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Blutiges Ende von Arslans kurzer Regentschaft

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WBA-WM im Cruisergewicht  

Blutiges Ende von Arslans kurzer Regentschaft

17.02.2010, 14:50 Uhr | t-online.de, dpa, sid

Ex-WBA-Weltmeister Firat Arslan kassiert Guillermo Jones' Rechte (Foto: Reuters)Ex-WBA-Weltmeister Firat Arslan kassiert Guillermo Jones' Rechte (Foto: Reuters) Seinen 38. Geburtstag begann Firat Arslan als sichtlich ramponierter Ex-Weltmeister der WBA - im Krankenhaus. In einem höchst intensiven und blutigen Fight mit dem Panamaer Guillermo Jones verlor der Modellathlet in Hamburg-Altona nach zehn Monaten seinen WM-Gürtel durch technischen K.o. nach 2:33 Minuten der zehnten Runde.

"Es war ein genialer Kampf", befand Arslans Freund und "Bruder" Luan Krasniqi. Der wie Arslan in Schwaben beheimatete Schwergewichtler musste stellvertretend für den übel gezeichneten Sohn türkischer Eltern ans ZDF-Mikrofon. Arslans verletzte Lippe machte Sprechen unmöglich und wurde in der Kabine versorgt.

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Von Beginn an marschiert

Im Ring schrie Jones in diesen historischen Momenten seine unbändige Freude heraus. Sein Trainer Colins Morgan hatte es gewusst: "In Europa kannst du nicht nach Punkten gewinnen." Also tat sein 1,93 Meter großer Schützling vom ersten Gong an alles, seinen dritten WM-Kampf einer vorzeitigen und eindeutigen Entscheidung zuzuführen.

Früh fließt Blut

Pausenlos feuerte der elf Zentimeter größere, aber nur 600 Gramm schwerere Linksausleger seine Körpertreffer und Aufwärtshaken in Richtung Doppeldeckung Arslans. Zwei Runden lang konterte der Titelverteidiger praktisch nicht. Und als Arslan ab Runde drei begann, mitzuschlagen, blutete er bereits aus der Nase.

Keine Schwäche in Jones" Physis

Den Gefallen, seinem unglaublichen Tempo Tribut zu zollen und ab Runde vier, fünf nachzulassen, tat Jones dem Lager des Weltmeisters zudem nicht. "Damit hatte bei uns keiner gerechnet", gab Krasniqi anschließend voller Bewunderung zu, die physische Leistungsfähigkeit des späteren Siegers unterschätzt zu haben. Davon, dass sich der frühere Schwergewichtler Jones noch tags zuvor ins Cruisergewichtslimit von genau 90,7 Kilogramm hatte herunterschwitzen müssen, war nichts zu sehen. Keinerlei Substanzverlust setzte ein. Dafür aber von Runde zu Runde mehr Zweifel an Arslans Sieg im Rahmen seiner zweiten Titelverteidigung.

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Immer wieder der Gang zum Ringarzt

Insgesamt vier Mal konsultierte der besonnene Ringrichter Luis Pabon aus Puerto Rico Ringarzt Dr. Christoph Goetz. Es ging um die Kontrolle der Arslan zur Kampfmitte aufgeplatzten Lippe, die Jones als willkommenes Ziel nutzte. Die Folge: Arslans mächtiger Körper war stets nur kurz nach der Säuberung und Versorgung in den Kampfpausen "sauber" vom Blut. Ansonsten gab der willensstarke Mann aus dem Ort Süßen das Bild eines Box-Gladiators ab, der gerade seine schwerste Schlacht besteht. Vielmehr bestehen will...

Gott an der Seite des Siegers

Jones aber stand mit Gott im Bunde, dem er gleich nach Pabons ultimativem Eingriff in das nunmehr ungleiche Gefecht per Kniefall und Bekreuzigung für seine Unterstützung dankte. Der Allmächtige alleine habe ihm die Kraft verliehen, die die Arslans zur Verblüffung aller 6.100 Anwesenden überstieg. Vor Beginn der Auseinandersetzung schien dies schier unmöglich zu sein.

Immer wieder gefährliche Aufwärtshaken

Doch Arslan fehlte nicht nur die Schlagfrequenz Jones", der sich nur ganz wenige Pausen nehmen musste, sondern vor allem die notwendige Schlagkraft, um den farbigen Widersacher entscheidend zu erschüttern. "Man hat gesehen", so Krasniqi, "dass sie Firat sehr gut studiert hatten." Variabel und konsequent zugleich setzte Jones seine Treffer - meist per Aufwärtshaken, um die Doppeldeckung Arslans von unten zu knacken.

Lippenbekenntnis

Nur in der sechsten Runde schien Arslan für einen Moment die Oberhand zu gewinnen, keimte Hoffnung im Rund der Halle auf. Doch auch behindert durch die Verletzung, die laut Dr. Goetz deutlich schlimmer aussah als sie war, brachte sich das immerzu mutig marschierende Kraftpaket aus Süßen nicht in eine überlegene Position. "Die Verletzung begann als Riss der Schleimhaut", erklärte Dr. Goetz nach Kampfschluss im ZDF den Grund der dick geschwollenen Unterlippe Arslans. Dieser Riss habe sich ins so genannte Lippenrot nach vorne fortgesetzt. Und da diese Region bestens durchblutet sei, habe das Ergebnis schlimmer ausgesehen als es war.

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Gleich ins Krankenhaus

Ins Krankenhaus kam Arslan, dessen mentaler Schmerz über die vierte Niederlage im 34. Kampf den körperlichen sicher überstieg, um für seine zu nähende Lippe ein kosmetisch einwandfreies Ergebnis zu erzielen - und zum Gesamtcheck. Viel Balsam für die Seele gab"s noch in der Halle: "Einen Freund wie Arslan zu haben, ist ein Gottesgeschenk", sagte Krasniqi. Weil Arslan so eine Seele von Mensch sei, aus der er seine Kraft beziehe, sei er auch Weltmeister geworden. Am 24. November 2007 gegen Altstar Virgil Hill aus den USA. Geschichte. Der 36-Jährige Jones feierte den 36. Sieg in seinem 41. Fight und musste Arslan doch nicht zu C&A begleiten, um zu einem Gürtel zu kommen...

Durchgeboxt

Arslan war der unwahrscheinlichste deutsche Weltmeister überhaupt. Ein Boxer, an dessen Fähigkeiten kein Promoter geglaubt hat. Ein Kämpfer, der sich als Selfmade-Mann nach vorne gearbeitet hat. Mit ungeheurer Disziplin, großer Physis und Härte machte er seinen Weg. Nacheinander bezwang er Stallgefährten wie Alexander Petkovic und Grigory Drozd, die eigentlich für WM-Kämpfe vorgesehen waren. Und plötzlich war Arslan im November 2007 Champion.

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Silaghi ersetzt kurzfristig Timm

Gegen den glänzend eingestellten und vorbereiteten Pflichtherausforderer aber reichte es nun nicht mehr. "Wir haben auf Defensive trainiert, er musste eine geschlossene Deckung haben", sagte Trainer Valentin Silaghi, "aber Jones war schneller als wir gedacht haben und hat immer mit seinen Aufwärtshaken getroffen, wir waren schon überrascht." Der Siebenbürger Sachse hatte erst am überraschend Erfolgscoach Michael Timm als Cheftrainer abgelöst. "Timm hatte sowieso wenig Einfluss auf Firat", erklärte Krasniqi, "er war ja immer nur vier, fünf Tage vor den Kämpfen aufgetaucht."

Unfassbare Nehmerqualitäten

Zu einer taktischen Reaktion auf den Kampfverlauf aber waren weder der Boxer noch das aktuelle Trainerteam in der Lage. "Was er heute kassiert hat, das kann kein anderer wegstecken", sagte Universums Technischer Leiter Jean-Marcel Nartz.

Krasniqi glaubt weiter an seinen "Bruder"

Die körperlichen Folgen des Kampfes wird man abwarten müssen. Mit 38 ist Arslan trotz seines beeindruckenden Körpers kein Jungspund mehr. "Firat muss jetzt seine Ruhe finden", meinte Promoter Klaus-Peter Kohl, "dann werden wir uns zusammensetzen und sehen, wie es weitergeht." Krasniqi jedoch zeigte sich vom Comeback überzeugt: "Er wird zurückkommen - und wieder Weltmeister werden."

Nächster Champion aus dem Universum-Stall

In einem weiteren WM-Duell eroberte der für den Hamburger Universum-Stall kämpfende Russe Denis Inkin den vakanten WBO-itel im Supermittelgewicht. Inkin bezwang den Kolumbianer Fulgenzio Zuniga in zwölf Runden einstimmig nach Punkten (118:110, 117:111, 116:112).

Nicht jeder Wladimir aus der Ukraine ist ein Weltmeister

Den WM-Ausscheid im Schwergewicht entschied der für den Hamburger Arena-Stall boxende Juan Carlos Gomez für sich. Der Kubaner besiegte den für den Universum-Ableger spotlight antretenden Wladimir Wirtschis aus der Ukraine in zwölf Runden einstimmig nach Punkten (117:110, 115:111, 117:109).

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