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Sdunek: "Vitali ist ein Jahrhundertmensch"

01.02.2012, 16:47 Uhr | sid

Fritz Sdunek: "Vitali ist ein Jahrhundertmensch".  (Quelle: imago)

Trainer-Urgestein Fritz Sdunek mit seinem Schützling Vitali Klitschko (Quelle: imago)

Für Fritz Sdunek ist Vitali Klitschko der Mann des Jahrhunderts. Der Trainer des Ukrainers ist jeden Tag aufs Neue überrascht, wie der Box-Weltmeister seine zahlreichen Aktivitäten meistert. Auch vor dem Kampf gegen Dereck Chisora am 18. Februar in München gelingt der Spagat zwischen Politik und Sport offenbar glänzend.

Für Vitali Klitschko gibt Fritz Sdunek gerne auch den Chauffeur. Wenn der Box-Champion am Handy politische oder geschäftliche Angelegenheiten regelt, sitzt der Trainer am Lenkrad. Fast überall, nur nicht in Kiew. Der Straßenverkehr in der ukrainischen Hauptstadt ist Sdunek nicht wirklich geheuer. "Da fährt nur Vitali", sagt der 64-Jährige, "und er fährt wie ein Bandit."

Wechsel zwischen Box-Sparring und politischer Arbeit

In Kiew war die Klitschko-Entourage Anfang des Jahres. Schuften für die WBC-Titelverteidigung gegen den Briten Chisora stand auf dem Programm. Aber ausschließlich Training, das geht bei Vitali gar nicht. Als Vorsitzender der Ukrainischen Demokratischen Allianz für Reformen (UDAR) war er ebenfalls fast dauernd gefordert. "Schon nach dem Frühstück kommen die ersten Genossen und wollen mit ihm reden", berichtet Sdunek. Das geht dann die ganze Zeit so weiter. Bei jeder Mahlzeit empfängt Klitschko Geschäftsleute und Politiker, mit denen er sich unterhält. Dazwischen klingelt dauernd das Telefon. "Welche Anerkennung er in der Ukraine hat, ist erstaunlich. Aber das ist schon auch richtiger Stress", sagt Sdunek. Für ihn wäre diese Politikersache nichts, meint der gebürtige Mecklenburger.

Klitschkos Terminkalender ist dichtgedrängt

Für Klitschko dagegen ist es ein Teil des vollgestopften Alltags. Im Trainingslager im österreichischen Going am Wilden Kaiser, wo sich der 40-Jährige traditionell auf seine Kämpfe vorbereitet, beginnt der Tag oft schon um sieben Uhr. Dann geht Vitali schwimmen und spielt ein wenig Tischtennis, danach gibt es erst Frühstück. Die politischen Aktivitäten ruhen in der österreichischen Bergwelt zumeist, voller Fokus auf den Sport. Wer nun meint, dass Klitschko dieser ständige Wechsel zwischen Politik und Wettkampfvorbereitung auslaugt und ermüdet, sieht sich getäuscht. Das Boxen ist sein Vehikel.

Training ist für Vitali Erholung

"Das Trainingslager ist Erholung für Vitali, da baut er seinen politischen Stress ab", sagt Sdunek. Wenn man Klitschko am und im Ring beobachtet, glaubt man diese Worte sofort. Deutschlands erfolgreichstem Boxtrainer imponiert, wie Vitali auch in diesem Alter noch die Balance findet. "Er kann sich so konzentrieren. Dass er sich immer noch so steigert, ist erstaunlich." Es fasziniert ihn regelrecht: "Vitali ist ein Jahrhundertmensch", sagt Sdunek voller Respekt. Genau deshalb sieht sein Trainer den Ukrainer auch noch lange nicht am Ende. "Er lässt einfach nicht nach. In dieser Verfassung kann er noch zwei, drei Jahre boxen", versichert Sdunek.

Klitschko-Trainer Sdunek achtet sehr genau auf seinen Schützling

Er sagt das nicht nur so dahin, denn Sdunek beobachtet Vitali sehr genau. Mit dem Ellbogen auf der Ringkante gestützt, dem Finger am Mund und messerscharfem Blick verfolgt der Coach seinen Schützling beim Sparring, ihm entgeht nichts. Sdunek achtet auf die Details und würde sofort einwirken, wenn Klitschko abbaut. "Wenn ich merke, dass er alt wird, wenn ich merke, er sieht die Schläge nicht mehr und erholt sich nicht, dann wäre es Zeit", sagt Sdunek. Ob er denn ein Vetorecht habe, wenn es um das Karriereende gehe? "Ja", erklärt Sdunek, "ich denke, Vitali würde auch auf mich hören". Es spiele ja zudem eine Rolle, wie es mit der politischen Arbeit weitergehe.

Foreman-Rekord nicht zu brechen

Zum ältesten Schwergewichts-Weltmeister der Geschichte wird Klitschko es wohl dennoch nicht bringen. Noch gute sechs Jahre müsste er boxen, um George Foreman diesen Titel abzuluchsen. "Da ist zu lang", sagt Sdunek. Selbst für einen Jahrhundertmenschen.



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