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Test zu "Here They Lie": Die Angst in Deinem Kopf

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Test zu Here They Lie | Survival-Horror-Adventure | PS4 plus Playstation VR  

Die Angst in Deinem Kopf

29.11.2016, 16:29 Uhr | jr / ams, Richard Löwenstein

Test zu "Here They Lie": Die Angst in Deinem Kopf. Wenn wie hier in Here They Lie das Grauen im Zwielicht lauert, kann VR das Kopfkino spürbar verstärken. (Quelle: Sony)

Wenn wie hier in Here They Lie das Grauen im Zwielicht lauert, kann VR das Kopfkino spürbar verstärken. (Quelle: Sony)

Horrorschocker und Virtual Reality-Headsets, das passt zusammen wie Angst und Schweiß. Wenn das Grauen im Zwielicht lauert, kann VR das Kopfkino spürbar verstärken. Wie sehr, das belegt Sonys kleines, aber feines Survival-Abenteuer "Here They Lie" für PS4 und Playstation VR. Mit den intensiven Angstgefühlen kommt allerdings nicht jeder Betrachter klar. 

Learning by doing

Here They Lie ist eines dieser Games, die sich erst Verlauf der Handlung entschlüsseln. Das Spiel gönnt dem Betrachter weder Introvideo noch anderweitige Erzählmethoden zum Warmwerden mit dem, was da auf ihn zu kommt. Die Produktion des von AAA-Veteranen gegründeten Indie-Studios Tangentlemen lädt einen vielmehr direkt nach Spielstart zu einer kurzen U-Bahn-Fahrt ein und nach wenigen Minuten in einer scheinbar toten Stadt wieder aus.

Der Bahnhof ist durch blasse Farben geprägt und vollkommen verlassen. Auch draußen am Vorplatz sind die Straßen leer, kein Leben gibt sich weit und breit zu erkennen. Irgendetwas Seltsames muss in dieser, fast vollständig aus monochromen Braun- und Grautönen gezeichneten Albtraumwelt geschehen sein. Also macht sich der Held der Welt auf die Suche nach Antworten.

Schlichte Technik

Ein klingelndes Telefon hier und ein paar Knarzgeräusche dort wecken Neugier. Sie lotsen sie den Spieler durch ein Straßendickicht, das nicht allzu labyrinthisch angelegt ist, keine bemerkenswerten Geheimnisse birgt und auffällig unaufgeregt auf die Anwesenheit des Spielers reagiert: Mangels Physikengine dienen Fahrräder, Mülltonnen und ähnliches im Weg liegendes Dekomaterial als Barrikade und sonst nichts. Zu entdecken gibt es nur ein paar Notizen, die etwas Licht ins Dunkel bringen. Sonst nichts.

Der Wiederspielwert hält sich in Grenzen. Dennoch funktioniert der Spannungsaufbau: Dass die Ruhe nur von kurzer Dauer sein wird und bald Entscheidendes passiert, das machen punktuell gesetzte, zunehmende bizarrer klingende Soundeffekte klar. Nach etwa einer halben Stunde nimmt der bis dahin ereignisarme Spaziergang an Fahrt auf: Dann sind die Gefahren nicht mehr nur zu hören, sondern geben sich zu erkennen.

Monochrome Welt des Bizarren

Immer häufiger lässt sich eine geheimnisvolle Frau im strahlend gelben Kleid blicken. Inmitten des grau in grau gehaltenen Szenarios wirkt sie wie ein bunter Papagei. Irgendeine Geschichte verbindet die Frau mit dem Helden, das wird anhand eingestreuter Monologe deutlich. Die Frau lässt sich regelmäßig in der Ferne blicken, ruft manchmal ein paar Worte, verschwindet dann wieder. So lockt sie den Spieler durch Gassen, Häuser und Keller, hinab in die Kanalisation und immer tiefer an Orte von zunehmender Gewalt. Verkohlte Leichen. Ein lebender Mensch, mit Tiermaske auf dem Kopf. Seltsame Kreaturen in weiter Entfernung: Sie keuchen, ihre Augen funkeln, der gebückte Gang hat etwas Bedrohliches an sich.

Spannendes Versteckspiel

Irgendwann kommen die Kreaturen näher. Sobald sie Witterung aufnehmen, starten sie die Verfolgungsjagd und einen Angriff. Das Versteckspiel und die Fluchtszenen, die sich aus solchen Momenten ergeben - das kann bei geschickter Inszenierung bereits bei einem 2D-Game hochspannend sein. Mit VR-Headset auf dem Kopf verdoppelt sich die Spannung. Der Heldentod ist bei hautnaher Konfrontation nur eine Frage von Zehntelsekunden, die Wiederbelebung wiederum erlebenswert inszeniert und ohne Ladepause in den Spielfluss integriert.

Sterben möchte man trotzdem nicht, sondern dieser Hölle entfliehen. Der waffenlose Held kann sein Überleben nur durch Deckungssuche und schlaues Umgehen von Gefahren sicherstellen. Orientierungssinn ist trotz einiger parallel angelegter Laufwege nicht notwendig: Frau Unbekant und andere Köder locken den Betrachter ziemlich direkt ins Finale.

Angst ist allgegenwärtig

So bildet Here They Lie das bizarre Gegenstück zu handlungsgetriebenen Walking-Games wie "Dear Esther". Der Horror nimmt den Spieler während seines Spaziergangs gefangen. Paranoia packt jeden, der mit strahlender Taschenlampe durch die modernde Kanalisation pirscht. Plötzlich ist ein Atmen über der rechten Schulter zu hören - oder spielt einem doch nur der Kopf einen Streich? Wer weiß.

Per Virtual-Reality-Headset fühlt sich die Furcht jedenfalls sehr intensiv an. Vielleicht zu intensiv. Trotz des insgesamt betulichen Tempos berichten manche Menschen im Zusammenhang mit Here They Lie von Übelkeit. Daher empfiehlt es sich, die Warnungen ernst zu nehmen. Das Spiel fordert an Kapitel-Schnittstellen per Texteinblendung zu kurzen Pausen auf. Die sollte man in der Tat nehmen.

Was uns gefällt 

Bei Abenteuerspielen für Virtual Reality-Headsets hat sich bisher noch kein Steuerungs-Standard durchgesetzt. Here They Lie setzt auf ein gut funktionierendes Konzept: Der linke Stick am Controller führt den Helden vorwärts und rückwärts. Umsehen und sachte Richtungswechsel sind per Headset gut kontrollierbar. Schnelle Richtungsänderungen lassen sich zusätzlich per rechtem Stick auslösen; entweder in 45-Grad-Schritten im Vollbild oder stufenlos bei eingeengtem Sichtfeld, um Übelkeit vorzubeugen. Kompliment an die Lokalisierung: Die Bildtexte sind gefühlvoll übersetzt, Tondokumente gut synchronisiert. 

Was uns nicht gefällt

Wer sich jeden Umweg spart, konsequent Gefahren aus dem Weg geht und schnurstracks bis zum Finale durchmarschiert, hat nach drei bis vier Stunden alles gesehen. Der sehr faire Preis von 20 Euro wiegt die kurze Spieldauer allerdings auf.

Fazit

Here They Lie ist kein Ausstattungsgigant, aber doch ein Abenteuerspiel mit nennenswerter Spieltiefe, und damit eine rare Ausnahme-Erscheinung unter all den Arcadeshootern und Minigame-Sammlungen für Playstation VR. Sicherlich spart Here They Lie an Handlung und Dekoration. Es verzichtet auf Kampfszenen und verlässt sich fast vollständig auf Spannungsspitzen, die wie Nadelstiche in den Spaziergang durch ein surreal pointiertes Szenario gesetzt sind. Im Zusammenhang mit meisterlich eingesetzten Musik- und Audioeffekten plus überzeugendem Timing funktioniert das gut. Wer sich auf das zurückhaltende Gamedesign einlässt, wird mit wohligen Schauern belohnt - und einige Male erschrocken auffahren.

Infos zum Spiel

Titel: Here They Lie
Genre: Survival Horror-Abenteuer
Hersteller: Tangentlemen /Sony Santa Monica Studios
Publisher: Sony
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 20 Euro 
System: PS4 mit Playstation VR-Headset
USK-Freigabe: Ab 18 Jahren
Wertung: Gut 

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