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Ex-Kicker Eichin: Eishockey ist geiler als Fußball!

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"Wir werden behandelt wie ein Halmaverein"

22.04.2011, 09:01 Uhr | t-online.de

Ex-Kicker Eichin: Eishockey ist geiler als Fußball!. Neue Welt, alte Welt: Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie. (Foto: imago)

Neue Welt, alte Welt: Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie. (Foto: imago)

Aus Köln berichtet Marc L. Merten

"Fußball kann man kaum mehr als Sport bezeichnen!" Das sagt einer, der selbst vierzehn Jahre lang Teil der glamourösen Welt der Fußball-Bundesliga war. Und er sagt auch: "Fußball ist Politik. Damit können wir uns nicht messen." Wir, das ist das deutsche Eishockey. Wir, das ist die Deutsche Eishockey-Liga DEL. Wir, das sind die Kölner Haie. Und mit ihnen ihr Geschäftsführer: Thomas Eichin.

Insgesamt 180 Bundesliga-Spiele für Borussia Mönchengladbach finden sich in der Vita des gebürtigen Freiburgers, dazu drei Jahre als Marketing-Verantwortlicher bei den Fohlen. Doch 1999 war das Jahr der Veränderung für den heute 44-Jährigen. Er wechselte die Sportart, ließ den Fußball hinter sich und stieg bei den Haien ein. Mittlerweile hat er über 600 Eishockey-Spiele live gesehen. Spiele, die seine Welt verändert haben. "Ich wundere mich manchmal schon: Was bewegt den ein oder anderen der 60.000 Zuschauer im Fußballstadion, das richtig geil zu finden?"

Tore, Checks, Raufereien: Spektakel ohne Fernsehen

Eichin hat seinen Blickwinkel auf den Fußball angepasst. Seit zwölf Jahren kämpft er aus seinem Büro im Schatten der Lanxess Arena in Köln-Deutz um mehr Anerkennung für seinen neuen Lieblingssport. "Wenn Du Dir ein Spiel in der DEL angesehen hast, kannst Du Dir hinterher doch kein Fußballspiel mehr anschauen. Da musst Du schon ein Spitzenfußballspiel finden, damit Du über 90 Minuten den gleichen Spaß hast wie im Eishockey, wo in jeder Sekunde etwas passiert."

Wer Eichin zuhört, könnte meinen, der Mann mit den kurzen, schwarzen Haaren hätte früher nicht auf dem Rasen gegen den Ball getreten, sondern sich als eisenharter Verteidiger in die Schlagschüsse der Gegner geworfen. "Viele Tore, schnelle Spielzüge, Checks, Raufereien – das ist ein Spektakel", schwärmt er. Doch dann kommt er wieder zum Thema Politik: "Das könnte man auch im Fernsehen rüberbringen. Wenn man will." Doch das Fernsehen will nicht. Es will, na klar, Fußball.

"Hier jagst Du jedem Euro hinterher wie ein Wahnsinniger"

Wenige können die Marketing-Maschinerie Fußball so gut mit der des Eishockeys vergleichen wie Eichin. Er weiß: "Das Fernsehen hat Fußball zu dem gemacht, was er heute ist: ein perfekt inszeniertes Medienspektakel." Und mit einer kleinen Pause gesteht er auch ein: "Das ist wirklich klasse." Doch die Konsequenz dessen muss er jeden Tag in seiner Arbeit ausbaden. "Hier im Eishockey jagst Du jedem Euro hinterher wie ein Wahnsinniger. Da schaue ich schon neidvoll auf diesen Riesenhype."

Alleine Eishockey zu erhalten, sei schon unheimlich schwierig. Selbst für einen so bekannten Klub wie die Kölner Haie. Ändern könnten das die Medien, doch die verfolgen andere Interessen. Ein Ärgernis für Eichin und seine Mitstreiter. "Die Medien sollten nicht vergessen, dass es noch andere Sportarten gibt, die man auch ab und zu mal senden müsste, damit sie nicht sterben. Aber der WDR zeigt eben lieber 83 Mal Hoffenheim gegen Mainz als ein Eishockey-Derby wie die Kölner Haie gegen Düsseldorf."

Selbst jetzt kämpft der Gladbacher noch gegen den 1. FC Köln

Deswegen fordert der Fußballer im Eishockeygewand vehement wirtschaftlich zukunftsfähigere Rahmenbedingungen. In der eigenen Stadt, in der der 1. Fußball-Club Köln über allem strahlt, stößt er damit aber schon seit Jahren auf taube Ohren. "Das ist in Köln schon enorm traurig", echauffiert sich Eichin, der als Gladbacher einst heiße Derbykämpfe mit dem FC ausgefochten hat. "Wir haben als Kölner Haie viel für diese Stadt getan. Aber wir werden behandelt wie jeder Halmaverein." Man finde in Köln immer einen Grund, den FC finanziell zu fördern. Das sei auch ok, schließlich sei der FC die klare Nummer eins. "Aber wir sind die Nummer zwei. Und so möchten wir auch behandelt werden."

"Da habe ich mich enorm verbrannt"

Eichin ist ein offener Gesprächspartner. Es gibt keine Frage, auf die er nicht frei heraus antwortet. Es gibt keine Aussage, die er Sekunden später zu bereuen scheint. Auch nicht, wenn es um die persönlichen Tiefen geht, die ihm bisher im Eishockey widerfahren sind. Zum Beispiel die durch die Wirtschaftskrise ausgelöste Phase, in der der Traditionsverein mehrfach kurz vor Insolvenz stand. In dieser Zeit habe er sehr viel um die Ohren bekommen in seiner Rolle als Geschäftsführer. "Da habe ich mich auch enorm verbrannt." Auch, weil er der Einzige gewesen sei, der auf gewisse Missstände hingewiesen habe.

An die vor allem persönlich viel härtere Prüfung wird er aber noch heute immer wieder erinnert, jedes Mal, wenn der Name Robert Enke fällt. Der Fußball-Nationaltorhüter hatte sich am 10. November 2009 das Leben genommen - ein halbes Jahr, nachdem der eigene Keeper der Haie, Robert Müller, einem Krebsleiden erlegen war. "Das musst Du erst mal verkraften", sagt Eichin nachdenklich.

"Sonst reißen sie dir das Stadion ab"

Man merkt dem Sportmanager an, dass ihn nur noch wenig schocken kann. Er kennt das Geschäft in allen Details, hat es, noch während er seine aktive Fußballer-Karriere ausklingen ließ, von der Pike auf gelernt. Das kommt ihm nun zugute. Er kann mit Druck umgehen, egal, aus welcher Ecke er kommt. Auch, wenn er in dieser einen Hinsicht vielleicht dankbar ist, weniger im Fokus der medialen Öffentlichkeit zu stehen als der Fußball. "Die Fußballvereine kommen natürlich brutal schnell unter Druck", gesteht Eichin und nennt die jüngsten Geschehnisse beim Hamburger SV als Beispiel. Man müsse es schon kritisch betrachten, wenn sich mittlerweile Fangruppen bilden, die in der Lage sind, Vorstände zu stürzen. "Aber du kannst dir eben nichts mehr erlauben. Sonst reißen sie dir das Stadion ab."

Eichin wird wieder in den Fußball zurückkehren

So sehr Eichin für den Eishockey-Sport wirbt und seine ehrliche Begeisterung zum Ausdruck bringt: Irgendwie weiß er doch, dass er in nicht allzu ferner Zukunft doch wieder im Fußball landen wird. "Hier bei den Haien bin ich bei dem Eishockey-Klub, zu dem es in meinen Augen keine Steigerung mehr gibt", schwärmt der 44-Jährige. Doch bei einem entsprechenden Angebot aus der Bundesliga könnte Eichin dann doch schwach werden und der Glamour-Welt des Fußballs wieder erliegen.

Anfragen habe es auch schon gegeben, bestätigt Eichin. Nur gepasst habe es bisher nicht, die Haie verlässt man eben nicht für jeden Fußball-Klub. Bisher fesseln ihn die vielen Tore, die Checks, die Raufereien dann doch noch zu sehr. Dass ihn der Fußball aber auch dann noch verfolgt, verraten gewisse Floskeln, die sich ihm scheinbar eingebrannt haben. Auf die Frage, wie er die Leistung der Haie zum Ende der Saison beurteile, antwortet er: "Die Jungs haben das Eis umgepflügt."

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