Startseite
Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews >

Ganz einfach ein dystopisches Meisterwerk

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Test zu Inside | Jump'n'Run | PC, Xbox One  

Ganz einfach ein dystopisches Meisterwerk

01.08.2016, 14:10 Uhr | Michael Förtsch (jr / ams), Medienagentur plassma

Ganz einfach ein dystopisches Meisterwerk. Inside ist eine einzigartige und verblüffende Erfahrung. Selbst für jene, die sonst wenig mit derartigen 2D-Hüpf- und Rätselspielen anfangen können. (Quelle: Playdead)

Inside ist eine einzigartige und verblüffende Erfahrung. Selbst für jene, die sonst wenig mit derartigen 2D-Hüpf- und Rätselspielen anfangen können (Quelle: Playdead)

Mit dem 2D-Rätsel-Jump'n'Run-Spiel "Limbo" hat das kleine dänische Studio Playdead im Jahr 2010 einen auch heute noch vieldiskutierten Hit gelandet. Nun haben die Indie-Entwickler mit "Inside" den geistigen Nachfolger auf Xbox One und PC veröffentlicht - und wieder einen Volltreffer gelandet. 

Foto-Serie mit 8 Bildern

Einfach in den Wald gestolpert

In "Inside" flüchtet ein unscheinbarer Held hüpfend, kletternd und rätselnd durch eine surreal-dystopische Kulisse. Dem Spieler wird dabei Timing und Köpfchen abverlangt. Jedoch bekommt er dafür auch ein Erlebnis geboten, das er so schnell nicht vergessen wird.

Inside beginnt ohne ein Intro oder erklärende Einführung. Stattdessen stolpert der Protagonist, ein kleiner Junge in einem roten Pullover, zu Beginn einfach am linken Bildschirmrand aus einem dichten Wald auf eine überschaubare Lichtung. Kaum hat er sich gefangen, übernimmt der Spieler schon die Kontrolle. Dabei lässt sich die Spielfigur, auch wenn die Umgebungen dreidimensional erscheinen, nur auf einer vorgegebenen Bahn von links nach rechts bewegen. Viel Zeit zum Experimentieren bleibt allerdings nicht - schon nach wenigen Metern zeigt sich nämlich, dass der Knirps offenbar in großer Gefahr schwebt. 

Während der Junge über den sumpfigen Waldboden sprintet, tauchen in der Tiefe des Raums nämlich Männer mit Taschenlampen auf. Es gilt nun, sich vor deren Schein hinter Steinen und Bäumen zu verstecken. Entdecken die Männer den Lausbuben, kommen sie angehastet, erschießen ihn oder würgen ihn zu Tode. Schnelligkeit und Reaktion ist daher beim Aufweichen und Verstecken gefragt. Ebenso wie beim Sprung über gestürzte Stämme, dem Abtauchen im Wasser oder dem Sturz von einer Klippe, wenn plötzlich Hunde auf den Heroen im Pullover gehetzt werden. Kampf und Gegenwehr? Ist in Inside nicht möglich.

Vollkommen intuitiv

Die Kulissen in Inside gehen bemerkenswert flüssig, fast schon unmerklich ineinander über. Nach dem Wald und einem Fluss findet sich der Spieler plötzlich auf einer Farm wieder, wo er ein wild gewordenes Schwein zähmen muss. Von dort kraxelt er über ein Dach, schleppt sich durch Schlamm und hinein in eine gespenstische Stadtlandschaft, die von Kameras, willenlosen Menschen und Wachmännern beherrscht wird. Anschließend folgen Minen, Unterwasserwelten, endlose Büros und Labors. Toll: Die Schauplätze liefern nicht nur optische Abwechslung, sondern auch immer neue Herausforderungen und Impulse. 

Nicht nur Laufen und Springen ist angesagt, der Spieler muss auch Rätsel knacken, um weiter zu kommen. Sei's einfach, dass ein Kühlschrank mit einem Tastendruck gegriffen und umgeworfen werden muss, um einen Zaun zu erklimmen. Oder dass kleine Küken in ein Gebläse gelockt werden sollen, um einen Heuballen von einer Erhöhung zu pusten. Dabei werden die Puzzles stetig bizarrer: Im Spielverlauf werden beispielsweise mit einem Gedankenkontrollhelm Zombies ferngesteuert, in einem Mini-U-Boot Wände durchbrochen oder die Gravitation umgekehrt. 

Tipps und Hinweise? Die spart sich Inside. Stattdessen müssen Sie sich alle Lösungen gänzlich selbst erschließen. Doch das ist weder tückisch noch hart. Denn auch wenn sich die Puzzles über die knapp 4,5 Stunden Spielzeit wandeln und neue Kniffe fordern, sind sie doch stetig logisch und intuitiv. Eine Kiste mit Raketenantrieb, ein Wassertank und eine Falltür? Das lässt Sie vielleicht über Minuten grübeln - aber nur, bis plötzlich der Aha-Moment einsetzt. Reicht pures Nachdenken nicht, ist meist schlicht und ergreifend besseres Timing nötig.

Völlig finster

In Inside ist der Tod des kleinen Helden nicht selten. Dutzende Male stirbt der Junge auf brutale, aber ebenso profane Weise. Danach geht’s zum letzten Speicherpunkt zurück. Das passt zur düsteren Inszenierung. Denn die Welt ist zwar nicht schwarz-weiß wie in Limbo, aber bedrückend, melancholisch und von entsättigten Farben geprägt. Schräge Winkel, Nebel und lange Schatten tun ihr Übriges, um die bedrohliche Atmosphäre abzurunden. 

Eine traditionelle Geschichte erzählt das Spiel nicht, von Anfang bis Ende fällt kein einziges Wort. Auch Zwischensequenzen oder Texte sind nicht vorhanden. Dafür existieren Szenen, die flüchtig auf die Hintergründe der von den Kultfilmen "Brazil" und "Delicatessen" inspirierten Dystopie blicken lassen. Das alles ist kryptisch, jedoch einprägsam. Vor allem die letzten 45 Minuten dürften vielen Inside-Spielern lange in Erinnerung bleiben. Diese werfen nicht nur das bisherige Spielgeschehen über den Haufen, sondern gehören zum Verquersten, was es in einem Videospiel zu sehen gibt.

Darüber reden  

Anders als einst Limbo wirkt Inside durch und durch perfektionistisch. Die Animationen und Bewegungen sind butterweich, die Rätsel unheimlich clever und durchdacht. Es ist kein Problem oder eine große Herausforderung, das gesamte Spiel in einem Rutsch zu bewältigen. Es ist sogar ratsam, Inside mit einem Freund oder einer Freundin an einem Abend durchzuspielen und sich gegenseitig Hilfe und Hinweise zu geben.

Vor allem nämlich regt das 2D-Abenteuer zum Nachdenken an. Die Entwickler stellen mehr Fragen, als sie Antworten liefern. Es gibt zahlreiche denkbare Ansätze, wie das Gesehene und Gespielte wohl zu verstehen ist. Ist Inside eine Metapher, ein krudes Gedankenexperiment oder einfach ein hübsches Stück Videospielkunst? Das ist die Frage! Sicher ist: Wer Inside gespielt hat, hat anschließend Rede- und Diskussionsbedarf. Das gibt es in Videospielen leider viel zu selten. 

Was uns gefällt

Sowohl die Spielmechanik als auch die Ideen hinter Inside sind geradezu virtuos umgesetzt. Das Hüpfen, Laufen und Rätseln geht intuitiv und ohne große Erklärung von der Hand. Wer mag, kann das gesamte Spiel in einem Zug bewältigen.

Wie schon Limbo vom gleichen Entwicklerteam wird auch Inside noch lange nach Spielende bewegen und zu einer erneuten Spielrunde locken. Denn auch wer glaubt, alles gesehen zu haben, hat einiges verpasst und sollte die ein oder andere Szene nochmal genauer betrachten. 

Was uns nicht gefällt

An Inside gibt es kaum etwas zu kritisieren. Sowohl die Spielidee als auch deren Inszenierung sind grandios. Jedoch könnte sich mancher an der geheimnistuerischen Art stoßen oder bemängeln, dass das Spielerlebnis mit etwa 4,5 Stunden etwas kurz geraten ist. 

Fazit

Fast sechs Jahre haben die Limbo-Macher die Fans auf ihr neuestes Werk warten lassen. Das hat sich jedoch gelohnt: Inside ist eine einzigartige und verblüffende Erfahrung. Selbst für jene, die sonst wenig mit derartigen 2D-Hüpf- und Rätselspielen anfangen können, ist es eine absolute Empfehlung. 

Vom Spielkonzept über die Steuerung und der Optik bis hin zum Sound ist Inside makellos und perfektionistisch. Hier kommt keine Sekunde Langeweile oder Stillstand auf. Ferner wird einem das Gesehene noch lange bewegen und Gesprächsstoff bieten. Bleibt nur zu hoffen, dass Inside nach Xbox One und PC auch bald für Playstation 4 und mobile Geräte erscheint. 

Infos zum Spiel

Titel: Inside
Genre: Jump’n’Run-Rätselspiel
Hersteller / Publisher: Playdead
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 20 Euro 
System: PC, Xbox One (PS4-Version ab dem 23.August 2016)
USK-Freigabe: Ab 18 Jahren
Wertung: Sehr gut

News, Tests & Previews, Onlinegames und mehr auf Facebook: Werden Sie Fan von t-online.de/spiele!

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Vertrauensbruch 
Pflegerin ahnt nichts von der versteckten Kamera

Nach einem Anfangsverdacht installieren Verwandte das Gerät, die Aufnahmen sind erschreckend. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Multimedia-Sale: Technik- artikel stark reduziert

Jetzt zuschlagen: Fernseher, Notebooks, Beamer, Navis u. v. m. zu Toppreisen. bei OTTO

Shopping
Voll im Trend und garantiert keine kalten Füße mehr

Kuschelige weich und warm gefüttert, Boots für gemütliche Tage zuhause. bei BAUR

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal