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Rekordversuch in Monaco: Formel 1 als Glücksspiel

23.05.2012, 15:26 Uhr | dpa

Rekordversuch in Monaco: Formel 1 als Glücksspiel. Am 27.

Am 27. (Quelle: dpa)

Monte Carlo (dpa) - Glamour, Risiko und ein Rekordversuch: Der 70. Grand Prix in den Häuserschluchten von Monte Carlo treibt die Faszination Formel 1 auf die Spitze.

Nach dem verrückten ersten Saisonviertel kann die Königsklasse in Monaco mit dem sechsten Sieger im sechsten Rennen sogar eine Marke für die Geschichtsbücher setzen. "Vielleicht erleben wir ja wieder eine Überraschung, zum Beispiel mit einem Marussia und Timo Glock auf der Pole", witzelt Vorjahressieger Sebastian Vettel.

Noch nimmt der Titelverteidiger die unberechenbare Lage vor dem Klassiker im Fürstentum mit Humor. Immerhin kommt der Red-Bull-Pilot als WM-Führender an die Cote d'Azur, doch Favorit ist er deshalb noch lange nicht. "In Monaco besitzen mindestens zehn Fahrer Siegchancen", sagt Mercedes-Hoffnung Nico Rosberg. Eine Wette wagt nach der bisherigen Achterbahn niemand mehr.

Noch nie gab es sechs verschiedene Gewinner in den ersten sechs Saisonläufen - in diesem Jahr aber erscheint alles möglich. "Die Formel 1 ist spannender und weniger vorhersagbar als je zuvor", meint Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz. Wenn wie zuletzt in Spanien sogar ein Nobody wie Pastor Maldonado im Williams triumphieren kann, darf sich fast jeder Hoffnung auf den Hauptgewinn im PS-Glücksspiel machen.

"Die Fans finden es großartig, uns macht es auch Spaß. Es ist eine fantastische Saison", versichert der WM-Dritte Lewis Hamilton. Einen Zufalls-Weltmeister aber schließt Doppel-Champion Vettel kategorisch aus. "Am Ende einer Saison mit 20 Rennen wird man nicht sagen können, der Sieger hat einfach Glück gehabt", sagt der Hesse.

Gerade in Monaco, dem Sehnsuchtsort für Rennfahrer, kommt ein Sieg fast einem WM-Titel gleich. "In Monte Carlo will jeder Fahrer mal gewinnen", sagt McLaren-Star Jenson Button. Der Brite ist einer von sieben Piloten im Feld, die schon mindestens einmal als Sieger in die Fürstenloge durften. Neben dem Red-Bull-Duo Vettel und Mark Webber, die in den beiden Vorjahren zuerst im Ziel waren, gelang das Kunststück auch schon Hamilton, Kimi Räikkönen und Fernando Alonso.

Michael Schumacher fehlt mit fünf Monaco-Erfolgen sogar nur ein weiterer Sieg zur Bestmarke von Ayrton Senna. Doch der 43-Jährige muss zur Strafe für den jüngsten Crash mit Bruno Senna fünf Plätze weiter hinten starten. Nach dem statistisch schwächsten Saisonstart seiner Karriere werden dem WM-18. am Mittwoch sogar Fragen nach Gedanken über einen endgültigen Rücktritt zum Saisonende gestellt. "Wir sind darauf fokussiert, was in dieser Saison passiert, und nicht, was im nächsten Jahr ist", kontert der Silberpfeil-Pilot.

Die Vorfreude will sich der Mercedes-Mann ohnehin nicht nehmen lassen, zumal er sich kurz vor der Ankunft im Fahrerlager noch einen Abstecher ins EM-Trainingscamp des deutschen Fußball-Nationalteams gönnen durfte. Seine Liebe zu Monaco kann Schumacher ganz einfach erklären: "Das Fahren dort macht so wahnsinnig viel Spaß."

Dabei ist der Stadtkurs eigentlich das Gegenteil der modernen Formel 1: riskant, höllisch eng und voller Tücken. "Es gibt keinen Raum für Fehler", sagt Vettel. Man könne die Strecke "mit einem guten Schuss Ironie als Widerspruch in sich betrachten - einerseits setzen wir Fahrer uns seit vielen Jahren erfolgreich für mehr Sicherheit an den Strecken ein, andererseits fahren wir freiwillig in Monaco", urteilt Schumacher.

Aber auf das Kronjuwel im Rennkalender mag niemand ernsthaft verzichten. Nirgendwo schillert die Formel 1 so wie am Yachthafen von Monte Carlo, nirgendwo sind die Partys exklusiver und die Reichen und Schönen in größerer Zahl am Pistenrand. Sainte Devote, Tunnel-Durchfahrt, Schwimmbad-Kurve oder Rascasse - die Wegmarken der nur 3,340 Kilometer langen Strecke lassen das Herz jedes Formel-1-Enthusiasten höher schlagen. "Hier ist schon so viel Geschichte geschrieben worden. Teil davon zu sein, ist etwas ganz Besonderes", schwärmt Vettel.

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