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Eishockey-WM: Deutschland verpasst gegen Russland knapp die Sensation

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Eishockey-WM - Zwischenrunde  

Gastgeber Deutschland verlangt den Russen alles ab

17.05.2010, 13:48 Uhr | dpa, sid, sid, dpa

Den Eishockey-Weltmeister geärgert, aber eine Sensation verpasst: Gastgeber Deutschland hat auch den 36. WM-Vergleich gegen Rekordchampion Russland verloren, darf trotz des 2:3 (0:1, 1:1, 1:1) in Köln aber weiter auf das Viertelfinale hoffen. Zweiter Zwischenrundengegner in der Gruppe E ist bereits am 16. Mai in Köln Weißrussland, am 18. Mai folgt noch die Partie gegen die Slowakei. Dann sollen die nötigen Punkte her, um erstmals seit 2003 unter die besten Acht zu kommen.

Großer Kampf bleibt unbelohnt

Das Team von Bundestrainer Uwe Krupp unterlag zum Auftakt der WM-Zwischenrunde erst nach großem Kampf und beeindruckender Leistung dem Titelverteidiger um Superstar Alexander Owetschkin. Tore des 48 Stunden zuvor eingeflogenen NHL-Profis Christian Ehrhoff und von Alexander Barta verhinderten den 23. WM-Sieg des Topfavoriten in Folge nicht. Dank einer starken Vorstellung war vor 18.343 Zuschauern in Köln aber lange sogar der erste WM-Erfolg im 36. Duell mit der Sbornaja möglich. "Es war sicherlich eine gute Leistung. Wir haben clever gespielt", bilanzierte Bundestrainer Krupp bei "Sport1".

Ein Sieg reicht fürs Viertelfinale

Doch trotz zahlreicher hochkarätiger Chancen trafen nur Ehrhoff (40.), der nach dem Play-off-Aus in der NHL mit den Vancouver Canucks sofort nach Deutschland geflogen und erst 48 Stunden vor Spielbeginn angekommen war, und Barta (54.). Ilja Kowaltschuk (15.), Nikolaj Kulemin (27.) und Owetschkin (50.) sicherten den effektiven Russen den 30. Sieg im 31. WM-Spiel unter Trainer Wjatscheslaw Bykow. Zum Einzug ins Viertelfinale benötigt die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) aus den weiteren beiden Spielen gegen Weißrussland und die Slowakei zumindest einen Sieg.

Ausgeglichene Anfeuerung

Der 25-malige Weltmeister Russland, der in Deutschland nach den Triumphen 2008 und 2009 den Titel-Hattrick perfekt machen will, kann dagegen schon für die K.o.-Runde planen. Erstmals bei dieser WM hatte die deutsche Mannschaft keinen Heimvorteil. Beide Fanlager hielten sich in der nicht ganz ausverkauften Kölner Arena die Waage. Mal waren die "Scheibu"-Rufe der Russen lauter, mal die "Deutschland"-Gesänge. Die DEB-Auswahl begann wie von Krupp mit viel Aggressivität und Zweikampfhärte. Die Stars der "Sbornaja" kamen damit zunächst nicht zurecht und kassierten in den ersten Minuten gleich zwei Strafzeiten wegen Nachschlagens.

Viel Arbeit für beide Torhüter

Im Powerplay suchte das deutsche Team vor allem Ehrhoff. Die Schlagschüsse des derzeit besten deutschen Verteidigers verschafften Torhüter Semjon Warlamow zwar viel Arbeit, blieben aber erfolglos. Nach einem dieser Ehrhoff-Schüsse schnappte sich Marcel Müller den Abpraller, scheiterte aber an Warlamow (4.). Genauso ging es Robert Dietrich (17.). Auch der deutsche Goalie Dimitrij Kotschnew konnte sich über zu wenig Arbeit nicht beklagen. Gegen Artjom Anisimow (2.) rettete er ebenos glänzend wie gegen Kowaltschuk (12.). Gegen den russischen Kapitän war der Torhüter von Spartak Moskau drei Minuten später aber machtlos, als nach einer angezeigten Strafe gegen Nikolai Goc der Weltmeister einen sechsten Feldspieler aufs Eis geschickt hatte.

Kulemin nutzt seine Chance im Alleingang gegen Kotschnew

Im zweiten Drittel war die DEB-Auswahl sogar die bessere Mannschaft und entwickelte enormen Druck auf das russische Tor. Allerdings fehlte die Effektivität im Abschluss. Die bewies der Weltmeister: Nachdem Patrick Hager (22.) und Sven Felski (24.) hochkarätige Chancen ausgelassen hatten, stand plötzlich Kulemin allein vor Kotschnew und lenkte den Puck nach einem maßgenauen Pass von Maxim Afinogenow ins Netz.

Die DEB-Cracks geben nie auf

Doch das Krupp-Team ließ sich nicht entmutigen und stürmte weiter. Felski (32.) und Felix Schütz (33.), der die Siegtore gegen die USA (2:1) und Dänemark (3:1) erzielt hatte, scheiterten aber an Warlamow. Erst Ehrhoff brach den Bann. Nach schöner Vorarbeit von Michael Wolf schaufelte der 27-Jährige den Puck in den Winkel - genau in dem Moment, als die Schlusssirene des zweiten Drittels erklang. Nach Ansicht der Zeitlupe entschied der Videorichter auf Tor.

Noch viel russische Munition auf der Tribüne

Lange überhaupt nicht zum Zug kam Superstar Owetschkin. Erst beim 3:1 zeigte er seine Klasse. Pawel Dazjuk, den die Russen nach dem NHL-Aus der Detroit Red Wings hatten einfliegen lassen, wirkte noch wie ein Fremdkörper. Noch auf der Tribüne saßen Jewgeni Malkin und Sergej Gontschar vom ausgeschiedenen Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins, die den Weltmeister in den nächsten Spielen verstärken sollen.

Historischer Schweizer Erfolg über Tschechien

Parallel zum deutschen Spiel mauserte sich in Mannheim in der Gruppe F die Schweiz weiter vom Außenseiter zum Geheimfavoriten: Die Eidgenossen können schon nach dem ersten Zwischenrundenspiel für das Viertelfinale planen. Drei Tage nach dem berauschenden 4:1 gegen Olympiasieger Kanada besiegte der Weltranglisten-Achte zum ersten Mal seit 19 Jahren bei einer WM den elfmaligen Weltmeister Tschechien mit 3:2 (2:0, 1:2, 0:0). Tschechien droht erstmals seit Aufstockung der A-Gruppe 1992 nicht unter die ersten acht Teams zu kommen. Der Schweiz ist als Tabellenführer der Gruppe F mit neun Punkten der Viertelfinal-Einzug dagegen nur noch theoretisch zu nehmen.

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