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Test zu Dirt Rally für PS4 und Xbox One

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Test zu Dirt Rally | Rallye-Rennspiel | PS4, Xbox One  

Gasgeben. Fluchen. Weitermachen

04.04.2016, 16:39 Uhr | jr / ams, Richard Löwenstein

Test zu Dirt Rally für PS4 und Xbox One. Dirt Rally versteht sich als realitätsnahe Rallye-Racing-Simulation - und macht dabei auch keine Kompromisse. (Quelle: Codemasters)

Dirt Rally versteht sich als realitätsnahe Rallye-Racing-Simulation - und macht dabei auch keine Kompromisse. (Quelle: Codemasters)

Die Suche nach einer unbeugsamen Fahrsimulation endet hier und jetzt: "Dirt Rally" nimmt keine Rücksicht auf Untrainierte und Gelegenheitspiloten. Die neue Produktion aus den heiligen englischen Rennspielstudios Codemasters erwartet Hingabe an das Rallyegenre und Frusttoleranz. Dirt Rally fokussiert sich auf puristischen Motorsport, so kompromisslos wie kein anderes Game auf Playstation 4 und Xbox One. 

Die inneren Werte zählen

Das Game wirkt wie ein Auto von der Stange, den sein Besitzer komplett ausräumt, leistungsteigert, auf Allradantrieb umrüstet und für den Rallyebetrieb fitmacht - äußerlich brav, innen pur. Wehe, man steigt ein und startet den Motor: Dann röhrt und brabbelt es ganz böse, und beim ersten Tritt aufs Gaspedal wird klar: Das wird ein heißer Tanz auf der Klinge.

Im Klartext: Dirt Rally ist schwer. Bockschwer. Einmal zu früh eingelenkt oder das Gaspedal um eine Zehntelsekunde zu spät gelupft, schon hängt die Fuhre am nächsten Baum. Erst mit der Zeit fühlt man sich wohler. Lernt, sich zu konzentrieren, und entwickelt einen zielführenden Kurveninstinkt. Dann werden die Unfälle seltener, und es stellt sich ein erfüllendes Flowgefühl ein. 

Spiele-Videos 
Dirt Rally: Launch-Trailer zur Offroad-Simulation

Der neue Teil erfordert Hingabe und Frusttoleranz. Video

Schlichte Präsentation

Dass sich je eine solche Fahrlust entfaltet, möchte man anfangs kaum glauben. Der erste Eindruck nach Spielstart weckt Zweifel an der Gesinnung der Gamedesigner: Haben sie die letzten zehn Jahre verschlafen? Im Vergleich mit anderen aktuellen Racinggames wirkt Dirt Rally stellenweise anachronistisch. Fast farblose Menübildschirme, in denen sich kaum etwas bewegt; kein virtuelles Partyvolk, das Siege bejubelt, kein ohrenbetäubend hippes Bordradio. Welches andere Rennspiel leistet sich heutzutage eine derart auf das Wesentliche reduzierte Präsentation? Es gibt weder eine Rückspulfunktion, die Fahrfehler ungeschehen macht, noch Computergegner mit eingebauter Rücksichtnahme, die Einsteigern zumindest anfangs Podestplätze zu Füßen legen. 

Beinharter Schwierigkeitsgrad

Stattdessen sorgt ein von Anfang an unbarmherzig hoher Schwierigkeitsgrad für kübelweise Frust beim Spieler. Wer vorher noch keine Fahrsimulation probegefahren hat, wird in jeder zweiten Kurve anecken und regelmäßig den Anschluss an die Führenden verlieren. Eine gewisse Genreerfahrung ist daher nicht nur zu empfehlen - sie ist vielmehr unbedingt notwendig.

Zu Beginn stellt einem das Spiel 50.000 virtuelle Credits zur Verfügung. Das reicht zum Kauf eines Oldtimers und zur Teilnahme an Einstiegsrallyes. Erstes Ziel: Griechenland. Alle anderen Ausstattungsmerkmale - moderne Autos, Wettbewerbe in Deutschland, Wales, Schweden, Finnland und Monte Carlo - sind vorläufig gesperrt und nicht einmal für Trainingszwecke erreichbar. Beinhartes Freispielen ist angesagt. 

Rallyes und Bergrennen

Viel Freispielbares gibt es allerdings nicht. In Sachen Ausstattung hält sich Dirt Rally zurück. Drei Spielmodi - Rallye, Rallycross und Hillclimb - müssen reichen. Rallye ist gleichbedeutend mit Einzelheitfahren. Der Spieler ist unterwegs auf sich allein gestellt. Gibt Gas auf sich durch die Landschaft windenden Pisten aus Asphalt, Kies, Schnee und Schlamm im ständigen Kampf mit den Tücken der Strecke und der gnadenlosen Stoppuhr, um einen oberen Platz auf dem Zeitentableau zu ergattern.

Der Spieler gegen den Sekundenzähler: Dieses Element prägt auch die Bergrennen, sprich den Spielmodus "Hillclimb" am legendären Pike´s Peak. Nur geht es halt eher bergauf als geradeaus. Dabei ist es der Steuerung zu verdanken, dass man von Kurve zu Kurve zunehmend Vollgasfieber in sich spürt. Wie präzise sich das lenkt und dass das Auto so kontrollierbar dem Stepptanz zwischen Gas und Bremse folgt, ist äußerst selten im Genre und sicher auch dem flüssigen Bildaufbau mit 60 Frames pro Sekunde geschuldet. 

Sauberes Fahren wird belohnt

Wie bei echten Rallyes gliedert sich jede Veranstaltung in mehrere kurze A-nach-B-Etappen. Im Anschluss an jede Etappe folgt das Wundenlecken: Welche Unfallschäden hat das Auto eingesteckt, und welche Malaissen an Karosserie, Bremsen, Motor oder Fahrwerk soll die virtuellen Mechaniker mit Priorität reparieren?

Dafür hat man nur ein Kontingent von 30 virtuellen Minuten. Wer also zu häufig Bäume rammt oder Leitplanken berührt, wird die nächste Etappe mit lädiertem Fahrzeug beginnen und irgendwann aufgrund des unsauberen Fahrstils den Totalausfall erdulden müssen. Das Schadensmodell deaktivieren, das ist erstaunlicherweise nicht vorgesehen. Dirt Rally gibt sich hier gnadenlos und erzieht gleichzeitig zu einer vorbildlichen Fahrweise. 

Ein kleines bisschen Arcade-Racing

Beim Rallycross fühlen sich die Wettbewerbe mehr nach Arcade-Racing an, weil sie auf kurzen Rundkursen stattfinden. Der Positionskampf mit Computergegnern und / oder Online-Mitspielern bestraft Fahrfehler anschaulicher als die Stoppuhr: Einen Drift in der Kurve schlecht angesetzt, schon ziehen die Computergegner ein paar Meter davon.

Ewig her, dass sich ein Rennspiel so sehr nach Simulation angefühlt hat. Beschleunigungs-, Schalt- und Bremshilfen sind zwar existent, greifen aber sehr zurückhaltend ein. Der Spieler muss die Lenkung äußerst gefühlvoll führen und den Tanz zwischen Gaspdedal und Bremse vom ersten Start an hinbekommen. 

Was uns gefällt

Das Spiel enthält originalgetreue Repliken von knapp 40 Fahrzeugen. Der Fuhrpark umfasst Oldtimer wie Mini Cooper und Renault Alpine, moderne Rallyeboliden auf Basis von VW Polo und Ford Fiesta, und etliches dazwischen wie zum Beispiel den Ford Escort Cosworth und den Subaru Impreza WRC zum Beispiel.

Die Rallycross-Wettbewerbe basieren auf original WRC-Veranstaltungen, das sorgt für ein Plus an Wiedererkennung und Atmosphäre. Die Grafik verzichtet allerdings auf einige Details zugunsten eines vollkommen geschmeidigen Bildaufbaus mit 60 Frames pro Sekunde. In Kombination mit der äußerst gefühlvollen und hochpräzisen Steuerung ergibt das eine sehr gute Basis für ein hochmotivierendes Fahrerlebnis. 

Was uns nicht gefällt

Die Rallye-Veranstaltungen müssen leider ohne offizielle WRC-Lizenz auskommen. Sie sind stattdessen als namenlose offene Veranstaltungen deklariert - das kostet Atmosphäre-Punkte. Das Tutorial bringt dem Betrachter in 22 Lektionen Fachbegriffe wie Übersteuern, Untersteuern oder Anstellen näher. Allerdings handelt es sich nur um kurze Videoschnipsel. Generell finden wir die puristische Präsentation des Motorsport-Themas durchaus angebracht. Aber an dieser Stelle wäre aktives Fahrtraining sehr viel praxisnäher und hilfreicher gewesen. 

Fazit 

Dirt Rally setzt die Racing-Tradition von Codemasters erfolgreich fort. Es huldigt dem Rallyesport ähnlich wie die frühen "Colin McRae"-Games aus selbem Hause. Heißt: Man verzichtet also auf Sperenzchen wie eine schicke Präsentation und eine luxuriöse Ausstattung. Stattdessen liegt der Fokus voll auf Fahrkönnen und dem Kampf gegen die Stoppuhr. Es ist nicht viel drin und dran an dieser Rallyesimulation, aber das Vorhandene zeigt sich in perfekter Verfassung. Den Schwierigkeitsgrad hätten wir uns allerdings niedriger gewünscht. Einsteiger und Gelegenheitsfahrer werden Dirt Rally als äußerst frustrierend erleben. 

Infos zum Spiel 

Titel: Dirt Rally
Genre: Rallye-Rennspiel
Hersteller/Publisher: Codemasters
Release-Termin: 5. April 2016 / PC-Version via Steam und als Boxed-Version im Handel
Preis: zirka 70 Euro
System: PS4, Xbox One / PC-Version seit 2015 erhältlich 
USK-Freigabe: Ab 6 Jahren 
Wertung: Sehr gut

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