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Test zu Star Ocean 5: Odyssee auf dem Pannen-Planeten

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Test zu Star Ocean | Rollenspiel | PS4  

Odyssee auf dem Pannen-Planeten

15.07.2016, 16:31 Uhr | Sönke Siemens (jr / ams), Richard Löwenstein

Test zu Star Ocean 5: Odyssee auf dem Pannen-Planeten. "Star Ocean: Integrity and Faithlessness“ erklärt alle Spielmechaniken ausführlich und achtet sehr auf gute Zugänglichkeit. (Quelle: Square Enix)

"Star Ocean: Integrity and Faithlessness“ erklärt alle Spielmechaniken ausführlich und achtet sehr auf gute Zugänglichkeit. (Quelle: Square Enix)

Besserer Spielfluss, mehr taktische Freiheiten und eine komplett neue Geschichte: Tri-Aces traditionsreiche Rollenspiel-Reihe nimmt sich für ihr PS4-Debüt viel vor und zeigt tatsächlich viele positive Ansätze. Bei genauerer Betrachtung zeigt der äußerst japanophile Sci-Fi-Fantasy-Mix "Star Ocean: Integrity and Faithlessness" allerdings viele störende Symptome. Komplett fehlende Eindeutschung und nervtötendes Speichersystem, zum Beispiel.

Zwei Welten prallen aufeinander

Freudige Erregung bei japanophilen PS4-Besitzern mit Rollenspiel-Genen: Dass Square Enix den insgesamt fünften Ableger der "Star Ocean"-Saga für ihre Konsole nach Deutschland bringt, ist grundsätzlich sicher eine gute Nachricht. Das Abenteuer mit dem sperrigen Untertitel "Integrity and Faithlessness" spielt auf dem Planeten Faykreed und erzählt die Geschichte von Protagonist Fidel Camuze und seiner langjährigen Sandkastenfreundin Miki Sauvester.

Der motivierte Schwertkampftrainer und die talentierte Heilerin sind kurz nach Spielbeginn im Begriff, ihr Heimatdorf im Kampf gegen Banditen zu unterstützen. Da plötzlich stürzt ein qualmendes Etwas vom Himmel. Dass es sich um ein Raumschiff handelt, können die beiden zunächst nicht begreifen - streng genommen befindet sich Faykreed noch im Spätmittelalter. Aber auch das gestrandete Mädchen Relia gibt dem Heldenduo Rätsel auf und verwickelt die sympathischen Retter schon bald in ein Abenteuer, bei dem das Schicksal des Planeten auf dem Spiel steht.

Alles beim Alten – oder doch nicht? 

Bei anfänglicher Betrachtung schlägt das hier in die gleiche Kerbe wie das 2009 für PS3 erschienene „Star Ocean: The Last Hope“. Eine kontinuierlich wachsende Heldengruppe erkundet miteinander verknüpfte Spielgebiete, duelliert sich im 5-Minuten-Takt mit Fantasy-Kreaturen und erlebt eine mit Zwischensequenzen inszenierte Geschichte. Soweit so bekannt. 

Schaut man jedoch etwas genauer hin, wird schnell klar, dass die Macher etablierte Konvention der Serie vielerorts über Bord werfen. Ein schönes Beispiel hierfür sind die Übergänge zwischen Erkundungsabschnitten und Echtzeit-Kämpfen. Waren diese in „The Last Hope“ noch mit störenden Ladepausen verbunden, erfolgt der Wechsel aufs Schlachtfeld ab sofort nahtlos. Keine Wartezeit, kein Däumchendrehen. Das erfreuliche Ergebnis? Ein spürbar optimierter Spielfluss.

Textboxen-Invasion

Weiterer Spielfluss-Beschleuniger: Die Mehrzahl der Nichtspieler-Charaktere muss nun nicht mehr aktiv angesprochen werden, sondern plaudert im Vorbeigehen mit Hilfe von Textboxen munter drauflos. Eine in der Tat sehr zeitsparende Gamedesign-Entscheidung. Blöd nur, dass Texte oft viel zu schnell wieder verschwinden und zudem gar nicht vertont sind. Beides in Kombination macht aus einer an sich guten Idee einen Negativpunkt, der zuweilen spürbar auf die Atmosphäre drückt. Nicht zuletzt, weil weniger wichtige Interaktionspartner von Stadt zu Stadt oft sehr ähnlich aussehen und in der Regel auch nicht allzu viel Spannendes zu berichten haben.

Stichwort nicht spannend: Vertonte, Story-relevante Dialoge erlauben es dem Spieler, sich - während das Gespräch abläuft - innerhalb eines vorgegebenen Radius frei umher zu bewegen. Das soll laut Entwickler eine zusätzliche Bindung zum Spiel schaffen, lenkt unterm Strich aber eher von der ohnehin fad ausgearbeiteten Mimik und Gestik ab. Außerdem führt es dazu, dass man dem Plausch leider nicht so aufmerksam folgt, wie man es bei einer klassischen Zwischensequenz tun würde. Resultat auch hier: Die Atmosphäre muss Einbußen hinnehmen.

Aus vier Helden werden sieben

Wenig zu meckern gibt es an der dritten großen Veränderung. Konkret: Statt aus maximal vier Teammitgliedern wie noch in "The Last Hope“ besteht der Heldentrupp diesmal aus bis zu sieben Personen. Alle dürfen - mit Ausnahme von Relia - im Kampf aktiv gesteuert werden. Ein paar Tipper auf das Digital-Steuerkreuz genügen, schon ist der gewünschte Recke selektiert. Die Kontrolle der verbleibenden Helden übernimmt die eher zurückhaltend agierende KI. 

Anfangs macht man von dieser Möglichkeit kaum Gebrauch, mit fortschreitender Spieldauer allerdings schimmern die Vorteile durch. Beispielsweise, wenn ein Nahkämpfer wie Fidel von einem Widersacher gelähmt wurde und nun pausenlos Treffer einsteckt. Der Weg aus dieser Misere? Nun, zum Beispiel ein gezielter Wechsel zu einem Fernkämpfer, der zunächst das Gegnerpack vor Fidel ausknipst und dann ein entsprechendes Gegenmittel aus dem Inventar kredenzt. 

Verschollen im Blitzgewitter 

Nicht neu, aber weiterhin essentieller Bestandteil des Kampfsystems ist das Schere-Stein-Papier-Prinzip. Heißt: Sofern Timing und Position zum Gegner stimmen, lassen sich schwache Angriffe durch Einnehmen der Parade-Haltung erfolgreich abwehren und bestenfalls sogar in einen Konter umwandeln. Starke Angriffe wiederum durchbrechen die Parade-Haltung, lassen sich ihrerseits aber durch einen schwachen Angriff aushebeln. 

Ganz wichtig: Ob fliegende Fische, fleischfressende Bäume und andere Gegnertypen eine starke Attacke einleiten, wird durch eine blau leuchtende Aura signalisiert. Das Problem: Weil viele Spezialattacken den Bildschirm praktisch sekündlich mit gleißenden Effekten fluten, fällt es schwer, diese und andere grafische Hinweise überhaupt zu erkennen. Das Schere-Stein-Papier-Prinzip stellt sich also zum gewissen Grad selbst ein Bein.

Kompakter und Einsteiger-freundlicher

Allzu dramatisch ist das Gott sei Dank nicht, denn der Schwierigkeitsgrad fällt relativ moderat aus. Insbesondere wenn man in regelmäßigen Abständen auch mal "grindet" - sprich unwichtige Kämpfe absolviert, um im Heldenrang aufzusteigen - kommt man zügig voran. So zügig, dass nach knapp 25 Stunden der Abspann über den Bildschirm flimmert. Wer akribisch alle Nebenmissionen abgrast, kann noch mal 15 Stunden draufsatteln. 

Rollenspiel-Neulinge mit Hunger auf Erfolgserlebnisse wird’s freuen, Personen mit geringem Zeitbudget ebenso. Beinharte Fans der Vorgängerspiele beäugen die Spieldauer derweil eher skeptisch, schließlich war man in "The Last Hope" allein schon mit der Hauptgeschichte knapp 50 Stunden beschäftigt. 

Was uns gefällt

Seien es nun die Feinheiten des Craftings, die Funktionsweise der "Reverse Rush"-Attacken oder das dynamische Rollen-System, welches Helden gezielt in unterschiedliche Richtungen spezialisiert - das neue Star Ocean erklärt alle Spielmechaniken sehr ausführlich. Und auch sonst stehen alle Zeichen auf Zugänglichkeit. Die bisher erlebte Geschichte wird in einer Art Logbuch zusammengefasst, eine Levelkarte lässt nie Zweifel daran, wo sich wichtige Ressourcen und Zielpunkte befinden, und die Menüführung ist übersichtlich strukturiert. 

Ebenfalls prima: Die Grafik bleibt ihrer kunterbunten Linie treu, läuft nahezu konstant mit 60 Bildern pro Sekunde bei 1080p-Full-HD-Auflösung und sorgt dank schicker Tag-/Nachtwechsel immer wieder für Hingucker. Klar, einem "Final Fantasy 15" stiehlt das hier nicht die Show. Insgesamt aber kommen Japan-affine Rollenspiel-Fans auf ihre Kosten. 

Was uns nicht gefällt

Wer weder Englisch. Französisch noch Japanisch spricht, steht bei "Star Ocean: Integrity and Faithlessness" sprichwörtlich auf dem Schlauch. Denn deutsche Untertitel geschweige denn eine deutsche Synchronisation wie etwa ab Ende September beim erwähnten Final Fantasy 15 vom selben Publisher gibt es hier nicht. Das ist umso enttäuschender, weil bereits "Star Ocean: The Last Hope" für die PS3 die Leute nicht dermaßen im Regen stehen ließ und zumindest deutsche Untertitel anbot. 

Punktabzug gibt es zudem für das oft monotone Missionsdesign sowie das regelmäßige zelebrierte "Backtracking", also die mehrfache Rückkehr in bereits besuchte Gebiete. Ein Schnellreise-System gibt’s nicht, und Speichern ist nur an vorgegebenen, oft ungünstig gelegenen Orten möglich. 

Fazit

"Star Ocean: Integrity and Faithlessness" ist zweifelsohne nicht der stärkste Teil der Serie. Viele Gamedesign-Entscheidungen wirken nicht zu Ende gedacht. Und hinterlassen den faden Beigeschmack, die Entwickler hätten mehr draus machen können, wenn Square Enix mehr Budget zur Verfügung gestellt hätte. Besonders enttäuschend: Nicht einmal für deutsche Untertitel hat es am Ende gereicht. Was bleibt, ist ein - sofern man englische beziehungsweise französische Sprachkenntnisse verfügt - zugängliches Japano-Rollenspiel mit zackigem Spielfluss, interessantem Kampfsystem und solider Präsentation. Nicht mehr und nicht weniger. 

Infos zum Spiel

Titel: Star Ocean - Integrity and Faithlessness
Genre: Rollenspiel 
Hersteller: tri-Ace  
Publisher: Square Enix 
Release-Termin: Im Handel 
Preis: zirka 55 Euro  
System: PS4 
USK-Freigabe: Ab 12 Jahren 
Wertung: Befriedigend 

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