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No Man's Sky für PS4: So gut ist das Weltraum-Survival-Game

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Test zu No Man's Sky | Weltraum-Abenteuer | PC, PS4  

Verschollen im Weltall

13.08.2016, 13:44 Uhr | jr / ams, Medienagentur plassma

No Man's Sky für PS4: So gut ist das Weltraum-Survival-Game. No Man's Sky begeistert mit den verrückten Überraschungen, die die prozedurale Generierung der Planeten immer wieder bereithält. (Quelle: Sony)

No Man's Sky begeistert mit den verrückten Überraschungen, die die prozedurale Generierung der Planeten immer wieder bereithält. (Quelle: Sony)

Kaum ein Spiel wurde in den letzten Wochen und Monaten so heiß diskutiert wie das neue Werk des britischen Indie-Entwicklers Hello Games. Die alles entscheidende Frage von Bewunderern und Kritikern war dabei fast immer dieselbe: Kann Survival-Gameplay in einer schier endlosen, nahezu komplett auf Basis von Formeln und Algorithmen geformten Welt wirklich Spaß machen? 

Irgendwo im Nirgendwo 

Die Ausgangslage des All-Abenteuers ist heikel, um nicht zu sagen: dramatisch. Der namenlose Held erwacht auf einem ihm völlig fremden Planeten irgendwo am Rande der Galaxis. Direkt vor ihm: die Absturzstelle seines Ein-Mann-Raumschiffs. Überall qualmt und raucht es, und der Lagebericht der freundlichen Computerstimme verheißt ebenfalls nichts Gutes.

Hoffnungsvoll stimmt lediglich die Tatsache, dass das Raumschiff nicht vollends hinüber ist und der Spieler über ein mächtiges Multifunktionswerkzeug verfügt. Mit dessen Hilfe lassen sich nicht nur die zahlreichen Reparaturen durchführen, sondern auch die dafür nötigen Materialen wie Eisen oder Plutonium in der näheren Umgebung abbauen: Einfach Rohstoffspender wie Felsen und Kristalle anvisieren, abdrücken und warten, bis ein gebündelter Energiestrahl den Rest erledigt.

Die erste Herausforderung in No Man’s Sky ist somit klar abgesteckt: Es gilt, die Gegend nach Crafting-Rohstoffen abzusuchen, um das eigene Raumschiff wieder instand zu setzen. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn überall lauern Gefahren: Radioaktive Strahlung, giftige Dämpfe, fiese Temperaturschwankungen, gefräßige Lebensformen, aggressive Stachelpflanzen, dutzende Meter tiefe Felsspalten, verwinkelte, nicht enden wollende Höhlensysteme - die Launen der Natur können dem Spieler schnell einen Strich durch die Rechnung machen und seine Reise jäh beenden. Gleiches gilt für sogenannte Wächter-Einheiten. Diese schwirren überall im Universum herum und rücken einem immer dann mit viel Feuerkraft auf die Pelle, wenn man das Gleichgewicht der Natur zum Beispiel durch intensiven Rohstoff-Abbau durcheinander würfelt.

Eine Formel für die Unendlichkeit

Das Faszinierende an No Man’s Sky: Der Planet, auf dem man zu Beginn bruchlandet, ist wie alle anderen Planeten im Spiel auch prozedural generiert. Das heißt konkret: Die Himmelskörper liegen nicht als klassische Programmdateien vor, sondern werden von einer komplexen Formel und unter Berücksichtigung unzähliger Regeln in Echtzeit erschaffen. Lediglich die dazu nötigen grafischen Grundelemente sind Teil der zirka sechs Gigabyte großen Installationsdateien. Unterm Strich resultiert dieser Designkniff von Entwickler Hello Games in einem gigantischen Spieluniversum mit der unvorstellbaren Anzahl von zirka 18 Trillionen Planeten.

Bemerkenswert: Auch Pflanzen, Tiere, Raumschiffe, Raumstationen, Objektbezeichnungen und vieles mehr sind prozedural generiert. Die Macher gehen sogar soweit, dass sie prozedurale Generierung einsetzen, um die Musikstücke und Soundeffekte immer wieder aufs Neue zu variieren. Brillant!

Weck den Entdecker in Dir

Aber was bedeutet das jetzt für die zentrale Gameplay-Struktur? Ganz einfach: Wie man schon bald feststellt, geht’s in No Man’s Sky vorrangig darum, das knapp 40.000 Lichtjahre entfernte Zentrum der Galaxis zu erreichen. Auf den ersten Blick eine kaum zu schaffende Aufgabe, weil die zu bewältigenden Entfernungen schlichtweg unmöglich anmuten. Mit zunehmender Spieldauer erkennt man jedoch Regeln und Gesetzmäßigkeiten, nach denen das Universum tickt. Vor allem der Kreislauf aus "Ressourcen sammeln" und "Upgrades für Raumschiff, Anzug und Multifunktionswerkzeug freischalten" spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Probieren geht über Studieren

Wichtig in diesem Zusammenhang: Das Spiel selbst gibt in der Regel nur sehr grobe Texthinweise, was wann zu tun ist und wie man dabei am geschicktesten vorgehen soll. Für Spieler ohne Erfahrungen im Survival-Abenteuer-Genre mag sich der Einstieg dadurch streckenweise zäh, mühsam und beschwerlich anfühlen. Gleichzeitig jedoch macht genau dieses Nicht-an-die-Hand-nehmen und Experimentieren-Lassen einen großen Teil der Faszination No Man’s Sky aus.

Nicht minder packend: Zwar kann man in den Weiten des Raums auf andere Online-Spieler treffen, die Chance, dass das regelmäßig passiert, ist in Anbetracht der gigantischen Ausmaße der Spielwelt jedoch äußerst gering. Nicht zuletzt, weil jeder menschliche Spieler an einem ganz anderen Ort im Universum startet. Was bleibt, ist ein schwer zu beschreibendes, aber eben auch sehr gut mit der Survival-Thematik harmonierendes Gefühl von Einsamkeit. Zugegeben, der sporadische Kontakt mit etwas wortkargen Alien-Vertretern ist unterhaltsam und streckenweise sogar herzerwärmend. Davon abgesehen ist man aber tatsächlich die meiste Zeit auf sich allein gestellt.

Die ISS kann einpacken

Hat man den Startplaneten verlassen, führt das Spiel eine Vielzahl neuer Interaktionsmöglichkeiten ein. An Bord von Raumstationen etwa dürfen Sie an "Terminals des Galaktischen Marktes" Dinge und Rohstoffe kaufen, die sonst kaum zu finden sind, für die Verbesserungen Ihrer Ausrüstung jedoch eine hohe Wichtigkeit haben. Des Weiteren dienen Raumstationen als wichtiger Umschlagplatz für alle jene, die ihre fliegende Untertasse loswerden möchten. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt, kommt man hier meist im Handumdrehen an ein neues Schiff mit mehr Inventarplätzen, stärkeren Schilden, besserer Bewaffnung und leistungsstärkerem Hyperantrieb. 

So gerüstet ist es dann auch ein Leichtes, in das gefährliche Geschäft der Weltraumpiraterie einzusteigen und Jagd auf kleinere Händlerkonvois oder große Frachterflotten zu machen. Die nämlich transportieren oft wertvolle Rohstoffe, die man sonst zeitraubend auf der Planetenoberfläche abbauen müsste.

Für Pazifisten

Alternativ können Milchstraßen-Reisende die für eine effektive Weiterreise so dringend gebrauchten Credits auch im Asteroiden-Bergbau gewinnen. Dazu muss man einfach vorbeifliegende Gesteinsbrocken unter Beschuss nehmen, abwarten, bis sich Nickel, Kupfer und andere Rohstoffe lösen und diese dann clever - je nach Marktpreis bei unterschiedlichen Handelsposten - weiterverkaufen. Doch Vorsicht: Transportieren Sie zu viele wertvolle Bergbau-Materialien, ist es nicht unwahrscheinlich, dass neidische Raumfahrer durch Hyperraum-Scans darauf aufmerksam werden und angreifen, um zu ernten, wo sie nicht gesät haben. 

Eine weitere Möglichkeit, gewaltfrei an Cash zu kommen, ist der Upload von Scans bereits gesichteter Tiere, Pflanzen und Orte in die sogenannte "Galaktische Bibliothek". Der Clou: Sofern Sie diese Spezies zuerst entdeckt haben, dürfen Sie auch selbst einen Namen vergeben, den das Spiel dann auf dem Server von No Man’s Sky verewigt. Ein tolles Feature, das auf Social-Media-Seiten noch für ziemlichen Wirbel sorgen wird.  

Was uns gefällt

Ob Sie nun aus dem Orbit kommend in die Atmosphäre eines Planeten eindringen und irgendwo auf diesem landen, oder umgekehrt von der Oberfläche eines Himmelskörpers abheben, um Minuten später im All einen Konvoi anzugreifen: No Man’s Sky steuert sich hervorragend und ist obendrein eine komplett nahtlose Erfahrung ohne Ladezeiten. Lediglich bei Warp-Sprüngen zwischen zwei Systemen oder beim Durchqueren von Schwarzen Löchern sind Sie 25 bis 30 Sekunden lang in einer Art "Tunnelblick"-Perspektive gefangen, die jedoch ziemlich schick aussieht, sodass man diesen Umstand gerne verzeiht.

Davon abgesehen waren wir begeistert von den verrückten Überraschungen, die die prozedurale Generierung immer wieder bereithält. Von aufrecht gehenden Raubkatzen mit Schmetterlingsflügeln am Rücken über ulkig hüpfende Riesenpilze bis hin zu Eis-Monden, die fast ausschließlich aus tiefen Gewässern bestehen, ist so ziemlich alles möglich. Aber auch die wechselnden Wetterbedingungen, die grandiosen Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, die Möglichkeit, Terrain aktiv verformen zu können sowie die kniffligen Minirätsel beim Erstkontakt mit Außerirdischen bleiben in positiver Erinnerung. 

Was uns nicht gefällt

Größtes Manko von No Man's Sky: Nach spätestens 20 Spielstunden schleicht sich eine gewisse Monotonie im Spielablauf ein. Oder um es mal ganz krass zu formulieren. Frei nach dem Filmtitel "Und täglich grüßt das Murmeltier" wird man irgendwann das Gefühl nicht mehr los, in einer Art Hamsterrad aus immer gleichen Tätigkeiten festzustecken: Ressourcen sammeln, Equipment upgraden, Warpzellen craften, die nächstgelegene Atlas-Station beziehungsweise das nächste Schwarze Loch anfliegen - und dann alles wieder von vorne. Hat man das zum zehnten oder zwölften Mal gemacht, ist ein bisschen die Luft raus. Gleichzeitig wünscht man sich neue Überraschungen und deutlich mehr Story-Elemente.

Kritik gibt es zudem für den teils deutlich sichtbaren Grafikaufbau beim Überfliegen von Planeten in Bodennähe, die etwas magere Trophäen-Ausstattung, einige seltsame Clipping-Fehler und das nicht immer optimal gelöste Inventar-Management.  

Fazit

Auch wenn nach etwa 20 Spielstunden eine gewisse Monotonie durchschimmert und man sich hier und da noch mehr Möglichkeiten wünscht: No Man’s Sky ist und bleibt ein wahrlich einzigartiges Spiel, dem jeder Survival-Fan unbedingt eine Chance geben sollte. Zum einen weil es wie kaum ein Titel zuvor die Neugierde des Spielers weckt. Vor allem in den Anfangsstunden will man unbedingt wissen, wie es weitergeht und lernen, wie alle Mechanismen ineinandergreifen. Zum anderen, weil es den eindrucksvollen Beweis abliefert, wie spannend prozedural generierte Welten heutzutage schon sein können. Speziell in diesem Punkt hat das kleine Entwicklerteam tatsächlich Revolutionäres geleistet und die Vorfreude auf die zukünftige Evolution dieses Subgenres geschürt.  

Infos zum Spiel

Titel: No Man's Sky
Genre: Weltraum-Abenteuer
Hersteller: Hello Games
Publisher: Sony
Release: 10. August 2016 (PS4-Version) / 12. August 2016 (PC-Version)
Preis: zirka 60 Euro / zirka 80 Euro (Limited Edition)
System: PC, PS4 
USK-Freigabe: Ab 6 Jahren
Wertung: Sehr gut

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