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DEB-Chef Harnos nach Olympia-Pleite in der Kritik

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DEB-Chef Harnos nach Olympia-Pleite in der Kritik

11.02.2013, 18:57 Uhr | dpa

DEB-Chef Harnos nach Olympia-Pleite in der Kritik. Die Kritiker von DEB-Präsident Uwe Harnos mehren sich.

Die Kritiker von DEB-Präsident Uwe Harnos mehren sich. (Quelle: dpa)

 

Bietigheim-Bissingen (dpa) - Österreichs "Eis-Córdoba" hat das deutsche Eishockey in eine Sinnkrise gestürzt und für großes Entsetzen gesorgt. Am Tag nach der Olympia-Schmach von Bietigheim geht nun die Angst vor einem Abstieg aus der A-Gruppe bei der WM im Mai um.

Ehemalige und aktuelle Eishockey-Größen zeigten sich in großer Sorge um ihre Sportart. "Heute ist ein schwarzer Tag für das deutsche Eishockey", sagte DEB-Vizepräsident Erich Kühnhackl nach der verpassten Qualifikation für Sotschi 2014. Mehrere Ex-Nationalspieler forderten den Rücktritt von DEB-Chef Uwe Harnos.

"Ich kenne keinen Verbandspräsidenten, der so in der Kritik steht. 2010 hat man eine sensationelle Heim-WM gespielt, 2011 in Bratislava war man auch erfolgreich. Seitdem geht es nur bergab. Da sollte man sich als Präsident schon einmal fragen, welche Verantwortung man trägt", wetterte etwa Ex-Nationalmannschaftskapitän Alois Schloder nach dem ersten Scheitern eines deutschen Männerteams in einer Olympia-Qualifikation überhaupt.

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) befand sich dagegen immer noch in einer Art Schockstarre. "Wir müssen das jetzt erst einmal sacken lassen", sagte Harnos selbst am Montag noch. Eine schnelle Demission lehnt er aber ab. "Für mich kommt ein Rücktritt nicht infrage", sagte der Jurist, der seit 2008 dem Verband vorsteht, der "Rheinischen Post". "Ich fühle mich nicht alleine verantwortlich für diesen Rückschlag, sicherlich trage ich eine Mitverantwortung. Das ist aber immer so - bei Niederlagen und Siegen."

Ob er im Juni 2014 bei den Vorstandswahlen noch einmal antrete, ließ Harnos offen: "Bis dahin ist es noch über ein Jahr. Da kann viel passieren, unter anderem werden zwei Weltmeisterschaften gespielt."

Die sollen trotz der historischen Pleite - erstmals seit 1948 ist Deutschland 2014 nicht bei Olympia dabei - unter der Verantwortung von Bundestrainer Pat Cortina gespielt werden. "Es geht mit ihm weiter und das ist langfristig angelegt", stellte Harnos klar.

Ein "weiter so" darf es eigentlich aber nicht geben. "Die Zielgespräche mit dem Deutschen Olympischen Sportbund stehen an, im Mai ist die WM, und in Helsinki wird auch über unsere WM-Bewerbung 2017 entschieden", listete Harnos selbst auf.

"Wir müssen jetzt dringend einen Plan aufstellen", mahnte DEB-Generalsekretär Franz Reindl. Ansonsten droht bei der WM ein Fiasko. "Das wird eine heiße Nummer, da dürfen wir nicht blauäugig reingehen", warnte der frühere Nationalspieler. "Ich mag jetzt gar nicht an die WM im Mai denken", unkte auch Schloder.

In Helsinki spielt Deutschland zusammen mit Weltmeister Russland, Gastgeber Finnland, Vizeweltmeister Slowakei, den USA, Lettland, Frankreich und Österreich in einer Staffel. Der Gruppenletzte steigt in die B-Gruppe ab. Auszuschließen ist es nach den Eindrücken vom Wochenende nicht, dass Deutschland dieses Schicksal ereilt. "Ich habe es vermisst, dass ein Ruck durch die Mannschaft geht. Auch von den erfahrenen Spielern war keiner da, der Verantwortung übernimmt", kritisierte Schloder.

Trotz Heimvorteils war Deutschland nicht in der Lage, sich gegen die eigentlich schwächer eingestuften Teams Niederlande, Italien und Österreich durchzusetzen. Dass statt Deutschland nun Österreich nach Sotschi fährt, wurde in der Nachbarrepublik mit hämischen Kommentaren gefeiert. "Seit gestern ist Bietigheim wirklich das Córdoba in Österreichs Eishockey, Markus Peintner so etwas wie Hans Krankl 1978", schrieb die "Kronen Zeitung" in Anlehnung an das 3:2 Österreichs gegen Deutschland 1978 bei der Fußball-WM in Argentinien. Peintner hatte am Sonntag das 2:2 erzielt, das Österreich in die Verlängerung und damit nach Sotschi brachte. Deutschland hätte einen Sieg in regulärer Spielzeit gebraucht.

"Das ist schlimm für den Verband und die Nachwuchsarbeit", sagte DEL-Manager Charly Fliegauf von den Grizzly Adams Wolfsburg angesichts nun drohender gekürzter Fördermittel. Auch für die Außendarstellung des Sportart ist die Blamage dramatisch. Die Chance, im kommenden Jahr zur besten Sendezeit bei ARD und ZDF auch Nicht-Eishockey-Interessierte zu erreichen, wurde verpasst.

"So geht unserem Sport jetzt jede Menge Werbung verloren", sagte NHL-Star Dennis Seidenberg von den Boston Bruins. Auch für die deutschen Nordamerika-Profis, die das entscheidende Spiel am Sonntag per Internet-Livestream verfolgten, ist das Aus bitter. Gegen Sidney Crosby, Alexander Owetschkin und Co. können sie sich nun nicht zeigen. "Die Nicht-Qualifikation ist ein großer Imageschaden für das deutsche Eishockey, denn Olympia ist die größte Bühne, auf der man sich präsentieren kann", sagte Christian Ehrhoff von den Buffalo Sabres.

 
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