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Ego-Shooter "Doom" im Spieletest: Die Hölle frisst die Trägen

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Test zu Doom | Ego-Shooter | PC, PS4, Xbox One  

Die Hölle frisst die Trägen

14.05.2016, 11:30 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

Ego-Shooter "Doom" im Spieletest: Die Hölle frisst die Trägen. Doom ist Heavy-Metal-Action für erwachsene Shooter-Fans. (Quelle: Bethesda)

Doom ist Heavy-Metal-Action für erwachsene Shooter-Fans. (Quelle: Bethesda)

Keine Zeit für Deckung oder Gesundung: Der vierte Ableger aus der legendären Ego-Shooter-Reihe "Doom" legt ein hohes Tempo und eine raue Gangart vor.  Nach sagenhaften neun Jahren Entwicklungszeit präsentiert sich die Schöpfung des US-Entwicklers id Software nicht in überragender, aber in sehr guter Form: Schöne Grafik, aufregende Waffen und ein derber Humor addieren sich zum intensiven Überlebenskampf. Fiese Marsmonster aufmischen, das dürfen ab sofort Besitzer von PC, PS4 und Xbox One

Ein Shooter aus uralten Zeiten 

Das erste Doom gilt als der Urknall des modernen Ego-Shooter-Genres. Ballereien aus der Ich-Perspektive gab es zwar schon vor dem 10. Dezember 1993, jenem Tag, ab dem Shareware-CD-ROMs PC-Gamer weltweit mit dem Doom-Virus infizierten - Internet gab es damals noch kaum. Die Welt hatte so ein Spiel noch nicht gesehen. Ein Shooter mit variantenreicher Karten- und Raumarchitektur als Basis für spannendes und dynamisches Gameplay. Einer, der mit stetig wechselnden Angreiferwellen Durchhaltevermögen und taktisches Verständnis des Spielers prüft. Das alles war neu.

Berüchtigt ist das Ur-Doom last not least wegen seiner kompromisslosen Zurschaustellung von Gewalt. Die Art und Weise, wie es angreifende Monster in schönstes Pixelgedärm zerreißt, wirkte Mitte der neunziger Jahre sehr gewagt. 

Doom 
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Ungekürzt trotz USK-Freigabe 

Doom wurde im Frühsommer 1994 indiziert und galt Antigaming-Lobbyisten über Jahre als Paradebeispiel für jugendgefährdende Unterhaltungs-Software. Trotz seines Status als Urvater eines Genres durfte Doom bis zur Streichung von der Indexliste im August 2011 in Deutschland weder offen verkauft noch beworben werden. Heute geht die Gesellschaft entspannter mit Gaming-Inhalten dieser Art um. Das neue Doom hat trotz seines ähnlichen Inhalts und vergleichbar heftiger Bilder von der USK eine Freigabe "Ab 18 Jahre" erhalten.

Neun Jahre Entwicklungszeit

Der Namesgleichheit zwischen Original und Neufassung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir eigentlich von Teil vier sprechen. Die Arbeiten daran begannen bereits 2007. Nach einem außergewöhnlich schwierigen und langwierigen Entwicklungsprozess mit vielen Rückschlägen wollte der Hersteller wohl die Uhr auf Null zurückstellen. Man strich kurzerhand die Zahl Vier aus dem Titel und die Tatsache aus dem Gedächtnis, dass Doom rekordverdächtige neun Jahre in Entwicklung war.

Temporeicher Ego-Shooter

Das Gameplay des neuen Doom knüpft im wesentlichen an Vertrautes an. Wir sprechen von einem schnell  getakteten Ego-Shooter, der den Bildschirm mit Welle um Welle unterschiedlichster Angreifer flutet. Die Erzählstruktur ist nicht sonderlich stark ausgeprägt und dennoch entscheidend für die Stimmung. Auf einer gottverlassenen Mars-Kolonie gestrandet, fühlt man sich als Spieler nämlich tatsächlich allein gelassen. Kein Mensch weit und breit, stattdessen ein allgegenwärtiges Gefühl der Bedrohung: Heisere Kreischen und dumpfes Pochen sind Vorzeichen für einen bevorstehenden Angriff grotesk entstellter Kreaturen - sogenannter Dämonen, die von nun an in wechselnden Ausprägungen über den Spieler herfallen.

Eine Reise ins Ungewisse

Was ist hier geschehen? Lässt sich die Monsterflut eindämmen? Ist Rettung möglich? Das klären ins Gameplay eingeflochtene Aufzeichnungen. Sie werden an Schlüsselpunkten automatisch ausgelöst und tragen den Spieler durch wechselnde Beauftragungen in Richtung Finale.

Schlüssel finden, Satellitenverbindung starten, Brutzellen finden und zerstören: Die Zielsetzungen in Doom mögen trivial sein, aber der Weg dorthin ist mit spannender Action gepflastert. Serienliebhaber könnten die erste Spielstunde der Singeplayer-Kampagne als etwas behäbig empfinden, Einsteiger wiederum kommt das zurückhaltende Anfangstempo - und der einstellbare Schwierigkeitsgrad - sehr entgegen. Die Kampagne zieht ohnedies bald die Daumenschrauben an und entfesselt abwechslungsreiche Gefechte gegen stetig wechselnde Gegner.

Angreifer aller Art

Anfangs wanken einem Zombiekreaturen entgegen, die sich bereits einem Treffer aus Colt oder Schrotflinte beugen. Ein paar Räume weiter lernen die Biester schon behändes Klettern und das Schießen von erhöhten Positionen mit Feuerbällen - oder sie legen sich einen dicken Panzer zu. Solche Kreaturen widerstehen den anfangs stets erfolgreichen Nahkampf-Prügelattacken und verlangen also nach einer Anpassung der Taktik.

Eine denkbare Lösung: Kettensäge finden, stets nach Kanistern mit Benzin Ausschau halten und beides zusammen zum Einsatz bringen. Die sich daraus ergebenden Szenen sind derart grotesker Splatter, das man sie kaum ernst nehmen kann. Besonders Hartgesottene sammeln durch Einsatz besonders gemeiner Vollstreckungen - sogenannter "Glory-Kills" - Extrapunkte.

Hoher Schwierigkeitsgrad

Im Spielverlauf mehren sich die Höhepunkte. Die Angreifer entwickeln interessante Strategien, die Kulissen verändern sich, hier und da treiben punktuierte Schockeffekte den Puls in die Höhe. Zahlreiche manuell zu bestimmende Körper- und Waffenverbesserungen steigern die Laune zusätzlich: Wenn beispielsweise die altbekannte Schrotflinte plötzlich Projektile streut und die eigene Spielfigur mit Macht über Angreifer hinwegspringt, dann fühlt sich das stark und mächtig an.

Ganz leicht ist der Überlebenskampf trotzdem nicht. Oft sperrt das Game Arenen ab und öffnet sie erst wieder, wenn alle Angreifer darin beseitigt sind. So entbrennt ein Actionfeuerwerk, das den Puls herrlich hochtreibt – aber eben auch Heldentode provoziert und dadurch die Spannung hochhält. Denn man kämpft im Bewusstsein, dass Gegner hinter die Deckung folgen, dass sich Lebensenergie nicht regeneriert und Rücksetzpunkte rar sind.

16 Stunden Kampagne

Nach 12 bis 16 Stunden ist das Finale des Kampagne erreicht, ein bisschen mehr Zeit braucht wer sich auf die Suche nach den zahlreichen versteckten Geheimnisse macht. Es heißt zum Beispiel, in den Höhlen des Mars lägen einige Levels aus dem Doom-Original von 1993 in zeitgenössischer Grafik verborgen. Verirren kann man sich bei der Suche kaum: Die geradlinige Spielstruktur, eine Karte und deutliche Zielmarkierungen helfen bei der Orientierung.

Was uns gefällt

Die hervorragende Eindeutschung bildet das i-Tüpfelchen der großartigen Atmosphäre. Synchronsprecher sind gut besetzt, Bildtexte treffend übersetzt und sogar Texturen - zum Beispiel für Bildschirm-Displays in den Kulissen - mit viel Gefühl für treffende Worte lokalisiert. Wer trotzdem englisch spielen möchte, kann über die Spieloptionen die Sprache umstellen. Großartig auch die verlässlich hohe Bildwiederholrate von 60 Frames auf PS4 und Xbox One, sogar bei hohem Feindaufkommen in aufwendigem Außengelände mit vielen Höhlen und Kammern. 

Was uns nicht gefällt

Liebhaber des Originals von 1993 könnten sich daran stören, dass die Grafik kaum visuelle Elemente des Originals aufgreift. Oder daran, dass der Mehrspielermodus zugunsten modernisierter Merkmale auf originale Charakteristika verzichtet. Man startet beispielsweise mit wählbarer Ausstattung in die Partie und muss nicht zwingend bessere Waffen auf der Karte finden. Es gibt weder Rocketjumps noch eine Sprinttaste. Beides hätte das Mehrspieler-Gameplay aber prima ergänzt.

Ein bisschen frech finden wir auch den Preis von zusätzlichen 39,99 Euro für den Season-Pass. Das ist viel Geld für drei kommende DLCs mit neuen Multiplayer-Karten und sonst wenig Inhalt. 

Fazit

Nach einem etwas soften Einstieg zieht Doom mächtig die Daumenschrauben an. Spätestens wenn die einem ersten Kamikaze-Dämonen mit lodernden Lunten entgegen sprinten und sich selbst in die Luft sprengen, kocht die Luft. Doom ist Heavy-Metal-Action für abgekochte Erwachsene. Die heftige Zurschaustellung von Blut und in Einzelteile zerlegte Dämonen sollte man als persiflierendes Element wahrnehmen - oder auf Abstand gehen.

Infos zum Spiel

Titel: Doom
Genre: Ego-Shooter
Publisher: Bethesda
Hersteller: id Software (Singleplayer) / Certain Affinity (Multiplayer)
Release-Termin: 13. Mai 2016
Preis: PC ab 60 Euro /  Konsole ab 70 Euro
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Ab 18 Jahren
Wertung: Sehr gut

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