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Test zu Shadow of the Beast: Erlebenswertes Comeback

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Test zu Shadow of the Beast | Action-Adventure | PS4  

Erlebenswertes Comeback

24.05.2016, 17:31 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

Test zu Shadow of the Beast: Erlebenswertes Comeback. Das PS4-Comeback der "Shadow of the Beast"-Reihe entpuppt sich als mutig gestyltes Actionabenteuer. (Quelle: Sony)

Das PS4-Comeback der "Shadow of the Beast"-Reihe entpuppt sich als mutig gestyltes Actionabenteuer. (Quelle: Sony)

Staunende Augen und offene Münder: Das waren die typischen Reaktionen im Jahr 1989, wann immer wenn das Action-Adventure "Shadow of the Beast" für den Amiga-Computer über die Monitore flimmerte. Die Produktion des englischen "Reflections"-Team erspielte sich seinen Platz in den Herzen der Gamer vorwiegend durch Zurschaustellung schöner Pixelwelten. Auf visuelle Qualitäten allein kann sich Sonys aktuelles Remake für die PS4 nicht verlassen. Tut es auch nicht. 

Vorhandenes Material nutzen 

Die modernisierte Variante eines Amiga-Game von 1989 auf der Playstation 4 - wie kommt´s? Das erschließt sich bei einem Rückblick auf die Geburtsstunde der Playstation Anfang der 90er Jahre. Um sicherzustellen, dass zum Start der Konsole Ende 1994 ausreichend Spiele-Software vorhanden war, ging Sony auf Tournee. Man wollte Spiele-Entwickler und Publisher von den Qualitäten seiner kommenden Gaming-Plattform überzeugen.

In einigen Fällen kaufte Sony auch kurzerhand den kompletten Laden. Psygnosis war so ein Fall. Das Team aus Liverpool hatte mit hochwertigen Produktionen technische Expertise bewiesen. Die Rechte an Psygnosis´ Action-Abenteuer aus der "Shadow of the Beast"-Trilogie lagen mit im Warenkorb. Warum die bis heute brachliegenden Werte nicht endlich nutzen?

Seiner Herkunft bewusstes Comeback

Die PS4-Neufassung von Shadow of the Beast übernimmt viele grundsätzliche Merkmale aus der klassischen Trilogie. Es handelt sich also um ein Action-Abenteuer, das Jump'n'Run-Elemente mit Kampfaction verknüpft - und dabei auf eine interessante Ästhetik setzt.

Während das Amiga-Original mit Farbvielfalt, Parallaxscrolling und XXL-Objekten die Blicke auf sich zog, setzt die Neufassung auf eine Farbpalette, die von grellen Orangegrün-Farbexplosionen bis zu extrem kontraststarken Gegenlicht-Zeichnungen etliche mutige Nuancen umfasst. Das Resultat sieht fremdartig aus, wie der Besuch einer Alienwelt - und orientiert sich deutlich an den Werken des englischen Künstlers Roger Dean, der in den 80er- und 90er-Jahren zahlreiche Coverartworks für Psygnosis schuf.

Erzählung nur über Gestik und Mimik

Das Gameplay besteht ähnlich wie beim Original in eher simplem Draufhauen und Kaputtmachen. Die zentrale Figur ist dabei das besagte "Biest" aus dem Spieletitel: Ein Mensch namens Aarbron, der einst vom Biestlord - dem Hohepriester Maletoth - entführt, versklavt und in eine Biestkreatur verwandelt wurde. Nun befreit er sich von den Ketten der Sklaverei und sinnt auf Rache.

Die Handlung wird anhand von eingeflochtenen Schlüsselszenen erzählt, meist unter Einsatz weniger Animationen, Gesten und einer Fantasiesprache. Die interessante Erzählmethode geht wegen der sehr schlicht ausgeprägten Mimik allerdings nicht immer unter die Haut. Hier macht sich eben bemerkbar, dass Shadow of the Beast ein Downloadgame mit begrenztem Entwicklungsbudget ist. Einige Male verliert die Geschichte auch ihren roten Faden. Auf welche Weise sich Aarbron seiner Ketten entledigt und die Kreaturen seines Peiniger zum Feind macht, versteht man gut. Weshalb ihn wiederum andere Kreaturen unterstützen, bleibt zunächst ein Geheimnis.

Temporeicher Arenen-Kampf 

Am besten nimmt man´s als gegeben hin und zieht ohne weitere Bedenken zu hegen ins Abenteuer. Aarbrons Manövrierbarkeit orientiert sich am Originalgame: Auf Kommando läuft der Racheengel nach links und rechts, springt über Schluchten und klettert Felsenwände empor. Aarbron bewegt sich im Originalgame durch eine Landschaft, die durch Einsatz mehrerer sogenannter Parallax-Grafikebenen an Tiefe gewinnt. Diesmal ist´s ein herrliches Polygongelände.

Sieht gut aus, nur dürfte die Steuerung manchmal zackiger reagieren. Bei Richtungswechseln priorisieren die Entwickler offenbar eine geschmeidige Animation gegenüber maximaler Wendigkeit. Das stört insbesondere in Kampfszenen, bei denen Angreifer von links und rechts auf Aarbron einstürmen und schnelle Links/Rechts-Konter oberstes Gebot wären. So kassiert man häufig Treffer, die sich unfair anfühlen. Da Aarbron aber einiges wegsteckt und im Fall des Heldentodes binnen weniger Sekunden an Ort und Stelle wiederaufersteht, ist das in der Summe kein großes Ärgernis.

Ausgangspunkt Karamoon

Die grünen Grasebenen unter dem strahlenden Himmel der Fantasiewelt Karamoon - das bestimmt meistabgebildete Motiv aus dem Amiga-Original - bilden den Ausgangspunkt von Aarbrons Suche nach Rache und Gerechtigkeit. Danach kämpft sich Aarbron durch das unterirdische Dryadenreich, besiegt in den Sümpfen des Verfalls einen ersten Zwischengegner und sieht sich unter der gleißenden Sonne von Karamoons Wüste wilden Attacken ausgesetzt.

Fortschritte werden vor jedem Kapitel anhand einer Weltkarte illustriert. Die Karte ist übrigens komplett eingedeutscht, so wie alle anderen Textelemente. Die sehr gute, weil gefühlvolle Übersetzung hat uns überrascht: Das ist nicht selbstverständlich bei einem Downloadgame.

Ruhige Phasen und hektische Momente

Lauern Gegner in den Kulissen, geben sie sich meist schnell zu erkennen: Das Gameplay lebt nicht von Überraschungen oder Schockmomenten. Häufig pflanzt das Spiel aus heiterem Himmel Barrieren in die Landschaft und bremst Aarbrons Fortbewegungsdrang. So entstehen Arenen, die sich prompt mit Angreiferkohorten füllen.

Für einige Minuten entbrennt dann ein wilder, temporeicher Hack'n'Slay-Überlebenskampf, einige Male gewürzt mit halbwegs spannend inszenierten Mittel- und Endboss-Bosskämpfen. Diese Momente bilden einen actionreichen Kontrast zum restlichen Gameplay, das etappenweise eher einer Wanderung durch abstrakte Malerei gleicht. Eine Wanderung, die der schönen Kulissen und geschmeidigen Animationen wegen durchaus Unterhaltungswert hat.

Anspruchsvolle Steuerung

Geübte Action-Abenteurer werden es zu schätzen wissen, dass eine Vielzahl von Tastenkombinationen ihnen eine breite Auswahl an gut kontrollierbaren Kombos, Kontern und Attacken zur Hand gibt. Welche Tastenkombination den Gegner betäubt, besiegt, beim Schlag gleichzeitig eine eigene Gesundung bewirkt oder einen sogenannten Blutrausch als Verkettung von Angriffen auslöst, das ist trotz des Tutorials zu Beginn des Abenteuers manchmal schwer zu überblicken. Überhaupt konfrontiert einen Shadow of the Beast mit einer solchen Fülle an Fertigkeiten und Möglichkeiten, das einem der Kopf schwirrt.

Schwer durchschaubare Spielstruktur

Warum zum Beispiel besteht nach Aarbrons Ableben die Möglichkeit, ihn mit Hilfe "unschuldiger Seelen" oder eines Elixiers wiederzubeleben? Welchen Zweck haben Talismane? Dass sie Aarbrons Athletik und seine Waffenfertigkeiten steigern, bleibt vorerst im Dunkeln. Ebenso der Sinn einer Handvoll Symbole, die Aarbron auf dem Weg aktivieren kann und die Minigames auslösen, bei denen man einzelne Kreaturen im Quicktime-Event besiegt.

Warum? Wieso? Weshalb? Das erschließt sich teils durch Logik, teils durch Ausprobieren, teils durch Erfahrung - und manchmal nie. Stört das? Nicht, wenn man sich der Aura des Ungewissen und Mysteriösen hingibt und sich als Teil der geheimnisschwangeren Atmosphäre akzeptiert.

Was uns gefällt 

Über das Titelmenü ist ein eigener Reiter "Geschichte" erreichbar. Darüber lässt sich bereits nach kurzer Spieldauer das Original-Amiga-Spiel freischalten, alternativ sogar in einer Version mit unbegrenzten Leben. Ein Durchspiel-Video des Originals, ein Scan des original Artwork und ein Musikplayer mit dem original Soundtrack stehen ebenfalls zur Disposition. Via Titel ist außerdem ein Bestiarium erreichbar. Das beschreibt jede Kreatur ausführlich. In dem Zusammenhang erschließt sich das Schicksal einzelner Kreaturen und Völker der Fantasiewelt Karamoon besser als während des Spiels.

Was uns nicht gefällt

Die Emulation des Amiga-Originals ist nicht perfekt gelungen. Das ursprüngliche 4:3-Bild wird oben und unten etwas angeschnitten, so dass einige Bildelemente schlecht zu erkennen sind. Außerdem hat die Emulation Probleme bei der Umsetzung der ursprünglichen Bildwiederholrate von 50 Frames auf die heute üblichen 60 Frames: Das Bild ruckt etwas, das geschmeidige Scrolling des Originals bleibt leider auf der Strecke.

Fazit

Das PS4-Comeback der Shadow of the Beast-Reihe debütiert als mutig gestyltes Action-Abenteuer, das einen interessanten Grafikstil mit abwechlungsreicher Jump'n'Run-Action kombiniert. Nach ein bis zwei Stunden der Gewöhnung an die abstrakte Grafik, die eigenwillige Erzählweise und die anspruchsvolle Bedienung stellt sich ein angenehmer Spielfluss ein. Die Gamedesigner hätten sich aber gerne stärker von den Physikrätseln aus "Shadow of the Beast 3" inspirieren lassen dürfen. Etwas mehr Kopfarbeit stünde dem Gameplay gut zu Gesicht. So bleibt´s diesbezüglich bei simplen Schalterpuzzles. 

Infos zum Spiel

Titel: Shadow of the Beast
Genre: Action-Adventure
Hersteller: Heavy Spektrum
Publisher: Sony
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 25 Euro (nur als DLC erhältlich)
System: PS4
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Gut

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