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Uwe Krupp: "Ich kann doch hier nicht mit Wehmut stehen"

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Krupp: "Gute Spieler machen gute Trainer"

06.05.2011, 10:25 Uhr | t-online.de

Uwe Krupp: "Ich kann doch hier nicht mit Wehmut stehen". Bundestrainer Uwe Krupp: "Den Ehrgeiz nie verloren." (Foto: imago)

Bundestrainer Uwe Krupp: "Den Ehrgeiz nie verloren." (Foto: imago)

Das Interview führte Marc L. Merten

Bundestrainer Uwe Krupp hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft zum erfolgreichsten DEB-Team seit 81 Jahren geformt. Drei Siege aus drei Spielen bei der WM in der Slowakei bedeuteten den Gruppensieg, und Deutschland hat beste Chancen, sich für das Viertelfinale zu qualifizieren. Doch nach den Titelkämpfen endet die Ära Krupp.

Im Interview mit t-online.de spricht der 45-Jährige über die letzten Ziele, das Gefühl der Wehmut und das unstillbare Verlangen, doch noch mal als Spieler aufs Eis zurückzukehren.

t-online.de: Herr Krupp, Ihre Mannschaft hat in der Vorrunde Außergewöhnliches geleistet. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Uwe Krupp: Wenn das Turnier jetzt vorbei wäre, wäre das nicht schlecht. Aber jetzt geht es ja erst richtig los. Das Fazit ist noch lange nicht gezogen.

Es ist Ihnen also gar nicht so recht, dass schon jetzt über die Rekorde Ihrer Mannschaft gesprochen wird?
Doch, das ist gut für die Jungs und eine tolle Sache für das deutsche Eishockey. Es ist gut, dass wir uns bewusst sind, wann es das letzte Mal war, dass sich eine deutsche Mannschaft so positioniert hat. Aber für uns ist das hier noch nicht vorbei.

Eishockey-WM 2011 - Video 
Krupp: "Kreativität zeigen"

Der Eishockey-Nationaltrainer spricht im Interview über die Teamentwicklung. Video

Das heißt?
Jeden Tag wird darüber gesprochen, wie weit wir kommen können. Aber dafür musst Du Punkte sammeln, Spiele gewinnen. Und wir haben in jedem Spiel gesehen, wie schwer das hier ist. Du kannst hervorragendes Eishockey spielen und trotzdem die nächsten drei Spiele verlieren. Dann kommst Du trotzdem nicht ins Viertelfinale.

In der Zwischenrunde warten mit Tschechien und Finnland wieder zwei absolute Hochkaräter. Was erwarten Sie von diesen Spielen?
Ich glaube, dass wir vor allem körperlich sehr präsent sein müssen. Gegen Finnland haben wir mehrfach in der Vorbereitung gespielt, die Mannschaft hat sich seitdem nicht großartig verändert. Tschechien ist sehr stark, die sind als amtierender Weltmeister hier und kommen mit sehr viel Schwung. Wir haben aber gezeigt, dass die Tagesform entscheidet.

Seit 2010 gehört Harold Kreis Ihrem Trainerteam an. Welchen Einfluss hat er auf die Mannschaft, aber auch auf Ihre persönliche Entwicklung als Trainer?
Harry ist eine gute Stimme an der Bande. Viele Entscheidung, die ich während des Spiels treffe, checke ich kurz mit ihm ab. Er ist sehr wichtig für unsere tägliche Arbeit. Ich glaube daran, dass ein Trainer allein nicht alles wissen kann. Und wir sind gut beraten, alle Kompetenzen zu nutzen, die wir hinter der Bande haben. Strategisch gesehen sind wir alle auf einer Wellenlänge. Die Art, wie die Mannschaft spielt, ist in erster Linie bestimmt von meinen Vorstellungen. Aber in der Art, wie wir da hinkommen, arbeiten wir eng zusammen.

Nach der WM verlassen Sie den DEB. Einen Nachfolger hat der Verband aber noch immer nicht gefunden. Gibt es für Sie vielleicht doch noch einen Weg zurück?
Das ist für mich im Moment kein Thema. Ich bin froh, dass wir das gerade auch von der Mannschaft fern halten können. Wir stecken mitten im Turnier.

Ihrem Nachfolger hinterlassen Sie ein schweres Erbe. Machen Sie sich Gedanken um das, was Sie hinterlassen?
Wenn man lange Zeit mit einer Generation junger Spieler gearbeitet hat, löst sich der Einfluss nicht einfach in Luft auf. Jeder Trainer hinterlässt etwas: In der Beziehung zu den Jungs, in der Art, wie er mit ihnen über Eishockey redet. Das bleibt hängen. Ich empfinde es nicht so, dass ich die Jungs zurücklassen werde. Die aktuelle Generation ist eine richtig gute. Sie wird weiter auf die Sachen achten, die wir ihnen mitgegeben haben.

Ist das hier die beste Nationalmannschaft, die Sie in den letzten Jahren beisammen hatten?
Ich würde es anders ausdrücken: Im letzten Jahr waren einige Stars dabei wie Christian Ehrhoff, an deren Entwicklung ich nicht so beteiligt war. In dieser Mannschaft dagegen kenne ich die meisten Spieler schon aus dem Nachwuchs. Mit ihnen arbeiten wir seit Jahren zusammen. Wir haben schon viele Kämpfe gemeinsam bestritten.

Sie wirken stolz.
Ja, wir sind wirklich stolz. Das ist schon eine gute Generation, an deren Entwicklung wir beteiligt waren. Mich freut natürlich, dass die Spieler jetzt erfolgreich sind. Das ist der Stolz, den man empfindet: wenn die Spieler gut spielen. Aber letztlich ist der Einfluss des Trainers begrenzt. Gute Spieler machen gute Trainer. Das ist das Wichtigste, was man wissen muss.

Wird Wehmut aufkommen, wenn Sie sich nach dem Turnier verabschieden müssen?
Man reflektiert natürlich schon, aber soweit sind wir noch nicht. Wir wollen noch einiges erreichen. Ich kann hier doch nicht mit Wehmut stehen. Das funktioniert nicht. Ich stehe hier voller Ehrgeiz. Genau wie vor sechs Jahren, als wir noch in der B-Gruppe waren. Diesen Ehrgeiz haben wir auf unserem Weg nie verloren. Das zeichnet uns aus, und die Spieler merken das. Das ist vielleicht noch viel wichtiger als irgendeine Strategie.

Wenn man Sie beim Training beobachtet, fällt auf, dass Sie sich immer wieder einen Puck schnappen. Juckt es Ihnen noch immer in den Fingern, selbst auf dem Eis zu stehen?
Jederzeit. Spieler zu sein ist der beste Job der Welt. Wenn es irgendwie ginge, würde ich es machen. Ich würde ich keinen Moment mit der Tafel in der Hand da sitzen, mit der Trillerpfeife um den Hals, sondern würde spielen. Sofort.

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