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Stieglitz-Herausforderer Gevor droht lebenslange Sperre

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Stieglitz-Herausforderer droht lebenslange Sperre

12.04.2011, 10:28 Uhr | t-online.de

Stieglitz-Herausforderer Gevor droht lebenslange Sperre. Gevor begräbt Stieglitz mit einem Kopfstoß unter sich. (Foto: imago)

Gevor begräbt Stieglitz mit einem Kopfstoß unter sich. (Foto: imago)

Aus Magdeburg berichtet Jens Bistritschan

Boxen - Videos
Boxer verhaut Ringrichter

Der Armenier Khoren Gevor lässt seinen Frust am Unparteiischen aus. zum Video

Nach dem WM-Kampf brannten beim Herausforderer die Sicherungen durch. Denn was sich Khoren Gevor nach seiner Disqualifikation gegen Weltmeister Robert Stieglitz leistete, wird als einer der größten Skandale in die deutsche Boxgeschichte eingehen. Denn der Armenier attackierte Ringrichter Manfred Küchler sogar tätlich - und zwar mehrere Minuten nachdem dieser den Kampf abgebrochen hatte. "Er hat ihn geschlagen, aber Gott sei Dank nicht voll getroffen", berichtete Jean-Marcel Nartz, der als technischer Delegierter des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) das Geschehen im Ring direkt vor seinen Augen miterlebte.

Kurz vor Ende der 10. Runde um die WBO-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht in Magdeburg waren die beiden Boxer in einem von Gevor immer unsauberer geführten Kampf zu Boden gegangen. Dort versetzte der Herausforderer dann Stieglitz nach dessen Einschätzung "einen absichtlichen Kopfstoß". Blut schoss über das Gesicht des Champions und Küchler beendete das Ringduell vorzeitig.

Punktabzug für Schlag auf Hinterkopf

In der gleichen Runde hatte der Ringrichter dem immer mehr ins Hintertreffen geratenden Gevor wegen eines Schlags auf den Hinterkopf seines Kontrahenten bereits einen Punkt abziehen lassen. Im Durchgang davor hatte Küchler noch Gnade vor Recht walten lassen. Mit einer Aktion, die ins Ringen aber nicht ins Boxen gehört, hatte Gevor den Weltmeister zu Fall gebracht – und Stieglitz dabei noch einen Schlag mitgegeben.

Kopfstoßversuch gegen Stieglitz-Trainer Dzemski

Doch die Disqualifikation war erst der Beginn der minutenlangen Tumulte im Ring. Zunächst schien es so zu sein, als könnte Gevor-Manager Peter Schulze seinen Schützling noch zurückhalten. Doch dann stürmte der Armenier in Richtung Stieglitz-Trainer Dirk Dzemski los und wollte auch ihm einen Kopfstoß verpassen, scheiterte aber, da sein Opfer schnell genug seinen Schädel weggezogen hatte. "Ich wollte ihn fragen, ob er ein Sportler ist", erklärte Dzemski zu der Situation auf der Pressekonferenz.

Sicherheitspersonal kann Gevor nicht beruhigen

Gevor war nach dem Kampf auf 180. Wie ein Tiger im Käfig stiefelte er auf und ab, beäugt vom Sicherheitspersonal im Ring. Da waren dann nach Meinung von Manager Schulze "zu viele Leute an ihm dran. Die Security wollte ihn ständig anfassen." Eine Fotoreporterin berichtete sogar, dass einer von ihnen Gevor im Gesicht berührt habe. Das würde die Attacke auf Ringrichter Küchler in keinster Weise entschuldigen. Es würde aber die Aktion des sicherlich noch voll unter Adrenalin stehenden Herausforderers ein wenig nachvollziehbarer machen.

"Disqualifikation war das i-Tüpfelchen"

Eher Kopfschütteln lösten dann Schulzes Bemerkungen auf der Pressekonferenz zu einigen Vorkommnissen vor dem Kampf aus. So hatte Gevor aus Angst vor Vergiftung nicht im Hotel essen wollen. Zudem hatte die WBO eine Änderung des Kampfgerichtes abgelehnt, dass für den eigentlich vorgesehen Vereinigungskampf zwischen Stieglitz und WBA-Weltmeister Dimitri Sartison bereits bestimmt worden war. Nach dessen Absage wegen eines Kreuzbandrisses war Gevor dann kurzfristig eingesprungen – obwohl er in seinem Kampf zuvor gegen Sartison klar nach Punkten verloren hatte.

Schulzes Behauptung "Die Disqualifikation war dann das i-Tüpfelchen" wollte Stieglitz` Promoter Ulf Steinforth dann auch nicht so im Raum stehen lassen. Er stellte klar, dass sein Boxstall SES den Herausforderer gut behandelt habe. Dass Gevor bei anderen Kämpfen schlechte Erfahrungen gemacht habe, dafür könne er ja nichts. "Und das Kampfgericht war heute nicht entscheidend", gab Steinforth zu Protokoll.

Seiner Meinung nach wäre Gevor in den letzten zwei Runden "noch K.o. gegangen". Dann hätte Stieglitz seine Bilanz an vorzeitigen Siegen auf 24 erhöht. So blieb "nur" der 40. Sieg im 42. Profi-Kampf.

Gevor scheitert zum vierten Mal in einem WM-Kampf

Für Gevor war es nach den Niederlagen gegen Arthur Abraham, Felix Sturm und Sartison bereits der vierte vergebliche Anlauf auf einen WM-Titel. Manager Schulze warb zwar um eine weitere Chance für seinen Schützling und Stieglitz war dieser nicht sofort abgeneigt. "Doch das muss das Management entscheiden", erklärte der Weltmeister.

Doch von Steinforth gab es dann gleich eine Abfuhr: "Ich glaube nicht, dass man einem solchen Sportler noch einmal eine Chance geben sollte." Zudem müsse sein Schützling nun erst einmal eine Pflichtverteidigung seines Titels machen. Der Gegner dafür steht allerdings noch nicht fest.

BDB-Delegierter fordert lebenslange Sperre für den Herausforderer

Und selbst wenn Steinforth seine Meinung zu Gevor noch ändern sollte, es wird wohl keine Neuauflage des Kampfes gegen Stieglitz geben. Denn Gevor droht nun eine lebenslange Sperre vom BDB, dem europäischen Verband EBU und der WBO. "Dafür werde ich sorgen", kündigte Nartz an.

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