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Marko Pesic im Interview: "Jetzt kommt sogar Rummenigge"

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Bayern-Manager im Interview  

Pesic: "Jetzt kommt sogar Rummenigge"

08.05.2014, 09:51 Uhr | t-online.de

Marko Pesic im Interview: "Jetzt kommt sogar Rummenigge". Manager Marko Pesic (li.) mit seinem Vater und Bayern-Trainer Svetislav.  (Quelle: imago/Jan Huebner)

Manager Marko Pesic (li.) mit seinem Vater und Bayern-Trainer Svetislav. (Quelle: Jan Huebner/imago)

Marko Pesic ist einer der Macher beim FC Bayern Basketball. Der ehemalige Nationalspieler ist als Manager und mittlerweile auch Geschäftsführer mitverantwortlich für den kometenhaften Aufstieg der Münchner.

Im Interview mit T-Online.de spricht er über die Vorwürfe des Zusammenkaufens der Mannschaft, den Weg in die europäische Spitze und über den FC Bayern nach Uli Hoeneß.

T-Online.de: Herr Pesic, die reguläre Saison ist beendet, Sie haben mit dem FC Bayern erstmals den Spitzenplatz vor Meister Bamberg und treffen nun auf Ludwigsburg. Mit welchem Gefühl gehen Sie in die Playoffs?

Marko Pesic: Die Ausgangslage ist zunächst einmal sehr positiv. Wir haben bis zum Schluss 100 Prozent Vollgas gegeben. Wenn man die ganze Saison ganz oben ist, will man sich natürlich auch mit dem ersten Platz belohnen.

Der nationale Pokal ist nach dem Aus gegen Ulm abgehakt, die Euroleague mit dem Ausscheiden in den Top 16 ebenfalls. Sind Sie irgendwie auch froh, dass sie sich nun auf einen Wettbewerb konzentrieren können?

In den letzten zwei Wochen war es ein sehr seltsames Gefühl. Wir saßen Mittwoch und Donnerstag in der Geschäftsstelle - und hatten plötzlich kein Spiel mehr vorzubereiten. Aber die Euroleague-Saison war aus verschiedenen Aspekten dennoch sehr erfolgreich. Es war unglaublich wichtig, dass wir als Mannschaft diese Erfahrung auf höchstem Niveau sammeln konnten. Es war ja nicht so, dass wir da einfach noch sieben Spiele zu Ende gespielt haben, bis auf das letzte Spiel in Krasnodar ging es in jedem Spiel um etwas.

Der FC Bayern hat aus Sicht vieler Beobachter eine fantastische Saison in der Euroleague gespielt, die nach der NBA als zweitbeste Liga der Welt gilt. Letztlich sind Sie nur knapp gescheitert, es fehlten nur zwei Siege am Ende, um in die nächste Runde einzuziehen. Was nehmen Sie mit?

Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir bis zum Schluss Chancen auf die Top acht in der Euroleague haben, hätte ich ihn für verrückt gehalten. Dieser Wettbewerb ist in der Spitze unfassbar gut besetzt, viel besser geht es nicht. Das sind Vereine vertreten, die schon ewig ganz vorne mitmischen. Wir waren als einziger Klub mit Wildcard noch so lange dabei. Das macht uns stolz. Mit ein paar Wochen Abstand kann ich jetzt schon sagen: Das war ein tolles Ergebnis, das uns stolz macht.

Was man ohnehin schon wusste, hat sich jedoch bestätigt: Der Rückstand auf die europäischen Spitzenklubs ist noch groß. Wie haben Sie diesen Unterschied wahrgenommen? Als riesige Kluft? Oder als kleinen Graben, den man bald überspringt?

Das kann man so nicht direkt beantworten. auf einen Nenner bringen. Man konnte definitiv Parallelen zu unserer ersten Bundesliga-Saison erkennen: Knappe Spiele zu gewinnen war für uns ein Problem ebenso wie Auswärtsspiele generell. Uns hat in manchen Situationen die Basketball-Intelligenz gefehlt, und das hat vor allem mit Erfahrung zu tun. Wir haben in verschiedenen Situationen nicht die richtigen Entscheidungen getroffen. Aber wir sind an diesen Erfahrungen gewachsen und haben unsere Konsequenzen gezogen.

Kann man diesen Rückstand auf absehbare Zeit aufholen?

Die Erfahrung an sich hilft uns sicherlich enorm weiter. Aber es ist auch klar, dass wir uns weiter verbessern müssen, was den Kader angeht. Wir werden uns deshalb nach der Saison zusammensetzen und schauen, in welchen Bereichen und Positionen wir noch Verbesserungspotential haben.

Aber ist es überhaupt möglich, einen europäischen Topstar zum FC Bayern zu lotsen?

Das hoffe ich doch sehr. In der Euroleague konnten wir in diesem Jahr zeigen, dass bei uns etwas Großes wächst. Nicht nur Journalisten und Fans haben gesehen, dass bei uns sehr gut gearbeitet wird und dass das Umfeld stimmt, sondern eben auch die Top-Spieler in ganz Europa. Wir sind mittlerweile auch für Spieler attraktiv, die vorher nicht daran gedacht hätten, zu uns zu kommen.

Wäre das Geld für eine solche Top-Verpflichtung überhaupt da?

Geld ist nicht alles. Es schafft  gewisse Voraussetzungen,  aber da können wir nach wie vor nicht mit allen mithalten. Daher müssen wir gut scouten und versuchen, die Spieler mit anderen Argumenten zu überzeugen. Im Übrigen versuchen wir, nicht unbedingt fertige Spieler, sondern vor allem jüngere Profis mit Entwicklungspotential zu bekommen.

Sie setzen also auf ein gutes Image statt auf das große Geld.

Selbstverständlich müssen wir auch das Budget vergrößern. Es geht darum, einen Mittelweg zu finden zwischen Identität und Wachstum. Es ist gerade auch für die Fans wichtig, dass da nicht jedes Jahr eine komplett neue Mannschaft auf dem Feld steht. Aber punktuell müssen wir uns mit qualitativ hochwertigen Spielern verstärken.

Der FC Bayern polarisiert nicht nur im Fußball, sondern auch im Basketball. Der Aufstieg in die Spitzenriege des deutschen Basketballs verlief nicht ganz geräuschlos. Wie würden sie Ihr Verhältnis zu Ihren BBL-Kollegen beschreiben?

Ich habe mit niemandem ein Problem Natürlich arbeitet man mit manchen Vereinen enger zusammen und mit anderen weniger. Es ist definitiv nicht so, dass wir so tun, als ob wir die einzigen in der Liga seien, die gute Arbeit machten. Wir sind dabei, unseren Platz im deutschen Basketball zu suchen und sind auf einem guten Weg.

Vor allem aus Berlin gab es immer wieder Kritik. Wie gehen Sie damit um?

Ich verspüre überhaupt keine Rivalität zu ALBA Berlin. Ich habe noch nie etwas Negatives über den Klub gesagt, das kann jeder bestätigen. Ich bin im diesem Verein groß geworden, habe zehn Titel dort gewonnen und verspüre noch eine große emotionale Verbindung zu diesem Verein. Ich kann daher sehr gut zwischen dem Klub und den dort handelnden Personen unterscheiden.

Diese handelnden Personen haben dem FC Bayern vorgeworfen, immer wieder Spieler abzuwerben.

Es wird versucht, uns in irgendeine Ecke zu stellen mit dem Klischee, dass für manche offenbar zum typischen Bild vom FC Bayern gehört. Das werde ich nicht zulassen und dagegen wehren wir uns. Aber das hat überhaupt nichts mit dem Verein ALBA Berlin zu tun.

Der ehemalige Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß, war bis zu seinem Rücktritt ein großer Förderer der Basketball-Abteilung. Hat sich seitdem etwas verändert?

Ich bin nun schon seit 2011 im Verein. Seitdem hat unsere Verantwortung hier stetig zugenommen. Das hat zunächst einmal nichts mit Herrn Hoeneß zu tun. Er hat aber gesehen, dass hier in der Geschäftsstelle tüchtige Menschen arbeiten. Deshalb hat er schon vor einem Jahr Maßnahmen ergriffen und mehr Verantwortung an andere Personen abgegeben, nicht zuletzt an seinen damaligen Stellvertreter im Präsidium, Rudolf Schels. Natürlich ist die Basketball-Abteilung beim FC Bayern das Baby von Herrn Hoeneß und er war immer mit vollem Herzen dabei. Umso mehr verspüren wir die Verpflichtung, noch mehr zu geben und seinen Weg fortzuführen.

Spüren Sie auch jetzt von anderen Stellen Rückhalt, oder ist das Basketball-Projekt beim FC Bayern Basketball ohne den Förderer Hoeneß in Gefahr?

Nein. In schweren Zeiten rückt der Verein noch enger zusammen. Beim Spiel gegen Maccabi Tel Aviv waren das gesamte Präsidium und der Vorstand beim Spiel. Zum ersten Mal war auch unser Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge da. Auch das ist für uns ein klares Zeichen, dass der Verein hinter uns steht. Ich glaube übrigens, dass der gesamte Verein sieht, dass der Basketball der Marke FC Bayern sehr gut steht. Es steht für mich daher außer Frage, dass es hier mit dem Basketball langfristig weitergeht.

Sie hatten vor kurzem Besuch von einer Delegation des NBA-Klubs Oklahoma City Thunder. Wie kam es dazu?

Das Team der Thunder ist erst seit 2008 in Oklahoma, und der Klub musste fast bei Null anfangen – in gewisser Hinsicht also eine ähnliche Situation wie bei uns. Was dort seitdem geleistet wurde, ist wirklich außergewöhnlich. Nicht nur die Entwicklung der Marke, sondern auch die der Mannschaft ist bemerkenswert. Da gibt es schon gewisse Parallelen. Deshalb haben wir uns in München getroffen.

Die Thunder besitzen die NBA-Rechte am deutschen Nationalspieler Tibor Pleiß, der derzeit für das spanische Team Laboral Kutxa spielt. War er ein Thema bei Ihren Gesprächen?

Ich kenne Tibor sehr gut. Er spielt in Spanien wirklich eine fantastische Saison und zeigt, was für ein Ausnahmespieler er ist. Aber wir haben nicht über ihn gesprochen. Er ist momentan kein Thema für den FC Bayern.

Der Vertrag des Trainers - Ihres Vaters Svetislav - endet nächstes Jahr. Stehen Ihnen bald zähe Verhandlungen ins Haus?

Momentan gibt es noch gar keinen Handlungsbedarf. Er hat ja noch länger als ein Jahr Vertrag. Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir uns zusammensetzen und gemeinsam beraten, wie es weitergeht. Im Moment sieht alles sehr gut aus, aber die Frage ist auch: Will er weitermachen? Aber da haben wir jetzt keinen Zeitdruck.

Sie selbst sind noch bis 2017 beim FC Bayern gebunden. Wie sehen ihre mittelfristigen Pläne mit dem FCB?

Mein Ziel ist es, dass bis dahin jedes Spiel im Audi Dome ausverkauft ist. Denn wenn der Run auf die Tickets so groß ist wie beim Fußball, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass wir sportlichen Erfolg haben.

Eine gute Liga besteht aber nicht nur aus einem Spitzenteam. Wie können die anderen Teams von einem starken FC Bayern profitieren?

Das müssen letztendlich die Verantwortlichen der anderen Klubs beantworten. Auf jeden Fall ist seit zwei Jahren nahezu jedes unserer Auswärtsspiele ausverkauft. Manche Vereine ziehen für das Spiel sogar in eine größere Halle um. Insofern profitiert die Liga auf sehr direkte Weise von uns.

Das Interview führte Björn Wannhoff

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