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Bauermann: Nowitzki kann nicht in Form sein

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"Wie ein Date mit dem Highschool-Sweatheart"

25.08.2011, 19:00 Uhr | t-online.de

Bauermann: Nowitzki kann nicht in Form sein. Dirk Bauermann wird die deutschen Basketballer in wenigen Tagen bei der EM als Bundestrainer führen. (Foto: imago)

Dirk Bauermann wird die deutschen Basketballer in wenigen Tagen bei der EM als Bundestrainer führen. (Foto: imago)

Das Interview führte Patrick Rutishauser

Dirk Bauermann ist der bekannteste Basketball-Trainer Deutschlands. Seit fast acht Jahren bekleidet er das Amt des Bundestrainers. Zudem ist er beim ehrgeizigen Basketball-Projekt des FC Bayern München als Chefcoach tätig. In wenigen Tagen geht der an der Seitenlinie oft streng aussehende 53-Jährige mit der deutschen Nationalmannschaft in seine vierte EM.

Nach drei Jahren Abstinenz sind mit Dirk Nowitzki und Chris Kaman wieder zwei NBA-Spieler im Team und zum ersten Mal spielt ein NBA-Champion in der deutschen Auswahl. Weil Nowitzki zu den besten Basketball-Spielern des Planeten gehört, steht das Team dieses Mal besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Im Interview mit t-online.de warnt der Bundestrainer vor zu großen Erwartungen, erzählt von ehrfürchtigen Teamkollegen und erklärt, warum es Nowitzki in Europa viel schwerer hat als in der NBA.

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t-online.de: Herr Bauermann, sie hatten nun schon einige Vorbereitungsspiele mit Dirk Nowitzki im Team. Ist durch seinen Titel-Gewinn ein größeres Interesse zu spüren?

Dirk Bauermann: Ja klar, es war alles sehr schnell ausverkauft. Natürlich sind die Fans froh, ihn jetzt hier sehen zu können. Es gibt eine große Begeisterung. Überall sind Jugendliche, die Autogramme von ihm haben wollen - natürlich auch von unserem zweiten NBA-Spieler Chris Kaman und den anderen - aber vor allem von Dirk. Das Interesse ist viel viel größer, sowohl bei den Menschen als auch bei den Medien.

Wie war das, als die Mannschaft und vor allem die jungen Spieler von der Nationalauswahl auf Nowitzki getroffen sind?

Das war für die Jungs wie vor dem ersten Date mit dem "Highschool-Sweetheart" mit 15 oder 16 Jahren. Da war schon eine große Anspannung und Nervosität spürbar, so nach dem Motto: Kennt der meinen Namen überhaupt? Ist der irgendwie distanziert? Ist der freundlich? Wie ist der? Wie wird das alles? Das war schon spürbar.

Dirk kannte natürlich jeden. Der hat seine Hausaufgaben gemacht. Er hat jeden in den Arm genommen. Da war das Eis sehr schnell gebrochen. Das macht Dirk schon alles ganz toll.

Welches Ziel haben sie mit der Mannschaft bei der EM, ist das ganz klar die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London?

Das ist sicher das Ziel. Man muss aber in einem Atemzug sagen, dass wir nicht mehr als eine Außenseiter-Chance haben. Die Vorrunde und dann die Zwischenrunden-Gruppe sind so unglaublich stark, dass man auch ein frühes Ausscheiden als möglich sehen muss. In der kurzen Zeit, die wir als Mannschaft haben, muss schon alles passen, damit wir bei dieser Europameisterschaft überhaupt diese erste Runde überstehen. Denn da wird eine von vier großen Basketball-Nationen Deutschland, Italien, Frankreich und Serbien ausscheiden. Das ist eine saudämliche Auslosung, aber dann auch nicht zu ändern. Es ist, wie es ist. Wir müssen jetzt versuchen, uns so gut vorzubereiten und uns so schnell als Mannschaft finden, dass wir auch in dieser Todesgruppe überstehen können.

Ist es in diesem Jahr besonders wichtig, das Ziel zu erreichen, um den Basketball-Hype zu nutzen?

Wenn es reicht, sind wir glücklich. Wir wollen Deutschland würdig vertreten. Das ist alles, was wir tun können. Alles andere liegt nicht in unserem Ermessen.

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Die Erwartungen an Dirk Nowitzki sind hoch. Aber er hat eine lange Saison hinter sich. Kann er nach einer so kurzen Pause überhaupt wieder die Form der NBA-Finals haben?

Nach menschlichem Ermessen ist das nicht möglich. Natürlich ist Dirk Nowitzki immer Dirk Nowitzki. Er hat immer eine hohe Qualität. Er ist immer zu Besonderem fähig. Aber zu erwarten, dass er nach dieser absoluten Mini-Pause, dieser unglaublichen Belastung der NBA-Saison plus Playoffs nun bei der EM in Litauen eine ähnliche Form haben wird, ist doch eher unrealistisch.

Was für einen Einfluss hat das europäische Spiel auf das Spiel von Nowitzki?

Das macht alles für ihn schwieriger. Das europäische Spiel ist härter, physischer, es wird mehr Körperkontakt erlaubt. Das Spielfeld ist kleiner, die Regeln sind andere. Es gibt zum Beispiel in Europa keine defensive Drei-Sekunden-Regel. In der NBA darf man als Verteidiger nur drei Sekunden in die Zone absinken. In Europa kann man sich da hin stellen, so lange man möchte. Dadurch werden die Räume für Dirk viel enger und er kommt viel weniger an die Freiwurflinie, weil man eben viel physischer den Ballbesitz erspielen darf als in der NBA. Das macht alles schwieriger.

Im Übrigen werden in der NBA Spieler wie Dirk, die diesen Superstar-Status haben, von den Schiedsrichtern geschützt. Das gibt es in Europa nicht. Hier wird es sozusagen basisdemokratisch gehandhabt. Da ist der Superstar genau so viel oder wenig geschützt wie der Rollenspieler. Auch das macht es eher schwieriger für Dirk.

Wie sieht das beim anderen NBA-Star Chris Kaman aus?

Im Prinzip gilt für ihn das gleiche, was für Dirk gilt. Dirk kann innen und außen spielen, Chris ist eher ein Innenspieler. Aber er kann sicher auch mal aus drei Meter Entfernung werfen. Im Bezug auf das europäische Spiel gilt für Chris das gleiche wie für Dirk. Er hat mir bei den Olympischen Spielen 2008 gesagt, dass er das nächste Mal seine alte American-Football-Ausrüstung mitbringt, die er noch von der Highschool im Schrank hat.

Kaman war in der abgelaufenen NBA-Saison lange verletzt. Wie ist seine Form?

Er ist in einer sehr guten Verfassung. Er hat super trainiert, er ist austrainiert und er ist gesund. Ich bin schon sehr zufrieden damit, wie er sich hier präsentiert.

Ist es für Kaman ein Vorteil, dass er mit den Los Angeles Clippers keine Playoffs gespielt hat, weil er nun ausgeruhter in die EM geht als ein Nowitzki, der viel mehr Spiele auf dem Buckel hat und eine wesentlich kürzere Pause hatte?

Für ihn war diese Pause natürlich sehr lang. Genauso wie sie für Dirk viel zu kurz war, war sie für ihn eigentlich zu lang. Er hat sein letztes Spiel irgendwann im April gemacht. Er ist erholt und er ist gut trainiert, keine Frage, aber ihm fehlt natürlich der Spielrhythmus und die Spielpraxis. Die muss er sich jetzt erwerben. Er muss in seinen Rhythmus kommen.

Kaman spricht kein Deutsch. Wie handhaben Sie das mit der Ansprache? Sprechen sie deutsch oder englisch mit dem Team?

Wenn Chris im Spiel ist oder eine Auszeit genommen wurde und er bei den Fünfen ist, die spielen, dann machen wir es auf Englisch. Wenn er nicht spielt und es für ihn nicht wichtig ist, machen wir es auf Deutsch. Alle Mannschaftsbesprechungen machen wir eigentlich auf Englisch, weil das doch blöd ist, wenn da einer sitzt, der nichts versteht. Dann denkt der noch, die reden über mich gerade. In so fern versuchen wir da eine Mischung zu finden, dass er nicht ausgeschlossen ist und dass er bescheid weiß. Aber andererseits sind wir natürlich auch die deutsche Nationalmannschaft. Die Mannschaft bringt Chris auch immer mehr Worte bei, so dass die Kommunikation auf Deutsch und Englisch stattfindet.

Wie kommt Kaman mit den anderen Spielern zurecht?

Er ist unglaublich beliebt in der Mannschaft. Weil er lustig ist, weil er immer gut drauf ist. Das ist so ein "happy-go-lucky" (Unbekümmerter, Sorgloser). Da gibt es überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil, er ist eine echte Bereicherung.

Ist Nowitzkis Mentor Holger Geschwindner auch bei der EM dabei?

Holger ist immer dabei, wenn Dirk dabei ist. Und das ist auch gut so. Er hält sich wie immer total zurück, total im Hintergrund. Er nimmt ihm da auch vieles ab.

Eine Doppelfunktion als Bundes- und Vereinstrainer ist nicht erlaubt. Sind sie nicht auch noch Bayern-Coach?

Im Moment bin ich beim FC Bayern nicht unter Vertrag. Der beginnt erst am 1. Oktober. Dann bin ich nur beim FC Bayern. Es gibt also keine Doppelfunktion.

Bleiben Sie Bundestrainer, wenn die Olympia-Qualifikation erreicht wird oder das Turnier dafür?

Nach der Europameisterschaft wissen wir, ob wir uns direkt, indirekt oder gar nicht für die Olympischen Spiele qualifiziert haben. Danach werden sich alle Beteiligten zusammensetzen und eine Lösung finden.

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