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Eishockey: Viel Skepsis für den höflichen Jakob Kölliker

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Viel Skepsis für den höflichen "Köbi"

15.11.2011, 17:28 Uhr | t-online.de

Eishockey: Viel Skepsis für den höflichen Jakob Kölliker. Jakob Kölliker gibt dem DEB-Team Anweisungen.

Jakob Kölliker gibt dem DEB-Team Anweisungen.

Aus München berichtet Marc L. Merten

Wie mag sich Deutschlands neuer Eishockey-Bundestrainer, Jakob "Köbi" Kölliker, wohl gefühlt haben, als ausgerechnet bei seinem ersten Spiel für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) hinter der Bande nicht die deutsche, sondern seine eigene, die Schweizer Nationalhymne als erste ertönte? "Ich habe beide Hymnen nicht zum ersten Mal gehört", gab der 58-Jährige nur preis, als er in den Katakomben der Münchner Olympiahalle den Journalisten Rede und Antwort stand. Der Deutschland-Cup war Köllikers erster Auftritt als Nachfolger von Uwe Krupp – ein viel beachteter, ein richtungweisender und ein mit viel Skepsis bedachter Auftritt.

Denn Kölliker ist wohl das Paradebeispiel der 2. Wahl für ein Traineramt, wenn der eigentliche Wunschkandidat abgesagt hat. Ralph Krueger war bekanntlich die absolute Nummer eins auf der Liste des DEB, um dem deutschen Idol Krupp nachzufolgen. Doch weil der nicht konnte, wurde es Kölliker. Ausgerechnet der Mann, der zwölf Jahre lang neben Krueger an der Bande der Schweizer Nationalmannschaft stand. Der Mann, der nun lediglich mit einem Ein-Jahres-Vertrag ausgestattet wurde. Auch deswegen, weil beim DEB noch immer alle hoffen, dass Krueger im Sommer 2012 doch noch Bundestrainer wird. Und Kölliker damit das, was er immer war: sein Co-Trainer.

Kölliker stellt Defensiv-Taktik komplett um

So wurde der Deutschland-Cup neben dem sportlichen Kräftemessen vor allem eines: eine Beobachtungsstudie des neuen Trainers. Dass sich die Slowaken den Turniersieg holten, wurde da zur Nebensache. Wichtiger war die Diskussion um die taktischen Veränderungen, mit denen Kölliker aufwartete. Von der Zonen-Verteidigung unter Krupp hat sich das DEB-Team verabschiedet. Hinten wird nun Mann gegen Mann verteidigt. Gleichzeitig setzt der Schweizer Coach auf ein noch aggressiveres Forechecking als sein Vorgänger. "Wir wollen offensiver spielen", erklärte Verteidiger Christoph Schubert. "Wir wollen immer und überall Druck erzeugen, selbst in Unterzahl. Das ist der größte Unterschied." Kapitän Michael Wolf ergänzte, wenngleich zurückhaltend: "Wir haben in allen Mannschaftsteilen taktisch umgestellt. Das dauert natürlich jetzt noch, bis die neuen Maßnahmen greifen. Damit muss jeder erst mal klarkommen."

"Bin in der Vergangenheit gut damit gefahren"

Köllikers Maßnahmen überraschen. In den letzten zwei Jahren galt gerade die kompakte Defensive als große Stärke der Deutschen, wenngleich darunter die Gefährlichkeit vor dem gegnerischen Tor litt. Köllikers neues System offenbarte aber gerade gegen die starken Slowaken bereits enorme Lücken. Viel zu häufig wurden die Deutschen im Mitteldrittel überspielt und gerieten so in 1-zu-2-Situationen vor dem eigenen Tor. Mit "Naivität" und "individuellen Fehlern" erklärte Kölliker dies. Die Häufigkeit dieser Situationen gibt jedoch Anlass zur Besorgnis.

Kölliker versuchte zu beruhigen. Man brauche nur Zeit sich einzuspielen. "Das Zonenspiel (wie unter Krupp, Anm. d. Red.) wirkt gerade gegen die Top-Mannschaften in meinen Augen anfällig. Ich bin in der Vergangenheit gut gefahren, gegen diese Teams hinten Mann gegen Mann zu spielen." Sein Assistenztrainer Harold Kreis, der als Cheftrainer der Adler Mannheim in der DEL selbst Zonenverteidigung spielen lässt, kommentierte das Für und Wider in dieser Frage nur mit "Geschmackssache". Kreis war bereits unter Krupp Assistenztrainer und ist – wie im Übrigen der gesamte Betreuerstab – auch unter Kölliker in der gleichen Position verblieben.

Sympathien können auch gefährlich werden

"Wir haben das gemeinsam diskutiert", beantwortete Kölliker die Frage nach dem Verhältnis zu Kreis. "Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern um die Umsetzung." Und aus seiner Sicht sei das Zonen-Spiel schwerer umzusetzen. Es bedarf also noch vieler Gespräche, vor allem taktischer Natur, die der Neue mit seinem Team führen muss. Viel Zeit, weil nur wenige Länderspiele bis zur WM 2012, bleibt dem bedachten und ruhig agierenden Menschen Kölliker jedoch nicht. Daher verlangt er von seinen Spielern schnelle Adaptionsfähigkeit. "Die Spieler müssen sich anpassen. Für viele mag das neu sein, aber alle sind Profis."

Der Ton, so fordernd diese Worte klingen mögen, ist jedoch ein herzlicher, fast schon zu herzlich. Kölliker trägt meist ein Lächeln auf den Lippen, anders als sein mitunter knorriger Vorgänger. Den Spielern hat er bereits das "Du" angeboten. "Ich bin der Köbi. Oder Jakob. Ich glaube nicht, dass mich ein Spieler in der Kabine Bundestrainer nennen muss." Sympathien sammelt er damit sicherlich, den Respekt wird er sich erst erarbeiten müssen. "Lassen Sie mich das noch sagen, liebe Zuschauer", ertönte beispielsweise die Stimme des Stadionsprechers in der Olympiahalle. "Wir wünschen Jakob Kölliker alles, alles Gute für seine Zeit als Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft." Auf der Tribüne ergänzte ein Fan unter dem Gelächter seiner Nachbarn: "Die Zeit ist ja ohnehin begrenzt. Ralph Krueger kommt ja bald."

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