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Vampyr im Test: Blutsauger wider Willen

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Preview Vampyr | Action-Rollenspiel | PC, PS4, Xbox One  

Blutsauger wider Willen

17.03.2016, 17:55 Uhr | Sönke Siemens (jr / ta), Medienagentur plassma

Vampyr im Test: Blutsauger wider Willen. Die moralisch vielschichtigen Entscheidungssituationen machen einen Großteil der Faszination von "Vampyr" aus. (Quelle: Focus Home Interactive)

Die moralisch vielschichtigen Entscheidungssituationen machen einen Großteil der Faszination von "Vampyr" aus. (Quelle: Focus Home Interactive)

Die Entwicklung des Pariser Studios Dontnod gleicht einer Achterbahnfahrt. Am 7. Juni 2013 veröffentlicht man zusammen mit Capcom "Remember Me" - ein packendes Action-Abenteuer rund um das Thema Gedankenmanipulation. Richtig gut verkaufen will sich das Produkt zunächst nicht, so dass man Anfang 2014 kurz vor der Pleite steht. Doch dann wendet sich das Blatt. Dontnod sammelt Geld für ein neues Projekt mit dem Codenamen "What If" - besser bekannt als das emotional aufwühlende Teenager-Abenteuer "Life is Strange", das sowohl gute Noten als auch exzellente Verkäufe erzielt. Heute ist Dontnod saniert und mit dem für 2017 auf PC, PS4 und Xbox One geplanten Action-Rollenspiel "Vampyr" auf gutem Wege, einen weiteren Kracher abzuliefern. 

Eine Stadt am Abgrund

London im Jahr 1918: Die Themse-Metropole befindet sich Würgegriff der spanischen Grippe, einer verheerenden Pandemie, die bereits Hunderttausende auf dem Gewissen hat. Zerfressen von Krankheit, Gewalt und Angst und aufgeteilt in dutzende Quarantänezonen, ist die einst stolze Hauptstadt des British Empires mittlerweile nur noch ein Schatten ihrer selbst. 

Mittendrin in diesem Moloch aus Tod und Verderben: Jonathan Reed, ein hochrangiger Chirurg, der gegen seinen Willen zum Vampir wurde. Sein Schicksal steht im Mittelpunkt der Handlung. "Reed polarisiert von Anfang an", so Philippe Moreau, Game Director von Vampyr, im Gespräch mit t-online.de/spiele. "Auf der einen Seiten haben wie einen Mann der Wissenschaft, einen Humanisten, der das Leiden von Londons Bürgern mildern möchte. Auf der anderen Seite erleben wir Reed als Kreatur der Nacht, die nur dann überleben kann, wenn sie die Leben anderer auslöscht. Die Evolution des Helden steht dabei in direktem Bezug zur Menge an Personen, die er auf dem Gewissen hat. Je mehr du tötest, desto stärker wirst du." 

Ein Gepeinigter auf der Suche nach Antworten

Reeds vorrangiges Ziel zu Spielbeginn ist es, herauszufinden, wer oder was ihn in seine missliche Lage versetzt hat. Was das in der Praxis bedeutet, skizziert Moreau anhand einer knapp zwölfminütigen Demomission. Es geht darum, eine Krankenschwester namens Dorothy Crane im historischen Stadtteil White Chapel ausfindig zu machen. Sie erpresst einen Vampirfreund von Reed und könnte demzufolge mehr über Londons spitzzahnige Blutsauger wissen. 

"Exploration spielt eine wichtige Rolle in Vampyr", erklärt Moreau. "Wir wollen wirklich, dass der Spieler unsere immersive Welt erkundet und mehr über die Hintergrundgeschichte erfährt. Dreh- und Angelpunkt des Gameplays ist dabei eine semi-offene Spielwiese mit verschiedenen Verteilerbereichen, die alle miteinander verbunden sind. Alle unsere Örtlichkeiten bieten mehrere Zugänge und verschiedene, begehbare Innenbereiche. Abseits der eigentlichen Geschichte bieten wir natürlich auch Sekundärmission und zahlreiche Geheimnisse, die es zu lüften gilt." 

Viele Entscheidungen, massive Konsequenzen

Das düstere Szenario macht einen vielversprechenden Eindruck: Seien es nun die detailliert ausstaffierten Räumlichkeiten, die mit viel Hingabe ausgearbeitete Geräuschkulisse oder das clevere Wechselspiel zwischen Licht und Schatten - der Umstieg von der noch in Life is Strange genutzten Unreal Engine 3 hin zur leistungsstärkeren Unreal Engine 4 wird an allen Ecken und Enden deutlich. Dass die anwesenden Journalisten nahezu die gesamte Präsentation über gebannt auf den Bildschirm starren, hat jedoch noch andere Gründe. Denn genau wie bei Life is Strange sind es in vor allem die Dialoge und Entscheidungssequenzen, die mitreißen und nachdenklich stimmen. 

Beispielsweise muss Reed schon recht bald entscheiden, wie er auf einen eskalierenden Streit zwischen einem älteren Herrn und einem Teenager reagiert. Soll er den Kriegsveteranen dafür bestrafen, dass er den sich anschleichenden Jungen fast mit einer Kugel niedergemäht hätte? Oder ist es vielmehr der Jungspund, der bestraft werden sollte, weil er - wie sich schon bald herausstellt - dem Greis ein lebenswichtiges Medikament stehlen wollte? Was die Zuschauer zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Die beiden Streithälse sind in Wirklichkeit Vater und Sohn. 

Moreau holt aus: "Alle Bürger der Stadt haben ihre eigene Personalität, eigene Jobs und eigene Aktivitäten, denen sie nachgehen. Sie pflegen Beziehungen und manchmal verbergen sie auch Geheimnisse. Du kannst jedes von ihnen untersuchen. Aber vergiss nicht: Sie sind auch potenzielle Opfer, die du jagen kannst. Ihr Blut ist es, was du brauchst, um stärker zu werden. Du entscheidest also über ihr Schicksal. Die Frage ist: Wen willst du töten, und wen willst du verschonen?"

Wer lebt, wer stirbt?

Das Problem mit dem Töten in Vampyr: Laut Dontnod kann es teils dramatische Folgen nach sich ziehen, welche dem Spieler oft erst viel später innerhalb des Plots bewusst werden. Moreau mahnt: "Der Tod eines jeden Bürgers wird sich auf bedeutsame Weise aufs Spielgeschehen auswirken. Das gilt im Speziellen für die Verwandten eines Opfers. Sie nimmt der Verlust von Angehörigen am meisten mit." Spannend: Moreau und sein Team gehen scheinbar sogar so weit, dass am Ende ganze Stadteile niederbrennen können.

Selbstverständlich kann man Vampyr auch so spielen, dass man zunächst einmal jeden verschont. Irgendwann dürfte diese Strategie aber in eine Sackgasse führen, denn am Ende des Tages ist das hier immer noch ein klassisches Action-Rollenspiel mit zahlreichen Kampfsituationen, die sich nur bis zu einem gewissen Grad vermeiden lassen.

Hinzu kommt: Rammt Reed jemandem seine Vampirzähne in die Halsschlagader, wird dies mit einem massiven Erfahrungspunkte-Anstieg belohnt - der wiederum neue Fähigkeiten innerhalb der insgesamt drei Talentbäume freischaltet und Kämpfe letztlich vereinfacht.

Was bleibt, ist ein geschickt ineinander verzahnter Gameplay-Kreislauf, der dem Spieler immer wieder die Pistole auf die Brust setzt. Früher oder später wird man zum Handeln gezwungen - ob es einem nun in den Kram passt oder nicht. Beste Voraussetzungen also für viele emotionale Momente. 

Was uns gefällt

Genau wie bei Life is Strange sind es in erster Linie die moralisch vielschichtigen Entscheidungssituationen, die einen Großteil der Faszination ausmachen und für einen entsprechend hohen Wiederspielwert sorgen dürften. Pluspunkte zudem für die Tatsache, dass Dontnod die komplette Spielwelt von A bis Z selbst entworfen hat und sich nicht krampfhaft an Romanvorlagen orientiert, die das Ganze in ein vorhersehbares Korsett gezwängt hätten.

Zitat Moreau: "Wir sind wirklich sehr weit entfernt von 'Twilight' und allen neumodischen Filmen und Serien, die man in letzter Zeit so zu Gesicht bekommen hat, und konzentrieren uns lieber auf den Gothic-Vampir mit all seinen Stärken und Schwächen. Bei uns glitzern Vampire demnach nicht im Sonnenlicht. Wohl aber müssen sie - genau wie in der klassischen Vampir-Mythologie - zum Beispiel eingeladen sein, wenn sie das Haus einer Person betreten wollen."  

Was uns nicht gefällt

Im Gegensatz zur sehr emotional erzählten Geschichte wirkt der Action-Part bisher noch ausbaufähig. Drei Talentbäume mit voraussichtlich je elf Fähigkeiten, aufrüstbare Waffen sowie ein rudimentäres Crafting-System sind ein guter Anfang.

Um Genre-Krachern wie "The Witcher 3" oder "Batman: Arkham Knight" in der Action-Disziplin Paroli bieten zu können, müssten die Franzosen aber noch eine ordentliche Schippe drauflegen - nicht nur was die Dynamik der Kampfabschnitte angeht. Der Fairness halber sei allerdings gesagt, dass sich das Spiel noch sehr früh in der Entwicklung befindet und erst 2017 auf den Markt kommen soll.  

Fazit

Starke Charaktere, schwerwiegende Entscheidungen, eine Fülle an gesellschaftspolitisch relevanten Problemthemen, eine düstere und mit viel Herzblut entwickelte Spielwelt - Vampyr könnte der blutrote Traum eines jeden Dracula-Fans werden. Insbesondere dann, wenn Dontnod noch mehr Zeit in den Feinschliff der Action-Passagen investiert. Insgesamt aber ein echter Hoffnungsträger. 

Infos zum Spiel 

Titel: Vampyr
Genre: Action-Rollenspiel
Publisher: Focus Home Interactive
Hersteller: Dontnod
Release-Termin: 2017
Preis: Noch nicht bekannt
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Noch nicht geprüft
Eindruck: Sehr gut

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