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Die DEL hat ein Kopfproblem

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Immer mehr Kopfverletzungen beim Eishockey

23.03.2012, 17:08 Uhr | sid

Die DEL hat ein Kopfproblem. Dieses Schiedsrichter-Zeichen sieht man immer häufiger: Check gegen den Kopf. (Quelle: imago)

Dieses Schiedsrichter-Zeichen sieht man immer häufiger: Check gegen den Kopf. (Quelle: imago)

In der Fußball-Bundesliga haben sie bereits für Gesprächsstoff gesorgt, beim Eishockey sind sie noch häufiger: Kopfverletzungen. In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wird das Spiel immer härter und athletischer, krachende Checks erhöhen die Attraktivität. Die Folge: Immer mehr Kufencracks erleiden Gehirnerschütterungen. Dabei haben die intensiven Playoffs gerade erst begonnen.

Christoph Schubert, Kapitän der Hamburg Freezers, ist ein Vorbild in Sachen Einsatz und Ehrgeiz. Das hatte er am 14. Februar allerdings teuer bezahlen müssen: Die Augen auf den Puck gerichtet, rauschte Benedikt Schopper heran und erwischte den 30 Jahre alten Verteidiger am Kopf. "Da war ich mal kurz weg. Er hat mich am Kinn erwischt, das fühlte sich an wie ein Knockout beim Boxen", sagte Schubert, der durch den Check eine Schädelprellung erlitten hatte und nach nur zehn Tagen wieder spielte.

Mehr als doppelt so viele Kopfverletzungen

25 Prozent aller Verletzungen betreffen in der DEL mittlerweile den Kopf- und Nackenbereich - Tendenz stark steigend. So glimpflich wie bei Schubert geht ein Angriff aber nicht immer aus: Während in der vergangenen Spielzeit insgesamt 13 Akteure mit Gehirnerschütterungen ausgefallen waren, sind es in dieser Saison schon knapp 30. Dabei haben die intensiven Playoffs, in denen die Gangart gewöhnlich noch ruppiger wird, gerade erst begonnen. "In der entscheidenden Phase der Meisterschaft wird eben nochmal ein Gang höher geschaltet und jeder Check zu Ende gefahren. Trotzdem unterstelle ich keinem Spieler bei seinen Aktionen böse Absichten", sagte Schubert, der in seiner Karriere nur zwei leichte Gehirnerschütterungen auskurieren musste. "Vielleicht waren es auch mehr, das weiß man ja nie."

Gerade diese gleichgültige Betrachtungsweise des Kopfproblems führt nicht selten zum vorzeitigen Karriereende. Dr. Jan Schilling, Mannschaftsarzt der Freezers, weiß um die Gefahren: "Bei einer Gehirnerschütterung werden Nervenzellen geschädigt, die sich dann in Ruhe erholen müssen. Wenn in dieser eigentlichen Erholungsphase eine weitere Erschütterung eintritt, können diese Zellen absterben." Das Problem ist dabei häufig, dass eine Gehirnerschütterung auf die leichte Schulter genommen oder gar nicht erst erkannt wird.

Schnelltest nach jedem Kopf-Check

So weit soll es bei den Freezers nicht kommen. "Wir wenden nach jedem Check gegen den Kopfbereich einen speziellen Schnelltest an. Kann sich der Spieler an den Vorfall erinnern, sich klar artikulieren und ohne Auffälligkeiten gehen und stehen, darf er weiterspielen. Aber nur dann", sagte Schilling über die Methodik, die in der DEL aber noch nicht verpflichtend ist und nur von wenigen Vereinen praktiziert wird.

Dabei können die Konsequenzen dieser Kopfverletzung dramatisch sein. Der frühere Nationalspieler Stefan Ustorf klagt nach seiner Gehirnerschütterung am 6. Dezember auch heute noch über Konzentrations- und Gleichgewichtsprobleme, an Leistungssport ist nicht zu denken.

Die Liga reagiert

Die DEL-Verantwortlichen scheinen allerdings - auch aus der Causa Ustorf - gelernt zu haben. Ab der kommenden Saison soll es Richtlinien geben, die von einer Medical Task Force ausgearbeitet werden. "So kann es ja nicht weitergehen. Früher hat man zwei Aspirin genommen und ein Weizen getrunken, danach wieder gespielt. Mit der Task Force wollen wir die Gesundheit der Spieler besser schützen", sagte Jörg von Ameln. Er leitet den Spielbetrieb und nimmt die DEL in die Pflicht: "Wir werden auch das Strafmaß überdenken und drakonische Sanktionen aussprechen. Wenn wir das Thema angehen, dann richtig."

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