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Basketball-EM 2013: Eugene Jeters Reise in die Ukraine

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Basketball-EM 2013

Wie ein Beatle: Jeters Reise in die Ukraine

12.09.2013, 16:08 Uhr | dpa

Die Schwester von Eugene Jeter ist die berühmte US-Sprinterin Carmelita.

Die Schwester von Eugene Jeter ist die berühmte US-Sprinterin Carmelita. (Quelle: dpa)

Ljubljana (dpa) - Wenn Eugene Jeter knapp 10 000 Kilometer von seiner Heimat entfernt bei der Basketball-EM 2013 ins Team-Hotel fährt, wartet auf den Neu-Ukrainer stets schon eine Nachricht seiner berühmten Schwester.

"Sie schreibt mir nach jedem Spiel", berichtet der Kalifornier stolz über die Begeisterung von Carmelita, 100-Meter-Weltmeisterin und Staffel-Olympiasiegerin. "Sie ist total aufgeregt. Meine ganze Familie steht um halb sechs morgens auf, um meine Auftritte bei der Euro im Internetstream zu sehen."

Dass sich Angehörige in den USA während der EM-Wochen die Nacht um die Ohren schlagen, um Basketball-Partien in Slowenien zu sehen, ist keine Seltenheit: Gleich in elf von 24 Mannschaften ist die Stelle des einen erlaubten eingebürgerten Spielers mit einem gebürtigen Amerikaner besetzt. Manchmal stellen familiäre Bande wie bei Travis Diener, dessen Schwiegereltern italienische Wurzeln haben, die Verbindung her. Meist geschieht die Wahl eher zufällig.

Der 29 Jahre alte Jeter begann seine Profikarriere nach dem College in Kiew, spielte danach für Clubs aus Menorca, Malaga, Jerusalem, Badalona, schaffte zwischenzeitlich für ein Jahr den Sprung zu den Sacramento Kings in die NBA. Vergangene Saison verdiente er sein Geld bei den Shandong Lions in China - Jeter ist Prototyp eines sogenannten Journeyman. "Es ist, als wäre ich auf einer Welttour", beschreibt er seinen Werdegang als Aufbauspieler. "Die Beatles, sie waren überall. Ich gehe auch überall hin."

Alte Verbindungen aus seiner Kiewer Zeit führten ihn vor diesem Sommer in das Team der Ukraine, sein Berater berichtete ihm vom Interesse von Ukraines Verbandspräsident Alexander Wolkow. Als er seine Schwester zu Olympia in London begleitete, war in ihm der Wunsch gereift, auch einmal für ein Nationalteam aufzulaufen. Zudem lockt eine Steigerung des eigenen Werts auf dem Europa-Markt.

Das Experiment mit Jeters ebenfalls eingebürgertem Landsmann Stiven Berrt, der nach Medienberichten bis zu 20 000 US-Dollar pro Monat für das Engagement erhalten haben soll, war in der Ukraine zuvor beendet worden. "Wir hatten einige Probleme mit früheren naturalisierten Spielern", berichtet NBA-Center Wjatscheslaw Krawzow. "Pooh" - so Jeters Spitzname - sei aber eine "große Hilfe".

Im Training gibt Jeter lautstark auf Englisch den Ton an, zeigt immer wieder ein ansteckende Lachen unter seinem dichten schwarzen Bart. Mit einem ähnlich schnellen Antritt wie Schwester Carmelita erzielte er gegen Belgien den entscheidenden Korb und führte den Gastgeber der kommenden EM 2015 mit einem Sieg über Deutschland erstmals in die EM-Zwischenrunde, wo auch nach der 51:85- Auftaktabfuhr gegen Lettland das Viertelfinale noch möglich ist.

"Pooh ist eine herausragende Persönlichkeit. Er macht die Teamchemie besser", lobt Ukraines US-Coach Mike Fratello und beschreibt das Vabanquespiel, vor dem Turnier einen Spieler aus einem anderen Land zu integrieren. "Es ist wichtig, die richtige Person auszuwählen, dass er versteht, was er repräsentiert - den Stolz eines Landes. Viele tendieren dazu, sich zurückzuziehen. Aber Pooh kennt die Leute, er geht auch außerhalb des Felds unter Leute."

Die Sprache ist für Jeter keine große Hürde. "Ich war in China, ich war überall, ich habe gelernt, mich mit jedem irgendwie zu unterhalten", sagt er. Einzig sein offizieller Name Eugene erscheint ihm immer noch ungewöhnlich. Aber Spitznamen sind im internationalen Basketball eben nicht erlaubt. "Pooh heiße ich seit meiner Schulzeit", erinnert er. "Eugene nur, wenn es Ärger gab."

12.09.2013, 16:08 Uhr | dpa

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