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Detroit: Become Human - First-Look auf das PS4-Adventure

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Preview zu Detroit: Become Human | Adventure | PS4  

Neuer Thriller der Heavy-Rain-Macher

15.08.2016, 17:04 Uhr | Sönke Siemens (jr / ams), Richard Löwenstein

Detroit: Become Human - First-Look auf das PS4-Adventure. Insbesondere der Verzicht auf ein klassisches Game Over macht "Detroit: Become Human" unglaublich reizvoll. (Quelle: Sony Interactive Entertainment)

Insbesondere der Verzicht auf ein klassisches Game Over macht "Detroit: Become Human" unglaublich reizvoll. (Quelle: Sony Interactive Entertainment)

David Cage möchte gern Spiele-Regisseur sein. Er liebt es, in seinen Games Geschichten zu erzählen. "Fahrenheit", "Heavy Rain" und "Beyond: Two Souls": Mit seinem 1997 gegründeten Studio Quantic Dream konnte der Franzose bereits zahlreiche Hits abliefern. Seine Spiele sollen unter die Haut gehen. Nicht mit explosiver Action, sondern über vielschichtige Charaktere in aufwühlenden Situationen. Das 2017 exklusiv für PS4 geplante "Detroit: Become Human" schlägt in die gleiche Kerbe, wählt jedoch im Unterschied zu Cages bisherigen Werken ein verstörendes, gar nicht mal so unrealistisches Sci-Fi-Szenario.

Ein neues Zeitalter beginnt 

Wir schreiben das Jahr 2036. Durch massive Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz und Robotertechnologie sind Androiden weltweit auf dem Vormarsch. Als Fabrikarbeiter, als Lehrer, als Krankenschwestern, als Haushaltshilfen und Kindermädchen, ja sogar als Prostituierte müssen die kaum von echten Menschen zu unterscheidenden Roboter-Wesen schuften. Wer es sich leisten kann, erhält ein Einsteigermodell bereits zum Preis von 7999 Dollar - teilweise sogar mit Rückgaberecht. Die Androiden selbst meckern nicht und nehmen ihr Schicksal als billige Arbeitskräfte hin wie es ist - schließlich sind sie nur Maschinen, die vorgegebene Aufgaben zu erledigen haben.

Fruchtbarer Nährboden für Konflikte

Was zunächst nach schöner neuer Welt klingt, bringt bei genauerer Betrachtung eine Vielzahl von Problemen mit sich. Insbesondere weil sich viele Menschen am Arbeitsmarkt zusehends überflüssig fühlen. Sie sind ersetzbar geworden und gehen immer häufiger auf die Straße, um genau dagegen zu protestieren. Nicht minder besorgniserregend: Gleich zu Spielbeginn häufen sich Berichte über sogenannte Deviants, zu Deutsch Abtrünnige. Gemeint sind Androiden mit seltsamen Fehlfunktionen. Einige von ihnen verschwinden spurlos, andere zeigen aggressives Verhalten Menschen gegenüber. Was genau dahinter steckt, will Spieldirektor David Cage noch nicht verraten. Nur soviel: "Es wirkt fast so, als seien sie überwältigt worden von aufkeimenden Emotionen."

Spiele-Videos 
Detroit: Become Human - Announcement Trailer

Erster Trailer zum neuen Spiel aus der Feder von David Cage. Video

Ein Thema, zahlreiche Blickwinkel

Spielerisch betrachtet resultiert all das in einem Konstrukt, welches Cage am liebsten als Neo-Noir-Thriller bezeichnet. Genau wie beim ebenfalls von Quantic Dream entwickelten PS3-Hit Heavy Rain schlüpft der Spieler im Verlauf des Plots in die Rollen unterschiedlicher Protagonisten – in diesem Fall ausschließlich Androiden. Cage weiter: "Am Anfang sind es nur Geschichten einzelner Schicksale, doch dann fließen sie immer weiter ineinander."

Nach Kara folgt Connor

Während bisherige Präsentationen den Werdegang der weiblichen, aus einer Fabrik geflüchteten Androidin Kara in den Vordergrund stellten, dreht sich in der kürzlich gezeigten Spielefassung alles um Gameplay-Mechanismen. Skizziert werden sie mit Hilfe des Androiden Connor. Anders als Kara ist er kein Abtrünniger mit Gefühlsschwankungen. Im Gegenteil: Er greift ein, wenn diese Modelle zu einer Bedrohung werden. 

Connor soll eine Geiselnahme im 70. Stockwerk eines Detroiter Hochhauses entschärfen. Der Kidnapper, ein Haushalts-Androide namens Daniel, steht mit einem jungen Mädchen auf dem Dach des Gebäudes und droht die Kleine zu töten. Eine nervenaufreibende Situation, zumal Scharfschützen der Polizei bereits Stellung bezogen haben und den bewaffneten Täter spürbar verunsichern.

Heavy Rain lässt grüßen

Gespielt wird Heavy Rain-typisch aus der Third-Person-Perspektive. Zunächst lenkt man Connor durch das Apartment der Familie und sammelt Hinweise, welche dem Unterhändler beim bevorstehenden Showdown mit dem Geiselnehmer von Nutzen sein könnten. Ein digitaler Bilderrahmen im Eingangsbereich der Wohnung etwa verrät, dass es sich bei der Geisel um Emma handelt.

Wer sich sorgfältig umschaut, findet außerdem ein Tablet. Darauf zu sehen: Ein Video, welches das Mädchen und den Androiden in fröhlicher Selfie-Pose zeigt – ein Hinweis auf ein einst freundschaftliches Verhältnis zwischen beiden? Ein weiteres Tablet weist eindeutig darauf hin, dass Emmas Familie bereits einen moderneren Androiden bestellt hatte. Der Auslöser für Daniels Ausraster?

Trödeln wird grausam bestraft

Weil Zeit eine entscheidende Rolle spielt, sollte man beim Aufstöbern weiterer Indizien jedoch nicht allzu lange zögern. Im schlimmsten Fall nämlich verliert der Geiselnehmer bereits vor dem Auftauchen von Connor die Geduld und reißt Emma in den Tod. Taucht Connor dagegen rechtzeitig auf dem Dach auf, kommt es zu einer Quantic-Dream-typischen Dialogsituation. Heißt: Durch Drücken bestimmter Aktionstasten gilt es, einen Multiple-Choice-Dialog voranzutreiben.

Beispielsweise könnte der Geiselnehmer fragen, ob Connor eine Waffe mit sich führt. Bejaht man dies und lässt die Waffe fallen, wird Daniel vermutlich Vertrauen gewinnen. Gleiches passiert, wenn man ihn auf sein gutes Verhältnis mit Emma anspricht. Lügt man ihn dagegen an oder bedroht ihn mit einer Pistole, ist fast schon vorprogrammiert, dass Daniel Misstrauen schöpft und nervös wird.

Von A bis Z auf Spannung getrimmt 

Praktisch: Wie genau sich individuelle Entscheidungen auf einen positiven Verlauf der Geiselnahme auswirken, zeigt ein regelmäßig eingeblendeter Prozentwert. Der Spieler wird also zum gewissen Grad in seiner Verhandlungstaktik bestätigt – zumindest solange bis er eine Entscheidung trifft, die den Geiselnehmer beunruhigt und den Wert absinken lässt. Das mag zunächst nach einem kleinen Detail klingen, trägt aber einen nicht unerheblichen Teil dazu bei, dass eine Art Anspannungstransfer zwischen Spiel und Spieler stattfindet.

Game Over gibt es nicht

Geht’s nach David Cage, ist ein klassisches Game Over übrigens nicht vorgesehen. Will heißen: Selbst nach dem Tod einer Spielfigur geht die Story - Sonys Horror-Thriller "Until Dawn" lässt grüßen - bis zum Schluss weiter. Das gilt natürlich auch für die beschriebene Geiselnahme. Allein hier sind sechs verschiedene „Enden“ bestätigt – die ihrerseits den Rest der Geschichte massiv beeinflussen. Der Heldentod von Connor ist dabei genauso möglich wie das Ableben von Emma und/oder Daniel.

Was uns gefällt

Insbesondere der Verzicht auf ein klassisches Game Over macht Detroit: Become Human unglaublich reizvoll. Denn dadurch erhalten die im Spiel getroffenen Entscheidungen viel mehr Gewicht und können nicht einfach durch das Laden eines Spielstands rückgängig gemacht werden. Erst wenn der Spieler ganz von vorn beginnt, hat er die Möglichkeit, anders zu handeln - was den Wiederspielwert der auf acht bis zehn Stunden angesetzten Geschichte natürlich ungemein erhöht. Lob zudem für die Inszenierung. Seien es nun die ungewohnten Kameraperspektiven, die grandios animierten Motion-Capture-Charaktere, die engagierten Synchronsprecher oder die spannungsgeladene Musik - schon beim Zuschauen sorgt das hier für Gänsehaut. 

Was uns nicht gefällt

Genau wie Heavy Rain oder „Beyond: Two Souls“ mutet das Spiel an vielen Stellen noch etwas zu sehr wie ein interaktiver Film an. Dramatisch inszenierte Multiple-Choice-Dialoge, Quicktime-Events und das Erkunden todschicker, aber überschaubarer Szenarien scheinen dabei einen Großteil der Interaktion auszumachen. Sofern sich alle Elemente die Waage halten, könnte die Rechnung aufgehen. Eine weitere Quicktime-Orgie wie sie Beyond: Two Souls streckenweise war, dürfte Fans jedoch eher abschrecken. 

Fazit

Im Hinblick auf Inszenierung, Setting und bisher enthüllte Charaktere liefert Quantic Dream schon jetzt eine erstklassige Vorstellung ab. Wie harmonisch all diese Bausteine am Ende ineinander greifen, bleibt allerdings abzuwarten. Gelingt es den Franzosen wirklich, den Plot - speziell aufgrund der immensen Komplexität - frei von Logikfehlern zu halten? Gibt es nach dem zweiten Durchspielen tatsächlich genügend Anreize, die Geschichte ein drittes Mal anzugehen? Oder bleibt der grobe rote Storyfaden - ähnlich wie bei Until Dawn - bis zum Ende immer gleich? Fragen über Fragen, die letztlich nur ein sehr ausführlicher Kontakt mit einer weit fortgeschrittenen Anspiel-Version beantworten kann. 

Infos zum Spiel

Titel: Detroit Become Human 
Genre: Adventure 
Hersteller: Quantic Dream 
Publisher: Sony Interactive Entertainment  
Release: 2017 
Preis: Noch nicht bekannt 
System: PS4 
USK-Freigabe: Noch nicht bekannt
Einschätzung: Gut


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