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Assetto Corsa: Rennspiel versus Realität

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Heiße Racing-Action  

Assetto Corsa: Rennspiel versus Realität

23.08.2016, 14:16 Uhr | jr / ams, Richard Löwenstein

Assetto Corsa: Rennspiel versus Realität. Fährt sich die Motorsport-Simulation "Assetto Corsa" auf PS4 und Xbox One genauso rasant wie ein Sportwagen auf einer echten Rennstrecke? Wir haben es probiert. (Quelle: 505 Games)

Fährt sich die Motorsport-Simulation "Assetto Corsa" auf PS4 und Xbox One genauso rasant wie ein Sportwagen auf einer echten Rennstrecke? Wir haben es probiert. (Quelle: 505 Games)

Wie fährt sich die am 25. August startende Motorsport-Simulation "Assetto Corsa“ auf PS4 und Xbox One? Genauso rasant wie ein Sportwagen auf einer echten Rennstrecke? Wir geben dem italienischen Supersportwagen Lamborghini Gallardo LP 570 zweimal die Sporen: In Kunos´ PS4-Rennsimulation und auf dem italienischen Motodrom von Vallelunga. Was kickt mehr?

Rennspiele leben vom Reiz des Unerreichbaren. Von aufregenden Drifts und spannenden Positionskämpfen in teuren Traumautos, die für die meisten Menschen unerschwinglich sind. Eines dieser Traumautos ist der Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera: Mit knapp 600 PS und vergleichsweise schlanken 1370 kg schlägt die Sportwagen-Schöpfung aus dem norditalienischen Sant’Agata so ziemlich alles andere im Autoquartett. Auf der Rennstrecke Vallelunga nahe Rom durften wir einige Runden mit diesem heißen Eisen drehen und ihm anschließend ein weiteres Mal die Sporen geben - dieses Mal virtuell in der Motorsport-Simulation Assetto Corsa für PS4 und Xbox One.

Waschechte Motorsport-Simulation

Es handelt sich hier um die Konsolen-Umsetzung des gleichnamigen PC-Originals, das seit 2011 entwickelt, Ende 2013 per Steam Early Access veröffentlicht und seitdem in zahlreichen Updates verbessert und modernisiert wurde. Assetto Corsa versteht sich als reinrassige Rennsimulation, die sich auf puren Motorsport konzentriert. Bestzeiten auf den Rundkurs brennen, Computer- und Onlinegegner im Positionskampf besiegen: Zu diesem Zweck stehen rund 90 Sportautos, Supersportwagen und Formel-Fahrzeuge von gestern und heute bereit.

Nachbildungen etlicher legendärer europäischer Rundstrecken wie Nürburgring-Nordschleife, Monza, Silverstone oder Spa dienen als Berg- und Talbahnen. Es gibt weder Fantasieautos noch Stadtkurse oder erfundene Strecken – stattdessen wird ehrlicher Motorsport geboten. Die Konsolenfassung enthält laut Hersteller alle Merkmale der PC-Version 1.5,  also zum Beispiel aktuelle Automodelle und Strecken-Updates, Boxenstops und Spielverbesserungen.

Spielestudio in der Boxengasse

Der Vergleich Realität gegen Rennstrecke findet auf dem Motodromo Vallelunga statt, einer Rennstrecke nahe Rom. Im Stockwerk über den Boxen hat sich der italienische Simulations-Entwickler Kunos mit seinem kleinen Team eingenistet. Bei Kunos entstehen seit vielen Jahren professionelle Motorsport-Simulationen für verschiedene Racingteams, und seit 2011 eben auch "Assetto Corsa". Der direkte Kontakt zur Rennstrecke, schnellen Autos und ihren Piloten bildet die Basis für realitätsnahe Motorsport-Trainingssoftware, erzählt Kunos-Gründer und Autofreak Marco Massarutto: "Wo sonst könnten wir jederzeit schnelle Autos ans Limit treiben und danach die Piloten fragen, wie sich das angefühlt hat?"

Schneller Stier: Lamborghini-Bolide mit 600 PS

Unsere eigene Probefahrt führt uns zunächst in die Boxengasse des Autodromo Vallelunga. Dort kauert eine ganze Kohorte an Sportwagen. Mit BMW 135i und Nissan GTR (zusammen über 850 PS) darf ich eigenhändig Runden drehen und so meine motorsportlichen Grenzen ausloten.

Anschließend folgt die Krönung: Mitfahrt im Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera. Am Steuer: Profi-Pilot Marco Massarutto. Er kennt das Autodromo aus dem Effeff. Also einsteigen, anschnallen, anlassen und erstmal die fast 600 PS gezügelt bekommenn: In der Boxengasse sind nur 60 km/h erlaubt. Etwas überspitzt formuliert: So langsam fährt der Lambo im Stehen.

Ab der weißen Linie an der Ausfahrt gibt es dann aber kein Halten mehr. Der Stier - das Wappentier von Lamborghini – stürmt los wie vom Katapult geschleudert. Sofort spüre ich den Unterschied zu BMW und Nissan. Gar nicht mal nur am Leistungs-Plus, sondern vielmehr am rauen und direkten Fahrerlebnis - am Wegfall von Schonwaschgang und Komfortzone. Jeder Schaltvorgang schickt einen Schlag durch das System aus Mensch und Maschine. Du spürst, was das Auto tut. Wie der Motor röhrt und drückt, ohne Unterlass. Die Beschleunigung scheint kein Ende nehmen zu wollen. Brutal.

Die Realität: Tanz der Fliehkräfte

Der unfassbare Schub drückt einen mit voller Wucht in den Sitz - und schwer auf den Magen. Schwer zu sagen, was daran Spaß macht - und dennoch, es ist so, ich werde von Glücksgefühlen übermannt! Glück und Schub halten bis zur ersten Bremszone. Dann ändert sich alles. Marco tippt nur kurz die Bremse an: Das reicht, damit hat der Supersportwagen genug Geschwindigkeit abbaut. Der Lambo schert sachte mit dem Heck aus und nimmt die folgende Kombination aus je zwei Rechtskurven im leichten Drift.

Der kurze Moment des Bremsens reicht übrigens aus: Mich, den unvorbereiteten Beifahrer, reißt es nach vorne. Der Gurt drückt sich gnadenlos in die Brust und presst die Luft aus den Lungen. Aber das schmerzt nicht, sondern das beglückt - und macht auch ein bisschen demütig. Was für Kräfte sind hier am Wirken!

Zum Vergleich: Lambo im Rennspiel 

Auf die reelle Schnupperfahrt folgem virtuelle Proberunden mit der Rennsimulation Assetto Corsa. Selbes Setting, also Lambo in Vallelunga. Trotzdem, das steht vorher bereits fest, ist ein ganz anderes Erlebnis zu erwarten. Die PS4 übermittelt keine Fliehkräfte, weder nach vorne oder hinten gerichtete, noch seitlich wirkende in den Kurven. Auch der Motorsound, so eindringlich er klingt, ist halt doch kein brachial trompetender Zehnzylinder, der einem lustvoll die Trommelfelle martert.

Klare Sache: Solange Games-Hardware nicht die Gleichgewichtssinne des Menschen überlistet - Oculus arbeitet daran -, kann ein Assetto Corsa das Physikalische, das körperlich Spürbare eines Supersportwagens nicht vermitteln. Die italienischen Entwickler von Kunos müssen mit dem leben, was aktuelle Konsolen können. Und daraus machen sie ziemlich viel.

Ausgeprägte Fahrzeug-Merkmale

Die Probefahrt im virtuellen Lamborghini kickt demnach nicht ganz so sehr wie die Realität - aber sie macht Spaß. Als erstes fällt auf: Prägende Eigenheiten, etwa das Cockpitinterieur oder die metallisch scheppernden Gangwechsel des Lambo, sind akkurat herausgearbeitet. Im Vergleich der Autos, etwa zwischen BMW M2, Ford Mustang 2015 oder Nissan GTR, sind prägende Merkmale des Fahrverhaltens gut spürbar. Das eine Auto schiebt sich bei allzu forscher Fahrweise über die Vorderachse in Kurven hinein, das andere gestattet in schnellen Biegungen herrlich kontrollierbares Driften. Dass einzelne Charakteristika so deutlich zu erfühlen sind, ist selten im Racing-Genre.

Überzeugende Cockpitfahrt 

Ebenso selten kommt es vor, dass die Fahrt per Cockpit-Perspektive so prima von der Hand wie in der Realität, wo ich durch Veränderung der Kopfhaltung und die Möglichkeit des Sich-Umschauens meinen Blickwinkel erweitern kann. Beim Drive mit Assetto Corsa fühle ich mich weder beengt noch durch A-Säule oder Armaturenbrett in der Sicht behindert. Der Streckenverlauf ist prima zu erkennen, guter Fernsicht und fehlenden Popups sei es gedankt.

Dass Fahrfehler selten und schnelle Rundenzeiten möglich sind, selbst bei mangelnder Streckenkenntnis: Dass mag auch mit der hohen und stabilen Bildwiederholrate zusammen hängen. Der verlässlich schnelle Bildaufbau ermöglicht überhaupt hochpräzises Timing von Brems- und Lenkmanövern. Der Preis dafür: Es fehlt an Grafikdetails. Zuschauer und anderes Strecken-Drumherum wirken statisch, eine Wettersimulation fehlt komplett.

Allzu teure Realität

Ein weiteres Plus neben der geschmeidigen Fahrbarkeit sind die Positionskämpfe. Bei mehreren Rennen gegen die bis zu 16 Computergegner fächerten sich die Pulks regelmäßig auf. Der Pilot muss nie einsame Runden drehen, sondern hat stets eine Herausforderung vor Augen.

Egal ob Beschleunigungsphase, Bremszone oder Kurve: Die Computergegner nutzen vergleichbare Mittel wie der Spieler. Sie bremsen weder übernatürlich noch übervorsichtig oder verlieren allzu viel Schwung in Kurven, wie das häufig bei Rennspielen zu beobachten ist. Der Vorausfahrende scheint immer in Reichweite, das hat hochspannende Duelle und Ausbremsmanöver zur Folge.

Und wenn es mal scheppert, bleiben nur virtuelle Beulen zurück. Die Reparatur kostet nichts. Der Satz Hinterreifen dagegen, der sich nach ein paar Runden im echten Lambo in Rauch aufgelöst hat, kostet soviel wie zwei Playstation 4. Die Realität kickt also wie zu erwarten mehr als das Rennspiel. Aber dieser Kick muss einem ernsthaft was wert sein.  

Infos zum Spiel 

Titel: Assetto Corsa
Genre: Motorsport-Simulation
Hersteller: Kunos Simulazioni
Publisher: 505 Games
Release-Termin: 25. August 2016
Preis: zirka 45 Euro (Konsolen) 
System: PS4 / Xbox One (PC bereits erhältlich)
USK-Freigabe: Ab 0 Jahren
Wertung: Gut 

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