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Odlanier Solis: Vom Kuba-Flüchtling zum Profi-Box-Weltmeister?

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Vom Kuba-Flüchtling zum Profi-Box-Weltmeister?

20.03.2011, 08:35 Uhr | sid, sid

Odlanier Solis: Vom Kuba-Flüchtling zum Profi-Box-Weltmeister?. Odlanier Solis (Foto: imago)

Odlanier Solis (Foto: imago)

Sein Weg in den Kölner Box-Ring führte von Kuba über Venezuela, das kolumbianische Barranquilla, Hamburg und Miami. Odlanier Solis hat in den letzten vier Jahren eine Odyssee hinter sich gebracht. Die Lebensgeschichte des 30-Jährigen ist die eines Kuba-Flüchtlings, den die Verheißungen der Freiheit und des Dollars in den Westen lockten. Und der nun am Samstag gegen WBC-Champion Vitali Klitschko erstmals um einen WM-Gürtel als Profiboxer kämpft.

"Wir waren nur Kinder, die neugierig auf die Welt waren", sagt Solis. Ende 2006 kehrte er seiner Heimat den Rücken. Unter Staatschef Fidel Castro galt der Weg ins Profiboxen als Landesverrat. Legenden wie Felix Savon blieben den Prinzipien der Revolution Zeit ihres Lebens treu und verweigerten sich dem Ruf des großen Geldes. Nicht so Solis, der schon früh zu den Talenten gehörte, die die kubanische Boxschule traditionell hervorbringt.

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Olympiasieger in Athen

Seine Bilanz als Amateur ist dann auch beeindruckend. 227 Siegen stehen lediglich 14 Niederlagen gegenüber. Kurz vor Savons drittem Olympiagold 2000 in Sydney feierte Solis bei den nationalen Meisterschaften seinen zweiten Sieg gegen das große Vorbild - sein Olympia-Ticket erhielt Solis jedoch erst vier Jahre später. Solis hat gelernt zu warten. 2004 holte sich der Mann mit dem Punch im rechten Arm schließlich die Goldmedaille.

Zwei Jahre später nutzte er die Chance, als der deutsch-türkische Promoter Ahmet Öner dem kubanischen Trio Solis, Yuriorkis Gamboa und Yan Barthelemi eine große Profi-Karriere in Aussicht stellte. Während eines Trainingslagers in Venezuela setzten sich die Boxer ab. Über Kolumbien ging es nach Deutschland, inzwischen lebt Solis in Miami.

Hang zum Übergewicht

Über seine sozialistische Heimat und die Dinge, die damals vorgefallen sind, will Solis nicht reden. Der Kubaner macht seinen Job. Mehr ist das Boxen für den 30-Jährigen nicht. "Boxen wird nie meine große Liebe werden. Ich sehe das als einen Job." Den er offenbar gut beherrscht: Trotz seines Hangs zum Übergewicht beeindruckt Solis mit flinken und behenden Bewegungen im Ring, die ihm seinen Spitznamen "La Sombra" (der Schatten) einbrachten.

Der mit reichlich Talent und Potenzial ausgestattete Schwergewichtler macht auf den ersten Blick allerdings nicht den Eindruck, als könne er WBC-Weltmeister Vitali Klitschko am Samstag in der Kölnarena ins Wanken bringen. Solis ist mit 1,87 Meter 13 Zentimeter kleiner als der neun Jahre ältere Modellathlet Klitschko. Die körperlichen Defizite macht Solis mit Disziplin und Abgeklärtheit wett.

Als Profi noch unbesiegt

Solis' regelmäßig zur Schau gestelltes Desinteresse ist daher mehr karibische Sorglosigkeit als Arroganz. Er ist kein Sprücheklopfer. Das glamouröse Leben interessiert den Kubaner nicht. Aktuelle Boxer wie Tomasz Adamek oder Alexander Powetkin würde Solis nicht einmal auf der Straße erkennen. "Ich erkenne Fußballer, Baseballer oder Musik-Stars. Im Boxen allerdings kenne ich die meisten Gesichter und die Namen nicht."

Einen Namen kann sich Solis nun selber machen. Gegen Klitschko bekommt der 30-Jährige nach 17 Siegen in 17 Profikämpfen seine große Chance. Der Weltmeister kennt die Vorteile der kubanischen Schule. "Die Boxer von dort haben ein großes Herz, und das wird Solis zeigen", ist sich Dr. Eisenfaust sicher. Doch er hat Zweifel, dass sein Gegner die nötigen Fähigkeiten besitzt, sich auf der großen Bühne zu behaupten: "Es gibt gute Amateure aus Kuba, aber der Profi-Bereich ist etwas Anderes."

Während Klitschko seinen 14. WM-Kampf bestreitet, tritt Solis in Köln nun erstmals in das grelle Rampenlicht der Schwergewichts-Bühne tritt - und zugleich aus dem großen Schatten seiner Vorbilder. Der 30-Jährige kann sich als erster kubanischer Profi-Weltmeister in der Königsklasse des Boxens unsterblich machen.

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