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Computerspiele: Kein Patentrezept gegen Sexismus

14.03.2016, 16:18 Uhr | (jr / tz), AP

Computerspiele: Kein Patentrezept gegen Sexismus. World of Warcraft: Legion - Blizzard hat die sechste Erweiterung für sein Online-Rollenspiel veröffentlicht (Quelle: Blizzard Entertainment)

World of Warcraft: Legion - Blizzard hat die sechste Erweiterung für sein Online-Rollenspiel veröffentlicht (Quelle: Blizzard Entertainment)

Auch viele Frauen spielen gern am Computer. Es kommt aber immer wieder vor, dass sie in Foren oder während des Spiels von Mitspielern belästigt, beleidigt oder sogar bedroht werden. Die Branche hält sich bislang zurück. 

Stalker belästigt weiblichen WoW-Fan

Nico Deyo war ein Fan des Computerspiels "World of Warcraft" (WoW), ein Rollenspiel, in dem Teilnehmer interaktiv gegeneinander oder gegen Computer-Gegner antreten. Irgendwann begann ein Stalker, die 33-Jährige in den Foren des Spiels zu belästigen, ihre Rolle zu übernehmen und sie später sogar über den Kurzmitteilungsdienst Twitter zu bedrohen. Deyo gab auf und spielt nun nur noch allein oder mit Personen, die sie kennt. Wie ihr geht es vielen Frauen in der Computerspiele-Szene, die als männlich dominiert gilt.

"Da gibt es in der Community vieles, was sehr feindselig ist", sagt Deyo heute, zwei Jahre später, über die Szene rund um World of Warcraft. Die Belästigung bis hin zu Bedrohung von Frauen in Computerspielforen ist ein großes Thema geworden. Vor zwei Jahren sorgte in den sozialen Medien "Gamergate" für Aufregung: Eigentlich ging es dabei um Spiele-Entwickler und Journalisten, die über Computerspiele schreiben. In diesem Zusammenhang wurden aber auch Spiele-Entwicklerinnen so attackiert, dass sie zeitweise untertauchen mussten.

Die 52-jährige Becky Heineman, Mitbegründerin des Spielestudios Olde Skuul in Seattle, spielte begeistert Ego-Shooter-Spiele wie "Call of Duty" oder "Halo". Irgendwann wurden ihr die Belästigungen und Sprüche einiger Mitspieler zu viel. Es sei dabei um ihre BH-Größe gegangen und "ob ich (beim Sex) lieber unten oder oben liege und andere abfällige Bemerkungen", sagt sie. Beschwerden bei den Spieleproduzenten - die die Foren in der Regel moderieren - hätten wenig gebracht. Heute spielt sie meist für sich allein. 

Erst langsam entdeckt die Spieleindustrie die Frauen. Dabei ist der Anteil der Frauen, die Computerspiele nutzen, mit etwa 50 Prozent etwa ebenso hoch wie der bei Männern, wie eine Umfrage gezeigt hat. Männer identifizieren sich jedoch nach Ansicht von Experten stärker mit der Rolle als "Gamer". Außerdem bleiben sie bei bestimmten SpieleGenres - gerade bei Ego-Shootern - oft fast vollständig unter sich.

Größen in der Spielebranche, etwa die Konsolenhersteller Microsoft oder Sony, und Spiele-Entwickler wie Blizzard Entertainment haben Regeln erlassen, die Stalking und andere Belästigungen ausdrücklich verbieten. Sie haben auch die Möglichkeit, Spieler, über die Beschwerden eingehen, aus den Foren zu verbannen. Tatsächlich, so berichten Gamer, wird davon sehr selten Gebrauch gemacht. Microsoft teilte auf Anfrage mit, dass jüngste Veränderungen bei seinem Online-Dienst Xbox Live es künftig wahrscheinlicher machen, dass Spieler mit schlechtem Ruf ausgeschlossen werden. Das Serviceteam gehe jeder Beschwerde nach, betonte das Unternehmen. Andere Firmen wie Sony oder Blizzard gaben keinen Kommentar ab. 

Die Beteuerungen aus der Branche überzeugen die meisten Frauen ohnehin nicht. Es mangle an der Umsetzung der Regeln, beklagt Kate Edwards, Exekutivdirektorin des Internationalen Spieleentwicklerverbandes (IGDA). "Spieler müssen ihre eigenen Strategien entwickeln, um damit umzugehen." 

Bei manchen Spielen zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, unliebsame Mitspieler zum Schweigen zu bringen oder die Chatfunktion zu deaktivieren. Xbox Live beispielsweise markiert Spieler, über die sich andere häufig beschwert haben, so dass Gamer das Spiel mit ihnen verweigern können. Doch fordern Experten weitergehende Maßnahmen. "Stoppt man damit den Missbrauch?", fragt Kishonna Gray, eine Wissenschaftlerin, die ein Buch zu Rassismus und Sexismus in der Xbox-Community geschrieben hat. "Sie (die Täter) wenden sich einfach an die nächste Person und machen weiter."

Aber welche wirksamen Maßnahmen gibt es? Gray und Edwards verweisen auf Riot Games, die unter anderem das Spiel "League of Legends" herausgebracht haben. Riot hat ein System entwickelt, auf der Grundlage von künstlicher Intelligenz und Kommentaren von Mitspielern Gamer zu sanktionieren, die gegen die Regeln verstoßen. Sie können teilweise oder komplett vom Spiel ausgeschlossen werden oder haben keinen Zugang mehr zu den Foren. Als Folge der Maßnahmen, so sagte Jeffrey Lin von Riot Games einmal, seien rassistische, sexistische, homophobe oder in anderer Form beleidigende Äußerungen sehr selten.

Tatsächlich ist es schwierig, das Problem der Belästigung zu lösen, darin sind sich alle einig. "Es ist ein soziales und kulturelles Problem", sagt Dmitri Williams von Ninja Metrics, einer Firma, die sich mit der Analyse von Computerspielen befasst, "kein technisches." 

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