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Test zu Mirror's Edge Catalyst | Actionspiel | PC, PS4, Xbox One  

In Schönheit sterben

08.06.2016, 14:42 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

In Schönheit sterben. Mirror's Edge Catalyst Actionspiel für PC, PS4 und Xbox One von Dice (Quelle: Electronic Arts)

Mirror's Edge Catalyst Actionspiel für PC, PS4 und Xbox One von Dice (Quelle: Electronic Arts)

Die vielleicht größte Überraschung beim Actiongame "Mirror´s Edge Catalyst" für PC, PS4 und Xbox One: Es gibt keine Überraschungen. In ihrem zweiten von Entwickler dice inszenierten Dauerlauf rennt und springt die hübsche Freiheitskämpferin Faith wie eh und je über die Dächer einer cleanen Stadt der nahen Zukunft. Ihre Mission: Als Laufkurier Botschaften so schnell wie möglich transportieren. Die Herausforderung: Rennen, springen, Patrouillen aufmischen und bloß nicht stürzen. Dabei sind die Ego-Perspektive, der ungewöhnliche Look sowie das atemlose Tempo besonders reizvoll. Und das permanente Sterben der Heldin besonders frustrierend.

Identischer Look

Ist jetzt acht Jahre her, dass die Dice-Produktion "Mirror's Edge" von sich reden machte. Ein seltsames Game in jeder Hinsicht. Sah aus wie ein Ego-Shooter, verzichtete aber weitgehend auf Waffeneinsatz. Mirror's Edge Catalyst tickt genauso. Als technische Basis nutzt der zu EA gehörende schwedische Entwickler Dice die hauseigene Frostbite-Engine.

Als Fundament für das Gameplay dient die fiktive Metropole Glass: Eine offene Welt aus weiß blitzenden Wolkenkratzern und gelb schillernden Hightech-Bauten, animierten Werbefassaden, überdimensionalen Lichtinszenierungen und grellen Konsumaufforderungen. Dazwischen überall Patrouillen eines totalitären Regimes. Das Szenario erinnert an das Los Angeles aus "Blade Runner", nur bei Tageslicht und Sonnenschein.

Nahezu unverändertes Gameplay

Mirror's Edge Catalyst reaktiviert jene Heldin, die schon das Vorgängerspiel zum Hingucker macht: Faith, eine hübsche Akrobatin in roten Sportschuhen, engem Top und wadenlanger weißer Sporthose. Eine handvoll Dialoge und Rückblenden zu Beginn rekapitulieren die Ereignisse aus dem ersten Mirror's Edge. Anschließend geht´s direkt los. Kaum aus dem Polizeigewahrsam entlassen, schließt sich Faith Freiheitskämpfern an und nimmt den Kampf auf gegen das totalitäre Regime des Diktators Gabriel Kruger.

Als Laufkurier soll sie Botschaften transportieren, Computerchips finden, Geiseln befreien - was Freiheitskämpfer eben so tun. Faith beschränkt ihre Fortbewegung auf Dächer, Terrassen und höher gelegene Wege, und sieht sich entsprechend häufig mit Sturzgefahr kontrontiert. Im Rahmen eines rund 30 Minuten umfassenden Tutorials lehrt Mirror's Edge Catalyst die wesentlichen Komponenten der Steuerung: Laufrichtung justieren, Sprints starten und im optimalen Sekundenbruchteil per Schultertaste Sprünge, Mauerläufe und einige andere akrobatische Überlebens-Moves auslösen.

Sprints aus der Ich-Perspektive

Anders als häufig bei Games mit Ego-Perspektive steuert man in Mirror’s Edge Catalyst eine voll animierte Figur. Die Kamera wackelt, Arme und Beine huschen durch das Bild. Die oft dramatischen Situationen gewinnen durch diese spezielle Kameraführung an Fahrt. Gesteigert wird die Dramatik durch häufigen Zeitdruck.

Gleichzeitig muss sich Faith vor Häschern in acht nehmen. Gelegentliche Fuß- und Faustkämpfe lockern das Gameplay auf. Allzu hohe Ansprüche an Timing und Präzision darf man aber nicht stellen. Vor allem bei zwei oder mehr Angreifern mutiert der Kampf schnell zum wilden Gerangel. Dennoch, man kann ja auch flüchten. Die aus Feindbegegnungen resultierenden Verfolgungsjagden über mehrere Wolkenkratzern hinweg garantieren schweißtreibenden Nervenkitzel, garniert mit schicken Spezialeffekten und flüssigem 60-Frames-Bildaufbau.

Praxisnahe Orientierungshilfen

Praktischerweise kann die hübsche Heldin jederzeit auf erweiterte "Sinne" zurückgreifen. Die sind in ein handliches Interface implementiert: Auf Knopfdruck erscheint zum Beispiel die Route vom Standort zum Ziel, werden Plattformen, Vorsprünge und Absprungmöglichkeiten rot markiert. Das funktioniert halbwegs gut, auch wenn die große Übersichtskarte keine formvollendete Übersicht beschert. Ob Wegpunkte und Routen gesetzt sind oder nicht, könnte gerne ein bisschen besser erkennbar sein.

Parkour-Akrobatik

Die Action erinnert an eine Mischung aus dem Parkour-Sport und einer adrenalisierten Variante von "Assassin´s Creed". Blitzschnell huscht Faith die Wand hoch, federt die Landung ab, nutzt den Schwung für eine Kombination höherer und weiterer Sprünge - jedenfalls sofern der Spieler die Steuerung verinnerlicht hat. Was ob deren Zickigkeit nicht gleich gelingt.

Es passiert beispielsweise, dass Faith einen Sprung auslöst, wo man sie eigentlich per Wallrun über eine weite Schlucht losten wollte. Das endet dann im tödlichen Sturz und zieht Ladepausen von 10 bis 30 Sekunden nach sich. Gerade in den ersten zwei bis drei Stunden, wenn man sich mit der Steuerung noch zu arrangieren versucht, stören diese Unterbrechungen des Spielfluss sehr.

Schwache Rahmenhandlung

Auch verlässt sich Catalyst etwas zu sehr auf seine bemerkenswerte architektonische Ästhetik und vernachlässigt dabei Figuren und Geschichte. Den Beteiligten fehlt es an Kanten und Wiedererkennungswert; die Dialoge machen einen beliebigen Eindruck. Der rote Faden ist eher dünn gewebt, der Mix aus sich wiederholenden Versatzstücken genretypischer Finde-das- und Bring-mir-jenes-Aufgaben kommt ohne allzu große Überraschungen und Wendungen daher. Da fehlt es Catalyst an Weiterentwicklung im Vergleich zum ersten Mirror's Edge von 2008 - und das Potenzial der offenen Welt wird längst nicht voll ausgenutzt.

Was uns gefällt

Es gibt zwar keinen Mehrspieler-Modus, aber einige charmant in die Singleplayer-Kampagne integrierte Social-Funktionen. In der Metropole Glass sind zum Beispiel wieder eine ganze Reihe sportlicher Time Trials beziehungsweise Stoppuhr-Sprints als Sidequests versteckt.

Was das betrifft, birgt die offene Welt die Gefahr von Desorientierung, aber auch die Chance von großartiger Bestzeit-Optimierung. Denn nach Zieleinlauf zeigt eine Online-Rangliste, wie die eigene Zeit im Vergleich mit anderen Leistungen anderer Spieler einzustufen ist. Auf Tastenkommando lassen sich einzelne Wettbewerbe zu einer Favoritenliste hinzufügen und sind so jederzeit schnell erreichbar.

Was uns nicht gefällt

Dass sich die Steuerung nicht zu hundert Prozent verlässlich anfühlt, wirkt sich vor allem in den ersten zwei bis drei Spielstunden nachteilig auf das Wohlgefühl des Spielers aus. Man möchte gerne einfach drauflos rennen und Sprints, Sprünge, Seilfahrten, Schlitterattacken und andere Akrobatik nahtlos verketten. Bloß ziehen misslingende Aktionen häufig einen tödlich Sturz und damit eine nervtötende Ladepause nach sich. Man zögert daher in der Praxis und korrigiert doch besser noch einmal den Anlaufwinkel. Zu selten stellt sich daher der ersehnte, für ein Hochgeschwindigkeits-Game wie Mirror´s Edge entscheidende Flow ein.

Fazit

In der Modewelt bezeichnet der Begriff „edgy“ ein besonders interessant aussehendes Model. Im urbanen Sprachgebrauch kann er Menschen mit schwierigem Charakter meinen. Auf Electronic Arts´ Actionfluchtgame Mirror´s Edge Catalyst treffen beide Definitionen zu: Schön anzuschauen? Unbedingt. Mit ganz besonderem Gameplay? Auch das! Aber eben nicht ganz einfach im Umgang. Die etwas zickige Steuerung, die schwach ausgeprägte Erzählstruktur, eintönige Aufgaben und einige technische Unpässlichkeiten lassen den Eindruck entstehen, das Spiel sei unvollendet veröffentlicht worden. Trotzdem: Die offene Welt birgt jede Menge Unterhaltung und Freiraum für eigene Entdeckungen. Etwas Geduld und Nachsicht vorausgesetzt, kann man sich der verführerischen Wirkung der klaren Ästhetik getrost hingeben.

Infos zum Spiel

Titel: Mirror’s Edge Catalyst
Genre: Actionspiel
Publisher: Electronic Arts
Hersteller: Dice
Release-Termin: 9. Juni 2016
Preis: zirka 60 Euro (PC-Version) / zirka 70 Euro (Konsolenversion)
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Ab 12 Jahren
Wertung: Befriedigend

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