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Eishockey-WM: Uwe Krupp steht vor Abschied

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Eishockey-WM: Uwe Krupp steht vor Abschied

25.05.2010, 11:35 Uhr | dpa, sid, sid, dpa

Eishockey-WM: Uwe Krupp steht vor Abschied. Uwe Krupp will mehr Unterstützung für das Nationalteam aus der Liga. (Foto: dpa)

Fordert mehr Unterstützung aus der Liga: Trainer Uwe Krupp (Foto: dpa)

Trotz des sensationellen Halbfinal-Einzugs bei der Heim-WM steht die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft vor einer ungewissen Zukunft. Bundestrainer Uwe Krupp zögert bei der Vertragsverlängerung und DEB-Generalsekretär Franz Reindl denkt an Rücktritt. "Jetzt müssen wir erstmal etwas abschalten und durchschnaufen, dann muss ich mir einige Dinge durch den Kopf gehen lassen und in Ruhe entscheiden", sagte Krupp nach der durch das 1:3 im "kleinen Finale" knapp verpassten Medaille gegen Schweden.


Mangelnde Unterstützung aus der DEL

Der 44-Jährige wirkt zermürbt von den Grabenkämpfen zwischen DEB und der Deutschen Eishockey-Liga DEL, dem Nachwuchsproblem und der aus seiner Sicht mangelnden Unterstützung für das Nationalteam. "Wir haben natürlich unsere Kämpfe zu fechten im deutschen Eishockey", bekannte Krupp. Die Zeichen stehen auf Trennung. "Mein Gefühl ist eher negativ", sagte Reindl. Er habe den Eindruck, dass Krupp "vielleicht eher was anderes machen will". Es gebe aber "noch keinen Plan B". Als Alternativen gelten Krupps WM-Assistent und künftiger Mannheim-Coach Harold Kreis, Ex-Schweiz-Coach Ralph Krueger und Ex-Bundestrainer Hans Zach.

Reindl droht mit Rücktritt

Unabhängig von der Personalie Krupp erwägt auch Reindl wegen des Dauerstreits mit der DEL seinen Rücktritt. "Wenn man nicht den großen Wert auf Einigkeit legt, muss man sich schon überlegen, ob man sich das noch weiter antut", sagte Reindl. In den kommenden Wochen werde er in Gesprächen mit den Klubs und Vertretern des Ligaverbands noch einmal für eine bessere Zusammenarbeit werben. "Da werde ich meine Vorstellungen präsentieren, über das, was sich meiner Meinung nach ändern muss", sagte der 55-Jährige. Sollte die Liga seinen Vorstellungen nicht folgen, "dann muss man Konsequenzen ziehen", warnte er. "Parolen helfen gar nicht, sondern nur Taten."

DEB will um Nationaltrainer Krupp kämpfen

Nach der aus sportlicher Sicht überaus erfolgreichen WM will der DEB aber noch einmal um Krupp kämpfen. "Wir werden uns sofort zusammensetzen - mit der großen Hoffnung, dass die Spieler ihn überzeugen können, dass sie weiter von ihm trainiert werden wollen", sagte DEB-Präsident Uwe Harnos. Zum Wochenende ließ der DEB sogar Krupps krebskranke Frau Valerie aus den USA einfliegen. Diese hatte Krupp vor der WM überredet, nicht kurzfristig wegen ihrer Erkrankung zurückzutreten. Auch die Aussagen der Spieler ließen aber kaum Hoffnung auf einen Verbleib Krupps erkennen. "Das ist seine Entscheidung. Darüber haben wir nie ein Wort verloren. Wenn er bleibt, würden wir uns freuen. Wenn nicht, ist das auch in Ordnung", sagte Kapitän Marcel Goc.

Talentiertes Team mit großem Potenzial

Dabei sieht Star-Verteidiger Christian Ehrhoff von den Vancouver Canucks, der zusammen mit Torhüter Dennis Endras als erster Deutscher nach 23 Jahren wieder in ein All-Star-Team gewählt wurde, im von Krupp geformten Team noch Steigerungspotenzial. "Die Mannschaft ist sehr jung und hat die Zukunft noch vor sich", sagte Ehrhoff. Reindl stufte die Leistung sogar als höher ein als die der Bronze-Gewinner bei Olympia 1976, zu denen er selbst gehörte: "Natürlich ist das, was die Mannschaft bei der WM erreicht hat, höher zu bewerten."

Eishockey-Begeisterung in Deutschland

In den zwei Wochen zuvor hatten Krupps Spieler eine neue Eishockey-Euphorie in Deutschland ausgelöst. Durchschnittlich 2,49 Millionen Zuschauer verfolgten das Halbfinale gegen Russland (1:2) bei Sport1 live und bescherten dem Spartensender einen Marktanteil von 16,1 Prozent. Beim 1:0 im Viertelfinale gegen die Schweiz hatten in der Spitze mehr als drei Millionen zugeschaut. 210.000 Fans sahen die deutschen WM-Spiele im Stadion.

Schwierig zu wiederholender Erfolg

Ob sich der Erfolg aber wiederholen lässt, ist fraglich. "Es ist weiterhin ein schmaler Grad zwischen Abstiegsrunde, Zwischenrunde und auch mal dem Viertelfinale", warnte Krupp, der mit Goc, Ehrhoff, Alexander Sulzer und Robert Dietrich Leistungsträger aus Nordamerika zur Verfügung hatte. "Aber bei uns bleibt natürlich auch immer die Frage der Personaldecke. Die kann schnell eng werden", sagte Krupp.

Interesse an Torhüter Endras wächst

Verteidiger Korbinian Holzer wechselt sicher zu den Toronto Maple Leafs. Auch andere Cracks, allen voran der zum besten WM-Spieler gekürte Torhüter Endras, spielten sich in den Fokus der NHL. So ist es durchaus fraglich, ob dieses Team im kommenden Jahr noch einmal bei der WM in der Slowakei aufläuft. Mit den Gruppengegnern Russland, dem Gastgeber-Team und Aufsteiger Slowenien hat das DEB-Team dann ein hartes Programm vor der Brust. "Das wird nächstes Jahr wieder eng", warnte auch Routinier Daniel Kreutzer.

Felski hört auf

Einen "grandiosen" Abschied feierte Sven Felski. Der 35-jährige bestritt gegen Schweden sein 159. und letztes Länderspiel und war "brutal stolz. Wir waren nah an Silber und Bronze dran", sagte das Berliner Urgestein nach seiner achten und letzten A-Weltmeisterschaft: "Das war riesig."


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