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Bürgerkrieg auf dem Mars: Test zu The Technomancer

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Test zu The Technomancer | Action-Rollenspiel | PC, PS4, Xbox One  

Bürgerkrieg auf dem Mars

29.06.2016, 15:41 Uhr | Sönke Siemens (jr), Richard Löwenstein

Bürgerkrieg auf dem Mars: Test zu The Technomancer. Das Action-Rollenspiel "The Technomancer" für PC, PS4 und Xbox One setzt inhaltlich viele interessante Akzente. (Quelle: Focus Home Interactive)

Das Action-Rollenspiel "The Technomancer" für PC, PS4 und Xbox One setzt inhaltlich viele interessante Akzente. (Quelle: Focus Home Interactive)

Lust auf ein neues Science-Fiction-Rollenspiel im Stil von "Mass Effect"? Das Sci-Fi-Rollenspiel„The Technomancer“ des französischen Spiders-Studio guckt sich viel bei der EA-Konkurrenz ab: Dramatische Entscheidungssituationen, ein exotisches Weltraum-Szenario, erotische Techtelmechtel - die Ähnlichkeiten mit Biowares Hit-Serie sind offensichtlich. Doch können Hintergrundgeschichte, Charaktere und Technik ebenfalls überzeugen? Sagen wir so: Wer sich mittels PC, PS4 und Xbox One auf die Reise zum Mars begibt, sollte Toleranz und Geduld mit an Bord nehmen 

Aufstieg des Blitzbeherrschers

The Technomancer spielt im gleichen Universum wie das 2013 auf Xbox 360, PS3 und PC erschienene "Mars: War Logs". Im Gegensatz zur letztgenannten SciFi-Produktion vom selben Entwickler steht hier jedoch kein entflohener Sträfling im Mittelpunkt der Ereignisse, sondern ein sogenannter "Technomancer".

Wie alle Vertreter seiner Zunft ist auch Zachariah gesegnet mit der Gabe, elektrische Energie auf vielfältige Art und Weise zu manipulieren. Blitze schleudern, Nahkampfwaffen elektrostatisch aufladen, mit knisternden Lichtblitzen das Erdreich erschüttern - nicht ohne Grund gelten Technomancer als mächtige Beschützer des Volkes. 

Zerstörerische Wasserknappheit

Das Problem: Die Menschen auf dem Mars - hier ist das Szenario des Spiels angesiedelt - sind verwickelt in einen blutigen Bürgerkrieg um die seltene Ressource Wasser. Zahlreiche Fraktionen stehen im Clinch miteinander um das kühle Nass, dessen Abbau sich seit der Kolonisierung vor über 200 Jahren immer schwieriger gestaltet. Nicht zuletzt weil der Kontakt zur Erde, bedingt durch eine noch nicht näher benannte Katastrophe, eines Tages komplett abriss - was wiederum große soziopolitische Umwälzungen nach sich zog. 

Erschwerend kommt hinzu: Der Kataklysmus lenkte den Mars dauerhaft von seiner Umlaufbahn ab und führte zu einer massiven Zunahme der Sonneneinstrahlung. Die Folge: Viele Marsbewohner weisen verstörende Mutationen auf. 

Satter Spielumfang

Beste Voraussetzungen also für dramatische Konflikte, die es im Verlauf der knapp 25-stündigen Geschichte zu entwirren gilt. Schreibt man sich obendrein die Lösung der Nebenmissionen auf die Fahne, erhöht sich die Spielzeit auf knapp 40 Stunden. Inszeniert wird all das auf Basis der Silk-Engine, welche das Geschehen aus einer übersichtlichen Third-Person-Perspektive darstellt.

Auf der Abschussliste der Mächtigen

Der Plot startet genretypisch mit einem umfangreichen Charakter-Editor. Hier legt man Gesichtsmerkmale sowie sämtliche Start-Attribute und Talente des Helden fest. Zachariah selbst gehört zu Spielbeginn der Fraktion "Abundance" an und ist kurz davor, seine Grundausbildung als Technomancer abzuschließen. 

Was als vergleichsweise gemächliche Aufwärmübung beginnt, mündet jedoch schon bald in Chaos und Verschwörung. Denn durch eine unglückliche Verkettung von Ereignissen steht die Hauptfigur nach kurzer Zeit im Fadenkreuz eines totalitären Regimes. Das hat damit zu tun, dass in Zachariah schlummern Kräfte, derer er sich erst nach und nach bewusst wird.

Ein Freund, ein guter Freund 

Eine der elementaren Stärken von The Technomancer ist zweifelsohne das sehr offene Missions-Design. Ob man eine Quest nun auf losen Sohlen, mit gezückten Waffen oder eloquent verhandelnd meistert, spielt in der Mehrzahl der Fälle keine Rollen. "Genau dieser Multi-Choice-Ansatz ist letztendlich das, was The Technomancer auszeichnet", erklärt Jehanne Rousseau, Geschäftsführerin bei Spiders. „Der Einstieg läuft logischerweise relativ linear. Dann allerdings stehen einem unzählige Wege offen.“ 

Dass Zachariah schon bald zwei KI-Gefährten anheuert, verleiht dem Ganzen zusätzlich Würze. Stichwort Gefährten: Diese unterstützen unseren Protagonisten nicht nur im Kampf, sondern reagieren auf jede seiner Entscheidungen. 

Aktion und Reaktion

Wer beispielsweise das Leben einer Geisel unnötig aufs Spiel setzt oder gar opfert, muss sich nicht wundern, wenn ein einst loyaler KI-Partner plötzlich entsetzt die Gruppe verlässt. Natürlich können sich Beziehungen auch in eine positive Richtung entwickeln - etwa wenn der Held einen Mitstreiter in letzter Sekunde aus einem Kugelhagel befreit. Ja, sogar Liebesbeziehungen und erotische Techtelmechtel sind möglich. Rousseau bringt es auf den Punkt "Glauben Sie mir, jede Entscheidung, egal wie unwichtig sie zunächst erscheinen mag, kann den Verlauf der Geschichte in eine neue Richtung lenken." 

Wissenswert: Gute Beziehungen belohnt Technomancer mit Talent-Boni für den jeweiligen KI-Gehilfen, der dann zum Beispiel effektiver Waffen schmiedet oder schneller Schlösser knackt. 

Drei Pfade der Erleuchtung

Ein weiterer zentraler Gameplay-Aspekt umfasst das Kampfsystem. Je nach Talentpunkte-Verteilung können Sie Zachariah im Spielverlauf in drei verschiedene Richtungen spezialisieren. Der Krieger praktiziert den Umgang mit Stäben sowie den Einsatz vernichtender Kampfzauber. Zwielichtige Rogues hingegen schlagen am liebsten aus dem Verborgenen zu und säen mit vergifteten Dolchen, versteckten Fallen und dergleichen Verderben.

Letzter im Bunde ist der Soldat. Er blockt Angriffe mit seinem wuchtigen Schild und bastelt neue Waffen-Upgrades als wäre sein zweiter Vorname Daniel Düsentrieb. Je nach persönlicher Vorliebe darf es natürlich auch auf den überall ein bisschen bewanderten Allrounder hinauslaufen.

Von Abenteuerspiel zu Abenteuerspielplatz

Genau wie Biowares Mass Effect-Trilogie setzt The Technomancer in Sachen Level-Design auf Verteiler-Welten, sprich offene, jedoch in sich abgeschlossene Areale. Sie haben irgendwo etwas verpasst? Kein Problem. Hin- und herreisen zwischen bereits besuchten Arealen ist jederzeit mit einem Mars-Fahrzeug möglich und regelmäßig auch nötig, um Handlungssträngen zu folgen oder Missionen abzuhaken.  

Was uns gefällt 

The Technomancer scheut sich nicht, viele Problemthemen der heutigen Zeit aufzugreifen und eine recht komplexe Geschichte zu erzählen, die immer wieder zum Nachdenken anregt. Der Kampf um die lebenswichtige Ressource Wasser etwa spielt ebenso eine Rolle wie Diskriminierung, Rassismus oder Einwanderung. Aber auch bei Stil und Ästhetik können die Macher punkten.

Mutig verquirlt Spiders Elemente aus verschiedensten Epochen der Menschheitsgeschichte und gibt dem Ganzen einen charmanten, Cyberpunk-Twist. Geht es nach Entwickler Spiders, wurde das Universum übrigens für "zahlreiche Zwecke entwickelt". Man darf also gespannt sein, wie es mit Technomancer in nächster Zeit noch weitergeht. 

Was uns nicht gefällt

So spannend die bisher skizzierten Gamedesign-Ansätze auch sein mögen: Technisch ist "The Technomancer“ streckenweise eine mittelschwere Katastrophe. Viele Dialoge etwa sind extrem leblos und lustlos inszeniert. Im Test blickten Figuren im Gespräch mehrfach sogar in völlig unterschiedliche Richtungen. Störend zudem die zahlreichen KI-Schnitzer: Feinde laufen dümmlich in Sprengfallen, die vor ihren Augen ausgelegt wurden oder lassen sich von Zach bestehlen, obwohl sie sehen, dass er sich anschleicht.

Kleinere Logikfehler, zähe Ladezeiten zwischen einzelnen Arealen, ein nicht immer optimal ausbalancierter Schwierigkeitsgrad, häufiges Abgrasen bereits besuchter Areale und fehlende deutsche Sprachausgabe (Untertitel sind vorhanden) passen da nur allzu gut ins Bild. 

Fazit

Die Geschichte ist recht vielschichtig, die spielerischen Freiheiten gefallen, der Umfang dürfte Genre-Enthusiasten zufriedenstellen und die zahlreichen Bosskämpfe bleiben im Gedächtnis. Blöd nur, dass technische Fehler, KI-Aussetzer, stocksteif inszenierte Dialoge und andere Ungereimtheiten dem Ganzen immer wieder wertvolle Atmosphäre-Punkte kosten. Zugegeben, der erste Software-Flicken schafft etwas Abhilfe, ganz aus dem Mars-Morast ist der Karren damit aber noch nicht. Unser Tipp: SciFi-Begeisterte leihen sichs mal für ein Wochenende aus und entscheiden dann. Alle anderen geben "Mass Effect" oder "Fallout 4" den Vortritt. 

Infos zum Spiel

Titel: The Technomancer
Genre: Action-Rollenspiel
Hersteller: Spiders 
Publisher: Focus Home Interactive 
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 45 Euro (PC) / zirka 55 Euro (Konsole)
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren 
Wertung: Befriedigend

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