Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews >

Aus vollem Herzen losgehüpft

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Test zu Owlboy | Jump'n'Run | PC  

Aus vollem Herzen losgehüpft

15.12.2016, 14:49 Uhr | Manual Fritsch (jr / ams), Medienagentur plassma

Aus vollem Herzen losgehüpft . Owlboy ist von vorne bis hinten ein ebenso spielens- wie liebenswertes Hüpfabenteuer geworden. (Quelle: D-Pad Studio)

Owlboy ist von vorne bis hinten ein so spielens- wie liebenswertes Hüpfabenteuer geworden (Quelle: D-Pad Studio)

Das 2D-Jump’n’Run "Owlboy" vom norwegischen Indie-Entwickler D-Pad Studio war fast zehn Jahre in der Entwicklung. In unserem Test zeigt sich, ob sich die lange Wartezeit auf das PC-Abenteuer des Eulenjungen gelohnt hat.

Überraschungshit auf Steam 

Wir schreiben das Jahr 2007. Während der Rest der Welt "Super Mario Galaxy" auf der Wii und das erste "Mass Effect" auf der Xbox 360 daddelt, beschließen irgendwo in Norwegen fünf Freunde, ein eigenes Spiel zu entwickeln. Lange vor dem Start der neuen Indie-Bewegung mit "Braid" (2008), "Limbo" (2010) und dem Revival der Pixelspiele mit "Fez" (2012) haben Simon Andersen und sein Team die Vision, der Welt zu beweisen, dass 2D-Games noch sehr viel mehr zu bieten haben.

Zeitsprung zum 1. November 2016: Das Quintett hat das Independent Games-Studio D-Pad gegründet und veröffentlicht nach fast zehn Jahren das mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Sidescroller-Abenteuer "Owlboy" für den PC. Auf Valves Downloadplattform Steam katapultiert sich das Pixel-Epos sofort an die Spitze der Charts und wird mit überschwänglichen Nutzerbewertungen gefeiert.

Das Jahr der Eule

Owlboy erzählt die rührende Geschichte des stummen Eulen-Jungen Otus, der mit Hilfe seiner Freunde seine eigenen Schwächen überwindet und nebenbei die Welt rettet. Die klassische Heldenreise wird durch die liebenswerten Charaktere in ein neues und überraschendes (Feder)-Gewand gepackt.

Otus ist zu Beginn alles andere als ein Held, sondern ein eher etwas schusseliger, unscheinbarer Kerl in einem schwebenden Dorf, das von Raumpiraten angegriffen wird. Im Gegensatz zu den meisten Videospielhelden hat Otus aber keine besonderen Fähigkeiten, um etwas gegen die Eindringlinge zu unternehmen. Zwar kann er als Mitglied der in dieser Welt lebenden humanoiden Eulenrasse fliegen, aber das war’s dann auch schon.

Doch zum Glück hat Otus einen hilfsbereiten Freund, der eine Waffe bedienen kann. Dieser ist wiederum auf Otus' Flugfähigkeit angewiesen. Im Doppelpack - oben Otus und in seinen Klauen sein kampfkräftiger Freund Geddy - macht sich das ungleiche Duo auf den Weg, die fiesen Piraten zu erledigen, um ihre Stadt in den Wolken zu retten.

Erkunden und Kämpfen

Spielerisch setzt Owlboy zwei Schwerpunkte: Das Erkunden der Welt und interessante Kämpfe. Anders als bei den meisten Jump’n’Run-Spielen muss der Eulenjunge dank seiner Flugfähigkeit weniger genau auf gut platzierte Sprünge achten, sondern lässt sich per Flügelschlag in alle acht Himmelsrichtungen steuern. Die Herausforderung entsteht durch abwechslungsreiche Feinde und Gegnertypen, auf die man durch geschicktes Ausweichen und Einsetzen der Freundesfähigkeiten reagieren muss.

Neben Geddy, der eine schnell feuernde Pistole besitzt, gesellt sich bereits nach kurzer Zeit ein zweiter Freund dazu. Dieser trägt eine langsam nachladende, aber sehr durchschlagkräftige Schrotflinte bei sich, die während des Nachladevorgangs zusätzlich als Feuerzeug dienen kann, um Dinge in Brand zu setzen. Der dritte Freund im Bunde hat weitere bringt ebenfalls besondere Fähigkeiten in die Helden-Party ein - mehr wird  aus Spannungsgründen an dieser Stelle nicht verraten.

Duo mit zwei Fäusten

Mithilfe eines magischen Eulen-Amuletts lassen sich die Freunde im Schlepptau auf Knopfdruck durchwechseln und der Situation gemäß einsetzen. Die Bedienung ist kein Hexenwerk: Während man Otus mit dem linken Gamepad-Analogstick oder den WASD-Tasten steuert, dient der rechte Stick oder die Maus zum Zielen.

Die Entwickler nutzen diese einfachen Grundmechaniken, um den Spieler immer wieder neue, kreative Ideen und Hindernisse vorzusetzen. Ein typisches Rätsel im Spiel ist zum Beispiel, dass Otus mit dem Schrotflinten-Freund einen bestimmten Gegnertyp in Flammen setzt, dann den Freund loslässt, den brennenden Gegner mit seinem Klauen aufnimmt und gegen eine Wand wirft. Die Explosion lässt daraufhin die Wand zum Einsturz bringen und öffnet den Weg in einen neuen Bereich der Welt.

Abwechslung ist Trumpf

Weitere Beispiele für die schöpferische Vielfalt der Macher gefällig? In dunklen Höhlen isst Otus spezielle Früchte, die eine Lichtaura erzeugen, in einem anderen Gebiet wringt er hingegen Regenwolken mit seinen Klauen aus, um mit steigendem Wasserstand Rätsel zu lösen. Ein anderes Mal versteckt er sich in einem von Wachrobotern überfüllten Bereich im Schatten vor neugierigen Blicken oder flüchtet aus einer einstürzenden Tempelanlage vor einer wild gewordenen Monsterkröte, während seine Freunde im richtigen Moment rufen muss, um unterschiedliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Klasse: Die Welt und Aufgaben von Owlboy sind abwechslungsreich, interessant und immer angenehm fordernd. Das Spiel ist dabei vom Ablauf her relativ linear. Zwar kehren Sie hin und wieder in das bekannte Startgebiet zurück, aber selbst dann sorgt die Geschichte dafür, dass sich dort Dialoge und auch die Grafiksets entsprechend verändern. Für den zweiten Durchgang locken versteckte Münzen in jedem Gebiet. Nur wer ehrgeizig und sehr aufmerksam alle Münzen im ganzen Spiel findet, kann das letzte Objekt im Dorf-Shop kaufen.

Schrullig, liebevoll, märchenhaft 

Auf seiner Reise trifft Otus neben seinen drei neuen Freunden auf etliche weitere liebenswerte Charaktere. Die witzig geschriebenen Dialoge geben den wunderschön animierten Pixelfiguren für ein Jump’n’Run erstaunlich viel Tiefe und Persönlichkeit.

Auch wenn das Spiel überwiegend aus Erkunden und Action besteht, sind es gerade die ruhigen Momente und untypischen Szenen, die in Erinnerung bleiben. Da kann es schon mal passieren, dass sich Otus auf einmal inmitten einer elterlichen Standpauke wiederfindet, als sich einer seiner Freunde von Zuhause verabschieden möchte. Die Designer schaffen es dabei trotz des gewählten Pixel-Grafikstils jederzeit, die ganze Palette an Emotionen in die Gesichter und Körperhaltung der Figuren zu legen.

Die Autoren nehmen dabei ihre Charaktere, die Welt und vor allem auch die Spieler in jedem Moment ernst. Man lacht mit den schrulligen und leicht verschrobenen, aber immer liebenswürdigen Persönlichkeiten und nicht über sie. Das ist eine Qualität, die nicht viele Spiele besitzen und Owlboy so besonders macht.

Die äußerst märchenhafte und verträumte Atmosphäre wird kongenial von der präsenten und prägenden Musikbegleitung unterstützt. Weiche Streicher und sanfte Pianoklänge lösen sich je nach Situation mit bedrohlichem Oboenspiel und treibenden Trommeln ab. Der orchestrale Soundtrack aus der Feder von Jonathan Geer schenkt dem Spiel einige unverkennbare Melodien und Themen, die auf Augenhöhe mit vielen bekannten Nintendo-Melodien aus "The Legend of Zelda" und Co. sind.

Was uns gefällt 

Die fantastische Musik, die handgemachten Animationen und die mit viel Liebe zum Detail umgesetzten Hintergründen, die abwechslungsreichen Kämpfe, die liebevollen Charaktere: Owlboy ist von vorne bis hinten ein so spielens- wie liebenswertes Hüpfabenteuer geworden, dass es schwerfällt zu sagen, was davon besonders beindruckt. Man merkt dem Spiel in jeder Sekunde an, dass die Entwickler sich ganz einfach die nötige Zeit genommen haben, um auch das kleinste Detail so umzusetzen, wie sie es haben wollten.

Was uns nicht gefällt

Mit Maus und Tastatur steuert sich Owlboy prima - die Belegung der Tasten auf dem Gamepad sorgt hingegen ab und an für schmerzende Finger und Frustmomente in hektischen Szenen. Leider lassen sich die Tasten in der PC-Version (noch nicht) auf den eigenen Geschmack anpassen. Großes Ärgernis gegen Ende: In der letzten Stunde des Spiels zieht der Schwierigkeitsgrad unverhältnismäßig stark an. Hoffentlich wird dies nachträglich noch durch einen Patch an den Rest des Spiels angepasst. Das Fehlen von Minimap und Kartenfunktion resultiert ferner das eine oder andere Mal in orientierungslosem Umherirren.

Fazit

Owlboy ist ein "Instant Classic" - ein Titel, der es aus dem Stand heraus schafft, als Meisterwerk zu gelten. Ja, das Spiel ist wirklich so gut, und die Wartezeit hat sich mehr als gelohnt. Die D-Pad Studios haben ein ganz wunderbares, zugängliches 2D-Abenteuer geschaffen, dass nicht nur Retro- und alte Nintendo-Fans in ihr Herz schließen werden. Liebevolle Charaktere in einer märchenhaften und einzigartigen Welt, spannende Rätsel-Dungeons, gut geschriebene Dialoge und eine wohldosierte Mischung aus Action und Puzzle-Einlagen machen Owlboy zu einem der besten Indiespiele des Jahres 2016. 

Infos zum Spiel

Titel: Owlboy
Genre: Jump'n'Run
Hersteller / Publisher: D-Pad Studio
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 25 Euro
System: PC (Konsolen-Version in Planung)
USK-Freigabe: Ab 0 Jahren
Wertung: Sehr gut

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Shopping
Shopping
Kühlende Pflegeprodukte für heiße Sommertage
cool down – der Hitze trotzen mit asambeauty
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews

Anzeige
shopping-portal
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017