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US-Pädagogen loben "Pokémon Go": Handyspiel bringt Heimat näher

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Handyspiel bringt Heimat näher  

Geschichtsunterricht en passant - US-Pädagogen loben "Pokémon Go"

28.07.2016, 12:12 Uhr | (jr / ams), AP

US-Pädagogen loben "Pokémon Go": Handyspiel bringt Heimat näher  .  (Quelle: Screenshot)

Spielt man Pokémon Go, kommt es schon einmal vor, dass einem auf dem Weg zur Arbeit ein niedliches Pummeluff erscheint. (Quelle: Screenshot)

Das Smartphone-Spiel "Pokémon Go" ist US-Pädagogen zufolge nicht nur Zeitvertreib, sondern auch lehrreich. Denn bei ihrer Monstersuche stolpern insbesondere junge Spieler über Gedenksteine, Plaketten und Denkmäler, von denen sie sonst keine Notiz genommen haben.

Gedenksteine und Denkmäler finden neuen Beachtung 

Gedenksteine und Denkmäler stehen oft weitgehend unbemerkt in der Landschaft herum. Nun erhalten viele historische Stätten unverhofft neue Aufmerksamkeit: durch die vielen Fans des Smartphone-Spiels "Pokémon Go".

Auf der Jagd nach fiktiven Kreaturen stolpern die Spieler in der realen Welt über Gedenktafeln, Statuen, Denkmäler und Wahrzeichen - von einem Schlachtfeld aus dem Bürgerkrieg im US-Staat Chancellorsville bis hin zu einem Clubhaus der Hells Angels auf der neuseeländischen Nordinsel. 

Manche von ihnen halten sich an diesen sogenannten Pokéstops nicht länger auf als notwendig, also nur so lange sie brauchen, um dort Spielgegenstände wie Bälle für den Kampf gegen das nächste Pokémon einzusammeln. Doch bei anderen schärft das GPS-gestützte Spiel mit seiner erweiterten Realität das Bewusstsein für die Geschichte und die Geographie ihrer Umgebung. 

"Früher bin ich nur von Punkt A zu Punkt B gegangen, aber jetzt lerne ich etwas", sagt Jaiden Cruz. Der 15-Jährige stieß bei einer Pokémon-Tour im Zentrum von Providence im US-Staat Rhode Island auf eine Gedenktafel, die an eine Rede des damaligen Präsidenten Abraham Lincoln im Jahr 1860 erinnert. An dem Standort eines ehemaligen Eisenbahndepots befindet sich heute ein Pokéstop. Kurz vor Cruz' Ankunft hat hier ein anderer Spieler ein sogenanntes Lock-Modul platziert, das Pokémons anlockt. 

In der 380 Jahre alten Stadt wimmelt es nur so vor Pokéstops. Dazu gehören die älteste Baptistenkirche der USA, die im Jahr 1638 von dem religiösen Dissidenten Roger Williams gegründet wurde, und ein Gedenkstein zur Erinnerung an einen Aufenthalt französischer Truppen während des Unabhängigkeitskriegs. Die 59-jährige Cheryl DiMarzio sagt, durch das Hype-Spiel lerne sie etwas Neues über ihre Umgebung: "andere Wahrzeichen, Denkmäler und historische Orte". Sie suchte auf den Tipp ihrer Tochter hin einen Stadtpark in Providence auf, um dort ein eulenartiges Pokémon namens Pidgey und einen lilafarbigen Rattfratz zu fangen. 

Die Geschichte, wie die Gedenkstätten zum Kern des im Juli gestarteten Spiels wurden, reicht mindestens fünf Jahre zurück. Damals unterzeichnete Internetgigant Google eine Lizenzvereinbarung zur Nutzung der Datenbank "The Historical Marker Database". Die von Freiwilligen betriebene Website hat die Koordinaten von mehr als 80 000 historischen Sehenswürdigkeiten weltweit erfasst, die meisten davon in den USA. 

Heute gehen viele der Pokéstops und Arenen, in denen Kämpfe ausgetragen werden, auf die Datenbank aus Virginia zurück, wie deren Gründer J.J. Prats begeistert erzählt. "Hoffentlich werden die Leute ihren Blick von ihrem Telefon losreißen und die Informationen zu den Gedenkorten lesen", sagte er. 

Das Spiel begeistert auch Pädagogen. Der Mittelstufenlehrer Anthony Golding aus Tupelo in Mississippi will "Pokémon Go" im kommenden Schuljahr in seinen Unterricht einbauen. Er hat für seinen Avatar auf dem historischen Bürgerkriegsschlachtfeld von Tupelo Punkte gesammelt sowie an Denkmälern für führende Vertreter der Bürgerrechtsbewegung und am Ausstellungsort eines Meteoriten. Doch beherrscht werden die Pokéstops in Tupelo von Elvis Presley: Sie reichen von seinem Geburtshaus in der Main Street bis zu dem Geschäft, in dem er seine erste Gitarre bekam. "So ziemlich jedes Elvis-Wahrzeichen hier hat einen Pokéstop", sagt Golding. 

Die Visits auf Prats' Website haben sich seit dem Launch des Spiels vervierfacht, wie der Gründer erklärt. Offenbar versuchten Spieler dadurch schneller voranzukommen und neue Stopps ausfindig zu machen. Seine Redaktion habe in den vergangenen Tagen mehrere Aufnahmeanträge für Stätten ablehnen müssen, die keinerlei historische Bedeutung hätten, sagt Prats. Vermutlich seien das Plätze in der Nähe von Wohnorten von Spielern oder von Geschäften gewesen, die damit Kunden anlocken wollten. 

Ursprünglich hatte der Spielehersteller Niantic Labs, der als internes Google-Startup begann, die Stätten für sein Vorgängergame Ingress genutzt, das nach seinem Start 2012 eine kleinere, aber hochengagierte Community anzog. Zu seinen "Pokémon Go"-Stätten wollte sich Niantic, das sich im vergangenen Jahr von Google abspaltete, nun nicht äußern. Doch auf der Ingress-Website finden sich Hinweise darauf, wie die Pokéstops gesammelt wurden.

Demnach bat der Hersteller seine Nutzer, neue Orte für sogenannte Portale vorzuschlagen, Orte mit kultureller Bedeutung in der realen Welt, die die Spieler aufsuchen und mit der Ingress-App verbinden sollten. Das Unternehmen suchte Stätten "mit einer coolen Geschichte, einem Platz in der Geschichte oder pädagogischem Wert" oder "ein cooles Kunstwerk oder einzigartige Architektur". Gerne genommen wurden Orte wie Bibliotheken oder Geheimtipps. Auch Kultstätten waren willkommen als "Gruß an das Jenseits", der den mysteriösen Charakter des Spiels verstärke.

Ingress-Spieler John Jannotti, der an der renommierten Brown University Informatik unterrichtet, stieß durch das Spiel nach eigenen Worten auf die verborgene Geschichte seines Viertels in Providence. Unter anderem habe er Gedenktafeln entdeckt, die an Rassenunruhen im frühen 19. Jahrhundert erinnerten. Jannotti reichte sogar ein paar eigene Portale bei Ingress ein.

Jetzt ziehen diese Stätten als Pokéstops ein ganz neues Publikum an. Lehrer Golding trifft im Zentrum von Tupelo ständig auf seine Schüler, die dort "Pokémon Go" spielen. "Im Moment geht es ihnen vermutlich mehr um das Spiel", sagt er. "Aber wenn der Reiz des Neuen nachlässt, können wir uns über die historische Bedeutung hinter diesen Pokéstops unterhalten." 

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