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ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi: "Bei diesen Spielchen machen wir nicht mit"

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Der ALBA-Macher im Interview  

Baldi: "Bei diesen Spielchen machen wir nicht mit"

15.12.2014, 06:03 Uhr | t-online.de

ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi: "Bei diesen Spielchen machen wir nicht mit". Marco Baldi leitet seit über 20 Jahren als Geschäftsführer die Geschicke von ALBA Berlin. (Quelle: imago/Camera 4)

Marco Baldi leitet seit über 20 Jahren als Geschäftsführer die Geschicke von ALBA Berlin. (Quelle: Camera 4/imago)

Das Interview führte Björn Wannhoff

Der Erfolg in Europa bringt nur Spaß, sondern auch Stress mit sich. Alleine nach Limoges waren die Basketballer von ALBA Berlin "fast einen ganzen Tag mit dem Bus unterwegs", erklärt Marco Baldi, Geschäftsführer des Vereins. Der Trip in die Mitte Frankreichs hat sich aber gelohnt - der Bundesliga-Tabellenführer besiegt Limoges und zieht in der Euroleague vorzeitig in die Runde der besten 16 ein. Das lässt den ALBA-Macher kurz durchatmen, bevor es am Montag in Tübingen wieder um Punkte in der Bundesliga ging.

Im Gespräch mit t-online.de erklärt Baldi, wie es die Berliner schaffen wollen, mit dem FC Bayern mitzuhalten, die Parallelen zu Borussia Dortmund und warum mit ALBA immer zu rechnen ist.

Glückwunsch Herr Baldi, sie stehen unter den Top 16 in Europa. Ein großer Erfolg für ALBA Berlin?

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Natürlich. Wie schwer das ist, sehen wir am FC Bayern, der mit aller Macht ins Top 16 wollte und gescheitert ist. Das Erreichen der Top 16 in der Euroleague ist ein großer Erfolg.

Wie weit ist es noch zur europäischen Spitze für ALBA?

Qualitativ sind Mannschaften wie Moskau klar besser besetzt. Nicht, dass unsere Spieler viel schlechter wären. Aber die großen Klubs haben so viele etablierte und abgebrühte Spieler, während unser Kader noch sehr unerfahren ist. Das ist der größte Unterschied.

Um solche Spieler bieten sie erst gar nicht mit.

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Richtig. Das geht mit unseren finanziellen Möglichkeiten gar nicht anders. Ich sage das überhaupt nicht weinerlich. 

Können sie überhaupt weiter wachsen? Oder werden ihnen dann die besseren Spieler doch wieder weggekauft?

Das ist ein ganz normaler Prozess im Sport. Der eine oder andere wird sich in den Vordergrund spielen und Begehrlichkeiten wecken. Vielleicht kommen dann Angebote, bei denen wir nicht mitziehen können. Darüber darf man in unserem Geschäft nicht weinen, sondern muss Optionen aufbauen.

Auch in der BBL läuft es fantastisch, sie haben bisher alle zwölf Spiele gewonnen. Sind sie selbst ein wenig überrascht?

Ja, das kann man so sagen. Nach unseren Verletzungsproblemen haben wir mit Marco Banic und Alex Renfroe noch zwei Spieler dazu geholt, die uns extrem gut tun. Dass das Team so schnell zusammengewachsen ist, ist natürlich grandios, war aber nicht unbedingt zu erwarten. Im Moment gehen wir mit Rückenwind und Selbstvertrauen in die Spiele.

Geben sie jetzt die Meisterschaft als Ziel aus?

Es bleibt dabei, dass wir unter die ersten Vier kommen wollen. Das muss unser Anspruch sein bei unseren Bedingungen. Dann sehen wir weiter.

Insgesamt entwickelt Sie die Liga sehr positiv momentan. Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Vertrag mit Telekom Entertain?

Erstens bedeutet es, dass ich zuhause noch mehr Druck bekomme, weil ich jetzt nur noch Basketball schaue (lacht). Aber im Ernst: Dafür, in welch kurzer Zeit das Projekt auf die Beine gestellt wurde, ist es ein großartiges Produkt. Alle Spiele in HD plus die Highlights, das ist fantastisch. Diese mediale Präsenz kann einen großen Schritt für Basketball in Deutschland bedeuten. 

Wie sehen denn die nächsten Schritte aus?

Es gibt in Deutschland rund drei Millionen Hardcore-Fans, die wir nicht mehr überzeugen müssen. Darüber hinaus haben wir an die 15 Millionen Menschen, die sich zwar für Sport und im Speziellen Basketball interessieren, sich aber nicht unbedingt in eine Sporthalle verirren. Ich sehe eine große Chance, wenn wir die Kräfte mit der Telekom bündeln, viele dieser Menschen für uns zu begeistern.

Im Vergleich zu anderen in der Liga sind sie finanziell hinten dran. Planen sie, ihr Budget bald aufzustocken?

Der FC Bayern und auch Bamberg sind uns voraus, das ist richtig. Wir stehen in etwa auf einer Stufe mit Oldenburg. Wir müssen uns in finanzieller Hinsicht weiterentwickeln, aber wir sind auch zufrieden mit dem, was wir in diesem Jahr erwirtschaften. Wir haben eine Halle mit 14.500 Zuschauern, die will auch gefüllt werden. In Berlin gibt es auch noch ein paar andere Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Eben deshalb ist Identifikation sehr wichtig, und daran arbeiten wir intensiv. Was andere in teure Spieler stecken, investieren wir unser Umfeld. Aber das muss jeder tun, wie er es für richtig hält. 

Also gibt es mit ihnen keine Wettbieten um die Spieler, wenn es gegen Bayern geht?

Davon haben wir uns vor zwei Jahren verabschiedet. Damals ist die Karawane schon einmal von Berlin nach München gezogen (Der FC Bayern verpflichtete vier Spieler von ALBA im Sommer 2013, Anm. d. Redaktion). Bei diesen Spielchen machen wir nicht mit. Bei uns muss die schwarze Null stehen, finanziell solides Arbeiten hat bei uns oberste Priorität. Uns soll es auch noch in 100 Jahren geben.

Klingt zunächst einmal nicht sehr aufregend.

Es gibt immer Leute, die sagen: Warum steckt ihr euer Geld nicht in ein, zwei absolute Topstars, dann könnt ihr euch besser vermarkten? Wir haben uns aber für einen anderen Weg entschieden, und den gehen wir mit Überzeugung und Konsequenz. Wir bauen die Stars selbst.

Das kört sich sehr konservativ an.

Ist es aber nicht. Wir stecken das Geld, das wir erwirtschaften, nur in vielerlei Projekte.

In welche Projekte?

Das sind vor allem zwei Säulen. Zum einen setzen wir auf die Jugendarbeit hier in Berlin und in Brandenburg. Wir popularisieren Basketball hier in der Stadt und im Umland. Zum anderen gehen wir den Weg der Internationalisierung und sind seit  fünf Jahren auf dem chinesischen Markt aktiv. Dort ist Basketball wahnsinnig beliebt, und zudem ist das wirtschaftlich eine sehr dynamische Region. Wir haben mit der ZhongDe Metal Group mittlerweile einen chinesischen Trikotsponsor, ein erster großer Erfolg. Konservativ sind wir nur im kaufmännischen Sinne, aber das waren wir schon immer.

Allein aufgrund der finanziellen Situation nimmt der FC Bayern so langsam die Position ein, die er auch im Fußball inne hat. Wollen Sie das Borussia Dortmund des Basketballs sein?

Wir wollen ALBA sein und sind das auch. In den 1990er Jahren hieß es einmal, wir wären der FC Bayern des Basketball. Jetzt haben sie Gott sei Dank ihre eigene Basketball-Abteilung. Vielleicht gibt es das in Dortmund auch einmal. Aber natürlich sehe ich Parallelen zwischen uns und dem BVB.

Inwiefern?

Wenn ich wie bei uns ZSKA Moskau oder im Fußball der FC Bayern bin, jage ich immer die dicksten Fische im See und kann alle anderen toppen. Wir haben, ähnlich wie Borussia Dortmund, eine andere Haltung, müssen kreativer sein. Aber letztlich haben wir als ALBA Berlin unsere eigene Identität, und das ist auch gut so.

ALBA Berlin hat am vergangenen Wochenende 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Sind Sie stolz auf das vergangene Vierteljahrhundert?

Auf die Gefahr hin, dass es unbescheiden klingt: Wenn man auf die letzten 25 Jahre zurückblickt, wird man keinen Verein finden, der den deutschen Basketball so geprägt  hat, wie ALBA. Zum einen als Verein, zum anderen auch, weil wir uns auch immer für die Gesamt-Entwicklung des deutschen Basketballs interessiert haben. 

Woran machen sie das fest?

Wir sind in den 1990er Jahren sieben Mal in Folge Meister geworden. Wenn der Finalgegner in T-Shirts in die Halle kommt mit dem Aufdruck "Deutscher Vizemeister", dann kann das nicht gut sein für einen Sport. Wir sind uns ganz klar bewusst: Wir können langfristig nur so stark wachsen, wie der gesamte Basketball in Deutschland. Deshalb leisten wir auch Beiträge für das große Ganze.

Wir das von den anderen Vereinen auch so wahrgenommen?

Ich denke schon, dass die anderen wissen: Wir sind immer da. Auch wenn wir eine schwächere Phase haben, muss man mit uns immer rechnen.

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