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Test zu The Last Guardian | Action-Abenteuer | PS4  

Das Spiel der großen Emotionen

06.12.2016, 14:34 Uhr | (jr), Richard Löwenstein

Das Spiel der großen Emotionen. The Last Guardian für die PS4 ist eine kreative und handwerkliche Meisterleistung. (Quelle: Sony)

The Last Guardian für die PS4 ist eine kreative und handwerkliche Meisterleistung. (Quelle: Sony)

Sagenhafte neun Jahre: Die Schöpfer des melancholischen Erwachsenen-Märchens "Shadow of the Colossus" haben sich für ihr neues Action-Abenteuer "The Last Guardian" für die PS4 viel Zeit gelassen. Sehr viel Zeit. Doch so konnte etwas ganz Besonderes heranreifen: ein faszinierendes Labyrinth aus Puzzles, Mythen und Gefühlen, wie man sie als Spieler nur ganz selten erlebt.

Foto-Serie mit 14 Bildern

Im Bann der riesigen Kreatur

Als der Knabe erwacht, ist es dunkel um ihn herum. Er spürt nur kalten Fels und schauerliches Zwielicht um sich herum. Dann ein Schnauben und zwei Lichtquellen, die wenige Schritte entfernt zu glühen beginnen - die riesigen Augen eines gewaltigen Tieres, das sich zu räkeln beginnt. Kein Tier, wie wir es kennen: Es trägt Gefieder und ist doch kein Vogel. Es besitzt Flügel und kann sich doch nicht vom Boden erheben - jedenfalls jetzt noch nicht. Die Kreatur besitzt Hinterläufe wie ein Katze, eine Schnauze wie ein Schäferhund und ist so gewaltig groß wie ein Riesensaurier.

Ein Junge und sein Fabelwesen

Der Knabe hätte allen Grund zur Furcht. Doch als die Kamera seine Mimik einfängt, zeigt sich keinerlei Angst. Er wirkt, als spüre der Junge, dass ihm keine Gefahr droht und dass ihn geheimnisvolle Bande mit dem Tier verbinden. Eine kurze Kamerafahrt fängt einen Speer ein, der in der Flanke der Kreatur sitzt. Eine Stimmt aus dem Nichts meldet sich zu Wort. Sie sagt, dass das Tier fürchterliche Schmerzen erdulde. Ob wir ihm helfen können? So beginnt das märchenhaft erzählte Abenteuer eines jungenhaften Helden und seines tierischen Begleiters. Das Fabeltier, so erzählt die Stimme, zählt zur Gattung der Trico - eine sagenhafte Kreatur, die sich noch kaum einem Mensch gezeigt hat.

Fortschritt durch Teamwork

Gemeinsam gelingt den beiden in der ersten Spielstunde die als Tutorial aufgemachte Flucht aus der dunklen Höhle. Die Aufgaben sind typisch für ein Action-Adventure. Ein bisschen Felsklettern, von Treppe zu Treppe springen, Nahrungsfässer aufnehmen und dem Trico zum Frass vorsetzen - das ist es.

Nach einer halben Stunde weist der Sprecher auf einen Felsspalt hin, und das eine Erkundung der dahinter verborgenen Kammer lohne. Woher er all das weiß? Die Stimme gehört niemand anderes als dem Knaben, der mittlerweile zum Erwachsenen gereift ist. Er begleitet sein eigenes Abenteuer aus der Retrospektive, streut Tipps und ergänzende Informationen ein. Er tut das in einem fremdartigen Dialekt, der wahlweise deutsch oder englisch untertitelt wird.

Action-Abenteuer mit kunstvoller Ästhetik

Die exotische Sprachausgabe ergänzt die fremdartig wirkende Ästhetik. Der Knabe und sein Tier bewegen sich durch eine kollossale Stadt, die eine untergegangene Zivilisation vor Urzeiten einem schroffen Gebirge abgetrotzt hat. Sie setzt sich zusammen aus verzweigten Kerkern und gewaltigen Sälen, monumentalen Bauten und satten Grünflächen, wundervollen Brücken und wackligen Stegen an steil abfallenden Klippen. Manche Räume wirken verfallen, andere als bestünden sie bloß aus Licht.

Alles ist verlassen und menschenleer: Die Atmosphäre des Spiels speist sich aus dem Kontrast zwischen dem quirligen Jungen und einer Kulisse aus monochromem Stein mit einigen bunten Tupfern.

Puzzles und Landschaft verschmelzen

Die mystischen Kulissen integrieren genretypische Aufgaben: Portale öffnen, Emporen erreichen, heranmarschierende Golems umgehen und/oder besiegen - eben Wege aus dem Labyrinth heraus finden und vorankommen. Erstaunlich, auf welch harmonische Art und Weise die Aufgaben in die Umgebung eingebettet sind und wie natürlich sich Lösungswege anfühlen.

Beispielhaft sei kurz eine, etwa drei Stunden nach Spielbeginn einsetzende Situation geschildert: Das Trico liegt erschöpft in einer Arena. Es gibt nur wenige Laufwege aus dieser Arena heraus. Einer endet vor einem mächtigen Stahlgatter, das andere vor einem magisch schimmernden Tor. Beide scheinen fest verschlossen. Wo soll der Ausgang sein?

Erstaunliche Lösungswege

Nach einigen Minuten des erfolglosen Herumirrens und Ausprobierens verschiedener Ausgangspunkte für Kletter- und Sprungversuche meldet sich die Stimme - das erfahrene Alter Ego des Knaben - zu Wort. Sie erzählt erneut aus der eigenen Vergangenheit, nämlich wie er selbst in derselben Situation herumlief und die Umgebung sondierte. Und tatsächlich fällt irgendwann eine winzige Kleinigkeit auf, ein Detail, das mit dem Trico zusammen hängt und zur Lösung führt.

Wir wollen an dieser Stelle nicht zu viel zu verraten und dennoch festhalten: Auf welche außergewöhnliche Art und Weise sich das Trico manchmal als Räuberleiter oder Schutzschild gegen Angriffe anbietet - da kann man nur staunen. Und das Beste: The Last Guardian steckt voller erhebender "Aha-so-wird-das-gemacht"-Momente.

Kein spielerischer Selbstläufer

Allerdings werden Lösungswege nur zu Spielbeginn skizziert und wichtige Objekte hervorgehoben. Mit der Zeit öffnet sich das anfangs so geradlinig strukturierte Spiel. Es drängt einem Lösungen dann nicht mehr proaktiv auf, sondern geizt mit Rat und setzt enorm viel Aufmerksamkeit, Beobachtungs- und Kombinationsgabe voraus. Engagement außerdem. Man muss zu Experimenten bereit sein. Das gilt beispielsweise beim Einsatz eines rätselhaften Spiegelschildes. Es ist relativ früh unter Schutt zu finden ist und lenkt Lichtangriffe des Trico in eine bestimmte Richtung. Warum und wieso, und ob sich damit mehr als nur Barrikaden beiseite räumen lassen – das zu erforschen ist Sache des Spielers.

Ein Spiel voller großer Gefühle

Unterm Strich wirkt The Last Guardian wie aus seiner Zeit gefal-len. Es reiht keine Sensationen im Sekundentakt aneinander, belohnt weder den Sammeltrieb noch Highscorejäger. Das Spiel fokussiert auf Beziehung und Emotion. Tatsächlich fühlt man sich mit dem Trico verbunden. Die Kreatur wirkt beseelt und auf seine Weise intelligent und eigenwillig, wie sie so durch die Natur spaziert, sich unter Brücken hindurch zwängt und Bäume neugierig beschnüffelt. Sie hat ihren eigenen Kopf und reagiert nicht unbedingt auf Zuruf, sondern lässt sich auch schon mal von Schmetterlingen ablenken. Den Wert solcher Momente kann jemand, der von einem Spiel sonst eher an der Hand genommen und durch eine choreographierte Szenenabfolge geführt werden möchte, vielleicht weniger wertschätzen. The Last Guardian ist ein Fall für Genießer, die sich Zeit nehmen und keine ständigen Erfolgserlebnisse erwarten.

Was uns gefällt 

Die Entwicklungsarbeiten an The Last Guardian haben neun Jahre in Anspruch genommen. Das Spiel wirkt handwerklich entsprechend rund. Es kommt ohne Ladepausen aus und verschmilzt erzählerische Momente nahtlos mit Gameplay. Daraus ergibt sich ein wundervoller Spielfluss. Die Spielwelt macht von der ersten bis zur letzten Minute einen faszinierenden und geheimnisvollen Eindruck. Die Kombination aus Künstlicher Intelligenz und Choreographie, die das Trico beseelt, verdient ein Kompliment. Das Fabelwesen wirkt ausgesprochen lebendig, verlässlich und doch auch eigenwillig. Es ist als stünde einem tatsächlich ein Gefährte zur Seite. Die verträumte Begleitmusik und punktgenau gesetzte Soundeffekte unterstreichen den Spielablauf dramaturgisch sehr wirkungsvoll.

Was uns nicht gefällt

Es mag der langen Entwicklungsdauer geschuldet sein, dass eine Handvoll Elemente ein kleines bisschen veraltet wirken. Den wundervollen Landschaftsaufnahmen und großartigen Animationen von Held und Tier stehen einige unscharfe Felsstrukturen und flimmernde Bildkanten gegenüber - selbst auf der PS4 Pro-Konsole, da das Spiel sie nicht gesondert unterstützt. Auch die gelegentlich störrische Steuerung und die nicht immer verlässliche Kameraführung fallen auf. Etwas zu häufig verdecken Objekte den direkten Sichtkontakt zum Helden und erzwingen manuelles Nachführen der Perspektive per rechtem Stick am Controller. Damit muss und kann man leben.

Fazit

The Last Guardian ist eine kreative und handwerkliche Meisterleistung. Die zickige Steuerung, das verträumte Design und die künstlerische Atmosphäre machen die Schöpfung der japanischen Teams von Gen Design und SCE Japan Studio zu einem Erlebnis, das so gar nicht zwischen all die perfekt aufgestylten Call of Duty, Battlefields und anderen Bestseller unserer Zeit passen mag. Man meint eine gewisse nostalgische Aura zu spüren. Ein Spiel für alle, die ein emotional aufgeladenes und ästhetisch anregendes Rätselabenteuer erleben, besondere Momente genießen und erfüllende Fortschritte erarbeiten mögen. 

Infos zum Spiel

Titel: The Last Guardian
Genre: Action-Abenteuer
Hersteller: SCE Japan Studio / Gen Design
Publisher: Sony
Release-Termin: 7. Dezember 2016
Preis: zirka 60 Euro
System: PS4
USK-Freigabe: Ab 12 Jahren
Wertung: Sehr gut

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