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DEB-Team leckt Wunden - Rückendeckung für Kölliker

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DEB-Team leckt Wunden - Rückendeckung für Kölliker

15.05.2012, 09:34 Uhr | dpa

DEB-Team leckt Wunden - Rückendeckung für Kölliker. Jakob Kölliker hofft jetzt auf einen Sieg gegen Tschechien.

Jakob Kölliker hofft jetzt auf einen Sieg gegen Tschechien. (Quelle: dpa)

Stockholm (dpa) - Selbst in seinem bislang bittersten Moment als Eishockey-Bundestrainer blieb Jakob Kölliker noch freundlich und galant. Eine Abrechnung mit seinem Team lehnte der Schweizer auch nach dem WM-Desaster erstmal ab.

Ein paar Meter weiter ging DEB-Generalsekretär Franz Reindl aufgewühlt auf und ab und gab Kölliker später trotz Fassungslosigkeit volle Rückendeckung für das Endspiel um die direkte Olympia-Qualifikation am Dienstag gegen Tschechien.

"Es gibt jetzt zwei Methoden: Entweder, es geht sachte an die Analyse und wir suchen nach Ursachen innerhalb des Teams oder wir machen eine öffentliche Zerfleischung und das möchte ich momentan nicht", sagte Kölliker nach der unerklärlichen 4:12-Blamage gegen Norwegen.

Die Pleite in Stockholm mit den meisten WM-Gegentoren seit 39 Jahren hat die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) zwei Jahre nach dem sensationellen Halbfinale bei der Heim-WM 2010 tief erschüttert. "Für uns ist das ein Desaster. Jedes Wort ist jetzt zu viel", sagte Kölliker unmittelbar nach dem Spiel, das seinem Team eigentlich den Weg ins dritte WM-Viertelfinale in Serie ebnen sollte. Stattdessen erlebte das DEB-Team eines der "schlechtesten Spiele in der Geschichte des deutschen Eishockeys", wie Abwehrroutinier Christoph Schubert schonungslos konstatierte.

Trotzdem wollte Reindl vor dem wichtigen Spiel gegen den zwölfmaligen Weltmeister Tschechien Köllikers Zukunft über die WM hinaus nicht infrage stellen. "Er macht akribische Arbeit. Er bringt sich voll für die Mannschaft ein und dann passiert so etwas. Da tut mir jeder leid, der dabei ist."

Kölliker, der als Trainer nur einen Vertrag bis zum Ende der WM hat und danach eigentlich Sportdirektor werden soll, legte nach dem Debakel Wert darauf, das Turnier mit der direkten Qualifikation für Sotschi 2014 noch retten zu können. "Wenn das gelingen sollte, klar. Das war immer das erklärte Ziel. Da müssen wir nach dem Turnier Bilanz ziehen", sagte er. Dass der DEB nun den vor der WM offensiv verkündeten Plan, Kölliker an den Verband binden zu wollen, noch einmal überdenkt, gilt angesichts der intern wohl schon längst gefallenen Entscheidung als unwahrscheinlich.

Der Bundestrainer legte seinen Fokus daher schnell auf die Aufarbeitung der Demontage und die Stärkung seiner Spieler. Erneut stellte er sich vor sein Team. "Wir müssen jetzt innerhalb eines Tages wieder auf die Beine kommen, um das immens wichtige Spiel gegen Tschechien noch zu bestreiten", sagte der 58-Jährige sichtlich bedient. Für die direkte Olympia-Qualifikation müsste Deutschland gegen den Ex-Champion mehr Punkte holen als Köllikers Landsleute vier Stunden später in Helsinki gegen die USA. "Wir müssen unsere Leistung und unsere Punkte holen und zum Schluss wird abgerechnet", befand Kölliker.

Bereits während des Spiels hatte der Coach laut Schubert an "Herz und Ehre" appelliert. Schuldzuweisungen gab es auch nach der Demütigung nicht. "Wir sind hier ein Team und das ganze Team hat versagt. Da hat jeder seinen Part dazu getan", sagte Kölliker.

Der Berner musste in einem einzigen Spiel das erleben, was viele vor der WM angesichts der Absagenflut befürchtet hatten: Dass Deutschland mit der aktuellen Verteidigung nicht konkurrenzfähig ist. Die NHL-Stars Christian Ehrhoff (verletzt), Dennis Seidenberg und Alex Sulzer (beide private Gründe) kamen nicht nach Stockholm. Korbinian Holzer ist durch die AHL-Playoffs noch gebunden. Auch die Berliner Meisterspieler Frank Hördler und Constantin Braun gaben Kölliker angeschlagen einen Korb. So stieß die DEB-Verteidigung im Prinzip in jedem Spiel an ihre Grenzen.

Mit dem vorhandenen Spielermaterial erscheint nach dem Trauerspiel gegen Norwegen die von Kölliker praktizierte Mann-gegen-Mann-Abwehr für das deutsche Team als viel zu riskant. "Ich möchte da nicht analysieren. Das ist nicht mein Bereich", sagte Reindl auf die Frage nach den eklatanten Abwehrschwächen Deutschlands ausweichend. Denkbar wäre für das Entscheidungsspiel gegen die Tschechen sogar eine Rückkehr zu der von Köllikers Vorgänger Uwe Krupp bewährten defensiveren Ausrichtung. "So einen Tag will keiner mehr erleben", sagte Deutschlands torgefährlichster WM-Stürmer Patrick Reimer (DEG).

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