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Sultan Ibragimow: Vom Hirtenjungen zum Weltmeister

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Porträt  

Ibragimow: Vom Hirtenjungen zum Weltmeister

19.10.2010, 19:52 Uhr | sid

Sultan Ibragimow (Foto: T-Online)Sultan Ibragimow (Foto: T-Online) Die Unterschiede zwischen den Box-Weltmeistern Wladimir Klitschko und Sultan Ibragimow könnten nicht größer sein. Auf der einen Seite der Zweimeter-Hüne Klitschko aus der Ukraine, Modellathlet, Frauenschwarm, eloquent und durch seinen Beruf zum Multimillionär geworden. Auf der anderen Seite Ibragimow, einen Kopf kleiner, unscheinbar und vergleichsweise arm. Der Russe wirkt in der Glitzerwelt des Profiboxens wie ein Fremdkörper.

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Ibragimow wirkt bodenständig

Seinen Arbeitsplatz USA bezeichnet der WBO-Weltmeister, der in der Nacht zum kommenden Sonntag IBF-Champion Klitschko im Madison Square Garden in New York die erste Titelvereinigung im Schwergewicht seit 1999 bestreitet, auch als "nötiges Übel". Das Hardrock Cafe am Times Square, wo sich beide Kontrahenten den Fans und Medien im Public Workout präsentierten, und die Hektik im Big Apple passen so gar nicht zum 32-jährigen Ibragimow. Er wirkt bodenständig und ist, wie im übrigen auch Wladimir Klitschko, stets freundlich zu jedem, der ihn um Autogramme oder ein Foto bittet.

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Bei einer Tante aufgewachsen

Während Wladimir Klitschko, in Kasachstan geboren und als Sohn eines Luftwaffenoffiziers der ehemaligen Sowjetunion in der ukrainischen Hauptstadt Kiew aufgewachsen, mittlerweile Weltbürger mit Hauptwohnsitz in Hamburg ist, blieb Ibragimow seiner Herkunft immer treu.1975 kam Sultan Ibragimow zur Welt. Seine Mutter hat er nie kennengelernt, sie starb bei der Geburt. Sein Vater gab den kleinen Sultan im Alter von drei Jahren zu einer Tante, der Vater gründete eine neue Familie. Ibragimow wuchs in Tlyarata, einem kleinen Bergdorf in der Kaukasus-Republik Dagestan auf. Der Ort war schwer zugänglich, am besten mit dem Hubschrauber oder im ungünstigsten Fall über schmale Bergstraßen mit dem Auto zu erreichen.

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Vom Schafhirten auf den WM-Thron

Elektrisches Licht bekamen die Einwohner erst im Jahr 1978. Die Kinder durften nachts nie ohne Aufsicht eines Erwachsenen draußen spielen - aus Angst vor Wölfen. Nur zweimal landete in Tlyarala übrigens ein Hubschrauber, 1978, als der georgische Präsident zu Besuch war, und als Ibragimow nach dem Gewinn der WM-Krone zurück in die Heimat flog. Als die neugierigen Bewohner zum Hubschrauber strömten, um zu sehen, welch toller Mensch dort zu Besuch kommt, waren einige enttäuscht. Es war der Junge, der früher in den Bergen Schafe gehütet hat.

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Kein Ringer sondern Boxer

Von dieser archaischen Welt verabschiedet sich Sultan Ibragimow im Alter von 16 Jahren und zog in die rund 350 Kilometer entfernte Stadt Rostow, um zu ringen. Doch er musste feststellen, dass die Trainingsorte mit den besten Ringer-Trainern nicht mehr existierten. Also entschloss er sich, Boxer zu werden. Die Entscheidung war richtig, obwohl Ibragimow erst auf Umwegen zu Erfolgen kam. Der frühere russische Amateurcoach Nikolai Chromow setzte den 1,88 Meter großen und 101 Kilogramm schweren Novizen zunächst nur als Sparringspartner ein, weil er zäh und unnachgiebig war und viel schlug. "Ich habe nie gedacht, dass ich ein guter Boxer bin. Ich wollte einfach nur in Form bleiben. Doch nach sechs Monaten schickte mich der Coach zu den Stadtmeisterschaften und ich gewann", sagt Ibragimow, der in der für Osteuropäer nicht unüblichen Rechtsauslage boxt.

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Olympiasilber in Sydney

Trainer Chromow machte als eine der herausragenden Qualitäten Ibragimows dessen "Kaltblütigkeit" aus. Die Krönung seiner Amateurkarriere folgte 2000 bei den Spielen in Sydney, wo er sich im Finale des Schwergewichts nur dem kubanischen Superboxer Felix Savon geschlagen geben musste. Dabei ereilte Ibragimow kurz vor der Abreise nach Australien ein schwerer Schicksalsschlag, einer seiner Brüder kam bei einem Autounfall ums Leben. Vielleicht auch wegen dieser Erfahrungen lebt Ibragimow weiterhin in der Heimat und pflegt die Nähe zur Familie. Wie auch Wladimir Klitschko seinen Bruder Vitali in der Ecke hat, steht Ibragimow Bruder Ramasan zur Seite.



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