kalender zurück zu den Anfängen der menschlichen Zivilisation. Auf PC, PS4 und Xbox One begleitet der Spieler den Krieger Takkar durch ein wildes Open-World-Terrain namens Oros. Seine Überlebens-Werkzeuge: primitive Waffen und viel Köpfchen - mehr als mancher einem Game aus der Far-Cry-Reihe zutrauen möchte. 

Die Welt vor zwölftausend Jahren  

Etappenweise fühlt sich der neueste Ableger aus der Far-Cry-Reihe eher nach Rollenspiel-Abenteuer an als nach Ego-Shooter, jenem Genre, das einem beim Gedanken an Far Cry als erstes durch den Kopf schießt. Die Ich-Perspektive behält Far Cry Primal bei, davon ab traut sich die Ubisoft-Produktion an einige Neuerungen heran. Die offensichtlichste ist das im Spiele-Genre wenig gebräuchliche Szenario. Das Game reist mit dem Betrachter zurück in das Jahr 10.000 vor Christus, in eine Zeit, als der Mensch generationenweit von der Erfindung von Schusswaffen entfernt war.

Logisch, dass ein konventioneller Ego-Shooter unter diesen Voraussetzungen nicht denkbar ist. Das Spiel peppt die Substanz daher mit allerlei Zutaten auf: Elemente aus dem Aufbau- und Rollenspiel-Genres, und eine Prise Magie - aber keinerlei Utopien, Alieneinflüsse, Zeitreisen oder ähnliches. Far Cry Primal bleibt also ziemlich konsequent. Hier kämpft man noch mit Äxten und Keulen statt Flinten und Lasern. Es funktioniert. 

Actionspiel 
Far Cry Primal: Neue Steinzeit-Action

Ubisoft schickt die Spieler in einen urzeitliche Wildnis voller Gefahren. Video

Es war einmal ein Mammutjäger

Die zentrale Figur hört auf den Namen Takkar. Ein Jäger. Was das bedeutet, wird einem umgehend klar, denn das Spiel macht kein großes Brimborium, sondern schreitet sofort zur Tat. In den ersten Spielminuten ist Takkar mit Stammesbrüdern unterwegs. Die Jagd auf ein einsames Mammut dient als leichtes Lauf- und Waffentraining und erstes Warmwerden mit Land und Leuten.

Takkar bewegt sich durch eine offene namens Oros, die aus Wäldern, Steppen und Felsen besteht und von Beginn an komplett begehbar ist. Oros dient als Rahmen für einzelne Missionen, die sich nach und nach zu einer motivierenden Kampagne verketten. Eine Handvoll Kamerafahrten und Dialogszene schildern die Geschichte von Takkar, dem Jäger, der im Verlauf der Kampagne das Volk der Wenja vereint und die Menschenfresser besiegt. 

Viele Abende prima Unterhaltung

Zwischen Einstieg und Finale liegen etwas mehr als 40 Missionen. Bis zum Ende ist es ein weiter Weg, der bei konzentrierter Spielweise - also unter Verzicht von Nebenmissionen und Sammelexkursionen - mindestens zwei Wochen lang jeden Abend beansprucht.

Anfänglich sichert Takkar nur sein eigenes Überleben. Er lernt Hölzer und Schilf zu sammeln, und wie man daraus auf Tastenkommando Axt und Bogen fertigt. Es folgen einfache Jagdszenen. Rothunde erlegen, das Fell abziehen, daraus eine Tasche fertigen: Dauert nur einen Augenblick, doch die Immersionswirkung zwischen Betrachter und Spielwelt steigt enorm. Die Action baut auf ein ausgeprägtes Fundament solcher und weiterer Rollenspiel-Elemente. 

Jagen, sammeln, retten

Zwischen Wäldern, Steppen und Berggipfeln trifft Takkar auf stetig wechselnde Aufgaben. Sie bilden den roten Faden durch die Kampagne und sind in der Karte als Zielpunkt markiert. Ob man sie ansteuert oder anderen Beschäftigungen nachgeht, ist des Spielers freie Entscheidung. Wer vorankommen und Takkars Fähigkeiten ausbauen möchte, kommt um die Kampagne aber nicht herum.

Und die hält mannigfaltige Aufgaben bereit: Takkar soll zum Beispiel Rohstoffe zum Bau seines Heimatdorfes suchen, Gesinnungsbrüder aus der Geiselhaft befreien oder Wolfsrudel erlegen. Manchmal gilt es auch, Kluge Köpfe ausfindig zu machen, die sich auf das Zimmermanns-Handwerk oder Nahkampf verstehen und so Takkars Clan mehren und stärken. Davor, danach und dazwischen halten Auseinandersetzungen die Spannung hoch: Takkar misst sich mit freilaufenden Bären, Mammuts und - Überraschung! - den Angehörigen kriegerischer Stämme, die sein eigenes Volk ausrotten wollen. 

Überleben schwer gemacht

Nahkämpfe mit Axt und Keule, und Fernkämpfe mit Speer und Bogen halten sich in Far Cry Primal die Waage. Dass das Action-Adventure zugunsten des Szenarios auf spektakuläre Laserwummen und bilderschütternde Explosionen verzichtet, fällt nach einiger Zeit nicht mehr ins Gewicht. Dafür sind die Aufgaben in Oros zu spannend inszeniert.

Gegnerische Krieger beispielsweise lernen im Spielverlauf dazu und motivieren zur Anpassung der eigenen Taktik. Nur manchmal reicht simples Annähern und Draufloshacken zum Meistern einer Mission. Andernorts empfiehlt sich durchdachtes Erkunden, Anschleichen, Ablenken und Angreifen. Zumindest auf den höheren der vier Schwierigkeitsgrade stirbt Takkar einen raschen Tod, wenn er sich Gegnern allzu unbedacht, zu schnell oder zu auffällig nähert. Überleben in Far Cry Primal setzt behutsames Vorgehen voraus. 

Kampf, Aufbau und Ressourcen

Die Gameplay-Schicht aus Aufbau und Kampf nährt sich aus einem ausgeprägten, trotzdem überschaubaren Ressourcensystem. Kadaver bergen Knochen, Haut, Fleisch und Fett. Daraus, und aus Mineralien sowie Pflanzen entstehen Speere, Äxte, Köcher, Tragebeutel, Wurfgeschosse und andere Nützlichkeiten.

Das Sammeln und Bauen setzt sich auf einer weiteren Ebene fort: Immer wieder erreicht Takkar mächtige Feuerscheite. Einmal erreicht und entzündet, dienen sie als praktischer Rückkehr- und Schnellreisepunkt. Sie markieren außerdem das Areal als stammeseigen. Menschen in der näheren Umgebung gesellen sich zu Takkars Volk der Wenja. Das Wenja-Dorf wächst, Wenja-Krieger greifen bei Kämpfen auf Takkars Seite ein. Das löst mitunter schonmal große Gefühle aus: Man meint tatsächlich, an der Entstehung eines Volkes beteiligt zu sein. 

Magische Tricks

Um die Spannung auf hohem Niveau zu halten, trickst das Gameplay halt ein bisschen. Es gibt Takkar Mittel zur Hand, die - das darf man wohl unterstellen - dem gewöhnlichen urzeitlichen Menschen nicht zur Verfügung standen. Takkar wird auf Tastenkommando zur Eule und erkundet im Flug die nähere Umgebung. Sobald Takkar die Fähigkeit als Bestienmeister erlernt hat, darf er Wölfe, Bären und andere Tiere als Begleiter rekrutieren und auf Ziele hetzen.

All diese Facetten verkomplizieren die Steuerung. Deshalb werden sich Genre-Einsteiger mit Far Cry Primal schwer tun. Andererseits sind alle Elemente schlüssig mit dem Gameplay verknüpft und machen Sinn: Aus der Deckung heraus beobachten, wie Takkars Begleitwolf auf manuelles Kommando - teils auch autonom - feindliche Späher hetzt und vertreibt, das löst Hochgefühle im Spieler aus. 

Was uns gefällt

Das Kämpfen mit Äxten, Speeren, Bögen, Wurfbeuteln und anderen frühmenschlichen Waffen in verschiedenen Ausbaustufen fühlt sich interessant an. Jagdwerkzeuge verschleißen, Rohstoffe für Stiele, Pfeile und Heilmittel müssen gesucht und gefunden werden: All das steht wildem Draufloshacken entgegen und motiviert zum umsichtigen Umgang mit Ressourcen und Kampfsituationen.

Die Landschaft könnte zwar abwechslungsreicher gezeichnet sein, aber Wechsel von Tag und Nacht sowie verschiedene Vegetationszonen erzeugen schöne wechselnde Lichtstimmungen. Die Animation von Mensch und Tier überzeugt. Im Dialogfall pflegen die Beteiligten einen urzeitlichen Fantasie-Dialekt, deutsch untertitelt. Das funktioniert gut. 

Was uns nicht gefällt

Das Game fokussiert sich voll und ganz auf die Einzelspieler-Kampagne - eine Mehrspieler-Komponente haben die Entwickler schlicht und ergreifend nicht eingebaut. Selbst eine in die Kampagne integrierte Koop-Unterstützung wie im Vorgängerspiel Far Cry 4 fehlt.

Außerdem stören die Ladepausen: Nach dem Heldentod vergeht bis zu einer Minute vor der Regeneration am letzten Rücksetzpunkt. Diese Zeit wird durch einen Ladebalken nur sehr unzureichend kaschiert. Das bricht den Spielfluss. Außerdem nimmt sich das Spiel vielleicht eine Spur zu ernst. Das Überleben in der Steinzeit ist hart genug - da hätten ein paar Wortwitze gut getan. 

Fazit

Das neueste Game aus der Far Cry-Reihe ist geprägt durch Kämpfe, ein vielschichtiges Ressourcensystem, ausgeprägte Aufbau-Elemente und eine offene Welt, die im Spielverlauf reizvolle Facetten entwickelt. Far Cry Primal sieht bei oberflächlicher Betrachtung nach Ego-Shooter aus, fühlt sich unterm Strich aber sehr stark nach Abenteuer an. Das frühmenschliche Szenario erkunden und erobern macht Spaß, setzt wegen seiner vielfältigen Handlungsmöglichkeiten allerdings Genrekenntnisse und/oder die Bereitschaft zur Einarbeitung voraus. 

Titel: Far Cry Primal
Genre: Action-Abenteuer
Publisher: Ubisoft
Hersteller: Ubisoft Montréal
Release-Termin: 23. Februar 2016 (Konsole), 1. März 2016 (PC)
Preis: zirka 55 Euro (PC) / zirka 65 Euro (Konsole)
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Sehr gut

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