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Eishockey: DEL ist in der Krise

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DEL-Krise: Zu viele Ausrutscher

22.02.2011, 15:04 Uhr | Spiegel Online

Eishockey: DEL ist in der Krise. Auch Christoph Ullmann und die Kölner Haie stecken in einer finanziellen Krise. (Foto: imago)

Auch Christoph Ullmann und die Kölner Haie stecken in einer finanziellen Krise. (Foto: imago)

Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) hat ein Problem: Immer weniger Zuschauer kommen in die Arenen, die Clubs haben finanzielle Schwierigkeiten. Neue Geldquellen sind Fehlanzeige. Das Magazin "SPONSORS" erklärt, wo die Probleme liegen. Viele sind hausgemacht.

Eigentlich könnten die Verantwortlichen der DEL zufrieden sein. Die DEL steht seit Jahren in punkto Zuschauerzuspruch klar vor den Bundesligen der Handballer (HBL) und der Basketballer (BBL). In der Saison 2009/2010 hatte die DEL einen Zuschauerschnitt von 5.863, die HBL hingegen nur 4.767 und die BBL noch weniger (3.888). An diesem Verhältnis wird sich grundlegend auch in der aktuellen Saison nichts ändern.

Doch manchmal reichen positive Zahlen nicht. Tatsächlich sieht für viele DEL-Clubs die Lage nicht so gut aus, wie die genannten Zahlen vermuten lassen könnten. Denn seit Jahren kommen immer weniger Besucher in die Eishockey-Arenen. Kamen in der Saison 2006/2007 im Schnitt 6.435 Zuschauer, waren es in der Spielzeit 2009/2010 rund 600 Fans weniger. Und der Abwärtstrend setzt sich fort: Elf Clubs verzeichnen aktuell weniger zahlende Gäste als im Vorjahr.

Dabei lassen die Clubs nichts unversucht, um die Fans in ihre Arenen zu locken, und denken sich immer neue Rabatt- und Ticketaktionen aus. Doch in Hannover lockte im Oktober noch nicht einmal die Aussicht auf Freibier. Hinzu kommt, dass sich der Effekt der Aktionen irgendwann erschöpft. Und die Gefahr ist hoch, dass man sich die Preise kaputt macht.

Kein Schub durch Weltmeisterschaft

Dabei hatten die Clubs inständig gehofft, dass die Eishockey-Weltmeisterschaft 2010 im eigenen Land auch das Interesse an der DEL anheizen würde. Die Realität ist eine andere. Denn schon bald nach dem Ende des Turniers gab es schlechte Nachrichten. Die Frankfurt Lions meldeten Insolvenz an, den Kassel Huskies wurde die Lizenz entzogen, jedoch erst nach einem monatelangen und medial präsenten Rechtsstreit mit der DEL, die Kölner Haie gerieten in finanzielle Not und auch Meister Hannover Scorpions stand vor dem Aus.

Da auch die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF signalisierten, dass sich durch die WM an ihrem niedrigen Interesse gegenüber der DEL nichts geändert habe, hoffte man wenigstens auf einen Schub beim Sponsoring. Aber auch da versandete der Impuls der WM. So berichtet stellvertretend Rainer Schumacher, Geschäftsführer des Tabellenführers EHC Wolfsburg Grizzly Adams, dass durch die WM "nicht ein Unternehmen" als Sponsor gewonnen werden konnte.

Weniger wäre mehr

Zu der Frage, warum nun das Zuschauerinteresse zurückgeht, gibt es diverse Antworten. Viele Clubs stehen in harter Konkurrenz zu anderen Sportarten. An der übermächtig wirkenden Konkurrenz von "König Fußball" lässt sich nichts ändern. Der anhaltende Zuschauerrückgang in der DEL hat aber auch andere Gründe. Hausgemachte.

So glaubt Max Fedra, Geschäftsführer der Augsburger Panther, dass der Hauptgrund für den Zuschauerschwund an einer Übersättigung liege. "Es gibt einfach zu viele Spiele in einem zu geballten Zeitraum." Ein Beispiel: Ein Fan der DEG Metro Stars konnte allein im Dezember sieben Mal ein Heimspiel der Düsseldorfer besuchen. Auch Daniel Hopp, Geschäftsführer der Adler Mannheim, sagt, dass weniger mehr wäre und glaubt, dass eine Reduzierung der Liga auf zwölf bis 14 Teams gut wäre.

Wie nun erneut die Anzahl der Clubs reduziert werden könnte, weiß niemand so recht. Die Wiedereinführung eines sportlichen Abstiegs zum Beispiel wäre nicht mehrheitsfähig, ist sich Hopp sicher und spricht damit ein seit Langem kontrovers diskutiertes Thema an.

So will sich der Manager der DEG Metro Stars, Lance Nethery, am liebsten nicht zum Thema Auf- und Abstieg äußern, sagt dann aber doch: "In keiner anderen Liga gibt es keinen Auf- und Abstieg. Und in der Fußball-Bundesliga geht es doch auch." Karl Heinz Fliegauf, Sportdirektor in Wolfsburg, pflichtet Nethery bei: "Der deutsche Sportfan möchte einfach einen Auf- und Abstieg haben".

DEL-Chef Gernot Tripcke entgegnet, dass in der Saison 2005/2006, als es noch den Auf- und Abstieg gab, nicht mehr Fans in die Arenen gekommen seien als im Folgejahr ohne Abstieg. Zudem habe es faktisch ganz selten einen echten sportlichen Absteiger gegeben, weil wirtschaftliche und infrastrukturelle Gegebenheiten dies verhindert hätten. Und wirtschaftlich würden viele Clubs einen Abstieg in die zweite Liga nicht verkraften.

Weniger Ausländer gefordert

Für Fliegauf müsste man sich bei den anstehenden Kooperationsverhandlungen mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und der Eishockeybetriebsgesellschaft (ESBG) nicht nur über das Thema Auf- und Abstieg, sondern auch auf eine "vernünftigere Beschränkung" der zulässigen ausländischen Spieler einigen. Weniger Ausländer würden die Fans honorieren und außerdem käme dies dem Nachwuchs zugute. Auch würde die Nationalmannschaft mehr Freiräume benötigen, um das Eishockey besser medial vermarkten zu können.

Eine Einigung in diesen Punkten zwischen DEL, DEB und ESBG scheint jedoch kaum möglich. So ist es ungewiss, ob die DEL es schafft, neue Weichen zu stellen. Für Fliegauf wäre ein Scheitern fatal: "Wir hatten in den vergangenen Jahren keine Vision mehr. Die Liga wurde nur noch verwaltet." Änderungen würden immer weh tun, "aber es geht nun mal nicht anders."

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